Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 40/41 De r Israelit 4. Oktober 4933werden, einer, neuen großen Druck- und Verlagsanstalt für Palästina, die die Herausgabe von Werken jüdischer Gelehrter und Schriftsteller besorgen will, hauptsächlich solcher, die genötigt. waren, Deutschland zu verlassen. Das nach rein 'geschäftlichen Grundsätzen geführte Unternehmen soll nicht nur Gelehrten und Autoren, sondern auch einer bedeutenden Zahl 'qualifizierter deutschjüdischer Kräfte, Arbeitern und Angestellten des Druckerei- und Verlagsgewerbes Beschäftigung bieten. Dem Direktorium der englischen Gesellschaft gehören Sir Robert Waley Cohen als Vorsitzender, Frau Persitz, Prossssor Norman Vsntwich, der bekannte Publizist N. D. Vlumenfeld, der Kanzler der Hebräischen Universität Jerusalem D. I. L. Magnes, Herr Simons (Haag) und der Präsident des Keren Kajemeth Lejisrael M. M. Ufsischkin üls Mitglieder an. Die Gesellschaft hat sich die Verlagsrechte 'für die Werke einer Reihe hervorragender jüdischer Schriftsteller und Gelehrter gesichert. Die Arbeit des neuen Verlages soll noch in diesem Jahre ausgenommen löerden. Frau Persitz ist nach Palästina zurückgekehrt, um die abschließenden Regelungen an Ort und Stelle zu treffen. ' PalSsttua. Die erste Aundgebung von Oberrabbiner Duschmsky. Jerusalem, 28. Sept. Fm „Kol Israel" ist auf der ersten.Seite ein Auftuf von Oberrabbiner du sch ins ky veröffentlicht, in dem sich der neue Oberrabbiner voll des Lobes und der' Anerkennung über die große Anzahl von Männern und Häusern ödr Thora und der Wohlfahrt, die er in Jerusalem angetroffen hat, äußert. Andererseits breche einem das 'Herz im Anblick der schreienden Rot, in der jene Thoragelehrten vegetieren und unter der die segensvollen Anstalten zusammenzubrechen drohen. Die Steigerung der Aot resultiere aus der viel verbreiteten Meinung, daß beim Aufblühen des neuen Jifchuw, bei den vielen Arbeitsmöglichkeiten, beim Wachsen der Industrie uswsolcher ' Wohlstand im Lande herrsche, daß die Golah gar nichts mehr für Erez Israel zu tun hätte. Demgegenüber müsse betont werden, daß bei allem Aufbau und Aufblühen, das nicht abgeleugnet werden soll, die Lehrer und Jünger der Thora aus deni alten Jifchuw von all dem unberührt blieben, daß sich im Gegenteil ihre Lage infolge der allgemeinen Krisis mit jedem Tage kritischer gestalte. Es obliege heute allen Brüdern iü der Diaspora die - doppelte Pflicht, den Gelehrten, den Talmud Thoraschulen und den Fesch iwoth so zu Hilfe zu kommen, daß die Quellen der Thora und der G'ttesfurcht in Zion nicht austrocknen. Das Leben Tausender hänge davon ab, daß die Golah ihre Pflicht gegen den alten Jifchuw nicht vergißt. Das neue Gemeindegesetz in Palästina. Jerusalem, 17. Sept. Aach dem vor kurzem veröffentlichten Entwurf des Gemeindegesetzes für Palästina, das Ende September in Kraft treten soll, werden in Palästina 23 Stadtgemeinden bestehen, u. zw. Acco, Beifan, Beer Sheba,' Beit Iallah, Bethlehem, Gaza,'Haifa, Hebron, Jaffa, Ienin, Jerusalem, Khan . Punis, Ludd, Mejdel, Aablus, Razareth, Ramallah, Ramleh, Safed, Shafr-'Am, Tel-Aviv, Liberias und Lulkarem. Für Tel-Aviv wurde eine von den allgemeinen Bestimmungen abweichende Gemeinde-Wahlordnung festgesetzt. Die Altersgrenze für das aktive und passive Wahlrecht wird niedriger sein. Auch bleibt das Proportionalwahlrecht auf Grund von Partelenlisten aufrecht, während in den übrigen Städten die für einzelne Kandidaten abgegebene Stimmenzahl maßgebend sein wird. Hilfswerk für deutsche Juden in Palästina. Jerusalem, 17. Sept. Die Hilfsarbeit für die deutschen Juden, die in jedem Monat zu Tausenden als Touristen, Einwanderer und Flüchtlinge nach Palästina kommen, wird mit größter Intensität Lurchgeführt. In Tel Aviv, Haifa und Jerusalem wurden Heime errichtet, die von den lokalen Organisationen und den Hilfskomitees subventioniert werden und billige Unterkunft und Verköstigung bieten.-In Jerusalem haben die Bnei Britz ein Emwandererhospiz errichtet, in dem Aeueinwanderer bis zu vier Wochen wohnen können. Der Preis eines Nachtlagers beträgt I2V2 :©ent. An den Kosten der Erhaltung des Hospizes beteiligt sich auch der Verband der Juden aus Deutschland. Die Ortsgruppe Tel Aviv des Verbandes der Juden aus Deutschland richtet' in einem Aufruf an die Familien von Tel Aviv die Bitte, Kinder aus Deutschland aufzunehmen. Eine Reihe von Kolonien hat sich schon bereit erklärt, Kinder unterzubringen; nunmehr soll auch unter der städtischen Bevölkerung eine großzügige ^Kampagne zur Beteiligung an diesem humanitären Werk durchge-sührt werden. Es sind Beihilfen für solche Familien'' vorgesehen, . die die Kosten für den Hinterhalt der Kinder aus Deutschland Nicht aus Eigenem zu tragen vermögen. Der Verband hat es als seine erste Äufgabe erklärt, für/ die Kinder jener Juden aus Deutschland zu sorgen, die sich bisher noch nicht definitiv , in Palästina, Die-i öerlassen konnten. ." J Verschiedenes aus Lrez Jisroel. > Jerusalem, 2^'' Sept. In Jerusalem und Tel Aviv werden ejne Reihe neuer Fa.b rik,en ,errichtet. Die Galil Company baut in Tel Aviv eine Fabrik, für Cellulojö-Waren. Es ist dies bereits das dritte in Letzter.-Zsit ig, Tel- Aviv gegründete Unternehmen dieser Art. In Jerusalem wird demnächst durch einen Reueinwanderer aus Riga eine Fabrik für Süßspeisen eröffnet. Das gesamte Maschineninventar ist bereits eingeirofsen- Die englische Gesellschaft Electric Refrigeration, and Äppliänxe Company Z^td. -beabsichtigt, in Jerusalem die .Erzeugung voy.elektrischen Kühlanlagen auszunehmen. In Afuleh fand eine..Konferenz von. Vertretern der Emeksiedlungen, der Wmzervereinigung und von Funktionären der Arbeiterorganisation statt, auf der beschlossen wurde, versuchsweise. Rizinus-Kultur im Emek einzuführen. Zunächst sollen 500 Dunam mit Rizinusbäumen bepflanzt werden/ Die Ernte soll zunächst in Frankreich abgesetzt werden; es ist jedoch geplant, für den Fall» daß sich die Möglichkeit einer umfangreicheren Rizinus-Kultur im Emek Herausstellen sollte, im Lande selbst eine Fabrik für Rizinusöl zu errichten. In den Orangengärten der Pflanzer Botkowski, Gurewiz, Frank, Wilner und Le r man in Chedera wurden 86 junge Orangenbäume teils ausgerissen, teils abgesägt. In einem in der Rähe gelegenen Beduinenlager wurde von der Polizei eine vor kurzem gebrauchte Säge gesunden. Sieben Araber wurden unter dem Verdacht der Lat verhaftet. Der Kolonierat hat an die Behörden eine Eingabe gerichtet, in der schärfstes Vorgehen gegen die Baumsrevler und der Erlaß besonderer Schutzgesetze für Kulturen gefordert werden. Bon den Passagieren des in Haifa eingetrosfesten rumänischen Dampfers Dacia wurden 27 Personen, hauptsächlich junge Mädchen, die mit Louristenvisen gekommen waren, zur Landung nicht zugelassen. Sie mußten nach Constanza zurückreisen. . Zwei Juden aus Jerusalem, A. M. / Freund und Salman White, Huben in Poriast, bei T iber ias ein Gebiet von 3^22 Dunam angelaust, um dort eine Musterstadt anzulegen. Die neue Siedlung soll aus einem städtischen ünö einem ländlichen Aeil bestehen; der städtische Teil soll in 1722 Parzellen ausgeteilt werden. Wasser wird aus dem Liberias- See durch eine Pumpanlage beschafft werden. Die neue Siedlung wird den Aamen Aeu-Liberias erhalten. Das Gebiet liegt 452 Meter über, dem Meeresspiegel und hat im Sommer im Gegensatz zu dem sehr heißen Liberias infolge der stets herrschenden Winde ein angenehmes Klima. Man .rechnet damit, daß die neue Siedlung auch als Sommerfrische von großer Bedeutung sein wird. ... ’ Die Lage auf Zypern. ' Jerusalem, 9. Sept. Die Insel Zypern, wurde, von jeher als,. Vorposten Palästinas angesehen. Von. hier ist in einem halben Tag mit dem Schiff der Hafen von Jaffa zu erreichen. Kein Wunder, daß mit der Steigerung der Alijah vieler Augen auch. auf Zypern gerichtet ind unp manche hier auch hasten blieben. Eine jüdische Kolonie unter dem Aamen K okiah existiert auf der Insel schon seit einigen Jahren. Es verlautet aber, . daß dieselbe an Die deutschen Templerer in Sabona verkauft werden, soll. Itt Wirklichkeit hieltensich vor kurzein deutsche Landwirte von Sarona. aick der Insel auf und besichtigten eingehend die jüdische Kolonie. Es schwirren Gerüchte, daß die-ganze/ Templererkolonie bei Tel Awiw, die eine deutsche Insel mitten, in den jüdischen Siedlungen Judäas bildet, nach Zypern verlegt werden, während Sarona in jüdischen Besitz übexgehen soll. Man weiß nicht, was wahr an diesen Gerüchten ist. Andererseits wird die Frage einer teilweisen Ansiedlung von deutschen Juden: äuf Zypern, wo der: .Boden enormen Wasserreichtum ausweist, sehr ernstlich erwogen. Der alte' Davis Tri ets ch, der sein. Leben lang für eine jüdische Kolonisation. auf Zypern .gekämpft hat, und fich jetzt» , nach Zusammenbruch, all seiner. Pläne, als Miller, halbvergessener Mann in Palästina;-ausruht; rann: aus) Diese Weise vielleicht 'noch Jemen/.'Weizen rauf (Zypern — blühem. sehen: In der Hauptstadt Zyperns ließ sich .vor'kurzem ein Berliner jüdischer Ehirurg namens Simon nieder und erösfnete eine^Klinik. Schon in der kurzen Zeit von zwei Monaten-gelang-es. ihm, sich - einen großen Ruf'auf iber' ganzem Insel, zme/r werben. .. ng. .fi;.,v———>: : i Ci:': ' i'! 2825 Personen M Laufe 'einer Woche in Haifa"'1 1 eingetroffen. . Ierufal em » 29. Sept.. : In. der Mache vom 14. zum 21. September sind» wje aus '.einer von ,der Palästina-Regierung soeben - veröffentlichten Statistik-, hervorgeht, -in Haifa 2825, Personen aus dem, Seewege, .eingetrosfen. Von diesen waren 1168 Einchanderer, 1322 Touristen und 35? rückreisende Pglästina-Einwohner. Die überwiegende-' Mehrheit., der Angekommenen waren Juden- Die Hohen/ Friertage in Palästina. - Jerusalem, 1. Okt. Rosch Haschana und 1122 21' wurden in diesem Jahre in Palästina unter stärkster Beteiligung allen Bevölkerungskreise Mit besonderer InbrüNst behängen. Alle Synagogen und die zahlreichen für den FeiertagsgottesLienst bereit gehaltenen/ Säle waren überfüllt. Die Zahl der Teilnehmer an-den Gottes-; Diensten übertraf die früherer Jahre um Tausende." Außerordentlich stark war die Beteiligung der vor kurzem in Palästina eingetroffenen deutschen Juden und ihrer Angehörigen. Die Klag em au er wies besonders'' am 112 2' dV’ 21V ' gewaltigen Massenbesuch . auf. Beamte der-' Distriktsverwaltung überwachter hier die Ordnung, die wie überall 'im ganzen Lände musterhaft aufrechterhalten wurde. Die Zahl der Personen, die zu Rosch Haschana und 112 2 21' nach Jerusalem gekommen waren» wird auf etwa zehntausend geschätzt. Alle Zuge und Llsberlanüautoswaren am Tage vor Rosch Haschana voll besetzt. Die Aütobushauptlinie Tel Abiv-Jerusalem 'hatte -einen Daüerverkehr mit Fahrtabständen von einer Minute zwischen den einzelnen Wagen eingerichtet. / In Jerusalemwaren "alle Hotels und ' Privathäuser überfüllt.'!' -v ' ' '' >'•- l Ein durchaus einheitliches Festbrld-bot am Rosch Haschana die jüdische Stadt Tel Aviv. "Die Straß^wwaren nach den Massengottesdiensten von Fußgängern überfüllt. Der Wagenverkehr ruhte. (ITA.) Palästina hilft Rußland. Jerusalem, 28. Sept. Im Jerusalemer ,,S o a r H a j 0 m" - werden au& einem Privatbriefe aus Ki ew folgende Stellen wie-' dergegeben: - „-Ich habe euch schon lange nicht geschrieben, weil ich nicht weiß, was ich schreiben soll.' Gutes gibt es nicht' zu berschien und' alles andere ist euch genügsam bekannt. Unsere derzeitige Lage gleicht der des b'e l a g'ex t e nI eru s a t e m s, nach dem Bericht der Heiligen Schrift und der Hagaöah: Leset die Kinvth, und ihr wißt,' - wie es bei. uns zugeht. Für 92 0/0 Der Bevölkerung gibt es nur Drei Wege: sich in den Deneper zu werfen, zu ver.hun-' gern vder'zu stehlen und sich als Dieb erschiehen. zu lassen. Es gibt keine Wagen mehr» die Toten hinauszufahren. Typhusepidemie hat sich dem Hungerzugesellt ... -