Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1933)
- Date
- 1933-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 44 N. j. F. die Zionisten nur unterstützen. Er verlange aber/ daß ihm und. ihm,,gesinnungsverwandte Organisationen die innerdeutsche Arbeit.überlassen werde. Das Rassenprinzip-es jetzigen Staates müsse heute als Tatsache hingenommeÜ! werden; es sei notwendig, nicht narr sein Deutschtum zu betonen, sondern auch Stolz auf die jüdische Ab: stammung zu zeigen. Im Hinblick auf die notwendige religiöse Vertiefung dürfe die religiöse Erziehung von Jugend nur solchen Lehrern anvertraut werden, die selbst im tiefsten Innern vom Werte der jüdischen Religion überzeugt sind und ihre Schüler ehrlich begeistern tonnen. Im Sportreferat wurde festgestellt, daß der Sportbund des R. j. F. gegenwärtig 68 Vereine mit etwa 5000 aktiven Mitgliedern umfaßt. Heber Schulfragen sprach Dr. Feilchenseld, der davor warnte, die Mehrzahl der jüdischen Schüler von den. paritätischen Schulen zu nehmen. „Die Judenfrage ad acta gelegt," sagt Dr. Goebbels. Berlin, 29. Ott. Die Zeitungen berichten über die große Rede, die Reichsminister Dr. Goebbelsin Dresden anläßlich der Eröffnung der Reichstagswahlpropaganda gehalten hat. Dr. Goebbels kam in seiner Rede auch aus die I u d e n f r a g e zu sprechen. Im Bericht des „Berliner Tageblattes" wird mitgeteilt, Dr. Goebbels habe in der Besprechung der Judenfrage gesagt: „Wir haben an dieser Frage gelöst, was zu lösen war und sie dann ad Acta geleg t." Verschärfte Arierklaufel für Erlchofrichter. Berlin, 29. Ott. Der Amtliche preußische Pressedienst berichtet, daß das Staatsministerium in seiner Sitzung vom 26. Oktober das preußische Aussührungsgesetz zum Reichserbhofgesetz verabschiedet hat. Das Gesetz bestimmt u. a., daß die nach dem Reichserbhofgesetz regelmäßig für die Dauer eines Kalenderjahres erfolgende Ernennung der Vorsitzenden der Anerbengerichte jederzeit widerrufen werden kann, wenn sich herausstellt, daß ein Richter nicht deutschen Blutes ist. Nach dem Reichserbhofgesch werden an den Nachweis der Deutschblütigkeit der Richter in den Anerbendehorden schärfere Ansordernngen gestellt als im allgemeinen Beamtenrecht. Ebenso wie der Erbhofbauer muß auch der Richter im Anerbengericht Nachweisen können, daß .unter seinen Vorfahren bis zurück auf das Jahr 1800 nicht Angehörige der jüdischen oder ei,kör farbigen Nassa waren. Rechtsschutz und wirtschaftsberatung für Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin, 26. Ott. In einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter entwarf der Leiter der Juristisch-Wirtschaftlichen Beratungsstelle des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Syndikus Dr. Hans R e i ch m a n n, ein Bild von der großzügigen Rechtsschutz- und Hilfsarbeit, die durch die Juristisch-Wirtschaftliche Beratungsstelle des C.- V. geleistet wird und zum Ziele hat, jüdischen Menschen Schutz gegen mißverständliche Auslegung der zahlreichen in letzter Zeit neugetroffenen Gesetzesbestimmungen zu gewähren, die Ausdehnung gesetzlicher Beschränkungen auf Gebiete, die vom Gesetzgeber hierfür nicht ins Auge gefaßt wurden, zu verhindern und damit oft der drohenden Ausschaltung der Juden aus ganzen Berufszweigen cnkgegenzuwrksn. Grundsätzlich erscheine es in der Linie der Wirtfchaftsarbeit nicht als zweckmäßig, sich bei Interventionen zugunsten von Angehörigen gewisser Berufe, wie etwa bei Markthändlern, auf Bestimmungen des für diesen Berufszweig gar nicht in Betracht kommenden Gesetzes znr Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zu stützen und die' Frontkämpfereigenschaft der Betroffenen geltend zu machen. Die Ilebertragung des Frontkänrpferprinzips auf die Wirtschaft sei das Ende der Lebensmöglichkeit für die Generation unter 33 Jahren und für die berufstätigen jüdischen Frauen. Nun-gebung der Reichsvertretung der deutschen Juden. Berlin, 31. Okt. Die Reichsvertretung der -deutschen Juden erklärt zum 12. November: „Mit dem ganzen deutschen Volke sind auch wir Juden als Staatsbürger aufgerufen, zu der auswärtigen _Der Is ra eilt Politik der Reichsregierung unsere Stimme abzugeüen. Sie wird gefordert für '.die Gleichberechtigung Deutschlands unter den, Völkern, die Versöhnung..der Nationen und die Befriedung der Welt. Trotz allem, was wir erfahren mußten: ' 2 i e Stimme der deutschen Juden kann nur ein „Ja" sein." „Um Deutschlands Ehre und Le-ensraum". Berlin, 27. Okt. „Der Schild", die Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer - Frontsoldaten, bringt an der Spitze der letzten Nummer einen 'Aufruf in dem es heißt: „'Lameraden, es geht um Deutschlands Ehre und Lebensraum. Da übertönt in uns ein Gefühl alles andere. In altfoldatischer Disziplin stehen wir mit unserem deutschen Vaterlande bis zum Letzten". Die Stellungnahme des Nsichsbund'es jüdischer Frontsoldaten ist der Reichsregierung übermittelt worden. Richter dürfen nicht nur wegen ihrer nichtarischen Abstammung abgelehnt werden. München, 25. Okt Das Oberlaudesgericht München hat mit Beschluß vom 21. September 1933 (Beschw.-Reg. 1416-31 V.) die von einem nationalsozialistischen Lläger versuchte Ab-° leynung eines jüdischen Richters für unbegründet erklärt; in der Begründung des Beschlusses heißt es u. a.: Wegen der Berufsrichter gilt nur das Gesetz vom 7. April 1933. Darnach sind gewisse nichtarische Richter kraft Gesetzes von der weiteren Ausübung ihres Amtes ausgeschlossen. Bei einem anderen Teil ist es in das Ermessen der Landesjustizverwaltung gestellt, ob sie von dem ihr zustehenden Ausschließungsrecht Gebrauch machen will oder nicht. Soweit ein uichtarischer Berufsrtchter. demnach weder kraft des Gesetzes noch durch die Ve,rfügung der Landesjustizverwaltung aus seinem Amte entfernt ist, kann ein, Ablehnungsgrund aus seiner nichtarischen Abstammung nicht abgeleitet werden. Die Führung hat wiederholt ausgesprochen, daß sie das Maß und das Tempo der Durchführung ihres Parteiprogramms sich vorbehält, und daß dem Einzelnen nicht das Recht zusteht, darüber hinaus etwas zu verlangen, wofür die Führung selbst die Zeit nicht als gegeben erachtet. Sie hat aber durch diese Gesetzesgestaltung unzweideutig zu erkennen gegeben, daß sie auch einem Parteigenossen, jedenfalls zurzeit grundsätzlich zumutet, sich einem im Amt befindlichen Berufsrichter auch dann zu unterstellen, wenn er uichtarischer Abstammung ist. Für das Gericht sind diese eindeutigen gesetzlichen Richtlinien maßgebend. Reue jüdische Schulen. Breslau, 19. Ott. Hier sind jetzt Bestrebungen im Gange, um neben der längst bestehenden gesetzertreuen höheren „Jüdischen Schule", die von einem Schulverein getragen wird, auch eine liberaljüdisch? höhere Schule ins Leben zu rufen. Unter der Leitung des liberalen Gemeinderabbiners Dr. Dögeistein und des Herrn Rechtsanwalts Spitz und Philipp Lachs hat vor kurzem eine geschlossene Versammlung stattge-- funden, um die Schulgrüudung vorzubereiten. Es wird geltend gemacht, daß in den allgemeinen Schulen, abge- 'ehen von den Lindern, die die jüdische Schule besuchen, 1100 jüdische Linder vorhanden sind, für die im liberaljüdischen Geiste gesorgt werden müßte. Einige der Anwesenden wandte sich gegen die Neugründung. Auch Linder aus liberalen Häusern könnten ohne Gennssensbe!-- denken eine orthodo.ee Schule besuchen, während das Umgekehrte natürlich nicht der Fall sei. Es sind nun Bestrebungen im Gang, um einen Ausgleich ■ herbeizuführen und die liberalen Lreife zu einem Verzicht auf die bysoudere Schulgründung, und zu einem Anschluß an die bestehende orthodoxe Schule zu veranlassen. . Oesterreich. Interkonfessionelles Hilfswerk in Oesterreich für die hungernden in Sowjetrußland. Wien, 18. Okt. Auf Grund einer von jüdischer Seite ansgegangcnen Anregung wurde in Wien ein interkonfessionelles H ilfs w erk für die H ung ernd en ^in S o w jetruß l a n d ins Leben gerufen, an deren Spitze die geistlichen Führer der großen Religionsgemeinschaften stehen. Im fürstbischhöflichen Palais zu Wien fand eine Ve- _ 2. November 1933 sprschung geistlicher Würdenträger, statt, an der Karde n a l - E r z bi s ch p f Dr. Juni tz, e r , der evangelische Oberkirchenrat Dr. Stöckl, der Wiener Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, der Domherr und Unitarier Dr. Horynkewitsch, der griechisch-katholische Archimaudrit Tiruchakis u. a. teilnahmen. In der Sitzung wurde die entsetzliche Läge geschildert, in die in Sowjetrußland insbesondere die Ukrainer, Juden und Deutschen infolge der über sie hereingebrochenc|ix Hungerkatastrophe geraten sind. Lardinal Jnnitzer hielt eine Ansprache, in der er das vorgeschlagene Hilfswerk als durchaus unpolitisch und Ausfluß des reinen Grundsatzes menschlicher Nächstenliebe charakterisierte. , Oberrabbiner Dr. Feuchtwang erklärte, die Wiener Jüdenheit habe bereits vor längerer Zeit ein Hilfskomitee für die Hungernden in Sowjetrußland geschaffen und Gelder für einer Hilfsaktion gesammelt. Es erfülle ihn mit besonderer Genugtuung, daß dieses Werk der Nächstenliebe nunmehr interkonfessionell aus gestaltet wird und unter der Leitung des humanen katholischen Lirchenfürsten Dr. Jnnitzer stehen soll. Dem am Schluß der Sitzung gebildeten; Hilfskomitee gehören die Vertreter der katholischen, jüdischen, evangileschen, ukraimsch-unitarischen, altlaiholischen und griechisch-katholischen Lonfession an. Schweiz. James rnacdoiiald zum Flüchtlingskommissar ernannt. Gens, 26. Ott. Der Präsident des Völkerbundrates hat den Vorsitzenden der Newyorkcr Vereinigung für auswärtige Politik, Jamas Mac Donald, zum O b e r k o m m i f f a r für die Flüchtlinge ernannt. Die Ernennung Mac Donalds erfolgte im Einvernehmen mit den Vertretern Portugals, Spaniens, Frankreichs, Englands, Italiens, der Tschechoslowakei und der Niederlande. Amerika und das Hilfswerk für die Auswanderer aus Deutschland. Gens, 27. Ott. Die Informationsabteilung des Völkerbundssekretariats gibt folgendes Communique aus: Der Generalsekretär hat von der Gesandtschaft der Vereinigten Staaten Amerikas in Bern folgende Mit-> teilung erhalten: „Der Staatssekretär der Vereinigten Staaten Amerikas beehrt sich, den Empfang der vom 24. Oktober 1933 datierten Mitteilung des Generalsekretärs des Völkerbundsrats zu bestätigen, in der der- Generalsekretär um Benachrichtigung darüber bittet, ob die amerikanische! Regierung im Sinne des Beschlusses der Völkerbundsversammlung vom 11. Oktober 1933 und der Designierung des Völkerbundsrats vom 12. Oktober 1933 eine Vertretung in dem Verwaltungsrat wünscht, der dem mit der Leitung des Hilfswerks zugunsten der Auswanderer aus Deutschland betrauten Oberkommissar zur Seite gestellt wird. Im Hinblick auf die Tatsache, daß das Volk der Vereinigten Staaten in der Vergangenheit stets allen! Bemühungen, die Lage unglücklicher Menschen zu erleichtern, die durch von" ihrem Willen stmabhängige Umstände, in schwerste Not geratest sind, Interesse und Sympathie entgegengebrächt hat, teilt der ' Staatssekretär dem Generalsekretär mit Genugtuung/mit, daß die amerikcynische Regierung glücklich sein wird, in allernächster Zeit einen Vertreter zu ernennen, der sich an den Arbeiten des Vörwaltungsratss beteiligen wird." polen. Der „Erez Jisroel-Nabbj von Sosnowrtz." Sosnowitz, 18. Ott. Der hier wohnhafte Chaffidimrabbi Rabbi A l t e r allgemein bekannt unter dem Namen „Der Erez JisroÄ- Rabbi", ist plötzlichabberufen worden. Rabbi Alter stammte aus Erez Jisroel und war der Typ eines alten Jerusalemer Seine Wohltaten auf sozialem Gebiete kannten keine Grenzen. Alle kamen jniit ihren Sorgen und Wünschen zu ihm und alle fanden Hilfe. An der Bestattung nahmen viele Tausende anch von auswärts teil, darunter viele Rabbinen aus der Umgegend. Hespedim; durften nicht gehalten werden. Sein letztwilliger Wunsch war, daß seine Gebeine in gegebener Zeit nach Erez Jisroel überführt werden. Als Nachfolger auf seinem Sitze wurde sein Schwiegersohn, Nabbi Mordechai