Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1933)
- Date
- 1933-10-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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19. Oktober 1933 Der Israeli! Nr. 42 Seite 3 zustellen, lehnt die Jerusalemer Rlisrachizenlvale ab, alsolange ihr nicht die feste Zusicherung vom R.--F. gemacht wird, daß die Ueberlastung von Loden für die Kwuzoth nunmehr an die Verpflicht u n g zur S a d d a t b a 1 t u n g gebunden ist. Bleibt diese klare und definitive Zusicherung aus, so ist eher anzunehmen, daß Tllisrachi als solcher und all seine Zentralen von sich aus die Boykottierung der zionistischen Sammlungen -in Polen unterstützen werden. Gb dieser Briefwechsel auch einen Viech sei in der Taktik der zionistischen TI. F.-Verwaltung berbersühreu wird? TNisrachi selbst ist, wie aus feinem Schreiben deutlich zu ersehen ist, in dieser Beziehung nicht sonderlich optimistisch. Deutsche Zungen als Landarhetter in England. Von Edgar Al. Stern in London. St, Alba u — eine kleine niedliche Stadt in der Vahe von London, schön aber unbedeutend. Viele der besten Engländer sind dem Namen noch nicht begegnet, so daß auch ich mich nicht schämen mußte, ihn nicht gekannt zu haben. Nun aber bekam dieses Städtlein mit seinen 50 000 Einwohnern eine ganz besondere Note. St. Alban hörte für viele aus eine bloße Nameusbezeichnuug zu sein, sondern gestaltete sich unmittelbar zu einem Begriff der jugendlichen Aufbauarbeit, der frischmutigen, mannhaften B e r u f s u m s ch i ch t u n g. Pier in St. Alban wird jungen deutschen Glaubensgenossen, die infolge der politischen Entwicklung in ihrem Vaterlande keinerlei Berufsaussichten mehr haben, die Möglichkeit geboten, stch gründlichst auf landwirtschaftlichen! Gebiete anszubilden. Schon die Autofahrt nach St. Alban war herrlich, und beinahe wie eine Erleichterung kam es uns vor, als wir, rascher als gedacht, aus der Riesenhauptstadt heraus waren und es schnell an Wiesen und an weidende perben, durch eine schöne englische Landschaft, vorbciging. Lalgby Ponse, wo die jungen Leute wohnen, war nach einigem Suchen erreicht, und mit einer besonderen Herzlichkeit wurden wir dort von der Leiterin des Paushalts, Frau W e j l l - I e i d e l, begrüßt. Die aufopfernde pingabe, mit der diese echtjüdische Frau sich hier ihren gar nicht leichten Aufgaben opfert, wird nur der verstehen können, der die ehemalige Tätigkeit der Lehrerin aus der Samson Raphael Pirsch-Schule kennt. Mit einem Anerkennung gebietenden Idealismus ist sie ans ihrem Posten, den sie als heiligen pionierdienst auffaßt, wo es für sie darum geht, teilweise ganz dem Iudentume entfremdete junge Menschen wieder ans Licht der Tauroh zu fuhren. Die Verbundenheit mit Mutter Erde soll gepaart sein mit der Verbundenheit mit dem Schöpfer von Pimmel und Erde, dessen gebende und nehmende pand am ehesten dem Landwirt zum Bewußtsein kommen sollte. Die Berufsausbildung als solche geschieht in dem nicht sehr weit vom Pause entfernten Agricultural Eollege, vielleicht dem b e st e n seiner Art in ganz England, und das nebenbei direkt! unter Beaufsichtigung der englischen Regierung steht. Daß dementsprechend diejenigen, die einen solchen Lehrgang absolvert haben, in Palästina und auch in sonstigen überseeischen Siedlungen besonders gute A u s fi ch t e u haben, ist leicht daraus zu folgern. Die praktische Arbeit besteht in V i e h wi risch a f t, Ackerbau, Geflügelzucht und allen Arten von Ga r t e n b a u. Die Schüler sind in mehrere Gruppen eingeteilt, die vierzehn Tage lang abwechselnd einen der genannten Fächer buixhnebmcn; chic Thbeitecmteifuiiß, bk guten Erfolg verspricht. Der theoretische Teil des Lehrplanes, auf den auch viel Gewicht gelegt wird, umfaßt Botanik, Chemie, Ackerbau und Viehwirtschaft. Mau sieht also, daß alle Voraussetzungen hier vorhandetr sind, eine gründlich e Berufsausbildung zu genießen. Die Absolventen, die stch im Alter voll IS—22 Jahren befinden und alle ans besseren Familien und aus akademischen und kaufmnnischen Berufen stammen, machen einen zufriedenen, ja glücklichen Eindruck, obwohl auch hier Berufsumschichtung Aufopferung und Entbehrung bedeutet. Sic erzählten mir, wie außergewöhnlich zuvorkommend die englischen Lehrer zu ihnen seien und welch große, liebevolle Mühe dieselben sich niachten, um ihnen trotz mancherlei Sprachschwiecigkeiten alles zu erklären. Die Schlafzimmer im Perm sind einfach, aber sehr sauber und auch die Betten sind gut und sehr bequem. Daß fernerhin die Verpflegung bei einer solchen Küchenleitung allen Anforderungen zu entsprechen imstande ist, bedarf ebenfalls nur eines kurzen Hinweises. Trotz der erst ganz kurzen Zeit, die die jungen Leute draußen sind, haben sie bereits bei der ch r i st l i ch e n Bevölkerung alle Sympathien gewonnen, und es tut einem heute besonders wohl, wenn man beispielsweise, hört, daß der Geistliche mit seiner Gemahlin die junge Gesellschaft besuchte und sein größtes Interesse für dieselbe bekundete, wobei er seine Bereitwilligkeit mehrfach zum Ausdruck brachte, i n j e de r nur möglichen Weise seineKraft den: Wohle der jungen Deutschen zur Vers ü g u n g zu stell c n , wenn er irgendwie behilflich sein könnte. Aber auch die p r e s s e hat bereits unter freundschaftlichem Aspekt das peimleben beschrieben und eindeutig ihre Sympathien betont. Die I n i t i a t i v e z u d i e s e m p l a n e der landwirtschaftlichen Berufsausbildung deutscher Juden in England ging von dem bekannten Agudistenführer INTERNATIONALE SPEDITION Frankfurt a. M. Telelon 30576 Gulleuislr. ol Lagerung, Verpackung, Umzüge, Gepäek, Versicherung Sammelladungen innerh. Deutschi. u. nach d. Ausland PALÄSTINA-TRANSPORTE Englands, Mr. p arry A. G o o d in a n , aus, der als Mitglied der Board of Dcputies und des German Refugees Committee buchstäblich unaufhörlich sich dein jüdischen filall opfert, niemals aber von. feiner felsenfesten agudistischen Ucberzeugnng, die ihm als aktives Mitglied der Leitung der agudistischen Weltorganisation perzcnssache ist, nur um ein Iota abweichend. Es soll in diesem Zusammenhänge nicht unerwähnt bleiben, in welch seltener Weise das Goed man'sche paus, dessen Gastfreundschaft fast schon sprichwörtlich geworden ist, allen orthodoxen jungen Leuten, die nach London koinmen, seine Pforten öffnet. wie mir Mr. Goodman mitteilt, ist beabsichtigt, in anderen Teilen von England ähnliche Ausbrldungsmöglichkeiten zu schaffen, wenn sich der erste versuch bewährt hat. Es sei überdies noch niitgei^Ut, daß sich in St. Albans noch Plätze für ea. 5—4 ktnfequent gesetzestreue, ihres Judentums bewußte junge Leute befinden, die Interesse haben, sich für die Landwirtschaft auszubilden. Interessenten werden gebeten, sich diesbezüglich an Mr. p. A. Goodman, 27 Lordsdip Park, London Ti. 10 zu wendeu. Als mich nach diesem Besuch das Auto am Abend nach Pause brachte, mußte ich immer wieder daran denken, wie seltsam das alles fei mit dieser Berufsumschichtung, jenem Worte, das über Rächt für Tausende junge Menschen aus einer romantischen Illusion zur Wirklichkeit geworden ist, und so unermeßlich viel in sich birgt. M e n s ch e tt stellen s i ch u m , geistig, körperlich und seelisch! Eine das Fundament bisheriger Gewohnten und Anschauungen, ohne die man sich vielfach das Leben nicht vorzustellen vermochte, tieferschüttcrnde, durchgreifende Revolution des physischen und psychischen Seins wird Wirklichkeit. Indische Jugend zückt das Schwert gegen die rasende pydra eines vernichtenden Golus und kämpft mutig und tapfer. Auch der Blinde vermag es zu sehen, diese Schicksals- und Zeitenwende, in der sich die Welt befindet und auch der Törichte wird wohl merken, daß wir uns am Anbruch einer neuen Epoche befinden. Scharen w i r uns aber unter dem Banne jener Cauroh, die uns für ewige Zeiten unter Donner und Blitz an Sinaishöhen aus Seiner pand gegeben wurde, dann dürfen und können wir alles andere dem Schöpfer und Lenker der Geschichte überlassen. wieder trocken geworden, wartet e er, bis er bas erlösende Wort aus dem Munde G'ttes hörte: yvv«', nn« N2NN i» «2 „Gehe aus der Arche, du mit all' dem deinen." mana «2' niEna 0J23- Auf G'ttes Geheiß ging er hinein, nach G'ttss Wort verließ er die Arche. Das ist ein Ehrenzeugnis für Noahs Gehorsam, für die Prüfung, die er bestanden, und die ihn würdig machte der Bestimmung, die ihm der Herr zuwies. Noah wird von der heiligen Schrift als p'is bezeichnet, der Gerechte genannt, west er mit weisem Bedacht während der langen bangen Zeit der Wasserflut auch die ihn umgebende Tierwelt ohne zu ermatten und zu erschlaffen versorgte und sich so als den getreuen Diener des ewigen Weltenschöpfers bewährte, dem wir immer von neuem zujubeln: nvnai oirr 'i s'vin, „Du, o Alliebender, hilfst Mensch und Tier." Noah ist uns Beispiel und Vorbild, daß wir uns von G'ttes heiligem Willen auch da leiten lassen, wo wir als Gebieter der Schöpfung zu walten haben, und niemals es vergessen: vvvn i>a by v>nn*n ioV n aiv, „Gütig ist G'tt gegen alle, und sein Erbarmen ist über alle seine Werke." kleines Feuilleton. (Bas erste Auflauchen von Juden in Angarn.) Del Erdaushebungen im Garten des Fürstprimas in Gran wurde ein jüdischer Grabstein aus dem dritten Jahrhundert d. übl. Ztr. gefunden. Fachgelehrte stellten fest, baß sich an der betreffenden Stelle des Gartens eine Vserdigungsstätts für jene Juden befand, die mit den Römern nach Pannonien, dem heutigen Ungarn, gekommen waren. Es waren dies Nachkommen jener Inden, die Titus nach der Zerstörung Jerusalems als Gefangene nach Rom brachte und die sich später auf die verschiedenen Kolonien des römischen Reiches verteilten. Wie die Ausgrabungen in Gran zeigen, gab es bereits 600 Jahre vor der Landnahme Ungarns durch die Magyaren in diesem Gebiete jüdische Niederlassungen. Erez Israel-Glossen. Aus Palästina-Zeitungen. Stephen W i s e und Freunde schreien nach Boykott. Sie drohen sogar dem Jischuw und der zionisti- I scheu Leitung für den Fall, daß sie nicht einlenken, mit dem Boykott. Zunächst haben sie nur einen einzigen Boykott Äurchgeführt: die Boykottierung des Verstandes und aller klugen U eb e rl >e gu n g. Aron Z u ck e r m a n n, ein überhitzter Nationalist, hat am Ausgang des Jom Kippur an der Klagemauer eine Tekiah geblasen und erhielt dafür zwei Wochen Gefängnis. Ein paar tausend Juden haben aber bei dieser Tekigh gerufen; o^an-pa pm ^a n«an mvi- * * * Mit großer Feierlichkeit wurden die Warmen Quellen von Liberias eröffnet. Man hielt Reden, aß und trank. Aber keinem fiel es ein, auch ein Bad in den Quellen zu nehmen. Zehn Jahre nach dem Tode von Ben I e h u d a , dem Vorkämpfer des Hebräischsprechens in Palästina. Man spricht heute im Lande Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch. Man spricht auch Hebräisch. Der Dichter des Zorns (ovrn tyi®») wurde 60 Jahre alt. Er wohnt heute in der ruhigsten Straße von Tel- Awiw, die seinen Namen trägt: Vialik in der Bialik st r a ß e . . . * * „In London verunglückte beim Pferderennen Kapitän Sassoon, ein bekannter Jude, Engländer und Sportler," so schrieben die Zeitungen. Soll heißen: Wurde als Jude geboren, lebte als Engländer und starb als Sportler. In Newyork wurde ein Italiener, der ein Attentat auf den Präsidenten beabsichtigte und dabei einen Polizisten getötet hat, auf dem elektrischen Stuhle hingerichtet. Am gleichen Tage schlug der Meisterboxer C a r n e r o in der Arena seinen Partner so aufs Haupt, daß er hinfiel. Die Jury zählte zehn, er stand nicht auf: zählte zwanzig und er machte immer noch keine Miene, aufzustehen. Er stand überhaupt nicht mehr auf. Carnero kam nicht auf den elektrischen Stuhl, sondern wurde in unzähligen Stellungen photographiert, und die Zeitungen, die sein Bild brachten, wurden zu Hunderttausenden verkauft. * Am Sederabenü blieben die Kelche des Propheten Elijahu in den Häusern von Jerusalem unberührt. Elijahu kam nicht. Er telephonierte an Hyamson (den vielgefürchteten Einwanderungskommissar): „Die Polizei verweigert mir die Landung, die Papiere seien angeblich nicht in Ordnung . . ."