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Der Israelit · 1933-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1933) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 40-41 (4.10.1933)
Date
1933-10-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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4. Oktober 1933 De r Israelit Nr. 40/41 Seite 15 Die Jefchiwa zu Montreux. (Mt -drei Bitbern) Die Iefchiwa zu Montreux um Genfersee Ln der französischen Schweiz ist unter der Leitung ihres Begründers, Herrn Rabbiner Cliahu Botfchko, zur Weltbedeutung gelangt, In einer Artikelserie bemühten wir uns vor kurzem, ein anschauliches Bild dieser in ihrer Art einzigen Dhoralehranstalt in den Alpen zu geben. Die Bilder zeigen den Rosch Iefchiwa und die jüngsten Schülergcuppen, die, zumeist aus Frankreich kommend, ihre dreimonatlichen Ferien zum intensiven Thoralernen in Montreux ausnutzen.' Die Poale Agudas Zisroel in Erez Israel. (Mit Bild) jüngsthin brachten wir im Korrespondenzenteile die Schilderung einer Wanderung der Poale Agudas Iisroel in Crez Iisroel durch den Saron und den Cmek. Unser Bild hält eine Gruppe der Ausflügler fest, unter denen besonders die Frankfurter manches bekannte liebe Gesicht erkennen werden. Der geheimnisvolle Esrog. Aus den Aufzeichnungen in der Schrift „Sichron tow". Rabbi Mordechai ans Rischwis, der große Chafsidimrabbi, wohnte, bevor er an die Gesfentllchkeit trat, -im Städtchen L e s ch n o w bei Brody, wo er seine Familie recht und schlecht aus einem kleinen Kramladen ernährte. Cr lebte in größter Ginfachheit und sparte sich jeden Groschen für wohltätige Zwecke ab. Gleich nach den: Schwuausfeste pflegte er anzufangen für den Csrog zu sparen, indem er tägllch einen kleinen Dbolus in eine Sparbüchse warf, die die Aufschrift „Csrog" trug. Rach Ausgang von Jom Kippur pflegte er die Büchse zu öffnen und mit dem Betrag nach Brody zu fahren, um. den schönsten Csrog einzuhandeln, der aufzutreiben war. Als er eistmal nach Jom Kippur die Büchse öffnete, fand er den für die damalige Zeit immensen Betrag von sechs Goldgulöen darin. Voller Freude mm Ä'.'Vi': Der Gründer und Leiter der Iefchiwa zu Montreu« Rabbi Elija!,u Bolschko. machte er sich auf den weg nach Brody. Dort sah er sich sämtliche Csrogim bei allen jüdischen Händlern an, bis er eine Frucht ausfindig machte, wie -er sie nie im Loben reiner und schöner gesehen hatte. Sechs Gulden sollte dieses Cöelexemplar kosten. Rabbi Mordechai war schon einverstanden, dachte aber, es empfehle stch nicht, schon gleich das Geschäft abzuschließen, denn es könnten vielleicht noch schönere zu haben sein. Also ging er weiter auf die Suche. An einer Straßenecke sah er eine große Menschenansammlung. Rabbi Mordechai wollte Nachsehen, was vorgefallen fei. Da entrollte sich seinem Auge folgendes Bild. Mitten auf der Straße stand ein Wägelchen vollbelaöen mit wassecfässern. Der Gaul, der am wagen angespannt war, lag aber auf dem Boden und -keuchte. Davor der kleine Jude, der Wasserträger, mühte sich unter Tränen um das Tier, redete auf dasselbe ein, aber das Pferd streckte die Beine aus und machte keine Miene, stch zu erheben. Rabbi Mordechai schickte stch an, dem armen Wasserträger zu helserträgec jammerte: „Herr der Welt, wenn i ch gesündigt habe, was haben mein Weib und meine kleinen Kinder verbrochen, daß ihnen nun das Stückchen Brot vom Munde genommen wird? Der Gaul war der Crnährer meiner Familie, womit soll ich jetzt das Wasser ans dem Brunnen holen und den Hunger meiner Kinder stillen?" . Rabbi Mordechai erkundigte stch bei dem Wasserträger über den Stand seiner Familie. Sechs Personen seien der größten Rot ausgefetzt, „was hat das Gäulchen gekostet und -um welchen Preis kannst du dir ein neues ähnliches verschaffen?" „Sechs Rubel," weinte der Mann, „für mich ein unerschwingliches Vermögen." Rabbt Mordechai fing mit sich zu ringen an: „Herr im Himniel, alle Gebote kommen aus Deiner gleichen Hand. Ist bei Dir die Aufrichtung eines Menschenlebens nicht so viel wie das Csroggebot? wer eine Seele in Israel am Loben erhält, hat eine Welt erhalten, hier aber gilt es, sechs jüdische Seelen vor dem Verhungern zu bewahren . . Und indem er so dachte, fuhr seine Hand ganz -automatisch in die Tasche, holte die für -den Csrog bereitgestellten sechs Gulden heraus und überreichte sie, ohne ein Wort zu reden, dem armen Wasserträger. So rasch und lautlos ging das alles vor stch, daß die Umstehenden gar nichts davon merkten und der beglückte Wasserträger gar keine Zeit fand, ein Wort des Dankes zu stammeln^ Rabbi Mordechai war verschwunden. In der Rächt fuhr Rabbi Mordechai zurück nach Hause. Alle Mitreisenden auf den: großen Leiterwagen lobten ihre Csrogim. Rabbi Mordechai saß in stch gekehrt und mischte sich in die Unterhaltung nicht ein. Cm vorlauter junger Mann fragte Rabbi Mordechai, wo er seinen Csrog hätte, „wenn es der Herr der Welt will," gab dieser zur Antwort, „kann auch ein Gaul einen Csrog ersetzen." Cs drückte ihn, daß er sich dieses Jahr einen fremden Csrog würde für Minuten schenken lassen müssen, um über ihn den Segensspruch zu machen, aber glücklich war er dennoch im Gedanken an sein Crlebnis in Brod^. Am Rüstetage zu Sukkoth war Rabbi Mordechai den ganzen Tag eifrig in seiner Laubhütte tätig. Ausschmücken wollte er sie, wie man eine Braut zur Chup- ^ah schmückt, war es ihm schon nicht gegönnt, die nne Mizwoh nach Wunsch zu erfüllen, so sollte wemgtens die andere in möglichster Schönheit gehalten verden. Cs war schon spät, als ein fremder Greis in fein Haus trat. „Rabbi Mordechai!" rief er, „wo ist Rabbi Mordechai?" Aergerlich über die Störung kam der Hausherr aus der Sukkoh heraus, „was wünscht ein Jude?" „Ich bin Lsrogimhändlec," antwortete der Greis, „und hörte, daß ihr noch einen Csrog benötigt. Hier eine Auswahl, sucht euch einen heraus." „Um euch die Mühe zu sparen," bemerkte Rabbi Mordechai, „sei euch gleich gesagt, daß ich nicht in der Lage bin, hohe Preise zu zahlen." „Hohe Preise?" wundert sich der Alte, „wer spricht von hohen Preisen? Das Fest wird bald beginnen, da kann ich mir die ganze Ware einfalzen. Ich schlage sie jetzt los zu -einem halben Gulden das Stück, Cinheitspreife." Rabbi Mordechai griff in die Kiste hinein, wie die da lagen, die edlen Früchte, sorgsam eingebettet und eingehüllt wie die Wickelkindchen in Werg und Watte, und was sie für einen herrlichen Duft im ganzen Raume verbreiteten! Cr wickelte einen NNs. CtN Leuchten kam in seine Augen und verbreitete stch ün ganzen Hause. Cs war ein Csrog genau so edel, genau so rein und schön wie jener, der in Lrodv sechs Gulden kosten sollte. „Kostet?" fragt er erregt. »Ich sagte schon, einen halben Gulden." Rasch bezahlte Rabbi Mordechai. Dann aber stiegen ihm plötzlich einige Bedenken auf. „wer seid ihr, woher kommt ihr, wie kämet ihr in den Besitz dieses Csrog?" Der Alte räusperte sich, murmelte etwas, wünschte vergnügte Feiertage und war verschwunden. — Später, als der Rame Rabbi Mordechais weit und breit in der Chassidimwelt bekannt war, pflegte dieser am Sukkausfeste vor feiner Thafsidimgemeinde oft zu sagen: „Ich lasse mich für einen Csrog schon etwas kosten. Aber einen so herrlichen heiligen Csrog, wie ich ihn damals aus der Hand des geheimnisvollen Alten erhalten habe, ist mir leider nie wieder zu Gesicht gekommen . . ." Die Zudenfrage in Italien. In der wiener „Jüdischen Woche" hat sich ein italienischer Jude Ludwig B a t o , Mailand, ausführlich über die dortigen Verhältnisse geäußert. In dein Aufsatz des gut unterrichteten, wenn auch stark zionistisch orientierten Verfassers heißt es: Die Jüngsten der Iefchiwa zp Montreu« Feriengruppe aus Fraükreich. MM; WM »»Die Iudcnfrage spielt in der italienischen Politik und in der faschistischen Ideologie schon vermöge der geringen Zahl der italienischen Juden — 50 000 Seelen ohne die Kolonieir — überhaupt keine Rolle. Italien kennt keine Iudenpolitik mit festgelegten Richtlinien, und sein Verhalten einzelnen Juden oder der Iudenheit gegenüber klingt wo-h! an die Traditionen sen, aber es war nutzlos, das Tier war tot. Der waf- Dte agudistische Hachscharah in Chorzele.

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