Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1933)
- Date
- 1933-11-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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23. November 1933_.__ wischen Feiertage. <£r konnte bie <fsststellung machen, welche Ihm von den dortigen Juden bestätigt wurde, .das; in diesem Jahre, wie kaum in einem anderen, die wenigen jüdischen Synagogen und Bethäuser zum Bersten überfüllt waren. Gerade für die jüngeren Teilnehmer an jüdischen G'ttesdiensten ist eine derartige Handlung nicht ohne Gefahr. Trotzdem gehen sehr viel junge Juden, die offiziell sogar Mitglieder der „Gottlosenkomitees" sind, in die Synagoge, weil ihr Bedürfnis, Anlehnung und Trost zu suchen, stärker ist als die Angst vor Bestrafung durch die herrschende Partei. Also auch hier ein kleiner Lichtpunkt. Korrespondenzen * Nachrichten. Deutsches Reich. Verbot des Boykotts jüdischer Mrtschaftsunternehmungen und jüdischer Anwälte durch Amtswalter des nationalsozialistischen Zuristtnhundes, Berlin, 21. Nov. : In Nr. 6 der vom Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen herausgegebenen Zeitschrift „Deutsches Recht" wird eine Anordnung des Reichsjustizkommissars Dr. Frank veröffentlicht, in der den Amtswaltern des Bundes nationalsozialistischem deutscher Juristen selbständige rechtspolitische oder wirtschaftliche Verfügungen und Verlautbarungen untersagt worden. In der Anordnung heißt es: Ich verbiete hiermit ausdrücklich den Amtswaltern, in irgend einer Weise selbständig zu rechts- oder wirtschaftspolitischen Fragen oder sonstigen allgemein bekanntgegebenen Grundsätzen der Reichsregierung durch öffentliche Verlautbarung Stellung zu nehmen sowie direkt oder indirekt den Boykott gegenüber jüdischen Wirtschaftsunternehmungen oder jüdischen Anwälten weiterzuführen. Die Wiederaufnahme derartiger Maßnahmen wird von allensallsigen Anweisungen der Reichszentralstelle abhängig sein. Ablehnung! Hamburg, 21. Nov. Die großen Krankenkassen „Leipziger Varmenia" und „Volkswohl" Kranken-Unterftützungskasse, Versicherungsverein A.-G., Dortmund, nehmen keine nichtari- 1 ch e n Mitglieder mehr auf. Die Schaumburg - Lippe'sche Landeszeitung „Die Schaumburg" lehnt, obwohl sie die einzige Zeitung am Platze ist, die Aufnahme von Inseraten jüdischer Firmen ab. Seit einigen Wochen ist es den Juden verboten, die schwarz-weiß-rote Flagge zu hissen. Die Behörden erklären, das Verbot entspreche einer Weisung' höchster Reichsinstanzen. Außerhalb des Landes ist allerditqs von einer solchen Verfügung nichts bekannt. Die Juden von Schaumburg-Lippe, von denen viele im Weltkriege unter der schwarz-weiß-roten Fahne gekämpft haben, empfinden das Verbot als schwere Kränkung. Schweiz. Der pcszch ü(wt ik „pkstsk<M 6« tt'ctKtt »eit Zion". Basel, 17. Nov. Die bekannten „Protokolle der Weisen von Zion")' jenes schon seit 1921 als Fälschung erwiesenen Machwerks, das auf den Offenbarungen des halbverrückten russischen Mystikers Sergius Nolus beruhte, wird demnächst Gegenstand einer Gerichtsverhandlung sein, die allgemeines, Interesse verdient. In einer Neuausgabe dieser sogenannten „zionistischen Protokolle" war unvorsichtigerweise von antisemitischer Seite behauptet worben, Oberrabbiner Dr. Marens Ehrenpreis in Stockholm habe die Authentizität der Fälschung anerkannt. Aus Grund der Tatsache, daß die Behauptung durch den Verkauf des Werks in den Baseler Buchhandlungen dort verbreitet wurde, strengte Dr. Ehrenpreis hier eine Klage an worauf etwa 800 Exemplare des Buches im fäänton Basel zuächst auf gerichtliche Verfügung^ beschlagnahmt 1 Der Israelit Die Woche. Berlin. Nach dem neu verabschiedeten Gesetz gegen Mißbrauch der Ehe und der Adoption ist nunmehr die Annahme an Kindesstatt bei rassischer Verschiedenheit der Adoptiveltern unzulässig. Königsberg. 8 In einer ostpreußischen Stadt wurde seit April 8 von jüdischen rn ein Zuschlag | S oon 100 Proz. zu den Gas- und Stromgebüh- 8 ren erhoben. Auf Einspruch der Betroffenen | wurde von höherer Stelle bestimmt, daß der 8 Zuschlag aufgehoben und die bezahlten Mehr- 8 gebühren an die jüdischen Geschäftsleute zurück- 8 erstattet werden. Breslau. Vom Breslauer I Sondergericht wurden der Verwaltungsdirektor 8 der jüdischen Gemeinde, Amtsgerichtsrat a. D. I Dr. Ernst Rechnitz, und Herr Albert Ro- 8 senthal zu je einem Jahre und drei Mo- 8 naten Gefängnis verurteilt, unter Anrech- 8 nüng der Untersuchungshaft seit dem 12. Ok- 8 tober, (an welchem Tage sie aus der Schutz- I Haft in Untersuchung gekommen sind). Ge- 8 genstand der Anklage ist ein im Breslauer Ge- 8 meindeblatt, für welches Rechnitz als Schrift- 8 leiter verantwortlich ist, erchienener Artikel Ro- 8 senthals, in dem die Staatsanwaltschaft „eine 8 Herabwürdigung der deutschen Ehre und eine Grundlage zur Bildung von Greuelmärchen" erblickt, da er den Anschein erwecke, als „würde» Negierung und Justiz Leben, Eigentum und Ehre der Juden nicht genau so schützen, wie die Rechtsgüter anderer in Deutschland lebender Menschen." Danzig. In den Danziger Schulen wurde ' die Entfernung aller Bücher jüdischer Autoren aus den Schulbibliotheken angeordnet. Viele große Warenhäuser, die jüdischen Namen tragen, kündigten 3 ihren jüdischen Angestellten. In einer großen Versammlung jüdischer Angestellter wurde darauf hingewiesen, daß diese Tendenz zum Ausschluß der Juden einer klaren Verordnung 8 des Senatspräsidenten widerspreche. § Wien. Der neue amerikanische Gesandte in Wien, George Carle, hat eine Erklärung abgegeben, wonach er zur Verstärkung des amerikanischen Touristenverkehrs nach Oesterreich alles unternehmen wolle, vorausgesetzt, daß das Ueberhanü nehmen antisemitischer Methoden besonders in den Kurorten verhindert werde. Amsterdam. Unter dein Namen Machsike Hadaß ist hier eine ostjüdische Gemeinschaft gebildet worden, die eine Talmud Thora, ein Veshamidrasch und merkwürdigerweise auch eine eigene Kaschruskommifsion eingerichtet hat. London. Im Unterhause erklärte der Minister der Kolonien aus eine Anfrage, daß nach ihm zugegangenen Berichten des High Commissioners eine Wiederholung der Unruhen in Palästina ganz, undenkbar sei. — Das Alumnat des Newyorker City College hat an den Londoner Chiefrabbi Dr. I. H. Hertz die Townaend Harris-Medaille verliehen. Sofia. Der Präsident des jüdischen Zentralkonsistoriums in Bulgarien, Hain F a r ch y, erhielt das durch den Tod des früheren Ministerpräsidenten Lijaptschess er-' ledigte. Parlamentsmandat und tritt nun als demokratischer 'Abgeordneter in das Parlament ein. Riga. Der soeben in sein Amt eingeführte. Erzbischof von Lettland, Professor vr. Grünberg, erklärte in seiner Antrittsrede, er sei entschiedener Gegner jeden Rassenhasses und werde sich für Zusammenarbeit aller I Schichten und Konfessionen mit aller Kraft einsetzen. Bagdad. Seit November kann man durch die Teiesonverbindung Aegypten-Syrien- Pälästina und Irak von Bagdad oder Damas- . kus nach Jerusalem telefonieren. Jerusalem. Das Oberhaupt der Slobodkaer Jeschiwa in Jerusalem, der Gaon Rabbi Mosche Mordechai I Ep stein, ist schwer erkrankt. In den Synagogen und Jeschiwoth Palästinas werden Gebete um seine Wiederherstellung verrichtet. — Die arabische Exekutive kündigt von neuem den Boykott jüdischer Produkte an. — Die Finanzen der Negierung werden voraussichtlich dieses Jahr mit einer Million Pfund Ueberschuß abschließen. Wiederum ein Beweis für 8 die Auswirkung der jüdischen Einwanderung. — Auf dem Har Hasessim wurde dieser Tage t das bekannte Philantropenehepaar R o k e a ch, nach der Ueberführung aus Amerika, beigefetzt. Eine Anzahl von Familienmitgliedern war aus Amerika mitgekommen. In der „Ez Chajim-Jefchiwa" fand eine ehrende Trauerfeier für den Wohltäter und großen Palästinasreund 8 statt. — Die Arabische Exekutive erklärte, daß 8 sie der zur Untersuchung der Unruhen einge- 8 setzten Kommission die Anerkennung versa- 8 g e n müsse. 8 Nr. 47 Seite 5 INTERNATIONALE SPEDITION Frankfurt a. M. Telefon 30576 Gufleufsfr. 31 Lagerung, Verpackung, Umzüge, Gepäcki Versicherung Sammelladungen innerh- Deutschi. u. nach d. Ausland PALÄSTINA-TRANSPORTE wurden. Als Beweis für die angebliche Anerkennung des Machwerkes durch Dr. Ehrenpreis wurde dem Gericht erklärt, dieser habe bei einem Gedächtnisg'ttesdienst für Herzl geagt, der verstorbene Zionistenführer „habe einen Plan für die Wiederbelebung des Judentums ausgearbeitet" und dieser Plan sei nichts anderes als der Plan, der in den Protokollen der Weisen von Zion erwähnt werde. Es war Dr. Ehrenpreis nicht schwer, das Unsinnige dieser Behauptung nachzumeisen und zugleich die weitere Behauptung zuwiderlegen, das Original der Protokolle der Weisen von Zion befinde sich im Britischen Museum in London. Die angestellten Nachforschungen ergaben, daß im Britischen Museum nichts weiter ist, als ein Exemplar des Buches von Nilus. Das Werk wird jetzt photographiert und dem Gericht in Basel vorgelegt werden zusammen mit einem Zeugnis der Leitung des Britischen Museums, daß auch kein anderes Werk der angeführten Art sich im Museum befinde. Dr. Ehrenpreis hat eine weitere Verlegung des Entscheidungstermins beantragt, um weiteres Material b.^ubringen und der Legende von den Protokollen der Wt-An von Zion ein definitives Ende zu bereiten. Acht jüdische Vertreter im verwaltungsrat des Genfer Cmigranteit-hilfswerks. Genf, 14. Nov. Die Verhandlungen mit dem vom Völkerbund eingesetzten Hachkammissar für Emigrantenwefen James Mae- Donald sind zu einem im Sinne der jüdischen Forderungen günstigen Abschluß gelangt. Der Hochkommissar hat erklärt, gegen den Wunsch der Londoner Hilfskonferenz, daß in den ihm beigegebenen Berwaltungsrat des Hilfswerks acht Vertreter der jüdischen Organisationen berufen werden, keine Einwendungen machen zu wollen. Auch erklärte sich High Commissioner MacDonald bereit, mit allen von der Londoner Konferenz designierten Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten. Frankreich. Einzelheiten über die geplante jüdische Kolonisation an der syrisch-palästinensischen Grenze. Paris, 15. Nov. Auf der Rückreise von Palästina nach Nordamerika hielt sich der Redakteur des „Marning Journal", Ab. Goldberg, einige Zeit in Paris auf und machte dem JTA-Dertreter Mitteilungen über die geplante jüdische Siedlung an der syrisch-palästinensischen Grenze, von der syrische Zeitungen in letzter Zeit berichtet haben. Ab. Goldberg hat aus Palästina eine von dem Bevollmächtigten einer bekannten syrischen Familie, deren Oberhaupt der Präsident des syrischen Parlaments ist, Unterzeichnete Option auf 300.000 Dunam Land, von denen 95.000 Dunam für Citruskultur geeignet sind, mitgebracht. Als Durchschnittspreis werden pro Dunam zwei palästinensische Pfund gefordert. Don dem für Citruskultur geeigneten Boden tostet ein Dunam 3 Pfund. Cs handelt sich um den Landstrich, der im Buch Josua unter dem Namen „Golan" erwähnt wird und' jetzt Dscholan heißt. Er liegt nördlich des Tiberiassees und grenzt im Nordwesten unmittelbar an Palästina. Ans der der Option beigele-gten Karte ist das Gebiet in drei Teile eingeteilt, von denen der bedeutendste persönliches Eigentum des Unterzeichners ist. Folgende Verkaufsbedingungen wurden festgesetzt: Die Käufer verpflichten sich, innerhalb von zwei Monaten eine Hypothek von 25.000 Pfund einzuzahlen, wodurch sie das Recht erhalten, innerhalb oer nächsten zwei Jahre das ganze Gebiet käuflich zu erwerben. Machen sie von diesem Rechte keinen Gebrauch (es genügt auch der Ankauf der 95.000 Dunam Eitrusboden), so wird die eingezahlte Summe als Hypothek weiter verzinst. Gegenwärtig sind Verhandlungen mit Pariser und Londoner Gruppen betreffend den Ankauf des angebotenen Landstrichs im Zuge. Was die Eignung des Gebietes für Kolonisation betrifft, so ist zu bemerken, daß genügend Wasser vorhanden ist und die steinige Fläche mir 2 Proz. beträgt. Der dort vorhandene Stein ist als Baumaterial verwendbar. Es sind ferner heiße