Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1933)
- Date
- 1933-10-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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26. Oktober 1933^ schast Palästinas in dem Sinne gefordert wird, daß die orthodoxen Gemeinden als gesonderte Körperschaften öffentlichen Rechts anerkannt werden, sowie über das Memorandum, das der Waad L eu m i und das Oberrabbinat zu derselben Frage der Mandatskommission unterbreitet haben. Ferner soll die Kommission sich mit einer Petition befassen, die der arabische Rechtsanwalt Abdul H a d i eingesandt hat, und schließlich mit den Erläuterungen des High Commissioner Palästinas zum Bericht über die 22. Tagung der Mandatskommission. Es ist damit zu rechnen, daß ' die Beratung über Palästina vertagt werden wird, falls der deutsche Berichter st atter Nuppel zur Tagung der Mandatskommission nicht erscheint. England. Flüchtlingskommissariat und Sitzung des Board of Deputier. L o n d o n, 23. Okt. Die letzte Sitzung des Board of Deputies war der Frage der Koordinierung der Hilfsarbeit für die aus Deutschland ausgewanderten Inden gewidmet. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Regelung dieser Frage durch Zusammenarbeit der in London zusammentretendcn jüdischen Hilfskonferenz mit den auf der letzten Völkerbundstagung eingesetzten Instanzen für Flüchtlingsfürsorge, dem O b e r - kommissar für Flüchtlingsfragen und seiuem Beirat, augeftrebi wreden müsse. Professor Normair B e n t w i ch erstattete einen Bericht über den Verlauf der Beraturrgen in Genf und die Tätigkeit der jüdischer: Vertreter. Daß in die Kommission der Regierungsvertreter, die dem Obeckvmmissar für Flüchtlingsfragen als Beirat zur Seite stehen soll, auch ein Vertreter der Vereinigten Staaten gewählt wurde, deutet nach der Ansicht Professor Bentwkchs darauf hin, daß der Völkerbund von den Vereinigten Staaten erwartet, sie würden ihre Tore für die Niederlassung einer Anzahl von Auswanderern aus Deutschland öffnen. Der Mitvorfitzende des Joint Foreign Committee Neville Laski hielt ein Referat über die Bedeutung der am kommenden Sonntag zusammentretenden jüdischen Welt Hilfskonferenz. Die Einsetzung des Flüchtlingskommifsars gebe den Beratungen dieser Konferenz ein besonderes Relief. Laski sprach die Hoffnung aus, daß es auf der Konferenz gelingen werde, die Arbeitender auf ihr vertretenen Organisationen in geordneten Zusammenhang zu bringen. ' Nach einer längeren Aussprache wurde der Beschluß gefaßt, einen Sonderausschuß einzusehen zur Ueberprüfung des verwaltungstechnischen Apparates des Board, dessen innerer Ausbau den an den Board herantretenden großen Anforderungen nicht entspreche. Es wurde ausdrücklich daraus hingewiesen, daß diese Reorganisation ausschließlich im Hinblick auf die jetzigen außerordentlichen Aufgaben des Board geboten erscheine und daß durch diesen Beschluß in keiner Weise an der Leitung des ‘ Board Kritik geübt werden solle. Die Vorbereitungen zur jüdischen rvetthilfskonserenz. London, 20. Okt. Die Vorberitungen zu der für den 29. Oktober vom Joint Foreign Committee des Jewish Board of Deputies und der Anglo Jewish Association gemeinsam mit großen jüdischen Organisationen Europas und Amerikas nach London einberufeuen jüdischen Welthilfskonf e r e uz sind in vollem Gange. Die Mehrzahl der zur Konferenz eingeladenen Körperschaften hat bereits zustimmend geantwortet und die Delegationen zur Konferenz nominiert. Die allgemein zugängliche Eröffnungssitzung der Konferenz wird am 29. Oktober, morgens, im Hanfe des Board of Deputies abgehalten werden. Im Hinblick auf Gerüchte, denen zufolge von gewisser Seite auf der Konferenz ein Entschließungsantrag eingebracht werden soll, in dem ein Boykott deutscher Waren verlangt wird, erklärt das Vorbereitungskomitee, daß ein solcher Antrag, falls er wirklich gestellt werden sollte, nicht nur nicht zur Abstimmung gebracht, sondern nicht einmal zur Erörterung zu ge lassen werden würde, da er mit dem Gegenstandd er Beratung, die ausschließlich aufbauender Hilfe für deutsche Juden gewidmet sein wird, nichts zu tun hätte. .Der a e..I t t Palästina. Nur 5500 Palästina-Zertifikate bewilligt. Arbeitermangel in Jerusalem. Jerusalem, 23. Okt. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat die Palästina-Negierung für die Einwanderungsperiode Oktober 1933 bis März -1934 einschließlich der 2090 im Voraus gegebenen Einwandsrungszertifikate nur 5500 Zertifikate bewilligt (nicht 7000, wie an anderer Stelle berichtet), von denen 500 zur nachträglichen Legalisierung des -Aufenthalts von Touristen, die ihre Aufenthaltsfristen überschritten haben, zurückbehalten werden. High Commissioner Sir Arthur Waupoche bezifferte zwar die Aufnahmefähigkeit des Landes im nächsten Halbjahre mit 6500 Arbeitereinwanderern, ließ sich jedoch bei der Festsetzung der Zahl der Zertifikate von der Annahme lejten, daß in dieser Zeit rund 1000 Touristen die ihnen gewährte Aufenthaltsfrist überschreiten und freie Stellen auf dein Arbeitsmarkt besetzen würden. Sofort nach Ankündigung der neu festgesetzten Zertifikatezahl sprachen die Mitglieder der Palästina-Exekutive Mosche S h e r t o k und David Ben E u r i o n beim High Commissioner vor und wiesen darauf hin, daß die offiziellen Schätzungen der Palästina-Regierung den wirklichen wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes durchaus nicht Rechnung tragen. Die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency erörterten schließlich grundsätzlich die Frage einer Einwanderungspolitik, die durch die Tendenz der Einschränkung die Zukunft des jüdischen National hei ins gefährdet. Obwohl im Verlauf der Unterredung alle Anstrengungen gemacht wurden, eine Verständigung zu erzielen, blieb die Entscheidung der Palästin-Regiaerung vorläufig aufrecht. Die Exekutive der Jewish Agency ist zu einer außerordentlichen Sitzung' zusammengetreten, in der die ernste Lage, die durch die Haltung der Regierung geschaffen wurde, zur Besprechung kam. Es wurde beschlossen, eine Reihe von Aktionen, die mit Rücksicht auf die neue Situation geboten erscheinen, durchzusühren. Die Exekutive ist der Auffassung, daß die Lage ernst und für die Zukunft des Jifchuw von s ch w e r st e r B e d e u t u n g i st. Die Entscheidung der Palästina-Regierung über die Zahl der neu auszugebenden Palästina-Zertifikate erscheint in einem besonderen Licht, wenn man die ungehemmte Hetzpropaganda berücksichtigt, die die arabische Ration a l i st e n p r e s s e auch noch nach der mißlungenen Kundgebung am 13. Oktober gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina entfaltet hat. (Weitere Korrespondenzen Seite 11) Familiermachrichken. Geburten: Eine Tochter, Anton Polak und Frau Sofie geb. Risch, Haag. Barm i z w o h-: Fredy, Sohn de« Herrn Rabb. Jacob Horovitz, Staufenstr. 30, Synagoge Unterlindau, iri? mb. — Siegfried, Sohn des Herrn A. Dreyfuß, Hersfeld, 4. November rr-m 's ’p mb. — Erich, Sohn des Herrn Dr. med. Willy Hafmann (Erlanger) z. Zt. in Luzern, Bruch str. 32, rrvi 's 4. November 1933.-: Verlobte: Femml Cohen, Rotterdam, Abr. Toneman, Veghel (Holland). Briefkasten. W. It. in ZI. Uns find die Verhältnisse in G. zu wenig bekannt, um auf Ihre Frage am Schlüsse Ihres Schreibens Auskunft zu geben. Die Woche. Zum Amlsjubiläum des Herrn Kantor Solomon Lkeinberger. Am Sabbat i?-i? vor 25 Jahren hat Herr Solomon Steinberger feinen-;Dienst als Kantor der Israelitischen Religionsgesellschäst zum erstenmale in der Synagoge angetreten. Herr Steinberger, ein Mann von gründlichem Thorawissen und auch ausgestattet mit profaner Bildung, verstand es, sich im Vierteljahrhundert einer Amtstätigkeit ein großes Maß von Achtung zu verschaffen. Die ganze jüngere Generation unserer Gemeinde ist bei der Vorbereitung für das ms» -Leienen durch eine Schule gegangen, und manch einer hat dabei ür sein ganzes Leben etwas gelernt. Denn gerade als Nt-np Vw von absoluter Korrektheit und Sicherheit, klangvoller Betonung und verständnisreicher Nuancie- Rr. 43 Seite 7 rung des Textes ist Herr Steinberger allgemein hochgeschätzt. Er weiß als pflichttreuer Beamter auch den Wochentagsg'ttesüienft würdig zu gestalten und ist an Sabbat und, Festtagen, wenn er in Vertretung des Oberkantors, das Vorbeteramt ausübt, bestrebt, sein Bestes zu geben. Von seinem reichen Wissen legt er gelegentlich in Vorträgen im Mekor Chajim Proben ab. Wir wünschen Herrn Kantor Steinberger ein weiteres Wirken zum Wohle der Gemeinde bei ungetrübter Gesundheit und Lebensfreude im Kreise seiner Familie -vyiav Aus der Arbeit der Agudisiischen Frauenortsgruppe Frankfurt a. IN. Die Kurse unseres Sommersemesters waren stets sehr gut besucht. — Herr Konrektor A. Hirschberg leitete eine Arbeitsgemeinschaft, in welcher er die laufende Sidroh wundervoll erläuterte. Auch wurden vor den Jomtowim ausgewählte Stücke aus dem Machsor eingehend erklärt. Die vorzüglichen Ausführungen der Referenten fanden den größten Beifall der zahlreichen Teilnehmerinnen. Herr Studienrat Max Munk hielt hochinteressante Vorträge über die Werke von S. R. Hirsch. Unerschöpflich reihten sich die herrlichsten Gleichnisse und Erklärungen aneinander und wurden dieser wertvolle Kurs zum tiefen Erlebnis. Am vergangenen Montag, den 23. Oktober, wurde das Wintersemester eröffnet. Die Vorträge finden diesen Winter jeden Montagabend gemeinsam mit der Jüdischen Frauenvereinigung e. V. statt. Zu unserer großen Freude haben sich in freundlichster, selbstlosester Weise wieder viele Dozenten bereit erklärt, Vorträge über uns interessierende Themata zu halten. So dürfen wir die folgenden Herren in unserem Kreise begrüßen: R.-A. Dr. Js. Breuer. Dr. S. Ehrmann, Dr. Arnold Merzbach, Studienrat M. Munk, Rektor K. Ochsenmann, Dr. Theod. Plaut, Jacob Rosenheim, Redakteur Schachnowitz, Rabb.-Assessor Dr. M. Schlesinger. Die Vortragsankündigungen werden jeweils in den jüdischen Wochenblättern und durch Anschlag in der Synagoge veröffentlicht. Die Vortröge, welche im Hörsaal stattfinden, sind polizeilich gemeldet. Verein Illekor Lhafim. Mit Rücksicht auf den stattfindenden biian dvo der Chewras-Schaß fällt der fällige Sonntag-Nachmittags- Vortrag in dieser Woche aus. Infolge der Beurlaubung des Herrn Rabbiner Dr. Jos. Breuer wird der von ihm geleitete Gemoro-Schiur lrrvoa um) bis auf weiteres in unveränderter Form unter Leitung des Herrn Dozenten Ch. Jakubowicz fortgeführt. Der Schiur findet regelmäßig Montag und Mittwoch abend 7—8 Uhr im Vereinslokal statt. Der Gemoro - Schiur (x»p saa) unter Leitung des Herrn Rabbinats-Afsessors Dr. Eliefer Posen findet nunmehr jeweils Dienstag und Donnerstag 7 Uhr im Vereinslokal statt. Die Schulungswoche der Agudas Iisroel-Gruppen. Die A g u d i ft i f ch e S ch u l u n g s w o ch e vom 19. Oktober bis zum 26. Oktober hat einen unerwartet großen Anklang auch über die Agudakreise hinaus gefunden. Alle Veranstaltungen waren gut besucht, einige fanden sogar ein überfülltes Haus. Mit größtem Interesse folgten die jugendlichen und älteren Teilnehmer den belehrenden Ausführungen der Dozenten, die über Grundbegriffe des Judentums, Grundätze der Lehre und auch über die Entstehungsgeschichte der Agudas Israel genaue Auskunft gaben. Die Schulungswoche begann am Donnerstag, den 19. Oktober, mit einem Vortrag des Herrn Jacob Rosenh e i m über Agudas Jisroel und ihre Arbeit und wurde dann in der folgenden Woche Abend für Abend bei stets guter Beteiligung und gleichem Interesse fortgesetzt mit Vorträgen des Herrn Dr. S. E h r m a n n über Agudas Jisroel und Erez Jisroel, des Herrn Rabbiner I. H o r o w i tz über Aufgaben der jüdischen Jugend, des Herrn Redakteur S. Schachnowltz über den Organifationsgeüanken im Judentum, des Herrn Dr. Arnold Merzbach über P f y ch o t e ch n i f ch e Untersuchungen an Kindern und des Herrn Dr. Isaak Breuer über Tauroh im*De rech Erez Israel. Am Donnerstag, den 26. Oktober, findet die Schulungswochs mit einem Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Merzbach, Darmftadt, über Das Verhältnis zwischen Schuld und Schicksal im Leben des jüdischen Volkes ihren Abschluß. Ein zusammenhängender Bericht über die einzelnen Referate erfolgt in einer der nächsten Nummern. Die kulturellen Bestrebungen in Frankfurt a. III. Die drei ersten Veranstaltungen der Gesellschaft für jüdische Volksbildung haben schon jetzt Erfolge gezeitigt, die es ermöglichen, für die kommenden Monate ein Programm in großen Zügen festzulegen. Das Programm sieht bis Ende 1933 folgende Veranfttltungen vor: Im November: Rezitationsabend Otto Bernstein; Vortrag Dr. Schoeps über Franz Kafka; Erster Schauspielaüend: „Jüdische Autoren": Konzert der Altistin Ruth Kisch-Arndt und der Pianistin Heida Hermanns. Im Dezember: Konzert des Kainmerstreichorchefters mit Instrumental- und Vokalfoliften; Kasperltheater Liejel Simon( Chanukka): Erster Opernabend: „Weiberverschwörung" von Schubert und „Die Abreise" von D'Albert; Zweiter Schauspielabenü: Werke von Moliere in der Uebertraoung von Ludwig Fulda.