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Der Israelit · 1933-10-26 · Heft 43 (26.10.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 43 (26.10.1933)
Date
1933-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 43 Ser ,3'S.ra e I i t 26. Oktober 1933 treten soll. Er sprach sich ferner dafür aus, daß in der Regel die jüdische Gemeinde Träger der Schulen werden soll. ' Im übrigen wird der Ausschuß sowohl hinsichtlich der Finanzierung als auch der Durchführung einer großzügigen Propaganda für das jüdische Schulwerk in ständiger enger Zusammenarbeit mit dem Elternhilfswerk der deutschen Juden Vorgehen. Schließlich wurde in der Sitzung über die Unterstützung einiger zu jüdischen Landesschulheimen ausgestalteten Schulheime beraten. Die deutschen Juden im Weltkrieg. Berlin, 23. Okt. Der „Amtliche Preußische Pressedienst" veröffentlicht folgendes Schreiben, das der Präsident des Neichsarchivs an den preußischen Minister des Innern gerichtet hat: „Die einzige amtliche Statistik über die Beteiligung der Juden am Kriege wurde vom ehemaligen preußischen Kriegsministerium im Dezember 1916 aufgestellt und im Januar 1917 ergänzt. Sie erstreckt sich also nur über zweieinhalb Kriegsjahre und beruht nicht auf raffenmäßiger, sondern aus religiöser Grundlage. Wenn daher auch die Fragen des Ministeriums nach der Zahl der jüdischen Frontkämpfer und der jüdischen Gefallenen im Weltkriege nicht beantwortet werden können, so bieten dis Prozentzahlen der Statistik: 0,6 Prozent Juden im Feldheere (davon 22 Prozent nicht mit der Waffe) und 0,3 Prozent Anteil der Juden an den Gefallenen immerhin einen zuverlässigen Anhalt auch für die Beurteilung des jüdischen Anteils in Bezug auf die 'gesamte Dauer des Weltkrieges, da sich an dem prozentualen Verhältnis Wesentliches nicht mehr geändert haben kann. Die jüdische Literatur kommt natürlich zu anderen Ergebnissen. Die amtliche Statistik ist nach dem Kriege in dem Buche „Franz Oppenheimer, Die Judenstatistik des Pr. Kr. Min." als tendenziös angegriffen worden. Demgegenüber ist zu betonen, daß die Statistik ursprünglich lediglich zur Information des Kriegsministeriums selbst gedacht war. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat im Jahre 1932 ein Gedenkbuch „Die jüdischen Gefallenen" herausgegeben, das auf Seite 419 glaubhaft zu machen sucht, daß von den im Buche enthaltenen Namen 10154 behördlich nachgewiesen seien. Damit ergibt sich allerdings gegen die amtliche Statistik ein ganz gewaltiger Unterschied. Wenn die Statistik für den 1. November 1916 die Zahl der Gefallenen mit 906 625. — davon 3411 Juden — angibt, so folgt mit der für den gesamten Krieg festgestellten Totenzahl von 1 843 308 ein für die Juden sehr hoch gerechneter Anteil von 7000 Gefallenen, während das jüdische Gedenkbuch eine um annähernd die Hälfte größere Zahl bringt. Diese Zahl läßt sich nur dadurch erklären, daß das jüdische Gedenkbuch zum Teil auf rafsenmäßiger Grundlage beruht, während es bei der von ihm nur auf 555 000 bezifferten Eefamtzahl der Juden in Deutschland die religionsmätzige Zugehörigkeit rechnet." Dazu teilt die Bundes - Leitung des R. j. F. mit, daß diese Auffassung nicht in Frage kommt. Es wird auch zu ihrer Begründung in dem Brief keine Tatsache angeführt. Der R. j. F. hat die Namen durch Umfragen bei den jüdischen Gemeinden und jüdischen Organisationen erhalten. Dann Hai er diese Liste vielfach durchgeprüft. Hieraus erst wurde die Identifizierung der Namen bei den erwähnten amtlichen Stellen durchgeführt. Der R. j. F. erklärt, daß er zur unbedingten Nichtigkeit seiner Liste steht und zu jeglicher Nachprüfung, die infolge der Anordnung der Liste sehr erleichtert ist, jederzeit gerne bereit ist. „Arier im weiteren Sinn". — Dr. von £cers definiert den Arierbegriff. Berlin, 23. Okt. In der Reihe der erbbiologischen Vortrage, die von der Deutschen Heilpädagogischen Gesellschaft veranstaltet werden, hielt Dr. Johann von L e c r s einen Vortrag, in dem er u. a. erklärte, das Wort arisch sei in erster Linie ein Abwehrwort gegen Juden und kulturunschöpferische Nassen. Eine Diskriminierung von Hochrafsen enthalte es nicht. Man müsse zwischen Minderrassigen und Andersrassigen unterscheiden. Minderrassig sei das Negertum mit allen seinen Abarten. Bei den großen ostasiatischen Kulturvölkern handele es sich nicht um minderwertige, sondern um andersartige Nassen mit vielfach nordischer Grundlage. Turanier, Ungarn, Finnen und Esten könnten als „arisch im weiteren Sinne" den Jndogermanen gleichgesetzt werden. .. . 1 —----~ vermerk für rekchsdeutsche Studenten nichtarischer ■'v Abstammung. In der Berliner Universit ät ist folgender Anschlag angebracht worden: „Reichsdeutsche Studenten nichtarischer Abstammung, die bisher einen Ausschlußbescheid nicht erhalten haben, werden aufgefordert, sich' im Senatssaal einzufinden zwecks Aufnahme eines Vermerkes in des Studienbuch über die Zulassung zum Weiterstudium an der Universität. Erst wenn ein solcher Vermerk in das Kollegbuch oingsekragen ist, ist ein Belegen von Vorlesungen in der Quästur gestattet." Winterhilfe auch für Nichtarier. Hamburg, 23. Okt. Wie die „Frankfurter Zeitung" erfährt, wurde auf eine Anfrage, die sich auf Unterstützung der jüdischen Bevölkerung durch das Winterhilfswerk bezog, von maßgebender Stelle der Leitung des H a m b u r g i f ch e n Winterhilfswerks erklärt, daß auch bedürftige jüdische Mitbürger Anträge beim Winterhilsswerk stellen und diese Anträge in gleicher Weise' wie andere berücksichtigt werden können. . Die Werbearbeit des Reichsbundcs jüdischer Frontsoldaten für die deutsche Wirtschaft. Leipzig, 23. Okt. Die literarische Abteilung des Leipziger Messeamtes bringt in folgender im Einvernehmen mit dem Leipziger Polizeipräsidium der Tagespresse zugeleiteten Rotiz seine Anerkennung für die vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten im Interesse der deutschen Volkswirtschaft entfaltete Tätigkeit zum Ausdruck: .. Zur diesjährigen Leipziger Herbstmesse., veranstaltete der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung für in- und ausländische jüdische Meßbesucher, die unter dem Motto „Der Wiederaufbauwtlle der deutschen Juden in der deutschen Wirtschaft" stand. Dr. Fraenkel, Berlin, Geschäftsführer des Reichsbundes, wies in einer Ansprache aus den Willen der Reichsregierung hin, daß in dem Kampf gegen die furchtbare Geißel der Arbeitslosigkeit keine Hand zurückgewiesen werden dürfe, die bereit sei, am Bau eines neuen großen Deutschlands mitzuschaffen.- Die jüdischen Frontsoldaten, die 1914 bis 1918 Schulter an Schulter mit ihren nichtjüdischen Kameraden für Deutschland gekänrpst und geblutet hätten, würden sich auch heute in selbstverständlicher Pflichterfüllung an Deutschands wirtschaftlichem Wiederaufbau beteiligen, wobei für sie das Wort des Reichskanzlers Adolf Hitler maßgebend sei, wonach in der Wirtschaft nur das Können ausschlaggebend sein dürfe. Die Erfahrungen der Juden in vielen Zweigen der Wirtschaft und ebenso ihre für die deutsche Ausfuhrwirtschast nicht zu entbehrenden universellen Beziehungen seien im Interesse des Volkes restlos einzusetzen. Dieser Einsatz werde in der Erkenntnis geleistet, daß die Erträgnisse solcher Arbeit nicht nur in den Dienst der eigenen Sache, sondern in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen sind. Die Bereitschaft zu solcher Haltung habe die deutsche Judenschast schon bewiesen. Den „paar elenden Lumpen und Schiebern der Nachkriegszeit" stehe die große Zahl edler Stifter und Kultursörderer unter den deutschen Juden gegenüber. Dr. Fraenkel schloß seine mit großem Beifall ausgenommenen' Ausführungen mit einem Bekenntnis ZUM deutschen Daterlande. Danach erklärte der Syndikus des Leipziger Messeamtes, Rechtsanwalt Dr. Niedenführ, unter Hinweis auf die Notwendigkeit des deutschen Exports, daß die Leipziger Messe nach wie vor international bleibe. (£r dankte Herrn Dr. Fraenkel für sesne Ausführungen, die nach seiner Meinung wert gewesen wären, durch Rundfunk von der ganzen Welt vernommen zuwerden, da dadurch angesichts der unsinnigen Greuel- und Äoykottmeldungen tm gesamten Ausland dem deutschen Volk | ein großer Dienst erwiesen worden wäre. I Aufgelöste jüdisches Schulen. ' : , , Kassel, 16. Okt. Zum 1. Dezember bzw. 1. Januar sind ungefähr 25 jüdische V o l k s s ch u l e n1 auf Vorschlag der Regierung durch das Ministerhun wegen ihrer geringfügigen Kinderzahl — die Befuchsziffer bewegte sich bei allen unter 15 — aufgelöst und die Kinder in andere Ortsschulen umgeschult worden. Die betreffenden Lehrer wurden in den Ruhestand versetzt. — Es wird Aufgabe der Gemeinden sein, sich diese Lehrer , durch Zahlung der Differenz zwischen dem Pensionsgehalt und dem zur Bestreitung ihrer Existenz notwendigen-Mindesteinkommen zur religiösen Betreuung der Gemeinden, insbesondere zur Leitung eventuell zu errichtender Privatschulen, zu erhalten. In vielen Fällen wird es notwendig sein, daß sich mehrere Gemeinden zu sogenannten Bezirkslehrerstellen zufammenschliehen. Leider wird es bei alledem infolge der außerordentlichen Verarmung der kleinen Gemeinden nicht möglich fein, ohne Hilfe von außen diese Maßnahmen durchzuführen. Eine besondere Sorge der Hilfsorganisationen muß es sein«, den leistungsschwachen Gemeinden, deren Schule' noch erhalten blieb, Zuschüsse für ihre Zahlungen an die Landesschulkasse zu gewähren, um nicht eine Aushebung dieser Schulstellen aus finanzielle Gnründen mit zu verursachen. Deutscher Gruß von Juden unerwünscht. G o t h a, 23. Okt. Die Gothaer Stadt- und Kreisleitung, der NSDAP, erließ folgende Bekanntmachung: „Es ist wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob Juden auch den deutschen Gruß zu leisten haben. Um alle Mißverständnisse in Zukunft zu unterbinden, geben wir hiermit bekannt, daß der deutsche Gruß ein Gruß der Deutschen ist, der von Inden nicht nur nicht verlangt wird, sondern der von ihnen nicht einmal erwünscht ist. Die Bevölkerung wird daher ersucht,. Juden, die den deutschen Gruß nicht anwenden, unbehelligt zu lassen." Fakultätsgutachten über den Arierparagraphen in der Airche. Marburg, 23. Okt. Ein Gutachten der theologischen Fakultät der Uni-' versität Marburg besagt, daß der Arierparagraph in der christlichen Kirche nicht angewendet werden dürfe, denn die Kirche dürfe ihre Einheit nicht preisgeben. Eine staatsbürgerliche Beschränkung sei von der Kirche nie vertreten worden. Polen. Die Töchter des Beth Jakob-Seminars trauern um den Thofez Thajim Vst« Krakau, 16. Oki. Zu den populärsten rabbittifchen Namen im Lehre-- rinnenseminar gehörte gewiß der des Chofez Ehajim, dessen Schriften, dessen Mahnungen und Gleichnisse man hier wie die heiligen Vermächtnisse aus ältesten jüdischem Zeiten lernte. Man wußte auch, der Alte von Radin roar ein Freund nnb Förderer der Frauenbewegung und ddr Frauenbildnng im Sinne und im Geiste des Beth Jakauw. „Jeder, der G'tt im Herzen hat, ist verpflichtet, feine Töchter in die Beth Jakob-Schule zu schicken", war in einer seiner letzten Bekanntmachungen, seiner „Briefean das jüdische Volk", zu lesen. Chofez Ehajim wirkts als Lehrer im Seminar von der Ferne, durch seine Schriften, durch seine Kundgebungen. So begreift man, welche tiefe Trauer die Kunde von seinem Heimgange hier auslöste. Es war eine A b g a n g s f e i e r für die Ab- 'olventinnen angesagt, und diese Feier verwandelte sich in eine T r a u e r k u n d g e b u t n g von tiefster - Wirkung. Der Direktor, Herr O r t c a n , hie.lt die Gedenkrede und zeichnete in großen Zügen die Persönlichkeit und das Lehrsystem des Ehofez Ehajim, schilderte das große Unglück, das das jüdische Volk in schwerer Zeit mit dem Scheiden dieses größten Führers getroffen hat. Lautes Schluchzen der Hörerinnen begleitete die Worte und gute Vorsätze machten die Stunde der Trauer zugleich zu einer solchen der Weihe. Möge das fnst des Großen dem Hause beistehen, aus dem bisher schon sein Segen ruhte. Schweiz. Die Frage der Auesseth Israel in der Mandatskommission. Genf, 24. Okt. Am 23. Oktober wurde in Genf die 24. Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes eröffnet. Auf der Tagesordnung steht u. a. eine Aussprache über die vom Verband der orthodoxen Juden Palästinas A g u d a s Israel der Mandatskommission schon auf ihrer letzten Tagung oorgelegte Petition, in der eine Abänderung der Verordnung über die Konstitution der jüdischen Gemein-

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