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Der Israelit · 1933-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1933) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 40-41 (4.10.1933)
Date
1933-10-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4. Oktober 1933 2) c c Israelit Nr. 40/41 Seite 9 Meine Kraft undmeine Nerven find zu Ende. Meine Frau steht die ganze Nacht „in der Reihe", um. zwei oder drei Pfund Brot für einen Rubel per Pfund zu erhaschen, was. aber nur selten gelingt. Oft genug ist man in Gefahr, totgedrückt zu werden, oder aber mit Typhus krankheitangesteckt zu werden. Von der Rot der-K inDer' will ich nicht 'sprechen. Bevorzugte, die- Beziehungen zu den Amtsstellen haben, erhalten noch was, es sind aber etwa lO.o/o der Bevölkerung. Es gibt noch einige wenige, die vom Auslande, vorab von Amerika, einige. Unterstützung erhalten. Sie setzen sich großen Strafen aus, wenn bei ihnen die Dollars gefunden werden. , ' - .Alle anderen sehen d em Hn t erg a n ger,e ntg eig e n, wenn mich!. noch im letzten Augenblick ein Wunder-geschieht. — --" '■ ■ ' Wo Und wie kann sich das Wunder ereignen? Das jüdische Soliöaritätsgesühl hat schon manches Wunder vollbrachte aber eigene Not und eigene.-Sorgen allenthalben zerstören, wie es scheint,: allelBoraussetzungen, für -dieses jüdische Wünder:!" Hervorgehoben muß werden, daß das einzige Landl das vom Rußlandproblem^nicht:-loskommtj. und sich immer und immer wieder'mit'ihm beschäftigt, Palästina' ist. -Kann auch. Won hier, eine rationelle Hilfe nicht kommen, so ist. es doch erfreulich, daß unser Erez Jisrvel seiner „Kinder in Not" nicht vergißt und dauernd auf Mittel und Wege sinnt, den Unglücklichen ein Rettungsseil zuzuwerfen. Die bisherigen kleineren' Aktionen - im Lande hatten mehr moralischen Wert,'1 nütz mehr ergeht ein Aufruf des - Rabblnats Und vieler -führender Männer, der jedem Juden des Landes zur 'Pflicht macht,- m in destens ein Pro 3 e n t'f ei ne r Ge s a m t ausgab e n im letz ten halben'Jah re als-'Ru ßlanöspende abzufüh r e n, während die Wohlhabenden selbstverständlich, nach t.ihrem Bermvgensstande die Selbstbesteuerung vorzunehmen haben. Zugleich erläßt, das Komitee 5 e r g e i st i g e n A rbeiter eine Mahnung, an seine Mitglieder und Freunde, daß, sich ihrer.keiner eher an den gedeckten, Tisch setze, als bis er seinen Oholus zur Stillung des,. Hungers im. jüdischen Rußland beigetragen hat- Hierin'sollte , Palästina uns allen in der Gola vorbildlich sein. - - Rosch ^aschana-Botschaft der Palästina-Regierung. Jerusalem, 28. Sept.- Anläßlich des Rosch Haschana-Festes hat der Chefsekretär der, Palästina-Regierung John Hathorn Hall, der während' des Urlaubs General Sir Arthur Wauchopes die Geschäfte des High Commissioner führt, an den Wand Leumi, ein Glückwunschschreiben gerichtet, indem es u. a. heißt: „Die unglückliche Lage, inder sich viele Angehörige Ihrer Rasse, heute in Europa, befinden, und die ernsten politischen und, wirtschaftlichen Schwierig- - keilen,'denen, sie, ausgesetzt sind, wirft auf, die,; Festesfreude Ihrer, Gemeinschaft notwendigerweise , einen Schatten. Ich hoffe jedoch' aufrichtig, daß das neue Jahr dem jüdischen-Volk in der ,ganzen. Welt mehr Glück und Wohlergehen bringen-wirdui«: u. Ich hoffe ferner zuversichtlich, daß,die-gegenwärtige Bedrängnis, Ihrer! Brüder im Ausland den Bemühungen, die Einigkeit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Palästinas wieüerherzustellen, Bemühungen, von denen ich weih, daß sie Ihre volle Unterstützung finden, neue Impulse und erhöhte Kraft geben wird." Die von aufrichtigem Wohlwollen getragene Rosch Haschana-Botschaft des Leiters der. Palästina-Regierung einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Zwischenfall, an der Alagemauer beim. Abschluß des Jom. Rippur-G'ttesdienstes. . - - ..Ierusal em, ,1. Okt. - Beim Abschluß des Jom Kippur-G'ttesdienstes, »kam es an der i Klagemauer' zu einem - Zwischenfall. Ein junger Jude aus, Tel-Awiw namens Aron Zu ck e rm a n n> angeblich ein Revisionist, blies nach dem Ne-ilahgebete den Schofar, was nach der Verordnung der Regierungüber g'ttesdienstliche Verrichtung an der Klagemauer verboten ist. , Zuckermann wurde verhaftet. Auch im Vorjahre wurde an der Klagemauer ein jugendlicher Revisionist Salomon N e u m a n n oerhaf- . I tet, weil er nach dem Neilah-Gebet den Schofar geblasen hatte. Am folgenden Tage wurde Neumann vom Je- . rusalsmer'.Distriktsgerrcht, zu 21 Tagen Gefängnis ver- , urteilt. , k, —rr:— - Afar Sabba. 'Tel Awiw, 29- Sept. Kfar Sabba umfaßt mit seinen Parüesins, Gärten und Plätzen etwa 10 000 Dunam im Werte von über einer Million Pfund- Mehr als 3000 jüdische Seelen bewohnen das,Dorf und,über 3000,Arbeiter 'verdienen hier ihr tägliches /Brot. Wgs hier entstanden ist, blüht und gedeiht» ist aus jüdischer Arbeit, he^vorgegangen. Bon religiösen Einrichtungen ,, ist eine Spnagoge, eine Mikwo, eine religiöse Mittelschule, ^ürch, eine Talmud Thora-Schüle zu nennen. Die Autobusse nach und von Tel'Awiw verkehren jede Stunde. Man weih bald nicht mehr recht, wenn han mitten imkoch enden Leben von Kfar Sabba ist» ob.man sich in einem. Dorfe oder in einer Stadt befindet. ' '' - Vor zehn Jahren und auch noch etwas später befäriden sich, kßum fünf Haushaltungen in. Kfar Sabba und diese höhten von'Schulden und von der Gnade des Pariser ^öarvh?"-ßor 8 Jahren ließ' sich hier ein Fabrikant aus Lodz, er nennt sich jetzt P i n ch a s i , nieder, der hier zu den damals günstigen Preisen Boden ankaufte und Paröessim anlegte. Die Ortschaft kam wie über Nacht ins Blühen. Andere Leute Mit Vermögest kämen hinzu. Die' Konjunktur lockte. Arbeiter an. Und nun steht Kfar Sabba mit über 3000 Seelen Und einem Böden komplex von rund 10 000 Dunam da. Heiw'Pinchasi» ein frommer Jude aus der alten Generation,'führt einen'latenten Kampf mit den Arbeitern von der linken Seite. Aber er führt den Kampf lediglich durch Arbeit. Im Elul des abgeläufenen Jahres konnte man sehen, wie ein ganzes Lastauto vor dem Hause des Herrn Pinchasi hielt, dem ein Dutzend kräftiger junger Menschen entstiegen. Das erste, was sie taten, war, daß sie Mincho beteten. Damit war ihre Arbeit in Kfar Sabba eingeleitet. Run ging es sofort an die Arbeit, im Packhaus des Herrn Pinchasi. an die goldenen Früchte, um sie in Kisten zu verpacken.' Es sind Poale A g u ü a s Jisrvel, die in Kfar Sabba ihr bestes ' Unterkommen und auch ihre religiöse Befriedigung finden. Schon mit Sonnenaufgang, kann man vernehmen, wie die jungen Menschen andächtig ihr Gebet verrichten. Aeltere Kolonisten stehen dabei und weinen vor Freude über diese Verbindung von G'ttesfurcht und Arbeit, die auf ihrem Boden hergestellt wird. Denn was die Arbeit betrifft, so stehen diese frommen jungen Menschen ihren linken Genossen von der Histadruth um nichts zurück. Es iß sogar zu hoffen, daß auch welche von der Gewerkschaft sich von den neuen Kollegen, mit denen sie in'Frieden'und Eintracht leben, (da es Arbeit genug für alle gibt), beeinflussen lassen. Äie Arbeiter, sind keine Neulinge, sie kommen aus Pötach Tikwa und aus Bne Brak, wo sie bereits tüchtig und mit bestem Erfolg gearbeitet haben. Die Organisation P o nie A g u d a s J,i s - ro'el umfaßt zur Zeit mehrere hundert'' Chawerim, die von einzelnen Filialen aus auf die verschiedenen Arbeitsstätten verteilt werden. Die Pioniere von Kfar Sabba wollen aber etwas Neues schaffen. Sie haben sich eine Art Lagerleben eingerichtet, wohnen zpsammen und führen gemeinsamen Haushalt, sie bearbeiten auch gemeinschaftlich ein Stückchen eigener Erde und finden sich nach der Tagesarbeit zusammen bei gemeinsamen Schiurim. Setzt sich dieses neue System von Kwozzoth durch, dann ist der Segen, der daraus für die Zukunft entstehen könnte, gar nicht abzusehen: Freilich kann der, Segen nur dann wachsen, wenn röcht viele vermögende Leute in der Gola und in Erez Jisrael, gleich Herrn Pinchasi. den religiösen Arbeitern' diese Gelegenheit und Möglichkeit zur Ausbreitung schaffen. Würden unsere gefetzestreuen Palästinafreunde nicht erst warten, bis alles bergab geht und Erez Jisrael nur noch als letzte Ausflucht erscheint, söNdern rechtzeitig kommen und ' bauen, es wäre ihnen, den Arbeitern und in erster Reihe dem Judentum in Erez Jisrael geholfen. M. Die Wohnungsmisere in Tel-Awiw. Tel-Awiw. 28. Sept. In der letzten Sitzung der Jrijah führte die Wohnungsfrage zu lebhaften Debatten. Satz o r s k i wirft der Gemeindeleitung vor, daß sie die Anträge und Beschlüsse der gebildeten Wohnungskommission ignoriere und meldet seinen Austritt aus der Kommission an. Herr Bürgermeister Ditzinghofs rollt das ganze Wohnungsproblem in Verbindung mit der Verteuerung der Lebensmittel auf und wünscht, daß in öffentlichen Versammlungen das Gewissen geweckt und die unsozialen Wohnpngsvermieter namhaft gemacht und an den Pranger gestellt werdeg. Cs wird erwogen, neue B a ra ckenlager .für die Reuankommenden zu errichten. Die Regierung, so wird allgemein betont, die die größten Profite von der.jüdischen Entwicklung'einsteckt, dürste zu bewegen.sein, die nötigen Grundstücke für die Baracken unentgeltlich zur Verfügung zu .stecken. Im besonderen sollen größere Beträge für die Rußland Hilfe bewilligt werden. j, iVx, ... . , , . »Tel-Aw iw, 29. Sept.. Ungeachtet der in Tel Aviv herrschenden Bautätigkeit — im August allein sind 1050 neue Wohnräume im Gesamtausmah von 35 000 Quadratmetern fertiggestellt worden — .ist. der, Wohnungsmangel in der Stadt sehr drückend. Die , rücksichtslose Ausbeutung der Lage auf, dem Wohnungsmarkt durch einzelne Hausbesitzer hat starke Mißstimmung erregt. Die Hausbesitzer verantworten sich damit, daß die Neuerrichtung von Wohnungen infolge der außerordentlich hohen Bodenpreise größere Investitionen erfordert als früher und daß die Amortisierung nur mit Hilfe erhöhter Mieten möglich sei. Die Organi» sationen der Arbeiterschaft, der Handwerker und die. Mietervereinigung haben die Stadtverwaltung aufgesordert, gegen Hw Prosithascherei der Hausbesitzer einzuschreiten. Die abnorme Lage ist auf den gewaltigen Einwandererzustrom zurückzuführen, der die Spekulation in bisher unbekanntem Maße angereizt hat. Reue Wohnungen werden unmittelbar nach ihrer, - Fertigstellung vermietet, vielfach liegen sogar schon während des Baues Vormerkungen vor. Vom Jahresbeginn bis zum 1. September wurden Baubewilligungen für eine Fläche von 201500,,Quadratmeter erteilt. Es wird erwartet, daß die Bevölkerung Tel Avivs infolge der Einwanderung dieses Jahres um mindestens ein Drittel vergrößert werden wird. Man rechnet damit, daß noch in diesem' Kalenderjahr nach Palästina insgesamt 30 000 Personen neu einwandern werden- (ITA.) Gemeinsame, Organisation jüdischer und arabischer . Landwirte in Galiläa. ., Safeö, 17. Sept. . In Anwesenheit von über 100 Delegierten jüdischer uich arabischer Dörfer Galiläas fand im Hause von Hussein Jbn Chaj Mohammed el Ali zu Safeü' eine Beratung statt».die zur Bildung eines Verbandes der-, arabischen und jüdischen Landwirte-Galiläas führte. Die Mitglieder des neuen Verbandes leisteten auf Bibel und Koran einen Treueschwur. Auf der Beratung wurde die Notwendigkeit einer gemeinsamen organisierten Aktion der jüdischen und arabischen Landwirte zur Bekämpfung der Notlage der Landwirtschaft nachdrücklich betont. Der neue Verband soll die Aufgabe haben, den Getreidebau zu verbessern. Märkte zu erschließen und Agrarbank zu errichten. Der Verband verfolgt keinerlei politische Ziele. In die Leitung wurden 29 Araber und 12 Juden gewählt. (ITA.) Ist Brith tzabirjonim eine revolutionäre Organisation?! I a f f a . 27. Sept. Dei der Wiederaufnahme, des Zeugenverhörs in der Untersuchung gegen die wegen illegaler politischer Betätigung angeklagten palästinensischen Revisionisten verlas der stellvertretende Generalinspektor der Palästina-Polizei Colonel Rice am 26. September eine von dem beschuldigten Jevin abgegebene Er-

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