Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1933)
- Date
- 1933-11-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 45 Der Israelit 9. November 1933 OIL PAROLE FÜR SIE: ©ELLHORN STEINWEG 9 Strümpfe. Handschuhe, Tricotagen, Modewaren Strickmoden, Blusen, Kurzwaren stets preiswert Selbsthilfe — die durch eine besondere Resolution warm gewürdigt wurde — nicht nachlässt. Dem schwierigen Problem der A u s w a n 6 c - rer - Hilfe hat die Konferenz naturgemäß den grössten Teil ihrer Zeit zugewandt; man hat diesen Zweig des Djilföroerfs in drei getrennte Sondergebiete eingeteilt: die eigentliche Wanderung, d. h. die Erforschung aller Kläglichkeiten zur dauernden Anstedlung in fremden Ländern (außer Palästina), die direkte E m i g r a n t e n h i l f e und endlich die Umwandlung der Emigranten, .insbesondere des jugendlichen Teils, in produktive Glieder des wirtschaftsprozesics. wichtig erscheint uns zunächst der pinweis, daß die planlose, unüberlegte 2l u s w a n d er u n g aus Deutschland — sofern nicht zwingende Kiornente vorliegcn — aufs schärfste mißbilligt und in Zukunft von den Komitees nicht gefördert werden wird, wer nicht genügend vermögen oder sonstige wirtschaftliche Kapazität besitzt, sollte niemals auswandern, ohne sich vorher mit den deutschen Beratungsstellen ins Benehmen zu setzen. Sprechen diese sich nach Würdigung der besonderen Umstände gegen die Auswanderung aus, so wird der Emigrant der Regel nach auch auf die Unterstützung der ausländischen Komitees nicht mehr zu rechnen haben. Dagegen ist zu hoffen, daß das Werk der Lerufsumschichtung der Jugendlichen, die Ueberführung möglichst zahlreicher deutscher.junger Leute in Landwirtschaft und Handwerk, durch die Konferenz einen starken Auftrieb erhalten, daß man Stätten der Ausbildung auch im Auslande in weiterem Umfang als bisher bereitstellen wird. Die schwierige und brennende Frage der Staatenlosen werden die Organe der Konferenz sobald wie möglich mit Hilfe des vom Völkerbund ernannten H o ch k o m missars für die Emigranten zu lösen suchen müssen, dem ja ein Beirat sowohl der! Staaten als der Organisationen zur Seite stehen wird. wer sind aber diese „ Org a n e der K o n - f e r e n z "? Für 'diese Frage hat die Konferenz selbst eine Lösung nicht zu finden vermocht. Allerdings soll durch einen vom Joint Foreign Committee zu ernennenden Verbindungsossizier die Fühlung unter den Organisationen aufrechterhaltcn werden, die die Konferenz beschickt haben. Aber es fehlt vorerst eine einheitliche bevollmächtigte Exekutive. So harmonisch trotz mancher Meinungsverschiedenheiten die ganze Tagung verlaufen ist, so ist es dock) natürlich, daß die Sonderauffassungen und Sonderinteressen der einzelnen Strömungen, die aus der Konferenz vertreten waren, insbesondere in dem Augenblick hervortreten mußten, in dem es sich darum handelte, die in der ganzen Welt aufzubringenden Summen nun einer einzelnen Zentralstelle als Exekutivocgan zur Verfügung zu stellen. Cs ist beschlossen worden, die Verwaltung der Gelder jedem einzelnen Land zu überlassen, die Komitees dieser Länder jedoch zu verpflichten in engster Fühlung mit dem in London zu domizilierenden Cxekutivausschuß zu handeln. Die Zusammensetzung dieses Cxekutivausschusses sollen die „einladenden" Körperschaften in Verbindung mit der Jewish Agency vornehmen, welch letztere aus besonderen Gründen unter den Einladern nicht figuriert hatte. Inwieweit es dabei nun gelingt, den Gegensatz zwischen American Jewish Congress und American Jewish Committee zu Überwinden und den sonstigen internen Forderungen und Ansprüchen gerecht zu werden, muß die allernächste Zukunft lehren. wir möchten unsererseits glauben, daß die eigentliche Leitung der Konferenz, die führenden Männer des Joint Foreign Committee, ihre Befähigung zu gerechter und objekiver Würdigung aller Interessen durch die Vorbereitung und Durchführung der Konferenz in hohem Maße bewiesen haben. Man sollte sich daher u. E. nicht durch ein wochenlanges Verhandeln um Exekutiv-Sitze den praktischen Erfolg der Konferenz beeinträchtigen oder gar gefährden lassen, sondern kurzerhand durch eine schrifliche Abstimmung die zentrale Verwaltung des ganzen Hilfswerks dem Joint Foreign Committee überlassen. Moeyenrundschau. Auch das gib! es ... Daß es einen Bund n a t i o n a l d e u t s ch c r Juden gibt, ist allbekannt. Er ist flhon etwas alten Datums und fristet auch im neuen Deutschland sein kümmerliches Dasein. Run hört man gar von einem R e i ch s v e r b a n d ch r i st l i ch e r R i ch t a r i e r. Er wurde unter dem Zwange der Verhältnisse vor einigen Monaten gegründet und macht Anzeige von seiner Geburt in der modernen Form eines p resseempfanges, in dem der Vorsitzende über Wesen, Programm und Absichten des Verbandes einige Auskunft gibt. Im Vordergründe seiner Politik steht ein Bekenntnis zu Deutschland und zum Programm der Reichsregierung, dementsprechend auch die parole für den 12. Rovcrnbcr ansgcgebcn wird. Der Ausbau des Verbandes stellt die Leitung auf das Führerprinzip. Die Verwaltung liegt in der Hand eines Vorsitzenden und eines ihm zur Seite stehenden Arbeitsausschusses, was der verband will? Die christlich-deutschen Richtarier z u s a m m e n f a s f e n , um deren ge w a l t i g e Zahl, der Regierung vor Augen zu führen. Rechtsberatungsstelle, Stellenvermittlung und Jugendfürsorge, auch Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen werden in den Aufgabenkreis des Verbandes gehören. Mit dem Führerprinzip im neuen verbände scheint aber noch nicht alles zu klappen. Personalschwierigkeiten und persönliche Auseinandersetzungen hätten bis jetzt die Aktivität verhindert. Runmehr hofft der verband, unter Vermeidung jeder politischen Zielsetzung an den Ausbau der Organisation und an die Lösung seiner Aufgaben treten zu können. Also wird Deutschland, ähnlich wie Portugal, nrit einem neuen „Marranenturn" bereichert, mit einem großen Menschenkreis, der zwischen (Christentum und Judentum im leeren Raume schwankt und schwebt. Mit dem Unterschiede nur, daß dort in den Pyrenäen, wie man hört, sich bei dem jüdischen Stamm eine starke Sehnsucht nach dem Judentum bemerkbar macht, während hier die äußeren Stürme die Eäuflinge in erster und zweiter Generation bisher nicht einmal um einen Schritt dem jüdischen Hause näherbringen konnten. Es weht eine tiefe Tragik um die Menschen, die einmal aus dem Judentum herausgetauft wurden und den vollen Anschluß an die christliche Welt nicht fanden, und die nun aus der christlichen Welt unsanft ausgestoßen werden, ohne den Einschluß an das jüdische Haus zu finden. Daß es dem verbände jetzt besser als in den ersten Monaten gelinge, zu organisieren, sich zu aktivieren und Aufgaben zu lösen, glauben wir nicht. Es liegt nicht an Personalfragen, sondern daran, daß es dem verbände an der geistigen Bodenständigkeit fehlt, an positiven Inhalten. Regative Bindungen wie: „Keine Deutschen", „keine Inden", werden nie einen Rahmen abgeben zur Arbeit und zur Sammlung. Man debaMerk im polnischen Parlament über die Juden. Im polwischen Sejm gab es am Samstag im Anschluß an eine Regierungserklärung eine scharfe Auseinandersetzung über die Grundzüge der Außenpolitik und das Verhältnis des Staates zu den nationalen Minderheiten. Au den letzteren gehören zwar Um deines Namens willen! Von B. Lohen. (Nach Tifereth Schemuel.) 1. Die Strahlen der gütlichen Gnade, nach denen unsere Seele in den Gebeten der erhabenen Tage des Jahresbeginnes sich gesehnt, waren meist solche, die ein geistiges Dunkel erhellen sollten; einen gütlichen Weltenzweck erfüllt wollten sie sehen, eine Anbetung des Schöpfers durch die ganze Schöpfung verwirklicht. Nur nebenbei schwangen in diesen Gebeten auch die Nöte des Einzelnen mit; nur mit wenigen Worten hatten wir die Sorgen des Alltags in diesen Gebeten zu erwähnen/ Jetzt, im Monate Marcheschwan, in welchem unsere Lippen in den Weisen und Worten der heiligen Tage (merachschewan) nachzittern, — sind wir, mitsamt unseren g'ttbege-isterten in der Seele nachklingenden Worten, in den Alltag zurückgesunken. Es ergeht uns damit, wie es unserer ganzen Generation im Leben überhaupt ergeht'. Mit nunu mrmErhabonhöjt Hatto dor Godankonslug unseres Meisters uns den Weg ins Jahrhundert gebahnt; mit seinen und seiner Schüler erhabenen Gedanken im Herzen, mit ihren Worten auf den Lippen wurden wir in die tiefen Nöte der Gegenwart gestürzt, aus denen wir statt zu Gebeten „um das Neich Güte? von seiner heiligen Stätte aus" nur noch zu solchen um unsere Existenz, im Lande der Väter und in anderen Ländern, den Mut finden. Ist dieser Sturz unser unentrinnbares Schicksal? Ist er ein Sturz ohne Wiederaufstieg? 2. Am Ende des zweiten der Pirke Aboth lernen wir: „Mache dein Gebet nicht zur festen Forderung, sondern zum Bitten und Flehen vor dem Allgegenwärtigen." Das kann außer der wörtlichen auch diese Bedeutung haben: Mache nicht das Gebet um dein eigenes Wohl zur Hauptsache, sondern ersehne die Zeit, da Güt seinem eigenen Schmerz ein Ende setzt. Denn „in jeder ihrer Not ist auch ihm Not". Oder Ps. 91, 13: „Mit ihm bin ich in Not." Oder Sanh. 44b: „Ist dem Menschen ein Schmerz beschiederi, bann wehklagt gleichsam GÜL um sein Haupt und um seinen Arm." Der Mensch, aber in seiner Pein soll nicht vergessen, daß seine Not auch die seines liebenden Vaters im Himmel ist und soll beten um eine Zeit, in welcher G'ttes Name durch das Glück geheiligt Mird, das feine Getreuen erlangen. Denn solange ein Gerechter leidet, ist sa auch vor den Menschen der Name G'ttes in seiner Ehre gekränkt. Nicht nur die Sünde Israels im Galuth, sondern vor allem das traurige Schicksal des G'ttesvolkes in der Endzeit ist, wie Raschi zu Ez. 35—39 lehrt, der eigentliche Anlaß zum „Ehillul haschem", zur Entheiligung des Namens Güles. Ps. 79, 10c „Warum sollen die Völker sagen: „Wo ist denn ihr Güt?" Und tatsächlich ist in unseren Tagen keine Glaubensbekämpfung so heftig wie die, welche sich aus unser schweres äußeres Geschick gründet. Aller heutiger Atheismus ist längst nicht mehr wissenschaftlich oder epikureisch weltberauscht, sonborn fast durchweg wirtschaftlich begründet; selbst von wohlwollenden Außenstehenden hört man immer wieder die Behauptung, Thorabefolgung sei unter heutigen Verhältnissen sowohl für Einzelne als für die Gemeinschaft als Lebensfunüament unbrauchbar. Es ist also auch uns heutzutage wohl möglich, gerade aus unseren Nöten heraus um g'ttliche Dinge zu beten. 3. Wenn wir also um unser persönliches Wohlergehen viel zu beten genötigt sind, so brauchen wir uns nicht dadurch „vom Himmel zur Erde geschleudert" zu fühlen. In unserem persönlichen Wohl selber ist eine Station des gütlichen Heilsweges erreicht, — sofern wir solche Menschen sind, deren Geschick das Geschick der Thora ist, das heißt thorabefolgende Menschen. Nur wenn wir allen Anforderungen des Thoragesetzes treu nachleben, ist unser Geschick das der Thora selber. Und nur dann ist unser Mühen um unser eigenes Wohl und um das unserer Gemeinschaft ein solches um G'ttes Sieg in der Welt, und nur dann des Erfolges sicher. Das Beten Jizchaks heißt in. der Thora nnyn; der Midrasch bringt das in Verbindung mit aram. in? reich. Es war ein reiches Gebet, mit dem Jizchak für sich einen Sohn erflehte; nicht das rührselige und armselige Gebet eines Greises um einen Sohn, der ihn im Alter vor Vereinsamung bewahren soll, sondern das weltweitblickende Gebet eines vor GÜt verantwortungsbewußten Patriarchen. Die Fortdauer seines Hauses, das G'ttes Haus auf Erden werden sollte. Und Eliesers Gebet an der Quelle um die richtige Mutter für Jizchaks Haus,,— auch das war ein solches „reiches" Gebet, ein Gebet, an dessen Erfüllung der Betende „die Gnade G'ttes über Abraham" erkennen wollte. (Schluß folgt.) Die Auslassung im Targum Zouakhau. Zur Aufklärung über die fehlende Stelle im psr» oirin p (1. B. M. 10, 23) sei mir gestattet, darauf hinzuweisen, daß eine gleiche Auslassung auch im Abschnitt fi?», Kap. 41, 49 'ui D-n^inn na t\ov ■tmw zu konstutieren ist, die angeblich von der Zensur darum gestrichen wurde,