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Der Israelit · 1933-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1933) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 40-41 (4.10.1933)
Date
1933-10-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 40/41 Der Israelit 4. Oktober 1933 nebeneinander. Die Nlädchen wohnen auswärts. Alles ist blitzblank sauber. Das geistige Leben bleibt unter Leitung des Herrn Dr. Ellinger (Stuö.-R. von Beruf) am Sabbat und in den Feierstunden im Fluß. Die Zahlung, die die jungen Rlenfchen zu leisten haben, ist minimal (RIN. 23.— im FNonat.) Der Loden wurde für diesen Versuch in hochherziger Weise von Frau Dr. Goldschmidt, Inhaberin des Taunusfanatorium, zur Verfügung gestellt. Cs ist klar, daß sich diese Farm, bei der geringen Belastung der Lehrlinge, sich nicht halten kann, wenn nicht von Organisationen oder privater Gelte Zuschüsse bewilligt wer-- den. wir wollen hoffen, daß, in Anerkennung der großen Bedeutung einer , , ....... rein agudistischen £} ad) * •. scharah «in Deutschland, ihr die! Freunde und Förderer nicht fern ' bleiben. ii. i; Die jüdische Siedlung Groß-Gaglow. Drei Jahre sind es jetzt her, seit der Reichsbund für jüdische Siedlung in Gemeinschaft mit anderen an der Stedlungsarbeit interessierten Körperschaften das etwa 800 Morgen große Gut Groß-Gaglow bei Cottbus in der Niederlausitz von feiner bisherigen jüdischen Besitzerin erwarb. Nach Berechnungen jüdischer Fachleute wurde unter Berücksichtigung des Reichssiedlungs-Gesetzes der Plan zur Besiedelung von 25 Stellen ausgearbeitet. Der vorhandene Boden, der mit ganz geringen Ausnahmen bisher lanöwirschaftlich bearbeitet worden war, wurde für 13 Gärtnerstellen, zu je 10—12 Morgen, 6 Großgärtnerstellen zu je 13—18 Morgen, 4 Ruhbauernftellen sowie 3 Großbauernstellen zu je 60 Morgen eingekeilt. Geringer vorhandener Waldbestand blieb zunächst erhalten. Die Arbeiten und die Anstedlung der inzwischen gemeldeten Siedlungsanwärter übernahm die Jüdische Landarbeit G. in. b. H. mit dem Sitz in Berlin. vor nunmehr einem Jahr wurde mit dem Bau der Siedlungshäuser begonnen, von denen bisher 21 fertiggestellt und bewohnt sind. Die vorhandenen Baulichkeiten des früheren Gntshofes wurden für die Großbauernstellen umgebaut. Cin größeres Wohngebäude bient zur Unterbringung für eine Anzahl in der ersten Ausbildung als Gärtner befindlicher junger Leute. Das wesentlichste Moment «ist bei der Siedlung in Groß-Gaglow die gemeinschaftliche Heranbildung der dort Angesiedelten und die Wirtschaftsform der Genossenschaft zur Beschaffung gleichartiger Bedürfnisse und für den Absatz der Erzeugnisse. Gerade die Genossenschaft ist moralisch und ökonomisch wichtig zur Erziehung unserer Menschen, denen man von gegnerischer Seite so oft übermäßige Inöiviöualbetonung vorwirft. In der Genossenschaft kann sich der einzelne Siedler ausschließlich seiner Crzeugertätigkeit widmen, denn die Genossenschaft sorgt für den Absatz der abgöliefecten Erträge. Sie beschafft auch teurere Geräte zur gemeinschaftlichen Benutzung und liefert Wasser aus einer Pumpenanlage, die in jeder Sieölerstelle künstliche Beregnung des bebauten Landes nach dem Lanninger- Svstem ermöglicht. In der Erntezeit liefert der Siedler feine Erzeugnisse an die Genossenschaft ab, die den sofortigen Absatz erledigt oder in einer eigenen Konservenfabrik das nicht sofort absetzbare Obst und Gemüse in Büchsen konserviert oder Säfte herstellt. Cs ist also hier wirtschaftliches Arbeiten in hohem Maße möglich. Angebaut werden in der Hauptsache Spargel, Tomaten, Himbeeren, Erdbeeren, Bohnen, Salat und verschiedene Kohlarten. Birnen und Aepfel werden ebenso wie Pfirsische in den nächsten Jahren in größeren Mengen hinzukommen. Auf der landwirtschaftlich bearbeiteten Fläche sind hauptsächlich Roggen und Hafer sowie Kartoffeln angebaut. Die Siedlungshäuser enthalten 4 ausgebaute Wohnräume, Küche, Futterraum, Ställe für Kleinvieh und Federvieh sowie Loden und Keller als Vorratsräume. Ein überdeckter Arbeitsplatz ist an der Straßenseite der Gebäude vorhanden. Einzelne Gärtner haben im Anschluß an das Wohnhaus ein Treibhaus. Das zu jeder Siedlerstelle gehörige Land grenzt unmittelbar an das Haus; außerdem ist eine gemeinschaftliche Spargelplantage und eine Baumschule vorhanden. Die bisher in Groß-Gaglow angestedelten Gärtner und Landwirte sind jung verheiratete reichsöeutsche Inden, die sich zum Teil erst vor kurzem ihrem jetzi- Grob Gaglow, Gartensiedlung. gen Beruf zugewandt haben. Ihre Ausbildung erfolgte gemeinschaftlich ebenfalls in Groß-Gaglow durch einen jüdischen Gbergärtner. Sie wurden auf dem Boden mit ihrer jetzigen beruflichen Arbeit vertraut gemacht, den sie nunmehr als selbständige Siedler weiter bearbeiten. Ein großer Teil der Siedler war schon in der Landwirtschaft und Gärtnerei tätig oder wurden in früheren Jahren in der Jüdischen Gactenbauschule in Ahlem ausgebildet. Nunmehr arbeiten etwa 75 jüdische Menschen in Groß-Gaglow und die Heranbildung neuer Kräfte in der Bearbeitung des Ladens ist innerhalb der Sieö-- Die agudistische Hachscharah in Chorzele. lung möglich. Denn dringender als je flehen die Juden vor der Notwendigkeit, ihren Lebensunterhalt durch die Bearbeitung des Bodens fei es in Deutschland, an Palästina oder in andere« Ländern zu verdienen. Um so wertvoller ist es zu wissen, daß in Groß-Gaglow ein Anfang gemacht wurde, der hoffentlich anderswo erfolgreiche Nachahmung finden wird. tz. F. m. Hachscharah der Agudas Iisroel in Riga. In die innere Verwaltung in der Farmgern e i n de der Agudas Iisroel in Riga geben die uns zugestellten Statuten einigen Einblick. Die Farm hat: einen Cageswart, LN eraiu rwa N >, Kunstwart und G p m n a st i kw a rt. Der Tageswart stellt jeden Abend die für den morgigen Tag geltende Tagesordnung auf, die im Rahmen der allgemeinen Ordnung zu liegen hat. Er teilt den Küchendienst pro Woche und die landwirtschaftliche Arbeit pro Tag ein. Seinen Anordnungen ist unbedingte Folge zu leisten. Der Literaturwart stellt die zur Verfügung: stehende jüdisch-deutsche Literatur in der gehörigen Auswahl für die Mittagsarbeitsgemeinschaft zusam-" men und beauftragt einen Chawer mit: der nötigen ' Vorbereitung. Cr führt. -; ein Tagebuch über alle geistige Arbeit. .! .Der Künstwatt hat für die Aus-" s ch m ü ck u n g der Räume für | Schabbos zu sorgen und für dasj Anbringen des Wochenpofuks. . - - .' I Die Beobachtung -der geltenden Bestimmungen obliegt dem religiösen Gewissen jedes einzelnen Chawer; er hat diese Bestimmung als religiös verbindlich wie alle Dinim anzusehen. Die Ausschmückung der Sabbat- Räume erfolgt durch grüne Zweige. 'Kurz vor Beginn des Sabbat wird ein Possuk der laufenden Sidroh in einer passenden Umrahmung und der gehörigen zeichnerischen Verzierung, aufgehängt und dient als mahnendes Leitmotiv der Woche.-Gleichzeitig dient er als Zentralpunkt der Besprechungen. Das nennen wir den Wochen-Possuk. was die Landwirtschaft anlangt, so arbeitet die Hachscharah ca. 7 Stunden am Tage, bei einem sehrgefälligen tüchtigen frommen jüdischen Bauern. Jeder kommt zu jeder Arbeit heran. Die genau nach Stunden festgelegte Tagesordnung wird eingehalten. IV. Hachscharah in Polen. In Polen hat die A g u d a s I i s r o e l zur Zeit, etwa zwanzig Hachscharahstätten. Ueber diejenige in Nowomiasko (Neustadt) wurde in der August- Nummer der „Blätter berichtet. Dort sind auch die früher in E h o r z e l e tätig gewesenen deutschen Agudisten jetzt unlecgebracht. Me in Neustadt nach einem Tage harter Erntoarbeit der Feiera b e n d ausgenutzt wird, wird im besagten Artikel lebhaft geschildert: Schnell gehts nach Hause, denn unsere geistige Arbeit unser Lernen, das uns agudistischen Chaluzim erst unsere Alijah, wie überhaupt unsere gesamte Arbeit sinnvoll macht; wartet aus uns. Ein Erlebnis ist es uns immer wieder! Alit frischem Geist, beseelt von der großen Bedeutung des Lernens — 5 von uns sind Schüler der Frankfurter Ieschiwah,. die andern haben von zu Hause gute Vorkenntnisse — machen wir uns ans Lernen heran. Jedesmal bereitet sich einer besonders zun: Schiur vor. Im Nu befinden wir' uns tief in der Gemoro. Eine Frage kreuzt die andere, und immer weiter dringen wiv in den Text ein. wir agMstifchen Chaluzim wollen ja ein produktives jüdisches Leben, basierend auf dem Iefchiwah-Lernen, auf der genauen Kenntnis der n*nn führen und dafür auch in Crez Iisroel kämpfen. Der Schiur ist zu Ende, wir dawnen Rlaariw und essen Abendbrot. Ls folgt noch eine kurze theoretische landwirtschaftliche Lektion, die wir täglich abhalten und unser Tag ist beendet. Wir denken wieder an Crez Iisroel. wann werden wir es betreten? wann werden wir unsere junge Kraft ernstlich ftirnwiipniwiikeinsetzen? wir wissen es nicht! Doch eins wissen wir, wenn wir -ehrliche agudistlsche Chaluzim sind, wenn wir danach streben unddies durch unsere freie, von Herzen kommende Tat zeigen, die ,Tvm in ihrer Totalität zu halten, wird- .YOpn UM den weg nach vibViNN führen!

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