Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1933)
- Date
- 1933-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 44 Seite 5 2. November 1933 vor Anker. Es ist zu hoffen, -atz nach wenigen Tagen den Schiffen die Einfahrt kn die palästinensischen Häsen freigegeben wird, i. Bis Sonntag abend schätzteman die Zahl der Opfer der Unruhen im gäpzen Lande auf 30 Tote und 250 Verletzte. | i i ’l: * * * Haifa, 31. Okt. Der neue Hasen in Haifa wurde am Montag, den 30. Oktober, ohne besondere Feierlichkeiten eröffnet. In seiner,Rede sprach der britische Staatssekretär für Kolonien, Sir Philipp Cunlisse-Lister, eine scharfe Verwarnung aus. Er wies die Bevölkerung Palästinas in strengem/und ernstem Ton darauf hin, datz Grotzbrittann i e nseineMandätsverpflichtungen gegenüber der jüdischen und arabischen B e v ö l? e r u n g p e i n l i ch beachten werde ohne Furcht und ohne Bevorzugung. Die wichtige Verpflichtung zur Au fr echt er Haltung der Ordnung werde treu erfüllt werden. * * * Die letzten Berichte aus Palästina. Am Mittwoch, den 1. November, wird aus Palästina gedrahtet, datz überall eine allmähiche Wiederkehr der Ruhe zu bemerken ist. Die arabischen Arbeiter in den jüdischen Kolonien haben sich dem von den Arabern proklamierten Generalstreik nicht angeschlossen, sodatz die Arbeit vollkommen ungestört vor sich gehen konnte. Die Beziehungen der jüdischen Kolonisten zu den umliegenden arabischen Dörfern wurden, obwohl sich dort Agitatoren befinden, nicht im Geringsten getrübt. In Jerusalem bewegen sich Juden wieder in arabischen Vierteln und umgekehrt Araber in den Judengassen in voller Friedlichkeit. Die Verordnung, um 6 Uhr abends die Haustore zu schließen, wurde mit Rücksicht auf die Beruhigung der Lage z u r ü ck g e n o m m e n. Mit Hinblick auf die Hetzkampagne gewisser arabischer Zeitungen wurde die Vorzensur für alle in Palästina erscheinenden Zeitungen eingeführt. Die Dampfer dürfen wieder einfahren. Als erster brachte der Dampfer „W i e n" 75 jüdische Emigranten nach Haifa, die ungestört an Land gehen konnten. Auch die „Martha Washington" kam in Jaffa an. Die 900 polnischen Emigranten, die über Konstanza nach Port Said gelangten, durften auf dem Landwege nach Palästina Weiterreisen. Einige verhaftete arabische Rädelsführer, unter ihnen ein Vetter des Grotzmufti, wurden zu je v i e r - zehe Tagen Gefängnis verurteilt und sofort nach der Strafanstalt in Acco überführt. K$rre$ponteeit * Nachrichten. Deutsches Reich. Semestereröffnung der Frankfurter Jeschiwa. Frankfurt a. M., 31. Okt. Die Eröffnung des Wintersemesters erfolgte durch eine Ansprache des Rektors, Rabbiner Dr. I.. Breuer, an die versammelten Hörer der Jeschiwa in Anwesenheit des Dozentenkollegiums und der Kuratoriumsvertretung. Herr Rabbiner Dr. Breuer begrützte vor allem die neu eingteretenen Hörer und kennzeichnete die großen Aufgaben, die der Jeschiwa in von schweren - Nöten erfüllten Gegenwart erwachsen. Die Jeschiwa müsse sich als die Heiligtumsstätte bewähren, die, wie der Redner entwickelte, der Jugend Helsen wolle, sich für ihr ganzes Leben den dreifachen Heiligtumssegen zu sichern, den die Väter des jüdischen Volkes in ihrem Leben sich zu erringen verstanden. Die Größe der Aufgabe, die die Jeschiwa zu lösen hat, rechtfertige auch, daß er als Leiter der Jeschiwa sich entschlossen habe, dem Ruse der orthodoxen Gemeinde in Fiume folge zu leisten. — Es leite ihn hierbei der Gedanke, den Versuch zu machen, ob die dortige Gemeinde entwicklungsfähig genug ist, um Die Woche. Berlin. Der Zentralverbund der Arb ei t s i n v a l i d e n und Witwen Deutschlands ist in den nationalsozialistischen Retchsverband der deutschen Arbeitsopfer aufgegangen. Auf Anfrage eines jüdischen Mitglieds hat der Gau Freistaat Sachf e n mitgeteilt, daß die konfessionelle Einstellung der Mitglieder für die Werbandszugehörigkeit keinen Ausschlag gibt und daß die jüdischen Verbandsmitglieder die gleichen Rechte genießen wie die anderen. — ■ Die innerhalb der festgesetzten Prozentzahlen als Nichtarier zugelassenen Studenten der Berlin er Universität haben eine neue gelbe S t u d e n t e n k -a r t e für Nichtmitglieder der Deutschen Studentenschaft und ein schraffiertes gelbes Rechteck auf das Studienbuch erhalten. Hierzu bemerkt die „C. V.-Zeitung": „Wir wissen nicht, ob die gelbe Farbe in Anlehnung an den gelben Judenfleck des Mittelalters gewählt worden ist; aber auch, wenn dies so ein sollte, werden sich die jüdischen Studenten keinesfalls in ihrer Ehre getroffen fühlen und werden diesen gelben Fleck mit Stolz tragen." — Der Bibliothekar an der Staatsbibliothek, Professor Dr. Pick, der auch der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin angehört, ist in den R u h e st a n d versetzt morden. — Wie der ITA. mitgeteilt wird, können entgegen anderslautender Meldungen trotz der Gleichschaltung des „Deutschen Esperanto-Bundes" jüdische. Mitglieder im Verein bleiben; auch können fernerhin Personen jüdischer Konfession immer noch ausgenommen werden, kotberg. Nach Entfernung des Hirschfelddenkmals beschloß der Magistrat, nunmehr auch die Simon- Straße, die nach dem bekannten jüdischen Philanthropen James Simon benannt worden ist, in Hermann Göring-Straße umzubenennen. James Simon hat seinerzeit das prächtige Ge- I bäude des K t n d e r e r h o l u n g s h e i m s in Kolberg aus eigenen Mitteln erbauen lassen, das tausenden armer Berliner Kindern, fast ausschließlich christlichen, zugute kommt. Hamburg. Dem jüdischen Ehepaar Koppel in Hamburg ging anläßlich seiner goldenen Hochzeit ein von Staatssekretär Ahrens, einem der prominentesten Führer der Hamburger Nationalsozialisten, gegengezeichnetes herzliches Glückwunschschreiben des Senats zu mit der für dieses Fest geprägten goldenen Medaille und einem Geldgeschenk. Wuppertal-Elberfeld. Hier erhielt der seit kurzer Zeit beurlaubte Obertelegraphenamtmann Isaak E i ch m a n n , der seit über 40 Jahren im Dienste der Reichspost stand, vom Reichspräsidenten von Hindenburg ein Handschreiben im Sinne hoher Anerkennung für treu geleistete Dienste aus Anlaß seines demnächst erfolgenden Uebertritts in den Ruhestand. Danzig. Auf dem gesamten Gebiet der Freien Stadt Danzig wird nach deutschem Muster eine Winterhilfe- Aktion durchgeführt. Im Gegensatz zu den Bestimmungen in Deutschland erklärte auf einer in Zoppot abgehaltenen Versammlung der Kommissar für die Winterhilfe, Senator B a tz e r,. jüdische Hilfsbedürftige würden durch die offizielle Winterhilfe nicht bedacht werden, ihre Unterstützung sei Ausgabe der jüdischen Oeffentlichkeit. — Hier wurde nach dem Muster des Kulturbundes der deutschen Juden ein jüdischer Kulturbund geschaffen, für den die früher in Danziger Kunstinstituten tätig gewesenen jüdischen Künstler, die wegen ihrer Zugehörigkoit zum Judentum -entlassen wurden, wirken werden. Die Eröffnungsveranstaltung fand in Anwesenheit von 2000 Personen statt. Warschau. Der Haupttat der (antisemitischen) Christlich-Sozialen Partei Polens hat eine Resolution zur Judenfrage gefaßt, in der es einerseits als Programm der Christlich-Sozialen Partei bezeichnet wird, übermäßigen jüdischen Einfluß zu bekämpfen, andererseits aber eine Diffamierung der jüdischen Rasse und die Verdrängung der Juden aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben entschieden ab gelehnt wird. — Das Warschauer Appellationsgericht hat den in erster Instanz wegen angeblicher Körperverletzung eines nationaldemokratischen Studenten zu zwei Monaten Kerker verurteilten jüdischen Studenten Moses G r ü n k r a u t mit der Begründungfrei gesprochen, daß das Zeugnis des antisemitischen Studenten ge- I gen einen Juden nicht als glaubwürd i g angesehen werden kann. 3T& -_ Zigarren AQ Zeil Wolf Tel. Hania 27930 den Rahmen abzugeben, auf dem eine lebenskräftige Zweigstelle der Frankfurter Jeschiwa sich erheben könne, die vor allem die leider abwandernde reifere Jugend aus Deutschland der Jeschiwa und ihrem Geist zu erhalten berufen sei. Zu dem Zwecke habe er sich zunächst sttt ein halbes Jahr beurlauben lassen. Mit allem Nachdruck trat der Redner den Gerüchten entgegen, als ob es sich bei diesem Plane: um eine Verlegung der Frankfurter Jeschiwa' nach Fiume handle. Solange in Deutschland Jehudim leben werden, die die Frankfurter Jeschiwa brauchen, und den von ihrem großen Gründer ihr .eingehauchten Geist in Lehre und Erziehung für. ihre Jugend ersehnen, wird die Frankfurter Jeschiwa mit G'ttes Hilfe bestehen. Mit, Segenswünschen für ein erfolgreiches Arbeits^- semester verabschiedete sich der Rektor von seiner Jeschiwa. Für die Zeit der Abwesenheit des Rektors hat das Kuratorium aus dem Dozentenkollegium die Herren Rabbinatsassessor Dr. E. Posen und Dr. M. Schlesinger mit det stellvertretenden Leitung der Jeschiwa betraut. Zum Rücktritte von Dr. Moses aus dem Direktorium der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 25. Okt. Wie bereits mitgeteilt, erklärte Dr. Moses infolge eines Artikels im „Jüdischen Eemeindeblatt", der programmatische Richtlinien zur gesetzlichen Regelung der Juden in Deutschland enthält, seinen Austritt aus denk Direktorium der jüdischen Geimcinde. In jenen von W o y d a entwickelten jüdisch-liberalen Jdeengüngen erblickten die Zionisten eine Verkennung der Zeit und einen „Mißbrauch der Steuergelder", mit denen das Eemeindeblatt finanziert wird. In dem nunmehr veröffentlichten Antwortschreiben des Eemeindevorstandes an Dr. Moses heißt es u. a.: „Wir protestieren dagegen, daß die Verössünttichungen in der letzten Nummer des Eemeindeblattes irgendwie' geeignet seien, die Tätigkeit der Reichsvertretnng zu erschweren. Eine solche Absicht hat bei keinem der Artikelschreiber Vorgelegen. Die Reichsvertretung ist bisher mit programmatischen Forderungen nicht in die Oeffentlichkeit getreten. Dies erklärt sich ohne weiteres aus der Art ihrer Zusammensetzung, ganz abgesehen davon, daß auch im übrigen gewichtige Gründe für diese Zurückhaltung der Reichsvertretung Vorgelegen haben könnten. Die veröffentlichten Aufsätze, also auch insbesondere der des Mitgliedes des Gemeidevorstandes Dipl. Ing. W y d a, sind in der Nummer des Eemeindeblattes ausdrücklich als Prioatarbeiten gekennzeichnet. Sie entsprechen ihrem allgemeinen Inhalte nach denjenigen Auffassungen, die bei der Mehrheit der Eemeindekörperschaften bestehen. Wir ftltb im Gegensatz zu Ihnen der Ileberzeugung, daß diese Auffassungen keineswegs überlebt sind. Wir wissen vielmehr, daß sie die Billigung der Mehrheit der Berliner und der deutschen Judenschast finden. Wir sehen uns deshalb nicht veranlaßt, die in Frage kommende Veröffentlichung zu bedauern, und überlassen es ihnen-, die angedrohten Folgerungen zu ziehen. — —" Wenn man eine angeblich parteilose, in Wirklichkett unter/ zionistischem Parteieinfluß stehende „Vertretung" schafft und "dabei diejenige „Partei"'ausschließt, die das alte historische Judentum vertritt, braucht man sich über diese inneren Zwistigkeiten nicht zu wundern. Wirtschafts- und Kulturarbeit im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Berlin, 25. Okt. Die Bundesleitung des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten veranstaltete einen Jnformationskursus für die Landesverbände, in dem die Vertreter des Reiches genaue Mitteilungen über die Arbeiten und Erfolge der Bundes-' leitung erhielten. U. a. referierte Dr. Freund über allgemeine Zeitfragen und innerjüdische Probleme. Die von zionistischen Organisationen jahrzehntelang geleistete Vorarbeit zur Ermöglichung der Eristenzgründung von Juden in Palästina sei zw begrüßen. In diesem Aufgabengebiet könneder