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Der Israelit · 1933-11-02 · Heft 44 (2.11.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 44 (2.11.1933)
Date
1933-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 44 Der Israelit * 2. November 1933 ncm Gehirn entstanden, eine Ieschiwah Ge - d a u i o b von nie gekannten Ausmaßen sollte gegründet werden, die die rmnn 1122 so zur Geltung zu bringen hätte, wie einstens die babylonischen Schulenmit ihren '°?2 und Kirfo ’wn- Lin Traum? Für diesen Mann waren Träume, wenn sie für Thora und Judentum geträumt waren, Wirklichkeit. In Lublin, der Stadt des Maharam und Maharfchal und Anderer aus der großen Zeit, da die Thora nach Polen verpflanzt wurde, sollte sich diese ■»asn erheben, als Wahrzeichen der jüdischen Kraft, der jüdischen Zukunft. In Berlin lauschten zehntausend Menschen den Worten des fremden Rabbi. In Frankfurt ist uns die von Tausenden besuchte Massenversammlung im großen Saale des Zoologischen Gartens noch in guter Erinnerung. In anderen Großstädten war der Erfolg ähnlich. Dem Triumphzuge durch Deutschland und andere Westländer schloß sich eine Agitationsreise nach A m e r i k a an, wo der Rabbi, wie er sich oft selber ausdrückte, „aus Stein Wasser -schlug," wo er Menschen, die weitweg vom jüdischen Leben sich bewegten und das Wort Ieschiwah längst aus ihrem vorstellungskreise ausgeschaltet hatten, mit der Macht seines Wortes und seiner Persönlichkeit für seine Pläne erweichte und gewann. 100.000 Dollar brachte er aus Amerika, in einer Zeit, da sich dort schon die ersten Spuren der Krise bemerkbar machten, als Grundstock für Lublin mit. Der Bau konnte nach seinen Plänen in Angriff genommen werden. Er war der Initiator, er war der Baumeister, er war der geistige Leiter und zugleich der Agitator und Finanzverwalter des Unternehmens, und er brachte das. vielfache Wunder zustande. Ini Sommer 1950 wurde der Bau auf der Anhöhe vor der Stadt Lublin mit einem grandiosen Feste eingeweiht, an dem die höchsten Regierungsbehörden teilnahmen. Ein Palast war entstanden, wie ihn die Welt für diesen Zweck noch nicht gesehen hatte, schöner und geräumiger als jede Universität in Polen, als manche in Westeuropa, ein Internat für 400 junge Menschen — nur die Hälfte dieser Zahl konnte zunächst ausgenommen werden — mit einem Hör- und Lehrsaal, mit einem Lethause, mit einem Speisesaal und Schlafräumen, wie man sie in Ieschiwoth bisher nicht gekannt hatte. Die Thora muß in Freude, in Bequemlichkeit gelernt werden, lautete sein Grundsatz. „Die Schechinah weilt nicht, wo Trauer und Trägheit wohnen." Es mochte etwas von der chassidischen Lebensfreude in dieser Auffassung (Rabbi Meiir gehörte zur Tschotkower Richtung) mitgespielt haben. Litauen sah und horchte auf; das Litauen des wilnaer Gaon, des Rabbi Israel Salanter, des Ehofcz Ehajim war von jeher allem Prunk und aller großen Aufmachung abhold. Man huldigte dort dem Grundsatz bv n2*n X'N *p 'i2i n^an ns miiv in der Hoffnung, daß s^pan bs ">21 rrnnn nx- Man war ein wenig unzufrieden und übte auch Kritik. Aber wie wußte der „Sanoker", der jetzt auf dem Wege über pietrekow auch zum Lubliner R a w geworden war, all diese Bedenken zu zerstreuen! Man hatte auch schließlich in Litauen tiefe Verehrung und Bewunderung für das Wunderwerk in Lublin. Und als uns vor mehr als zwei Jahren gegönnt war, einen unvergleichlichen und unvergeßlichen Sabbat in Lublin zu verbringen, in der Rahe dieses begnadeten Mannes, im Kreise von zweihundert Jünglingen, den Begabtesten und Reinsten in Polen, an einer Festtafel, die eine königliche genannt werden konnte, bei einer Weihe und Freude, die uns jetzt noch bei der bloßen Erinnerung daran eine rmvi ri’Vy erleben läßt —, und wir gleich danach Gelegenheit hatten, auch die litauische Art und Methode in der keuschen, stillen Insel vonnDinp mnDi M i r kennen zu lernen, da wußten wir, wie gerechtfertigt und ttefverwurzelt im Wesen und im Zukunftsgrund des Judentums b e i d e Systeme sind; das eine eben für das geistig klare und mussardurchtränkte Litauen, das andere für das gemütstiefe, chassidisch durchwärmte Polen!... Mit tiefster Verehrung und Bewunderung, aber — das sei Heute gesagt — auch nicht ohne Bangen beobachteten wir in diesen paar Tagen die übermenschliche Tatkraft des Rabbi, auf dessen Schultern allein das ganze Riesenwerk von Lublin ruhte, mit all dem Glück, das es ihm verschaffte und mit all den schweren Sorgen, die es ihm auferlegte. War er doch Vater eines jeden Schülers, auch des jüngsten, und zugleich der sorgliche Vater des Werkes im ganzen, in seiner geistigen wie materiellen Struktur. Er war nebenbei auch Raw der Großgemeinde Lublin, Jedermann seiner Kehillo in Liebe zugetan und aller Lasten mittragend. Db er sich nicht zu rasch aufbrauchte? Aber wer hätte gewagt, auch nur andeutungsweise solche Frage an den Mann zu stellen, von dem eine solche Urkraft und ein -solches Feuer ausging, daß wir alle mitgeriffen waren, daß wir uns in den paar Tagen in feiner Rähe selbst um Jahrzehnte verjüngt fühlten. „Ein beständiges Feuer brannte auf dem Altäre, ohne zu verlöschen." Und der Altar v e r b r a n tt t e n u n. Möge der Tempel, den der Mann errichtet hat, weiter bestehen und weiter bis in die späteren Generationen hinein Zeugnis äblegen von dem, was ein -einzelner jüdischer Mensch erreichen und errichten kann, wenn er vom heiligen Feuer G'ttes erfaßt wird und erglüht ist. Mögen nun mehrere in die Bresche treten, um die Arbeit, die der eine Mann geleistet hat, mit gemeinsamer Kraft aufzunehmen. Es liegt vielleicht darin eine heilige Aufgabe des gesamten Judentums. Ein großes Vermächtnis hat uns der „Lubliner Raw" hinterlassen, cs muß verwaltet werden. Wer nebeir dem Rabbi auch den Menschen Rabbi Meiir Schapiro gekannt hat, der wird noch eine eigene Träne der rein menschlichen Seite dieses Mannes widmen, xsnx2 'H21 rrnsnp 'x.nh 'Xi „Wehe unr so viel Schönheit, die in die Erde sinken muß! Wer jemals in seiner Gesellschaft war, seiner Unterhaltung teilhaftig wurde, seine geistsprühenden und packenden Formulierungen auf sich einwirken ließ, der wußte, welche Bewandtnis es mit dem Talmudworte hat -nio-ch p2'"iiL bw N1N'L> 'b'LX Rabbi Meiir ist heimgegangen; ein — nach den Maßftäben unserer Zeit gemesseir — neuer Matz a r a m , wird ec an der Seite jenes Maharam, neben den ] * b 2 1 b ■» 0 2 n auf dem altgeweihten Friedhöfe von Lublin ruhen. Wir werden stets fein starkes, zukunftsfrohes, zur Arbeit ermutigendes Wort hören, und nicht erlahmen, wir sind es dem Andenken der beiden Großen, die in kurzem Zeiträume von uns gegangen sind, schuldig. p' DmDT Wochenrundschau. Ein Wort zum 12. November. Daß die jüdischen Wähler in ganz Deutschland am 12. Rovember geschlossen zur Wahlurne gehen und die klare Frage, ob Deutschland Anspruch auf Gleichberechtigung in der Welt habe, einstimmig mit I a beantworten, halten wir für so selbstverständlich, daß wir glauben konnten, gar nicht erst viele Worte darüber verlieren zu müssen. Da aber trotzdem, wie aus Anfragen und Zuschriften hervorgeht, einige Unklarheiten über das erwünschte Maß unserer Teilnahme herrscht, fei hier ein kurzes Wort zur Aufklärung -ausgesprochen. Ls ist uns die Teilnahme am Volksentscheid und an der Reichstags w -a h l in einer Zeit, da täglich Gesetze und Verordnungen uns die Grenzen unserer Rechte und Pflichten zeigen, nicht versagt worden, ergo.ist sie erwünscht, und wir werden dem Rufe Nachkommen. Unsere Stimmen fallen dieses Mal, wenn auch nicht entscheidend, doch immerhin viel schwerer ins Gewicht, als bei früheren Wahlen für ein Parteiparlament. Damals pflegte sich das Häuflein unserer Stimmen in alle Winde zu zerstreuen und sich bis zu einem Richts zu zer- Opferwille. Von Rabbiner Dr. 2tt. Lewin in Hamburg, Für (B’tt, der der Herr und Gebieter der Welt ist und der Vater aller Menschen, sollen wir bereit sein, unser Bestes und Letztes hinzugeben, diese bedeutsame Lehre ist im letzten der Sinn jener Erzählung, die in unserem religiösen Bewußtsein so tief verankert ist. Diesen Gedanken zur vollen klaren Anschauung zu bringen, ward Abraham erkoren, nachdem er, ein Beispiel und Vorbild edlen Menschentums, auf Glltes Geheiß das untilgbare Bundesmal der ewigen Verbundenheit mit Ihm, den er als erster in seiner Allmacht und Allgüte erkannt und verkündet hat', seinem Körper aufgedrückt. Alle die großartigen Menschentugenden, die wir an unserm Stammvater bewundern, machten ihn würdig jener Berufung, die die größte und schwerste Prüfung seines Lebens wurde. Sie waren die Sprossen an der Leiter zum Gipfel seines Ewigkeitswertes. Er mußte erst sich als edlen Menschen bewährt haben, ehe er mannigfach erprobt und gestählt, dem Herrn zurufen durfte: 'iw „Hier bin ich", zu allem bereit, zu opfern und zu tragen, ganz wie du es befiehlst. Vielleicht wollen dies die einleitenden Worte des Akeüohgeistes besagen: tv>i n^xn n’iain inx Erst nach diesen Begebenheiten war es, — in denen allen Abraham als Inbegriff edelsten Menschentums hervorleuchtet — Dmax n« nt» 'pi’xm daß G'tt den Abraham prüfte. Großes hat der Patriarch bereits geleistet, viel Größeres mutet ihm G'tt nun zu, und da er nicht versagt, nicht schwankt und nicht zweifelt, wird er nun der zehnfach Geprüfte, 01 das hochragende Panier des Opfermutes und Opferwillens, das allen Zeiten und Geschlechtern als anspornendes und begeisterndes Symbol voranleuchtet. G'tt nimmt den guten Willen als Tat und Erfüllung, — lehren unsere Alten. Das Verlangen, den Auftrag zu erfüllen, der ihm geworden, hat der Ahn in wunderbarster Werse bezeugt. Es bedurfte des zweimaligen Anrufs: mrox »nn-nx — so sehr war -er versunken in die Erfüllung des erhabenen G'tteswortes —, um den Patriarchen aufmerksam zu machen auf den Ruf, der nun an ihn erging. Ein Engel ist es, der jetzt zu ihm redet und ihm die frohe Verheißung kündet, daß die Aufforderung G'ttes nur eine Prüfung gewesen. -|Trp r,x nx roem narr 'pbx *n» m w» nnsf „Nun habe ich erkannt, baß du g'ttesfürchtig bist und hast mir deinen Sohn, deinen einzigen nicht verweigert." — Einen schweren Kampf hatte der Ahn zu bestehen. Die Aufforderung, die G'tt selber an ihn richtete, stand im schroffsten Widerspruch mit seinem Glauben und alledem, was er erfahren und aus dem Munde des Herrn vernommen: 711 -p x->w pnra '2 „denn in Jizchok soll dir Same genannt werden." Nicht aber durste er als G'ttes Diener zweifeln, und er drängte feine Bedenken zurück, um zu bestehen. Nun erlebte er einen Triumph feines Glaubens und Vertrauens, und es genügte das Wort eines Engels, um ihm die Sendung, zu der er ersehen ward, im entscheidenden Augenblicke zu deuten. Sein Gehorsam und Opferwille ist bezeugt und seine sittliche Größe ins rechte Licht gestellt durch seinen Willen zur Tat, bic, der Herr nur bedingt ihm als Ausgabe gestellt. Die Opferung Jizchoks hat der Herr dem Patriarchen geboten, feine Aufgabe war aber mit der mr>y erfüllt. Daß der Vater den Sohn band auf dem Altar, den er errichtet, das genügte zur Krönung seines Opferwillens und wurde das Samenkorn, aus dem das fror mnx» die Frucht edlen Vorbildes für alle Geschlechter des Abrahamsvolkes heranreifte ... Oft genug hat man die Erzählung von der Akedoh zur Zielscheibe mannigfacher Angriffe gemacht. Glorifizieren nicht aber sonst die Menschen und Völker gerade jene, die für ihre Hdeen und Wahrheiten das höchste Opfer ihrer Persönlichkeit und ihres Lebens eingesetzt. Werden nicht die Eltern in allen Tönen gepriesen, die ihre Kinder angespornt, ihr Leben aus dem Altar des Vaterlandes zu opfern? Da sollte doch wohl Abrahams Glaube und Hingebung Anerkennung finden oder doch wenigstens nicht dem Spott preis gegeben werben, wo es doch die höchste Idee ist, für die er sich einsetzt und auch die schwersten Opfer zu bringen sich bereit zeigt. Wir wissen es, mir fühlens unb erfahren es immer von neuem, daß noch gar fern ist die Zeit für die Erfüllung der Himmelsbotfchast: .'l>p2 n?n» Ivx 2pff pxn l>2 15172 1212N.11 „Und es werden sich mit deinem Samen alle Völker der Erde segnen, als Folge dessen, daß du meiner Stimme gehorcht hast." Ach, wir, die Abrahamssprossen, fühlen uns nun gerade wegen dieser unserer bis in die Urzeit zurückreichenden Gemeinschaft, im eigenen Lande wie entwurzelt und verstoßen! Gleichwohl dürfen wir nicht verzweifeln. G'ttes Wort trügt nimmer. Es wird zur Wahrheit werden und darum alles Dunkel beseitigen und alle Dünste und Nebel schwinden lassen. Nur muß für uns voll und ganz zur Geltung kommen: pxv 111 px L2N12X2 12, Kein Geschlecht gibt es in Israel, in. dem nicht etwas vom Abrahamsgeiste lebt und waltet. Abrahamssprossen sind wir, das soll uns trotz allem keine Last erscheinen. Das soll unser Ruhm, unsere Ehre blei-

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