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Der Israelit · 1933-11-02 · Heft 44 (2.11.1933) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 44 (2.11.1933)
Date
1933-11-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sorte 8 Nr. 44 Der Israelit 2. November 1933 die Zahl der aus Deutschland ausgewanderten Juden rund 65.000 beträgt, davon 33.000 Kaufleute und Intellektuelle, 30.000 Frauen und Kinder und 2000 Studenten. 25.000 befinden sich in Frankreich und nur 6 500 in Palästina. 5400 haben sich nach Polen, 4000 nach der Tschechoslowakei, je 2000 bis 2500 nach Holland und nach England, Belgien und nach der Schweiz gewandt. Der Rest ist noch irgendwo in Bewegung und heimatlos. Ein großer Teil ist vollständig mittellos und wird von den Hilfskomitees unterstützt. patüffitw. praxiserlaubnrs für 81 neuerngewanderte Aerzte in Palästina. Jerusalem, 24. Olt. Das Regierungsdepartement für Gesundheitswesen hat 61 jüdischen Aerzten, die sich ttt Jerusalem, Tel-Arvirv, Haifa und Petach Tilwah niedergelassen haben, darunter 16 Frauen, die Erlaubnis zur Ausübung der Präris erteilt. Die überwiegende Mehrzahl der neu zugelassenen Asrzte stammt aus Deutschland. Gleichzeitig wurde 21 Zahnärzten (darunter 3 Frauen), 6 Aphothekern und 5 Hebammen die Erlaubnis zur Ausübung ihres Berufes gegeben. Unter den neu zugelassenen Apothekern befinden sich auch zwei Araber. Ein neuer großer Siedlungsplan in Palästina. Jerusalem, 24. Olt. Auf Grund der Pläne des amerikanischen Juden Mauiloff soll in der Umgebung von Jerusalem eine neue große Siedlung aus der Grundlage der Geflügelzucht errichtet werden. In Palästina besteht unter der jüdischen Bevölkerung große Nachfrage nach Geflügel und Eiern. Die Juden Palästinas verbrauchen annährnd 100 000 Eier iin Jahr, während die jüdische Landwirtschaft nur etwa ein Zehntel dieser Menge produziert. Um 250 000 Pfund jährlich werden Eier aus dem Auslande eingeführt. Nach den Berechnungen Maniloffs könnten in der geplanten Siedlung tausend Geflügelfarmen mit je 1000 Stück Geflügel für 1000 Familien errichtet werden. Eine zentrale Zucht- und Brutanstalt sowie eine gen,einsame Absatzorganisation sind vorgesehen. Die Finanzierung des Unternehmens soll durch eine Anleihe erfolgen, die im Laufe einer gewissen Anzahl von Jahren amortisiert werdensoll. Dem vorbereitenden Komitee gehören außer Maniloff eine Reihe jüdischer Wirtschaftsfachmänner, unter ihnen der bekannte Volkswirt und Statistiker Davis Trietsch aus Deutschland und De. Klumel aus Polen an. Im Interesse der Finanzierung seines Planes begibt sich Manilofs in nächster Zeit nach London. Chebron Anzichungs-» aber kein Attsieölungspunkt, j Chebron, 10. Olt. Der Andrang von Touristen und frommen Betern an den heiligen Stätten von Chebron war vor den Feiertagen starker denn je. Täglich mehrmals rollten die großen Autobusse heran und brachten die Menschen. Der örtlichen Polizei, war noch ein englischer Beamter beigegeben, der die Gebetversammlungen an der Machpelamauer überwachte und die Besucher begleitete, so daß kein Zwischenfall zu verzeichnen war. Im Gegensätze zu dem Touristenverkehr nimmt die jüdische Niederlassung in Chebron nach einem kleinen Aufschwung wieder bedenklich ab. Zur Zeit befinden sich in der Stadt nur drei - Aschkenasimsamilien neben 35 sefardischen Familien. Die ersteren setzen sich zusammen aus der Lehrerfamilie und den Familien der zwei jüdischen Polizisten. Die Chebroniten fühlen sich von den öffentlichen Instituten gänzlich verlassen. Auch die Stadt als solche hat von ihrem früheren Glanz und Leben verloren. ArbeitcrmanSel in Jerusalem. Jerusalem, 23. Okt. Die in Tel-Awiw erscheinende hebräische Tageszeitung „Dawar", das Organ der Arbeiterorganisation, beschäftigt sich im Leitartikel ihrer letzten Nummer mit dem Problem des Arbeitermangels in Jerusalem. Die Stellung, die sich der jüdische Arbeiter auf dem Arbeitsmarkt der Hauptstadt in jahrelanger mühseliger Arbeit errungen habe, sei nunmehr, insbesondere im Baugewerbe dadurch bedroht, daß ein Zuzug jüdischer Bauarbeiter nach Jerusalem, nicht mehr erfolgt. Im Arbeitsvermittlungsamt seien weder gelernte noch ungelernte jüdische Arbeiter für das Baugewerbe vorgemerkt, da alle in Tel-Awiw, Haifa und den Kolonien Beschäftigung gefunden haben. So komme es, daß in Jerusalem, wo eine große Zahl mehrstöckiges Häuser im Bäu steht/ die billige arabische Arbeit immer weiter vordringe. Zwistigkeiten in der Jrijah. — Rücktritt der Frau Dr. persitz. Tel-Awiw, 23. Okt. Im Laufe der Verhandlungen über das Schulbudget in der Jvija, die zu keiner Lösung führten, erklärte Frau Dr. P e r s i tz, die Vorsitzende der Erziehungskommission, daß sie -sich gezwungen sehe, ihr Amt n i ederzu le g e n. Infolge der Uneinigkeiten über die Verteilung der Kosten des Schuletat, die Stockungen bei der Gehaltsauszahlung an die Lehrer zur Folge hatte, waren die Schulen längere Zeit geschlossen. Der Unterricht wurde aber am 27. Tischri in allen Schulen wieder ausgenommen. Siesichernsich beste und prompte Erledigung Ihrer Inseratauffräge wenn Siedern wirklichen Fachmann diese übergeben Außer der Generalvertretung des „Israelit“ für Frankf. Geschäftsanzeigen übernehme auch Aufträge für die Frankfurter Zeitung und allen anderen Tages- und Wochenzeifungen zu Originalpreisen. ANNONCEN BÜRO JULIUS SCHMIUT FRANKFURT-M., OSTENDSTRASSE 83 TELEFON 45866. Syrien. Jüdische Siedlung in Syrien? Damaskus, 13. Okt. '„ittltf Ba", die einflußreiche mos'lemitifche Tageszeitung von Damaskus, bringt eine Unterredung mit einem prominenten arabischen Führer aus Palästina, dessen Name nicht genannt wird, über „zionistische Aspirationen, nach Syrien vorzudringen und hier Land zu erwerben". Der palästinensisch-arabische Führer erklärt, die Zionisten hätten Gelegenheit, in Syrien so viel Boden zu erwerben, als sie nur wollen. Moslemitische Großgrundbesitzer in Syrien seien bereit, zionistische Bewerbungen um den, Kauf großer Landgebiete zu akzeptieren; sie versprechen sich davon eine Besserung ihrer eigenen wirtschaftlichen Notlage und der Wirtschaftslage Syriens im allgemeinen. Wenn eine größere Zahl Juden, besonders aus Deutschland, in Syrien Geld investiert, so werden die hieraus resultierenden wirtschaftlichen Vorteile alle anderen Bedenken überwiegen. Mehrere syrische Bodenbesitzer haben der zionistischen Organisation Syriens Boden zum Kauf angeboten, und zwar handelt es sich um Gebiete im Hauran nahe der Palästina-Grenze. Afrika. Einführung eines neuen Rabbiners in Süd-Afrika. Johannisburg, 15. Okt. Der Wolkowischker Raw, Rabbi K a s s o w s k i, wurde zum Rabbiner in Johannisburg gewählt. Kurz vor den Hohen Feiertagen traf er in Johannisburg ein und trat sein Amt an. Viele Hunderte hatten sich im Hafen zu seinem Empfange eingefunden und in einem großen Saale wurde gleich ein grandioses Bankett zu seinen Ehren gefeiert. Als erster begrüßte der Landrabbiner von Südafrika, Dr. Landau, den neuen Rabbiner in herzlichster Weise. Er hofft, daß mit dem Rabbiner ein neuer starker Wille zur Jüdischkeit im Sinne der Religiosität ins Land einzieht. Vom Vorstände sprachen die Herren Israel Kupfer und der Präsident des Board of Deputies, Mr. Hillmann, die die Notwendigkeit und Bedeutung eines geistigen Führers von talmudischer Berühmtheit für Südafrika betonten. Auch mehrere Rabbiner aus Provinzstädten Südafrikas kamen zu Worte/ Darauf -ergriff Rabbi K a fsowski sebst das Wort zu -einer groß angelegten Antrittsrede, die sich -auf die Hoffnung -aufbaute, daß es ihm gelingen möge, Thora und G'ttesftircht in dem überseeischen Lande zu verbreiten und die Verbundenheit der südafrikanischen Juden mit der Golah uni) Erez Israel zu stärken.; - Amerika. „Die Stimme öer Religion". Newyork, 10. Okt. Das American Jewish Committee veröffentlicht unter dem Titel „Die Stimme der Religion" eine Broschürein der eine große Zahl geistlicher und weltlicher Führer der Christenheit, unter ihnen der Erzbischof von Canterbury und Dean Inge, zur Judenfrage in Deutschland Stellung nehmen und die gegen die Juden gerichteten Maßnahmen vom christlichen Standpunkte aus mißbilligen. Der Erzbischof von Canterbury, das Oberhaupt der englischen Hochkirche, hat bereits als Hauptredner bei einer im Juni in der Londoner Queens Hall abgehaltenen christlichen Massenversammlung gegen die Zurücksetzung von Juden ihrer Rasse oder ihres Glaubens wegen Stellung genommen und der Versammlung eine von dieser einstimmig angenommenen Entschließung vorgelegt, in der gesagt wurde, die gegen die Juden wo immer geübte Diskriminierung stehe zu dem von der modernen Welt bezüglich der Behandlung religiöser und rassenmäßigep Minderheiten akzeptierten Grundprinzipien der Toleranz, und Gleichstellung in Widerspruch. In seinen einleitenden Worten hatte der Erzbischof betont, er sei zur Versammlung nicht etwa aus Veranlassung jüdischer Kreise gekommen,-, sondern well sich „die Herzen der Christen den allgemeinen Grundsätzen des Menschentums gehorchend den Juden zutoenbetu" Bürgermeisterwahl in Newyork. Newyork, 18. Okt. In Newyork ist die Neuwahl des Bürgermeisters und des Vizebürgermeisters ausgeschrieben. Im Wahlkampf vielt diesmal — eine bei amerikanischen Wahlen höchst eltene Erscheinung — auch die Juden frage eine gewisse Rolle. Gegen den unabhängigen demokratischen Kandidaten auf den Bürgermeisterposten Joseph Mckee wird der Vorwurf erhoben, er habe in einem 1915 veröffentlichten Artikel antisemitische Gesichtspunkte vertreten, was ihn ungeeignet mache, das Amt eines Bürgermeisters in einer Stadt mit so starker jüdischer Bevölkerung wie Newyork zu - bekleiden. Gegen diesen Vorwurf nimmt Nathan Straus jr., der sich auf derselben Liste wie Mckee um das Amt des Vizebürgermeisters bewirbt, diesen in Schutz. Mckee elbst veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, „der verächtliche Versuch, Rassenvorurteile in den Wahlkampf hineinzutragen, -erfülle ihn mit Widerwillen." „Ich habe niemals Angriffe gegen -irgend eine Raffe gerichtet, noch jemals Raffen- oder Religionsvorurteile gehegt," schreibt McKee. ' Die Beschuldigung antisemitischer -Gesinnung wurde gegen McKee zuerst von seinem Gegenkandidaten La Guardia, einem ehemaligen Mitgliede des amerikanischen Kongresses, im Zusammenhang mit einem Artikel erhoben, den McKee -im Alter von 26 Jahren in der Zeitschrift „Katholische Welt" veröffentlicht hat und in dem an -die Feststellung, -daß die christlichen Schüler nur 25 Proz. der gesamten Schülerschaft der Newyorker Mittelschulen ausmachen, schwere Angriffe gegen angebliche üdisch-orthodoxe Moralauffassungen geknüpft wurden. La Guardia richtete an McKee die öffentliche Frage, ob er „diesen Angriff gegen eine große Rasse, die durch den Gouverneur des Staates Newyork Herbert H. Lehman o glänzend vertreten fei, rechtfertigen könne." Nach Veröffentlichung -des Auszuges aus dem Artikel McKee's erklärte öer Finanzberater des gegenwärtigen Bürgermeisters O'Brien, -der bekannte Newyorker Rechtsanwalt Samuel Untermyer, wenn die Stelle aus dem Artikel richtig wiedergegeben fei, so stelle die Aeußerung McKee's eine schwere Verleumdung dar, die bitter empfunden werden würde. Er hoffe, MoK-eo, den er lange Zeit geachtet und bewundert habe, werde -eine offene Erklärung geben. Die nunmehr veröffentlichte Erklärung McKee's bezeichnet Untermyer als unbefriedigend. (J.T.A.).

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