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Der Israelit · 1933-11-02 · Heft 44 (2.11.1933) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 44 (2.11.1933)
Date
1933-11-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 44 D e r I s r a e I i t 2. November 1933 j\? ^°n IÖnÖ^ ^^etreten sein, wenn nicht die Massen INTERNATIONALE SPEDITION Frankfurt a. M. Teleion 30576 Gufleufsfr. 31 Lagerung, Verpackung, Umzüge, Gepäck, Versicherung Sammelladungen innerh. Deutschi. u. nach d. Ausland PALÄSTINA-TRANSPORTE Verhandlungen mit den fremden Regierungen zur Erzielung bestimmter Cinwanderungsquoten geführt werden. Auswanderung und Siedlungen größeren Stiles könnten allerdings erst dann in Betracht kormnen, wen es gelänge, die gewaltigen Mittel, öie hierzu notwendig sind, durch eine internationale Anleihc aufzubringen. Die Vorgänge in Palästina. Beunruhigende Nachrichten kommen aus pal ä st i n a. Nachdem die ersten arabischen Demonstrationen am 15. (Oktober einigermaßen glimpflich abgelaufen waren, wiederholten sich die Unruhen zwei Wochen später, am Freitag, den 2 7. (Oktober, in gesteigerter Form und führten, besonders in Jaffa, wo zur Zeit der Herd der Aufstände sitzt, zu einem Blutvergießen von bedenklichem Ausmaße..' 50 Tote und etwa 200 verwundete — das sind die Zahlen, die den Trust der Lage mit blutiger Schrift anzeigen. Cs fei von vornherein festgestettt, daß kein Jude an diesen Ausschreitungen, und wäre es auch in der Abwehr, aktiv beteiligt noch von ihnen betroffen ist. Ts ist zunächst ein K a m p f z w is ch c n arabischen Demonstranten und der auf Ru he und (Ordnung bedachten englischen und L a n d e s p o l i z e i. Aber es geht u m d e n I u d e n p tut k t. Die von langer Hand betriebene Hetze und vorbereiteten Demonstrationen sind zwar nicht von heute und gestern,'sie erhielten aber ihren neuen Auftrieb durch die j ii b i s ch e T i n w a n d erung aus Deutschland, die von den Stinrmungsmachern in ihrer Zahl stark übertrieben und in ihrer Bedeutung falsch dargestellt wird. Kein Wunder, daß die gesamte Iudenheit in der Golah, vorab aber in Deutschland, tief erschrocken aufhorcht, was geht dort vor, was ist passiert? Tin Sturm fährt über, das Mttelmeer und schreckt Hunderte von ihrem Palästinatraume auf. Ganz gerechtfertigt ist dieses ängstliche Aufschrecken nicht, wenn es auch sträflich wäre, in übertriebenem (Optimismus die Dinge zu bagatellisieren und über sie hinwegzusehen, wie über einen Sturm im Wasserglase. Nicht unbemerkt dürfen die Vorgänge in den leitenden Regierungskreisen des neuen Deutschland bleiben, von wo hie und da die Meinung vcclautbart wurde, als könnte zur Zeit die gesamte deutsche Iudenheit mit Sack und pack nach Palästina auswandern. Das deutsche Iudenproblcm wird doch zum größten Teile in Deutschland selbst seine Lösung suchen müssen, worauf wir wiederholt und auch anMitender Stelle unserer jüngsten Ausgabe, ohne oi neue Stadium der Dinge in Palästina zu ahnen, deutlich genug hingewiesen haben, Für die Juden, die in Palästina cingcwandert sind oder die sich zur Auswanderung dahin rüsten, liegt aber nach unserer Kenntnis der Verhältnisse gar kein Grund vor, zu schwarz zu sehen und sich durch jene Vorgänge von ihren Plänen irgendwie ab sch recken zu lassen. Gerade die Ausschreitungen am 13. und am 27. (Oktober haben den eklatanten Beweis geliefert, daß Cngland, im Gegensätze zu 1929, bestens gerüstet ist und die Lage vollkommen beherrscht. Rnö so lange dies der Fall ist, wird in Palästina Y'sn nichts Ernstli ch e s passieren, wird aber einmal, vielleicht in Jahrzehnten, Cngland, wie vom Irak, auch von Palästina die Hand wegziehen, dann ist inzwischen die jüdische Position so stark, daß sie den arabischen Nachbar nicht mehr zu fürchten hat. Man wolle uns nicht mißverstehen, wir meinen nicht etwa, daß dann mittels der jüdischen Kraft die Araber irgendwie majorisiert oder unterjocht werden. Wir meinen nur, daß es bis dahin gelingt, die Araber mit moralischen Mitteln, durch Beweis und Aufklärung,, zu einer vrrständigung mit den Juden zu zwing e n. Diese friedliche Verständigung müßte jetzt taub und blind wären für die Stimme der Vernunft und die Dinge, wie sie sind, dafür um so hellseh.estder und hellhöriger sind für all das, was ihnen, von Seiten bestimmter Interessengruppen zugetragen wird. Gerade die deutsche Einwanderung mit der Großzahl ihrer kleinen und größeren Kapitalisten und ihrer Unternehmer hat dem Lande wirbelt und Brot gebracht, die in gleichem Maße dem Araber wie dem Juden zugute kommen. Man hat k eine n Araber gezwungen, seinen Boden Juden zu räumen, so er sich nicht selber aus freien Stücken, zumeist aus. Gewinnsucht, entschloß, seine Scholle für Geld und zugunsten eines ihm im Blute liegenden Nomadenlebens heczugeben. Die große Enttäuschung, die die 5500 Zertifikate (man hatte 20.000 verlangt und erwartet) für das nächste Halbjahr den Juden gebracht haben, in einer Zeit, da die Felder, Plantagen und Baustellen in Palästina nach arbeitenden Händen geradezu schreien, hätte doch normalerweise den Arabern die „Genugtuung" verschaffen müssen, baß England ganz und gar kein Verbündeter der Juden gegen das Arabertum sei. Daß bei all dem jene blutigen Demonstrationen doch zustande kommen konnten, zeigt die ganze innere Unnatur und Unvernunft der Bewegung, was aber in solchem Maße unnatürlich und unvernünftig ist/ kann nicht auf die Dauer' bestehen. Und bis die Vernunft zu ihrem Rechte kommt — es möge dies recht bald geschehen — wird England auf der Hut bleiben und seine Pflicht tun. Im Folgenden bringen wir die einzelnen Nachrichten über die Vorgänge in den verschiedenen Städten: Jaffa, 29. Ott. Die Unruhe u begannen am Freitag gegen 12 Uhr vormittags nach dem G'ttesdienste in der Iaffaer Moschee. In den umliegenden Straßen versuchten etwa. 10 OOOAraber, dem von der Polizei erlassenen Verbot zum Trotz, sich immer und immer wieder zu einem Zuge zu formieren. Als von Seiten der Demonstranten geschossen, wurde und die Polizei das Feuer erwiderte und mit der blanken Waffe eingriff, sah die Lage sehr bedrohlich aus. Die Gegend vor der Moschee bot das Bild eines kleinen Schlachtfeldes. Vor dem Büro des Distriktskommissars sah man einen Kordon berittener Polizei, hinter dem 'die Truppen bereit standen. Gleich nach dem ersten Schütz verkündete ein Polizeikommissar das Inkrafttreten der A u f r u h r b e st i m m u n g e n, was ein Signal für die Polizei war, zu feuern. Das Feuer hielt etwa eine halbe Stunde an. Zwischendurch wurden wuchtige Steine aus der Menge gegen die Polizei geschleudert, Stöcke und Dolche fuchtelten in der Luft. Als gegen 2 Uhr die Schlacht abflaute, trug man zuerst einen toten und etwa 30 verwundete englische und arabische Polizisterz vom Platze. Einige Polizeipferde, von denen die Reiter heruntergerissen wurden, jagten herrenlos durch die Straßen. Bald kamen auch die Sanitäter, um die toten und verwundeten Demonstranten aufzunehmen. Es waren etwa 10 Tote und über 100 Verwundete. ' Näheres über die Toten war am Freitag noch nicht zu erfahren, man wußte nur, daß als erstes Todesopfer ein arabischer Polizist siel. Schwer "verwundet wurden die englischen Polizeioffiziere F a r a d a y und Sigrist, denen von der herbeigerufenen Ambulanz des Roten Mögen Dowid in Tel-Awiw, die sich im Hintergrund, aber bereit hielt, die ersteHilfe geleistet wurde. Andere Verwundete fanden im Tel- Awiwer Hospital „Hadassah" Ausnahme. Tel-Awiw, das mit Jaffa zusammengebaut und ganz verwachsen ist, blieb vollkommen ruhig. Selbstverständlich waren Schutzabteilungen in voller Bereitschaft. Allein abgesehen von dem bereits genannten sanitären Hilfsdienste, den man ohne Unterschied Engländern wie Arabern zukommen ließ, hatten die Schutzabteilungen von Tel-Awiw keine Veranlassung, abwehrend cinzugreifen. Der Ausnahmezustand wurde jedoch Freitag nachmittag, wie für Jerusalem und Jaffa, so auch für Tel-Awiw - verkündet. ' In den jüdischen Siedlungen und Kolonien haben, nach direkten Drahtberichten, leine« Ausschreitungen st a t t g e f u n d e n. Der Einsatz von militärischen Kräften war nirgendwo nötig. Jerusalem, 29. Okt. In Jerusalem, ebenso rn Haifa wie rn 91 a* blus (wo überhaupt keine Juden wohnen), begannen die Unruhen erst in später Abendstunde vom Freitag, nachdem die; Vorgänge von Jaffa bekannt geworden und unter den Arabern die Schauermärchen verbreitet waren, daß dort Hunderte von Arabern niedergemetzelt worden wären. Dort setzten sich die Unruhen noch in erhöhtem Matze am Samstag, den 28. Oktober, fort, lleberall konnte die Polizei ohne Zuhilfenahme' von Militär die Muhe in kurzer Zeit wieder Herstellen. Jedoch hört man, daß Truppenteile in Aegypten sich für alle Fälle in Marschbereitschaft befinden. Datz sie wirklich eingesetzt werden, ist nach Lage der Dinge nicht zu erwarten. ' In Jerusalem wurde bei der Abwehr' eines Angriffes auf eine Polizeistation ein Demonstrant erschossen. In Haifa waren es.Jasfaer Agitatoren, die die Menge anfwiegelten. Dort würde auch der Autobus einer jüdischen R e i s e g e s e l Ischaft angegriffen, von der einige ernstlich verletzt wurden. In Nablus mutzte die Polizei so scharf vorgehen, datz einige Tote auf dem Platze liegen blieben. - Der von den Arabern proklamierte Generalstreik schien sich am Samstag und Sonntag äuszübreiten. Mehrers führende Araber wurden v e r h a f t e t.. Es ist nochmals festzüstellen, datz mit Ausnahme des Ueberfalls auf den Autobus in Haifa, der unglücklicher Weise — am Sabbat! — in den Aufruhr hineinfuhr, es sonst an keiner Stelle zu Angriffen aus jüdisches Leben oder jüdisches Eigentum gekommen ist. In Tel-Awiw pulsiert der Verkehr ohne die geringste Störung. .HadarHakarmeH das jüdische Stadtviertel von Haifa, bietet ein Bild vollendeter Ruhe und Ordnung. Die in der unteren Stadt von Haifa Tn den arabischen Vierteln wohnenden jüdischen Familien flüchteten sich sämtlich in f die jüdischen Quartiere und kehren' jetzt in ihre Häuser zurück. In Tel-Awiw macht sich nur unangenehm bemerkbar, datz die- Straße nach Jaffa und somit der Weg nach Jerusalem, der über Jaffa führt, gesperrt ist.- . ' M In Hebron und Sased ist die Lage äußerst' gespannt, aber besonders in Safed, wo die Verwaltung an die Militärbehörde übergegangen ist, wird für Ruhe. und Ordnung vollkommen garantiert. Die äin Sonntag. Leider flammten in Je r u s al ein am Sonntag die Leidenschaften wieder aus. Gegen mittag rottete sich eine arabische Menge zusammen, die über den Kordon am Jaffatore hinaus in die Altstadt und, wie man vermutete, in die dortigen Judenquartiere zu gelangen suchte. Die jüdischen Geschäfte in der - Umgegend wurden gezwungen zu schließen. Die Polizei griff energisch mit Gummiknüppel und Schußwaffe ein und drängte die Massen zurück. In den Provinz st ü. dien verlief der . Sonntag ruhig. Aus Safed - wie auch aus Haifa wird berichtet, datz die Polizei dort vollkommen .Herrin der Lage ist. Auch in H e b r o n , wo die Gemüter nach wie vor stark erregt sind, hält die Polizei die Ruhe aufrecht. Indem jüdischem Siedlungen, sowohlin I u d ü a wie im E m e k, blieb auch am Sonntag alles in 'chönfter bester Ruhe. Die jüdische Bevölkerung geht in allen Kolonien ohne Spur von Angst und Nervosität in üblicher Weise ihrer Arbeit nach. Es kommen Meldungen über Unruhen in Transjo rd an i en und in Sy.ri en,,doch soll es sich dort vornehmlich nur um Sympathiekundgebungen iür das arabische Palästina handeln. Der von £er Arabischen Exekutive proklamierte General streik wird im Ganzen noch eingehakten, sodatz in arabischen Städten and Vierteln jeder Verkehr , stockt. Am Montag herrschte, nach Drahtberichten, im ganzen Lande Ruhe, wenn auch die Stimmung immer noch eine sehr gespannte ist. Die für den 30. Oktober geplanten Feierlichkeiten! zur Einweihung des n eu en Hafens in Haifa wurden mit Rücksicht auf die Lage abgesagt. Die Palästinabehörden verständigten einige dieser. Tags 'älligen Schiffe,^ zunächst in die Häfen von Jaffa und Haifa nicht einzufahren. So 'machteein Dampfer, der, von Konstanza kommend, 900 jüdische Passagiere, zumeist aus Polen, au Bord hat, einen Umwegnach« Port S a i d , wo aber die. ägyptischen Behörden > die Emigranten nicht an Land gehen ließen. Das' aus Amerika kommende Schiff'- „Martha", das rn Neapel auch deutsche Auswanderer an Bord nahm, blieb mit 600 Passagieren, in der Reede von Larnaca in Eypern

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