Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1933)
- Date
- 1933-10-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450796--79935-2537750- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Nr. 42 Der Israeli! 19. Oktober 1933 das; sie es verstanden, für.den holländischen Antrag in taktvoller Weise zu werben und seine Durchführung ohne jede Spitze gegen Deutschland in voller Verständigung mit der Reichsregierung zu sichern. In Bezug auf die Auswanderung deutscher Juden nach dem heiligen Lande hat der deutsche Vertreter in Genf, entsprechend der bisherigen Praxis, recht entgegenkommende Erklärungen abgegeben und es ist nur zu wünschen, das; die Öffentlichkeit recht bald )jäheres über die hiernach schwebenden Verhandlungen erfährt, die sich wohl auf eine Fortbrid-ung des Transfer-Abkommens beziehen. Wochenrundschau. Emigranten und Olim. Wir konnten in der letzten Zeit wiederholt mit Genugtuung konstatieren, daß Einwanderer in Palästina nicht mir -in anderen Ländern als Flüchtlinge oder Emigranten angesehen und behandelt werden, sondern als O l i ui, als „Äufsteigende". als Brüder, die mit der Umstellung und dem willen zu Palästina zu einer höheren Lebensform aufgestiegen sind. Der jüdische Einwanderer in Palästina ist, unabhängig davon, ob er mit Bargeld oder mit dem Kapital seines Idealismus und seiner Arbeitskraft kommt, kein Fremder im Lande, ist Bruder unter Brüdern, ein Mterbaue.r, der nicht zu empfangen, sondern zu geben und zu helfen kommt. So sollte es wenigstens sein und so schien es auch eine Zeitlang zu sein. Ereignisse der letzten Tage wären aber beinahe dazu angetan, uns auch diese letzte Illusion zu nehmen. Agentcntum und Spcknlantenmm machen sich besonders in Tei- Awiw und Umgegend breit. Es ist nicht in genügendem Waste für Wohnung und Unterkunft für die Reuankommenden gesorgt, woraus gewissenlose Hausbesitzer eine Hochkonjunktur machen, die dem Lande wenig zur Ehre gereicht. In öffentlicher' Versammlung im Beth Am geistelte der Bürgermeister Tel- Awiws, D i z i n g o f f, diese Zustände mit den schärfsten Worten, die für solche lieblose Ausbeutungssucht gefunden werden können, von den Hausbesitzern, die sich weigern, kinderreiche Familien in ihre Wohnungen zu lassen, sagte er, diese Aktion gegen die Kinder, die den Stolz und die Zukunft Tel-Awiws und Erez Israels bilden, stelle eine harte und Lieblosigkeit dar, wie sie schlimmer König Pharao nicht anwendcn konnte, dessen Maßnahmen sich ja schließlich nur gegen die männlichen Linder richteten ... vielleicht sind es aber nur vorübergehende wiststände, hervorgerufen durch die Ueberstürzung der Dinge, durch die Stauung des Linrvandererstromes im ersten jüdischen Zentrum, das noch keine Zeit fand, sich - auf die neue Lage cinzustcllen. Ernster stimmt schon ein Vorgang auf industriellem Gebiete, über den man ans aus Tel-Awi-w berichtet: Ein Herr aus.Deutschland, der sich seit drei hoffen, daß bis zur Landung der neuen Olim die Atmosphäre von dem gewissenlosen Spekulankentüm auf der einen und vom sozialistischen Terror auf der anderen Seite endgültig gereinigt ist. Ein Briefwechsel. In Polen ist es von jeher üblich, im Tifchri und besonders am Rüstetage zu Iomkippur große Sammelaktionen in den Synagogen vorzunehmen, die so- -»> Lxxb--»Mi «Syxet, Mk-E«, mit;we, -mdE 6cui,d)en 3«6cn cmen Honen Betacb;3nfnitm„„ $n bemächtigen und die Gebefreudigkc-, zm Anfertigung von Waschest,ickcii, ,X dem zehn6icfcn . flic j^eFonds auszuweeten. Dieses tatramm. beschäftigt werden. Raum mt tot Ach-jAch, fam c8 «der in PÄen zu Störunge» der ztomstirüde dm «wgc «!> Le n-be als cm©Mat ta;f(j,c„ Sammtoxgcn - nicht durch Auttzlomflen, fixh'I--.»r»th (Arbeiteratto») erst?,«,.dein durch Mj-rachimt.gljeder, die für ei„e Liustelluiig der Arbeit verlangre, ibrcu eigenen Fond sammelicn Mid öffentlich der Begründung, das G-fchaft bekcfcref o nd »X d s er °n tz at L..,<’T .vpymax» £ - s s o d agi t i - r te ». Le kam auch ZN gelegen!. Arbo,ter und Arb-.i-r,m,-n beschäftige un'da- ^-cn MukeleKn, die nun in einem Lieressnuien her geachtet werden muffe. Der Inhaber bestritt Sricfrocd,fcl zwi che» der Zlationalfondnerwaltung je,ne Leziehnngen zu L., was aber Nicht vechmder.e,! uni> bn miärad)i3cn(ro,c ilt 3eEI,fa,en't ,jh« Auswirdaß am folgenden Lage Streikposten vor der Lurei- ■ 1 des Betriebes die Arbeiterinnen nicht hineinließen und mit und zuletzt auch im Geschäfte alle Fenster eingeschlagen wurden. Lippmann selbst erklärt in den Zeitungen, daß er mit jenem Wäschegeschäfte keine Beziehungen Pflege. Seinen eigenen Betrieb müsse er unter dem Drucke der histadruth, die durch wilde Terrorakte ihn hindere, Arbeiter von revisionistischer Gesinnung zu beschäftigen, schließen. Daß alle sechs Ruhestörer hinterher vorn Richter wegen «terknng und wob! ihren Abschluß finden. Die Warschauer Rationalsondzentrale beschwerte stch in einem Telegramm an die oberste Leitung in Jerusalem gegen das Auftreten des polnischen Attsrachi. Die Jerusalemer Räüonalfondlcltung gab das Telegramm mit einer Beschwerde ihrerseits an die Zentrale des Weltmisrachi in Jerusalem weiter. Letztere begnügte sich aber nicht mit einer Antwort im Lelegraphenstil, sondern nahm in einem längeren chreiben Stellung zu der Angelegenheit, das an eoriftischen U-beefalis» zu höheren Geldstrafen oder mts FwFchen übrig!%.'<& beißt im je sechs Monaten Gefängnis verurteilt Briefe u awurden, ändert an der symptomatischen Bedeutung dieser Vorkommnisse nichts. Man wirbt um Olim mit Kapital für Palästina, man verspricht ihnen ausgiebiges Arbeitsfeld und verspricht sich v o n ihne n Segen für das Land und feine arbeitenden Menschen. Aber solche Erfahrungen sind gewiß nicht dazu angetan, Menschen und Kapital ins Land zu locken. Wir wollen mit der Registrierung dieser Tatsachen gewiß keine Entmutigung in die Reihen der Palästinaanwärter tragen, vielmehr den Appell an die führenden Instanzen im neuen Palästina wiederholen und unterstreichen, den Boden für die neuen jüdischen Menschen, die nach Palästina wollen und nach denen Palästina verlangt, rein zu erhalten. Wenn die Raufbolde von links und rechts „Die Anarchie im religiösen Leben auf dem Ratlonalfondboden hat so viel Erbitterung in der gesamten Gola, insbesondere aber in den Kreisen des Misvachi hervorgerufen, daß das Mißtrauen und die ablehnende Haltung gegen die zionistischen Fonds nur erklärlich sind. Seit zwei Jahren schon verlangen wr vom R. F., daß erste Bedingung und Voraussetzung bei Ueberlassung von R. F.-Boden an Juden die Heilighaltung des Sabbat und die Einhaltung der anderen Gesetze sein muß. Wiederholt betonten wir, daß bei strikter Richtbeachtung unserer selbstverständlichen Forderungen uns doch einmal der Gednlöfaden reißen müßte. All unsere Bitten und Warnungen verhallten in der Luft. Auf dem letzten Kongreß wurde unsere ultimative Forderung mit einem überlegenen Lächeln von der Tagesordnung glauben, die jüdische Gemeinschaft habe zur Zeit keine j abgesetzt. Was Wunder, daß Mitglieder des Misanderen Sorgen, als die Plänkeleien zwischen hista-! rachi, ohne daß von seiner Zentrale irgend eine Werdruth und Revisionisten, so sollten die Männer der sung oder Parole ansgegangen ist, stch eine solche Exekutive und der Verwaltung, die die Lage kennen, Behandlung nicht mehr bieten lassen und auf sie in doch diesen eine Lektion erteilen über die wahre jüder Weise reagieren, wie man sie jetzt in Polen erlebt bische Rot und die Wege zu ihrer Abhilfe. Man darf hat?" Eine Weisung nach Polen, die Störungen ein- Rabe und Taube. Von Rabbiner Dr. Al. Lewin in Hamburg. Noah nennt die heilige Schrift einen v'x, einen gerechten Mann und rühmt von ihm vrmn '■>n d’md daß er trotz seiner Zeit, trotz der Verderbtheit der mannigfachen Menschengeschlechter, durch die er gewandelt, sich sittlich vollkommen erhielt. Er ward nun berufen, eine neue, eine bessere Zeit anzubahnen und der Stammvater der drei großen Völkerfamllien zu werden, die von seinen Söhnen ihren Ursprung und ihre Aufgabe und Bestimmung herle'iten. Nicht Zerstörung und Untergang ist das Ziel der Wasserflut, die G'tt über die verderbte Welt kommen läßt. Die Veredlung der mannigfachen Gattungen und Arten in der Lebewelt, die G'ttes Schöpferhauch ins Dasein gerufen, bedingt es, daß das absolut Schlechte der Vernichtung anheimsällt. Mit sehnendem Herzen harrt Noah dem Augenblicke entgegen, in dem G'ttes Erde wieder ihrer Bestimmung dienen kann, Frucht zu geben und Nahrung und Freude und Ergötzen zu spenden dem Menschen und allen Lebewesen, die G'ttes Wille vor den verheerenden Wasserfluten geschützt hat. •■pxn ^>5?» wh’ iy aisn xis’ xx'i mvn nx n'w>i „Er schickte den Raben aus. Dieser flog aus und kam immer wieder zurück, bis -allmählich das Wasser von der Erde abtrocknete." Der Nabe, der sonst fern von den Menschen lebt, wird zuerst ausgesandt. Er vermag am ehesten ein Plätzchen zu erspähen, das ihm Schutz und Zuflucht gewahrt. Noch ist es aber nicht so weit. Der Rabe umfliegt die Arche, solange er nicht etwas Trocknes auch sonst findet. Noah nimmt den schwarzen Vogel nicht mehr zu sich, er gibt ihm seine Nahrung, auf daß er auch draußen seiner Gewohnheit gemäß leben kann. Wie treffend wenden hier unsere Lehrer das Wort an: maru rcai pnx y-v, „Der Gerechte achtet auch auf das Seelenleben seines Viehs." Des Midrasch-Weisen merken in ihrer sinnigen Art hier noch an: Der Rabe klagte vor Noah: 'wmr? nnxi 'ixiv -p-. Dein Herr und Meister ist mir nicht Freund — von meiner Art hat er nur je zwei in die Arche fliegen lassen — und jetzt hast du selbst mir Feindschaft bekundet, — gerade mich Haft du ausgefandt. Wie leicht könnte ich umkommen und würde dann die Welt um meine Gattung beraubt werden . . ." Darauf entgegnete Noah: „Was nützest du der Welt? Nicht kannst du auf den Altar G'ttes und nicht auf den Tisch der Menschen kommen." Da unterbrach G'tt dieses Zwiegespräch und sagte zu Noah: „Suche den Raben zu erhalten, auch ihm ist in der Zukunft eine Aufgabe zugewiesen. Raben werden einst Elijahu mit Brot und Fleisch versorgen . . ." Dieses Midryschwort kann vielleicht als die Sprache derer gewertet werden, die doch immer wieder unserer Thora Mangel an Tierfreundlichkeit vorwerfen und all' die vielen Stellen der heiligen Schrift nicht kennen und nicht würdigen wollen, die das volle Gegenteil beweisen. Die Klage des Raben ist der dumpfe Klang der finsteren Anklagen jener, die Israel und fein Judentum befehden, die aber vor dem Lichte und der Reinheit unserer Lehre wie Dunst und Nebel zerfließen . . . Noah schickt in Abständen von je sieben Tagen dreimal je eine Taube aus. Die erste fand keine Stätte für ihren Fuß Vs W S'N -s nann Vk vVk asm ,nann Vx vVx rnx xav nnv'i „Da kam sie zurück zu ihm in die Arche, — denn Wasser war noch aus der Fläche der ganzen Erde, so streckte er die Hand und griff sie und brachte sie zu sich in die Arche." Die Taube kehrte dankbar zurück zur Stätte, wo sie treue Wartung gefunden, und fand von neuem , liebewarme Hände, die sie aufnahmen. Die zweite Taube kam zur Abendzeit zu ihm — sie kehrte nicht zurück, um wieder ausgenommen zu worden, nur Meldung wollte sie bringen, frohe Kunde ihm, der sie ersehnte — ,rixn D’»n Hp ->d m viv msa ept> n’T ni>y am- „Siehe! ein frisches Oelblatt in ihrem Schnabel! So erkannte Noah, daß die Wasser von der Erde abgenommen hatten." Dieses Oelblatt im Schnabel der Taube goß Noah freudige Zuversicht ins Herz und soll nach einer schönen Deutung des Midrasch die gnadenspendende Liebe G'ttes versinnbildlichen, die am Ende alles Lebende versorgt. yra ynioai nna p-nia virm» ■’rr rr-apn njv>n m»x -nsi iwa »»'2 i'aiBHi »ans Die Xaube sprach vor G'tt: „Herr der Wett! Mag auch meine Nahrung bitter sein wie die Olive, — ö, daß sie doch immer von deiner Hand gereicht wird — sie ist mir lieber als die honigsüße, die mir etwa Menschenhände^ dieten." Unsere^ Zeit läßt uns dieses Midraschwort in seiner vollen tiefen Bedeutung erfassen. Mögen auch die Menschen noch so sehr darauf bedacht sein, Not und Elend zu mildern, — in den Herzen derer, die sich nach Arbeit und Tätigkeit sehnen und nach dem Segen G'ttes, der jedem Schaffen verheißen isst hallt immer von neuem das WeisheUswort wieder: 'pn nni> „Laß D u mich verzehren mein festgesetztes Brot!" Die als dritte -ausgesandte Taube kam nicht mehr wieder. Das ließ nun 'Noah hoffen, daß sein Sehnen gleich gestillt werden wird, und diesem Augenblicke lebte er jetzt entgegen. Obwohl er, nachdem er das Dach der Arche abgetragen, mit eigenen Augen wahrnahm, daß die Erde