Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1933)
- Date
- 1933-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 47 Der Israelit 23. November 1933 Quellen vorhanden, die als Heilbäder ausgenutzt werden' könnten. Der palästinensische Agronom Gordon hat die Bodenverhältnisse in Dscholan untersucht und dtp Angaben der Verkäufer bestätigt. Nunmehr werden Mit der französischen Mandatarmacht und den syrischen Behörden Verhandlungen betreffend die politischen Vorbedingungen der Kolonisation geführt. Diese Verhandlungen werden, obwohl die letzten Ereignisse in Palästina ein störendes Moment in sie hineingetragen haben, fortgesetzt. England. Vorbildliches Verantwortungsgefühl. London, 17. Noo. In der Rede, die Herbert Samuel am letzten Montag in der Abrüstungsdeüatte im Unterhaus gehalten hat,, befinden sich Ausführungen, die von dem Verantwortungsgefühl dieses jüdischen Politikers Zeugnis oblegen und die in vielfacher Hinsicht in der heutigen gespannten Situation vorbildlich sein könnten. Der liberale Führer sagte u. a.: „Es ist wesentlich, daß Deutschland ein Vorschlag gemacht werden sollte, den die aufgeklärte öffentliche Meinung in diesem Lande, in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt als gerecht anfehen kann und von dem man annehmen darf, daß Deutschland ihn vernünftiger Weise annehmen wird. Man begreift zwar die nrEtrliche Reaktion des Freiheit liebenden Durchschnittseng'länders, der eine intensive Abneigung empfindet gegen viele Dinge, die in Deutschland geschehen sind und in diesem, wie in anderen Ländern gibt es viele, die geneigt sind zu sagen, mir sollten keine Konzessionen machen und wir sollten keine Verständigung suchen mit Leuten, die sich unmöglich machen. Man behauptet, sie seien eine Gefahr für Europa und der einzige Weg, den man einschlogen sollte, sei Gewalt gegen Gewalt zu setzen. Ich glaube nicht, daß dies der richtige Weg wäre. Es gibt auch manche Leute, die gerade von m i r erwarten möchten, daß ich im besonderen, angesichts der Angriffs auf dis Raffs, der ich angehöre, der Kränkungen, der Unterdrückung und der Versagung der elementarsten Gleichberechtigung als Konsequenz des bitteren Grolles und des Unwillens, den ich persönlich darüber fühlen müßte, natürlicherweise geneigt sein sollte, mich jener Auffassung anzuschließen. Aber ich habe immer daran festgehalten, daß jeder, der in öffentlichen Angelegenheiten eine Verantwortung trägt, sein politisches Urteil nicht durch persönliche Gefühle trüben lassen darf, will er nicht seinen Landsleuten einen schlechten Dienst erweisen. So setze ich all das beiseite und frage einzig und allein, welcher Weg der weise st e ist gegenüber dem Deutschland von heute." Tschecho-Swwakei. Äsylrecht für Emigranten: — Der Stolz des tfchecho- : slowakischen Volkes. Prag, 15. Nov. Im! Äußenausschuß des tschechoslowakischen Parlaments'/ergriff Außenminister Dr. B e n e s ch zum Schluß der Debatte das Wort, um den Rednern zu atztworten. .Dem Abgeordneten Zilka (tschechischer Agrarier), der in der Debatte gegen politische und Wirtschaftliche Betätigung der Emigranten sprach und der mit anderen Mitgliedern seiner Partei eine Interpellation eingebracht hat, in der gefordert wird, daß die Regierung jede weitere Niederlassung von Fremden in der Republik verbietet und jede Erwerbstätigkeit von Ausländern unterbindet, erwiderte Dr. Benesch: „Es wird in der Zukunft unser Stolz sein, wie es seit Jahrzehnten und Jahrhunderten der Stolz der höchstkultivierten europäischen und Weltstaaten war, Englands, Amerikas, Frankreichs und der . Schweiz, daß wir, politischen Flüchtlingen ein Asyl gewähren. Es ist dies nicht nur eine Selbstverständlichkeit für einen Staat wie die Tschechoslowakei, an dessen Entstehung unsere Emigration einen großen Anteil hat. Es geht dies auch her,- vor aus der ganzen politischen und rechtlichen Struktur unseres Staates. Wir müssen allerdings im Hinblick auf andere Staaten, was die Emigration und das politische Asyl betrifft, absolut kompromißlos darauf bestehen, daß wir die Prinzipien des internationalen Asylrechts voll respektieren Wenn es sich heute um die deutsche Emigration handelt, so will unser Staat nichts anderes tun, als alle übrigen Staaten getan haben. Auch Deutschland hat seit altersher politische Emigranten beherbergt. Und wie Deutschland im Rahmen des internationalen Rechts Flüchtlingen ein Asyl gewährt hat, so will auch dis Tschechoslowake. deutschen Flüchtlingen ein Asyl bieten." Rumänien. NsKtstUttK Dura rtt riUittätttett. Bukarest, 15. Nov. Der von König Carol mit der Bildung der neuen Regierung beauftragte Führer der Liberalen Partei, I. G. Duea, hat ein rein liberales Kabinett gebildet, m dem weder Mitglieder der 'unter der Führung George Bratianus stehenden Jungliberalen, noch Führer der. nationalen Agrarpartei, ein Portefeuille, erhalten haben. Bon dem neuen Kabinett wird allgemein erwartet, daß es der antisemitischen Verhetzung durch Cuzistenj Eisengardisten und neu gebildete Gruppen, die sich sum Teil aus den Kreisen der nationalen Minderheiten rekrutieren, mit aller Energie sntgegonwirken wird. Die neugeschaffene politische Lage in Rumänien, die auch auf die Gruppierung der jüdischen politischen Organisationen von entscheidendem Einfluß sein wird, hat Dr. Wilhelm Fildermann, den langjährigen verdienstvollen Präsidenten des Verbandes der Jüdischen Gemeinden Altrumäniens, veranlaßt, dieses Amt niederzulegen. Schüler des Herrn Lvberrabbiner Duschinski. Bratislava, 15. Nov. Am letzten Sabbat Abend fand im großen, Saale der Jesode-Hgchora eine zahlreich besuchte Versammlung von Schülern des Herrn Oberrabbiner Duschinski in-Jerusalem unter Vorsitz des Herrn Ephraim Kaiser statt. Rabbiner Unsdorfer berichtete, auf Grund der ihm zugegangeden Nachrichten aus Jeruälem, daß die in Gründung begriffene Ieschiwo des Raw dringend der finanziellen Unterstützung bedürfe und richtete an die Versammlung die Aufforderung, daß jeder ehemalige Schüler des Raws einen einmaligen ausgiebigen Beitrag leisten und durch regelmäßige Monatsbeiträgs zum Bestand und zur Weiterentwicklung der Ieschiwo beitragen möge. Ihm schlossen sich die Herren Rabbiner Farbstein und Juda Grünwald an. Es wurde eine Exekutive gewählt, der die Aufgabe gestellt wird, alle ehemaligen Schüler von Rabbiner Duschinski in einem Verein zusammenzufassen, wie ein solcher Bruderverein bereits in Oesterreich besteht. Es wurden spontan größere Beträge gezeichnet und zum Teil gleich eingezahlt. Die zweite Gruppe von Schülern aus der Slovakei wird anfangs Dezember nach Jerusalem reisen, nachdem die beantragten 25 Zertifikate seitens des Einwanderungsamtes bewilligt worden sind. Diejeniger Schüler, die mitfahren wollen, wollen sich so rasch wie möglich unter Einsendung der erforderlichen Dokumente die Herrn Ephraim Kaiser in Bratislava melden. (Weitere Korrespondenzen siehe Seile 10 und 11.) Familiennachrichken. Geburten: Ein Sohn, Gustav Erlebacher und Frau geb. Löwenstein, Ffm, Ein Sohn, Selig Schepkolewski und Frau Lea geb. Auerbach, Hawbürg, Hejnr. Barthstr. 8, 3. 11. 33. Barmizwoh: Hermann, Sohn der Lehrerswitwe Landsberg, Hersfeld, n^v'i-2 nav, 2. Dezember. Geburtstag: Frau Bertha Iakobsohn geb. Würz, burger, Neckarbischofsheim, 70 Jahre, 28. 11. 33. — Frl. Adelheid Stiebe! begeht am 1. Dezember in Gesundheit und geistiger Frische in vom Rothschildschen Damenheim Zeit 92, ihren 80. Geburtstag. Gestorben: Frau Lilyj Gazan geb. Hausdörff, Haag (Holland). Briefkasten. M. W. in <5. Betrag inzwischen^ eingegangen und wie angegeben verbucht. K. L. Wir können die Schilderung der Trauung aus naheliegenden Gründen nicht bringen. Besten Dank. Personalien. Kopenhagen, 21. Nov. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Oberrabblner Dr. Le wen st eins (Zürich) weitverzweigtes segensreiches Wirken ^20 n2ivi> wird icher von berufenster Seite anläßlich seines 70. Geburtstages (am 11. Kislev) gedacht nnd gebührend gewürdigt, aber an diesem seinem Ehrentage darf nicht vergessen werden die bedeutungsvolle, wenn auch nur kurze Episode seiner Tätigkeit in unserer Gemeinde. Es ist ein. Ruhmesblatt seines Lebens. Es waren Jahreseines selbstlosen Kampfes für unsere heiligsten Ideale, stür die ewigen Wahrheiten unserer pwiv' ein Kampf gegen die verheerende. Assimilation und eingewurzelte Oberflächlichkeit aus allen Gebieten des Judentums. Ein .Bangen hatte ihn erfüllt, sobald sein überlegener Scharfblick die Verhältnisse erkannt hatte, um die Zukunft der ihm anvertrauten Gemeinde, die Verantwortung für die Erhaltung des kleinen Restes des ganzen skandinavischen Judentums lag ihm am Herzen. 21^-vi was roor die Devise auf seinem Panier, blank und rein die Waffen des bewunderungswürdigen Kampfes d’»p dwV und — mußte er auch der verständnislosen Uehermacht weichen, sein Kampf war doch wahrlich nicht vergebens. Darum dringt auch heute ein dankbarer Gruß vieler treuer Verehrer aus dem fernen Norden dem Jubilare entgegen. Die Saat, die er gelegt, den Baum, den er in dieser Stadt pflanzte, vor mehr als 20 Jahren, hat viele Früchte, gereift und wird auch künftig n'2 weiter blühen in dem Kreise, der nach reinen Linien unseres Judentums lechzt, und so bleibt sein segensreiches Wirken unvergessen in unserer Gemeinde. Dieser Freundeskreis vereint sich auch heute mit allen feinen zahlreichen Verehrern in dem aufrichtigen Wunsche: N212, v"n jvupi dw whx, viele glückliche Jahre in ungeschwächter Kraft im Verein mit seiner Familie zum Segen für seine Gemeinde und ^2 Miesenfeld, 10. Nov. In würdiger Weise wurde am 14. Oktober der 80. Geburtstag nuferes ältesten Gemeindemitglieds, der Frau Therese B a m b e r g e r W w. begangen. Frau Bamberger erfreut sich einer herrlichen körperlichen und geistigen Frische, die dem wahren jüdischen Idealismus zugutekommt. G'ttessurcht mit Menschenliebe gepaart, sind die Eigenschaften, die sie vom Elternhaus, einer altehrwürdigen Lehrerfamilie in Gochs- Heim, ererbt und die sie beseelen. So ist es kein Wunder, däß -'Unsere Israelitische Gemeinde sowie die ganze Ortsgemeinde an ihrem Geburtstage innigen Anteil nahm. Jeder zur Thora Aufgerufene ehrte sie am mvrna raw durch :einen besonderen ’»< und am mv' nadjmittag: sprach Lehrer Adler in der Synagoge Worte des Dankes zu ihr für ihr Wirken in der Synagoge, die sie noch immer , m. den mwi-o-Tagen alltäglich und allwöchentlich am Ms? besucht und die sie erst vor wenigen Jahren mit neuem herrlichem Almemor, mit Pultdecke und mit in gleicher Farbe gehaltenem Porauches zierte. Am Sonntag, den 15. Oktober, versammelte sich in ihrem Heime, das fast alle Ortsbewohner in einen Blumengarten verwandelt hatten, ihre Familie fast vollzählig, und in ihrem Namen sowie im Namen ihrer Freunde sprach Herr Lehrer Rosenfelder in beredten Worben den Glückwunsch sowie die Hofnung aus, daß es der Jubilarin vergönnt fein möge, einen noch recht langen freudvollen Lebensabend in gleicher Frische zu genießen. •ms? b^wi mm ip Ichenhausen, 20. Nov. Am Samstag, den 18. November verschied dahier im Älter von über 91'Jahren der. Nestor unserer Gemeinde, Moses Meinfelder. Mehr als 56 Jahre (1872—1928) bekleidete er in vorbildlicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit das Amt unseres Synagogendieners. Er war ebenso ein hingebungsvoller Hüter und Pfleger unseres G'tteshauses wie ein eifervoller Wächter unserer alten, herrlichen synagogalen Gesänge und Bräuche, die er über drei Generationen ' hinweg hat erhalten helfen. Seine biedere Art und sein originelles, humorvolles Wesen haben ihm die Herzen aller. Kultusmitglieder gewonnen, von denen er viele in früheren Zeiten in Chuppoh-Nigun (Hochzeitsmelodie) mit feiner Klarinette durch die Straßen Jchenhaufens zum Traualtar geleitet hat. — Die allgemeine Hochschätzüng und Verehrung, die dem Entschlafenen aus allen 'Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht wurde, spiegelte sich wider in der außerordentlich großen Beteiligung an seiner Beisetzung, an der auch ein Zug der Freiwilligen Feuerwehr, welcher er 60 Jahre lang angehört hatte, mit Fahne teilnahm. — Da mit Rücksicht auf. den Rosch-Chodesch eine Grabrede nicht gehalten werden konnte, würdigte in einem anschließend an die Beeröigung angesetzten Maariwg'ttesdienst in der Synagoge, an 'welchem die ganze Gemeinde teilnahm, Herr Rabbiner Simon Schwab die hervorragenden Verdienste unseres „Mosche" Meinfelder, in dessen Persönlichkeit der religiöse Glanz und Strahl längst vergangener Zeiten sich verfangen habe. Herr Kultusvorsteher Julius Krämer schilderte unter Dankesworten die opfervolle, vorbildliche Hingabe - des Entschlafenen, der ein Musterbeipiel sei dafür, daß es nicht so sehr darauf ankomme, welches Amt man inneyabe, als vielmehr darauf, wie man den Platz, auf den man gestellt ist, ausfülle. Laudenbach a. 2ft., 13. Nov. Eine hohe Auszeichnung wurde dieser Tage unserem Gemeindemitglied, Herrn Manfred Adler, zuteil. Er, der von 1912—1914 aktiv diente, und von 1914—1919 als Soldat mit kurzen Unterbrechungen an der Front kämpfte, und zwar sowohl in Frankreich als auch in Polen und Rumänien (bei der 10. bayrischen Division, 9. Jnf.-Regiment), der wiederholt verwundet-wurde und während des Krieges sowohl das E. K. II und das, Verwundetenabzeichen erhielt, bekam am 11. November d. I. mit feierlicher Urkunde vom Ungarischen Konsulat in Berlin die „Ungarische Kriegsverdienstmedaille mit Schwert und Helm" zugestellt. — Es dient dies wiederum als Beweis, daß deutsche Juden im Weltkrieg 1914—1918 ihre Pflicht als wahre - Deutsche in vorbildlicher Weise erfüllten.