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Der Israelit · 1933-10-19 · Heft 42 (19.10.1933) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 42 (19.10.1933)
Date
1933-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 42 Der Israelit Die geistige Wiedergeburt - in Erez Israel. Herz! -auf -dem ersten Kongreß: „Ich kann Sie versichern: „Der. Zionismus beabsichtigt nichts, was die religiöse Ueberzeugung irgend einer Richtung innerhalb des Judentums verletzen könnte." Die Erfüllung dieser Versicherung wäre nur dann möglich gewesen, wenn die Zionistische Organisation aus ihrer Tätigkeit jegliche Kulturarbeit ausgeschaltet und sie dem Belieben ihrer Fraktionen überlassen hätte. Die Zionistische Organisation hat aber stets Kulturarbeit geleistet und bat auch -die Kulturarbeit gefördert, die theoretisch oder praktisch eine Verneinung der Religion des Judentums -bedeutet. Beschluß des zweiten Kongresses: „Der Zionismus erstrebt nicht nur die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes und befindet sich dabei auf dem Boden der modernen Kultur, an deren Errungenschaften er festhält. Der Zio- N'smus unternimmt nichts, was dem Religionsgesetz des Judentums widerspricht." Auch in dieser Abfassung ist die Verpflichtung nie erfüllt worden. Der Zionismus trägt von jeher für vieles die Verantwortung, „was dem Religionsgesetz des Judentums widerspricht." Der Text macht — und das ist charakteristisch — „die moderne Kultur" zum primären, positiven und Aktiven und „das Religionsgesetz des Judentums" zum Sekundären, Negativen und passiven, ein unmögliches Verhältnis für die Wahrer der Tradition. Marburg auf dein achten Kongreß: „Ich erkläre im Linverständiüs mit dem Präsidium, daß es die Leitung für selbstverständlich hält, daß die Zionistische Organisatlon bei solchen Angelegenheiten, wo religiöse Fragen berührt werden, den Anforderungen des religiös-traditionellen Judentums Rechnung trägt." Auch dieser Text macht — oberflächlich betrachtet — einen entgegenkommenden Eindruck, ist jedoch vollständig ungenügend, — und wer bewußt aus dem Thora-Judentum basiert und dessen Konsequenzen versteht, kann sich nicht zusriedengeden Cs erübrigt -sich, weitere Erklärungen heranzuziehen; es bleibt doch stets das Gleiche. Die Verdienste der zionistischen Bewegung um den politischen und wirtschaftlichen Aufbau von Erez Israel mögen anerkannt werden. Im Wichtigsten aber, im Seelischen, im Geistigen hat man der modernen Kultur der Völker ungehinderten Einfluß gegeben und so jeglicher kultureller Assimilation die Tür offen gelassen. Heute herrscht im jüdischen Iischuw, soweit er nicht religiös orientiert ist, ein Mischmasch der Kulturen der Wirtsvölker, von denen die einzelnen Teile des Iischuw kamen, und des Zeitgeistes, und nran glaubt mit hebräischer Sprache und mit nationaler Phraseologie seine Pflicht getan zu haben. Das aber wäre anders geworden, wenn der Misrachi sich nicht stets vertrauensselig auf Erklärungen verlassen hätte, deren Wortlaut ihm nicht hätten genügen dürfen, wenn er vielmehr eine klare Formel, wie sic der thoragemäße Standpunkt erfordert, und deren Durchführung fest verlangt hätte. Der Aufbau des neuen Iischuw ist antitraöitionell und gefährdet auch den alten Iischuw. Der alte Iischuw muß jetzt endlich neue Wehre gegen diesen schädlichen Einfluß schaffen, er hat schon zu viel Einbuße erlitten. Wohl hatte selbst ein Max Rordau gesagt: „Ein jedes Volk soll wie jedes Individuum sich nach seinen organisch begründete n oder geschichtlich gewordenen Eigenart ausleben." Die Misrachisten hatten auch geglaubt, daß dieser logische Weg beschnitten und so eine Annäherung an das traditionelle Judentum angebahnt werde. Doch nichts von dem ist geschehen. Heute sind zum ersten Male in größerer Zahl gebildete orthodoxe Westjuden nach Erez Israel gekommen, und ihre Zahl wird sich in den nächsten-Monaten voraussichtlich noch beträchtlich vermehren Auch ist in Tel-Äwiw .eilte’ orthodoxe Mittelschule Fn der Gcünduilg begriffen. Hoffen wir, daß von hieraus der geistige jüdische Aufbau beginne, der auch auf den neuen Iischuw allmählich Einfluß gewinnen wird. S. G. Korrespondenzen * Nachrichten. Deutsches Retry. Nochmals Aibbuz Rodges. Frankfurt a. M., 16. Okt. Vom Brith Chaluzim Dathiim, ge-z. M. Unna in Mannheim, geht uns folgende Zuschrift zu: „Wir bitten Sie, zu Ihrer Mitteilung in der letzten Nummer ües „Israelit" vom 4. 10. betr. Kinderalijah die folgenden Bemerkungen zu veröffentlichen: 1. In unserem Begleitschreiben zu dem - Brief des Herrn Dr. Moses Auerbach wurde ausdrücklich die Richtigkeit der Voraussetzungen bestritten, von denen Herr Dr. Auerbach ausgeht, daß nördlich die Mitglieder des Zerre Misrachl,und des Brith Chaluzim Dathiim in einer Auffassung erzogen würden, die das Ueberwiegsn des Nationalen gegenüber dem Religiösen -betont. Herr Dr. Auerbach hat für seine Behauptung keinerlei Beweise gebracht, sondern sich auf seinen Eindruck berufen. Es ist — dies fei nur nebenbei bemerkt — u. W. selbst in den extremsten Aeutzerungen aus unseren Kreisen nie mehr behauptet worden, als daß das Religiöse ohne das Nationale sinn- und wertlos sei, was ja auch noch etwas erheblich Anderes ist als „ein Ueberwiegen des Nationalen gegenüber dem Religiösen". Es wäre also wohl Pflicht der Redaktion gewesen, den Tatbestand objektiv festzustellen, bevor sie eine solche Behauptung verbreitet. 2. Ob der Chofez Chajim oder Theodor Herzl als nationaler Heros verehrt wird, diese Alternative ist selbst in dem Schreiben von Dr. Auerbach uns nicht unterstellt worden und soll wohl mehr zur Kennzeichnung der Auffassung des „Israelit" über unsere Anschauungen als zur Kennzeichnung unserer Anschauungen selbst dienen. Wir selbst sind ja bekanntlich er Meinung, daß sowohl der chofez Chajim als auch Theodor Herzl nationale Heroen sind, wenn auch auf einer absolut verschiedenen Ebene. 3. Es ist sicherlich nur ein zufälliges, aber darum nicht weniger eigenartiges Zusammentreffen, daß gerade der Chofez Chajim als nationaler Heros herangezogen wird, der so ganz besonders davor warnt, bei Mitteilungen über einen Dritten etwas von sich aus hinzuzufügen, das geeignet ist, diesen Dritten in den Augen der Anderen herabzusetzen! (z. B. siehe mm psn 'B: Mit vorzüglicher Hochachtung M. Unna Brith Chaluzim Dathiim." Wir müssen den erneut gegen uns erhobenen Vorwurf, als hätten wir den „Tatbestand" irgendwie nicht objektiv dargestellt, mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Wir haben lediglich zur Vorsicht gemahnt und missen nach dem Inhalte des neuerlichen Schreibens ües Brith Chaluzim Dathiim diese Mahnung unterstreichen. Nach unserer Auffassung ist alles Nationale im Judentum ein rein religiöser Begriff, und jeder Versuch, das Nationale aus dieser religiösen Einordnung herauszulöfen und es als einen selbständigen Faktor gleichwertig neben das Religiöse zu stellen, widerspricht der Tradition und kann nur zur pädagogischen Verwahrlosung aus religiösem Gebiete führen. Diese Nebeneinanderordnung beleidigt das wahrhafte religiöse Gefühl des Juden ebensosehr wie der Versuch, Theodor Herzl als nationalen Heros neben eine Persönlichkeit wie den Choez Chajim zu stellen. Dieser letztere würde, das sprechen wir aus tiefster Ueberzeugung aus, in dieser Angelegenheit, trotz der von dem Herrn Einsender liebenswürdiger Weise zitierten Stelle aus dem Sefer Chofez Chajim, sicherlich keinen anderen Standpunkt wie wir eingenommen haben. _ 19. Oktober 1933 Eine Kolonie für deutsche Juden in Palästina. : ' . Berlin, 10. Okt. Vom Berliner Büro der. Jewish Agency wird uns geschrieben: Die Gesellschaft für landwirtschaftliche Unternehmungen „Jachin", Tel-Awiw, hat von dem Keren Kajemeth Lejisrael (Jüdischen Nationälfonds) in der Scharon- Ebene im Gebiete von Wadi Charvarith in der Küstenzone Boden zugewiesen erhalten, um hier eine Kolonie für bemittelte deutsche Auswanderer zu errichten. Die Bedingungen sind folgende: - Jeder Siedler erhält 200 Dunam Boden zugewiesen, der zur Errichtung einer intensiven Gemischtwirtschast geeignet ist. Die Gesellschaft „Jachin" bepflanzt 10 Dunam dieses Bodens mit Orangenbäumen und bearbeitet diese 10 Dunam während der ersten fünf Jahre, -bis die. Pflanzung Früchte trägt. Die weiteren 10 Dunam sind für die Errichtung des Wohnhauses und der Wirtschaftsgebäude und zur Einführung von verschiedenen Wirsschaftszweigen vorgesehen, wie Gemüse- und Gartenbau, Molkerei, Geflügelzucht, Imkerei, zu verwenden. Der Keren Kajemeth Lejisrael vergibt den zugewiesenen Boden zu einem sehr geringen jährlichen Pachssatz in ewiger Erbpacht für den Siedler und seine Nachkommen. Für die Bearbeitung des Bodens sind an die „Jachin"-Gesellschaft 560 Lst. zu zahlen, und zwar in bar auf fünf Jahre so verteilt, daß bei Vertragsabschluß löst Lst. und der Rest in monatlichen Nuten von cy. 10 Lst. entrichtet werden müssen. Für die Wirtschaftsgebäude, Bewässerungsanlagen, lebendes Inventar und die Weiterentwicklung der Wirtschaftszweige sind ca. 300 Lst. zu zahlen. Gebäude können auch gemäß den Wünschen eines jeden Siedlers und dem Kapital, das ihm zur Verfügung steht, größer gebaut werden. Die Gesellschaft stellt 2—3 Fachleute auf Kosten aller Siedler an, die diese in. ihrer landwirtschaftlichen Arbeit für die erste Zeit instruieren. Im Laufe der ersten fünf Jahre ernähren sich der Siedler und feine Familie von den Einnahmen der Hofwirtschaftszweige, durch Lohnarbeit bei der Gesellschaft „Jardin" und zum Teil noch von seinem Kapital, das er noch bis zu 1000 Lst. zur Verfügung hat. Diese Einzelwirtschaft ist nach fertigem Aufbau imstande, eine sünfköpfige Familie gut zu ernähren. Die Einnahmen erreichen nach einigen Jahren den Betrag von ca. 200 Lst. pro Jahr. Alle Verhandlungen und Vertragsabschlüsse können mit der Gesellschaft „Jardin" durch Vermittlung des Palästina-Amtes getätigt werden. Zwecks näherer Information wird gebeten, sich an das Palästina-Amt, Landwirtschaftliche Abteilung, Berlin W. IS, Meinekestr. -10, zu wenden und RM. 1.— zur Unkostendeckung beizufügen. Germanische oder christliche Religion^ Berlin, 16. Okt. Nach Presseberichten hat Prof. Bergmann aus Leipzig auf Einladung der Hermann Wirth-Gesellfchaft im größten Hörsaal der Berliner Universität eine Vorlesung über das Thema „Ehristentum und nordisch-germanischer Glauben" gehalten, worin die Behauptung vertreten wurde, Christentum und Nationalsozialismus feien unvereinbare Gegensätze. Das große Ziel für Deutschland müsse die Einheit des Volkes, des Reiches, der Religion und der Kirche sein, wobei sich dann, wie von selber, ergebe, daß diese Religion nur die nordisch-germanische sein könne. Die nationalsozialistische Revolution müsse übergehen in eine heidnisch-germanische Reformation. Es gehe heute um eine Entscheidung von grandioser Tragweite, da es nicht germanische Gläubigkeit .und Christentum, .sondern germanische Gläubigkeit oder Christentum heißen müsse. Nach einem Berichte des „Reichsboten", den die Frankfurter Zeitung zitiert, behauptet der Redner ferner, daß der Reichskanzler geneigt und gewillt sei, die germanischnordische Glaubensbewegung anzuerkennen und ihr die Rechte einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zu verleihen. Gegenüber dieser letzteren Mitteilung, die einigermaßen sensationell wirkt und wohl noch der Bestätigung bedarf, ist eine Rede von Bedeutung, die der neue Reichsbischof der evangelischen Reichskirchs in Eisenach gehal-

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