Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1933)
- Date
- 1933-11-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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9. November 1833 Nr. 45 Seite 6 Der Israelit zungen liegen in den Distrikten, Gamaria,,-Judäa und Südpalästina. Die Investierungen wurden zum Teil aus dem Erlös von dem Verkauf überschüssigen Lodens^ zum Teil aus Ersparnissen bestritten, die arabische Landwirte von Arbeitslöhnen, die sie in jüdischen Betrieben erhalten haben, oder von -dem Gewinn, den ste durch Verkauf landwirtschaftlicher Produkte an jüdische Verbraucher erzielen konnten, zurückgelegt haben. Gegenüber dem Vorkriegsstand haben die palästinensischen Araber bis Anfang 1932 ihre Pflanzungen um 55.000 Dunam, d. f. 27 proz., vergrößert. . In der Geblrgsregion haben Arbeiter 6000 Dun-am Weingärten, Olivenhaine und Obstkulturen angelegt und die Produkte fast ausschließlich auf jüdischen Märkten abgesetzt. In gleicher Weise haben die städtischen Siedlungen der Araber aus der Verstärkung der jüdischen Einwanderung Nutzen gezogen. Die Investierungen in Lauten sind in Jaffa von 76.150 Pfund i. I. 1931 sprunghaft auf 101.600 Pfund >i. I. 1932 gestiegen. Der Wert der Neubauten in Namleh, L^dda, Tulkarem, Leisan und Acco betrug 1932 41.424 Pfund gegen 54.540p fund i. I. 1951. Dagegen ist die Lautätigkeit in jenen Städten, die fern von der jüdischen Einflußsphäre liegen, wie Nablus, Sellin, Hebron, Mejdel, Bethlehem usw., zurückgegangen. Auch die arabische Industrie, insbesondere fjoly und Metallverarbeitung, zeigt eine Aufwärtsentwicklung, die schon in dem vermehrten Verbrauch von elektrischem Strom, in stärkerer Inanspruchnahme motorischer Transportmittel für die Beförderung von Rohmaterial und Waren und ähnlichem zum Ausdruck kommt. Die von arabisch-nationalistischer Seite häufig aufgestellte Behauptung, .die jüdische Einwanderung vermehre die arabische Arbeitslosigkeit, wird durch die im Frumkin'schon Bericht enthaltene Statistik der Arbeitslosenbewegung schlagend widerlegt. An Hand der von der Regierung veröffentlichten amtlichen Ziffern wird festgestellt, daß im Jahre 1951, zu einer Zeit, da die jüdische Einwanderung so gut wie vollkommen eingestellt war, 55 800 arabische Arbeitslose gezählt wurden, während im Juli 1933 die Zahl der arabischen Arbeitslosen um 40 proz. auf 21.600 gesunken war. Dieser Rückgang der Arbeitslosigkeit ist nm so bemerkenswerter, als in der Zwischenzeit eine große Zahl von Arabern und Beduinen aus dem Hau ran und aus Transjordanien — an der Ostgrenze Palästinas wird keine Paßkontrolle ausgeübt — nach Palästina gekommen ist. Die durch die jüdischen Steuerleistungen erhöhten Elnnahmm der Palästlna-Reglerung haben es dieser ermöglicht, für das Erziehungs- und Gesundheitswesen der Araber größere Aufwendungen zu machen. Ferner konnte die Regierung infolge dieser günstigen Finanzlage die Steuerlast der arabischen bäuerlichen Bevölkerung durch Nachlaß von annähernd einer halben Mllion Pfund an Agmrsteuern bedeutend erleichtern. wenn sich arabische Landwirte noch immer in schwieriger materieller Lage befinden, so ist dies zum Teil auf natürliche Ursachen (Dürre, Mißernten usw.), zum Teil auf ihre Verschuldung bei wucherischen arabischin Großgrundbesitzern zurückzuführen,. Nunmehr geht die Regierung daran, die Lage der arabischen Landbevölkerung auch durch 2lusführung von großen öffentlichen Arbeiten zu verbessern. Im Zuge dieser Arbeien haben bereits etwa 70 arabische Dörber neue Anlagen für'Wasserversorgung bekommen. Korrespondenzen * Nachrichten. gM\\? Deutsches Reich. Boykotthetze gegen Deutschland. Frankfurt a. M., 6. Nov. Der „Berliner Börsenkurier" läßt sich aus London folgendes melden: „lieber 300 jüdische Delegierte, die 400 jüdische Organisationen in England vertreten, versammelten sich Die Woche. Berlin. Mit dem Austritt des Bankiers Hirschland und Sobernheim aus der Reichsbank ist nun, wie die „Deutsche Wochenschau" mit Genugtuung hervorhebt, die Deutsche Reichsbank judenrein. — Der Direktor des Orientalischen Seminars an; der Berliner Universität, Professor Eugen Mittwoch, der aufgrund des Beamtengesetzes aus dem Lehrkörper ausgeschieden war, ist von der Preußischen Staatsregierung in fein Amt zurückberufen worden und liest wieder in üblicher Weise. Breslau. Das Landgericht in Breslau hat in einem bestlnünten Falle entschieden, daß die Bezeichnung „christliches Spezialgeschäft" für eine Handelsgesellschaft unzulässig sei. Die Bezeichnung sei deswegen irreführend, weil man christlicher Religion und dennoch von mchtarifcher Raste fein kann. Hamburg. Der älteste Veteran der Stadt Hamburg ist mit Semmy Steinberg im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hatte den Krieg im Jahre 1870 mit Auszeichnung mitgemacht. Es fiel auf, daß bei seiner Bestattung außer dem Reichsbunde jüdischer Frontsoldaten keine militärischen Delegationen anwesend waren. Wien. Auf dem jüdischen Friedhof der niederösterreichischen Grenzstadt Hohenau wurden 58 Grabsteine zertrümmert, Grabplatten entfernt und die Zeremonrenhalle beschädigt. Blumen Uttd junge BäUMS wurden ausgevissen. Der Pfarrer von Hohenau hat in einem Schreiben, an die jüdische Gemeinde seinem Mitgefühl mit dieser und seinem Bedauern über die Tat Ausdruck gegeben. Von der Kanzel verurteilte er den antisemitischen, Zerstörungsakt. — Im Vorgarten der Synagoge eines Wiener Außenbezirks explodierte eine Bombe ohne Schaden anzurichten. Man fürchtet, daß die Friedhossschändung in Hohenau und der Bombenanschlag gegen die Synagoge den Anfang einer Kette antisemitischer Terrorakte gegen jüdischen Einrichtungen bilden sollen. Amsterdam. Wie aus der neuesten Statistik hervorgeht, wurden im letzten Jahre im Haag 77 rein jüdische und 4 2 Mischehen geschlossen. Eine erschütternde Zahl für das bis dahin konservative Holland. Warschau. Wie das „Jüdische Togblatt" mitteilt, erhielt das Wilnaer Rabbinat die Nachricht, daß 16 Juden, unter ihnen vier Rabbiner, die vor neun Monaten bei dem Versuch, über die sowjetrussische Grenze illegal nach Palästina zu emigrieren, aufgegriffen und ins Gefängnis gebracht wurden, nunmehr zu je drei Jahren Gefängnis und D >e - portterung in ferne Gegenden verurteilt wurden. Kaunas. Im Voranschlag des litauischen Staatshaushaltsplans für das Jahr 1933/34 ist für die jüdischen Institutionen eine Staatsbeihilfe von 169.000 Lit vorgesehen. Kowno. Hier wurde ein Hilfskomitee für deutsche Juden gegründet, mit dem Zwecke, eine große Anzahl jüdischer Kinder aus Deutschland in Litauen unterzubringen, Moskau. Nach einem dem Warschauer Rabbinate zugegangenen Bericht, ist der bekannte Leningrader Rabbiner Simon Lazarem, der jahrelang wegen „religiöser Propaganda,, gefangen gehalten wurde, dieser Tage im Gefängnis gestorben, preßburg. Die Behörden in der Slowakei und in Karpathorußland haben eine Verordnung erlassen, wonach das Tragen der jüdischen Trumpeldoruniform ’ verboten wird. Wie die Presse berichtet, werden die Uniformen eingezogen und die Träger dem Gericht übergeben werden. Paris. An dem Begräbnis des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten und Kriegsministers Paul Painleve haben zahlreiche jüdische Organisationen durch Fahnenabordnungen teilgenommen. U. a. t waren Delegationen der Zionistischen Organisation Frankreichs, des Ber- Ibandes ehemaliger jüdischer Soldaten und des E m i g r a n t e n h i l f s k o m i t e e s, an dessen Spitze Painleve gestanden hatte, erschienen. London. Auf dem Horse Guards Paradefeld zu London nahm der Admiral der englischen Kriegsflotte, Sir Roger Keyes, am Sonntag, den 5. November, eine Parade über 4500 jüdische Frontkämpfer aus London und der Provinz ab. Paris. Das Israelitische Konsistorium in Paris hat an Stelle des vor einiger Zeit verstorbenen Grand-Rabbin I. $). Dreyfuß einstimmig Rabbiner Julien Weil! d zum Grand R abbin von Paris ge- 8 wählt. Der Grand Rabbin von Frankreich s ist bekanntlich Rabbi Israel L e v i. am Sonntag in London zu einer Konferenz und nahmen einstimmig eine Entschließung an, in der die Juden des englischen Weltreiches ausgefordert werden, deutsche Waren und deutsche Deinste solange zu boykottieren, wie man „den Juden in Deutschland die staatsbürgerliche Gleichberechtigung vorenthalte." Statt dessen sollten in erster Linie englische Waren und Erzeugnisse des englischen Weltreiches gekauft werden. Vertreter des amerikanisch-jüdischen Kongresses und der polnisch-jüdischen Gemeinde unterstützten die Entschließung. Von den Juden Südafrikas war ein Sympathietelegramm eingegangen. In einer weiteren Sitzung wurden Maßnahmen zur Vereinheitlichung und Zusammenfassung der Boykottorganisation besprochen. Der jüdische Deputiertenausschuß, die offizielle Vertretung des Judentums in England, beteiligt sich nicht -an dieser Boykotterklärung, sondern hat sich damit begnügt, den Wunsch der Juden nach einem Boykott zur Kenntnis zu nehmen." Hierzu sei bemerkt, daß die am 5. November stattgehabte Londoner Boykvttkvnferenz von dem bekannten Kapitän Webber ausgeht, der sich im s ch ä r f st e n Gegensatz zu allen führenden Persönlichkeiten der englischen Judenheit befindet und lediglich von gewissen Kreisen der jüdischen Bevölkerung des Castend unterstützt wird, bei denen die Erregung über das Schicksal der deutschen Juden das Verantwortungsbewußtsein und alle vernunftgemäßen Erwägungen überwiegt. Nicht nur der Board of Deputtes, sondern, wie bemerkt, auch alle anderen verantwortlichen Persönlichkeiten des englischen Judentums lehnen jede Verbindung mit der Webber'- schen Bewegung entschieden ab und es ist bemerkenswert, daß die wirklich für das ganze Judentum repräsentative Hilfskonferenz der jüdischen Organisationen, die vorige Woche in London stattfand und über die an underer Stelle dieser Nummer ausführlich berichtet wird, sich von den Webber'schen Bestrebungen mit größter Entschiedenheit distanziert. Die „400 jüdischen Organisationen", von denen hier die Rede ist, sind Vereine und Vereinchen ohne Bedeutung, darunter natürlich viele kleingewerbliche Wirtschaftsvereine; aber keine der führenden Organisationen der Judenheit wird darunter zu finden sein. Dr. Ludwig Trotz s. A. Berlin, 5. Nov. Aus Berlin erreicht uns die Trauerbotschaft von dem plötzlichen Heimgang des Herrn Dr. Ludwig Tietz, der auf der Höhe seines Wirkens in seinem 36. Lebensjahre ab berufen wurde. An der Trauer um den Heimgang dieses ausgezeichneten Mannes, der eine der repräsentativsten Persönlichkeiten der deutschen Judenheit war, nimmt das orthodoxe Judentum Deutschlands tiefen und bewegten Anteil, denn Dr. Tietz hat als ehrenamtlicher Geschäftsführer des „Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" in höchster Sachlichkeit und mit tiefster Herzenswärme seines schweren Amtes gewaltet und-bei jeder sich bietenden Gelegenheit sein hohes Verständnis für das orthodoxe Judentum bekundet. * * * Die „ R e i ch s v e rt r e tu n g d e r d e u t s ch >e n I ud e n " erläßt eine Kundgebung, in der es u. a. heißt: „Ludwig Tietz' Bedeutung beruhte nicht entscheidend auf den Positionen, die er in den jüdischen Organisationen inne hatte. Gewiß hat er im Zentral-Berein mit an entscheidender Stelle gestanden und einen sehr erheblichen Einfluß dort ausgeübt, ist er nicht nur der Vorsitzende, sondern der wirkliche Führer des Reichsausjchusies der jüdischen Jugendverbände gewesen. Gewiß ist die Entwicklung des Zentralausschusses der deutschem Juden für Hilfe.und Ausbau zu der Bedeutung, die diese Stelle als Zentrale der gesamten Hilssarbeit gewonnen hat, ganz überwiegend sein persönliches Werk. Aber d,ie letzte Bedeutung des Wirkens von Ludwig Tietz beruhte auf etwas andereiu. Alles, was wirklich neu, lebenskräftig und jung im deutschen Judentum ist, strahlte von ihm aus. Frei van allen Fesseln ererbter Bindungen, hingegeben den vom Leben gestellten Aufgaben bis zur Aufopferung, aufgeschlossen den Notwendigkeiten einer neuen Zeit, ohne dabei irgend etwas von seinem Eigenen, von dem Eigenen des Judentums aufzugeben, so wirkte er, so sammelte ck inuner wieder Kreise jüngerer Menschen lim sich, so