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Der Israelit · 1933-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1933) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 40-41 (4.10.1933)
Date
1933-10-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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4. Oktober 1933 Der Israelit Nr. 40/41 Seite 7 Der deutsche Gesandte v. Keller über die Judenfrage. Genf, 3. Okt. Die Debatte im Minderheitenausschuß des Völkerbundes wurde heute vormittag durch sine längere Rede des deutschen Vertreters, Gesandten v. Keller, eröffnet. Zur Judenfrage führte v. Keller etwa folgendes aus: „Es ist nicht angängig, dieses Problein, das ein besonders gelagertes Rassenproblem darstellt, ohne weiteres mit der sonstigen Minderheitenfrage in Verbindung zu bringen. Zunächst sind die Juden Deutschlands weder eine sprachliche, noch eine nationale Minderheit. Sie fühlen sich nicht als solche und haben niemals Wünsche geäußert,, als solche behandelt zu werden. Die Ausübung der jüdischen Religion ist in Deutschland völlig unbehindert. Die religiöse Frage spielt bei der Auseinandersetzung mit dem deutschen Volk keine Nolle. Es handelt sich in Deutschland in erster Linie um ein bevölkerungspolitisches und soz -iales Problem, das in der Nachkriegszeit eine besondere Verschärfung durch eine starke Wanderung des Judentums von Osteuropa nach dem Westen erhalten hat. Es ist ein Problem -.ul Zeneri8,das als solches auch eine besondere Lösung wird erfahren müssen. Im übrigen habe ich aus den Aeußerungen verschiedener Redner in dieser Kommission aus anderem Anlaß mit besonderem Interesse seststellen können, daß auch außerhalb, Deutschlands anerkannt wird, daß es sich bei der Judenfrage um ein besonderes Problem handelt, für das in einer großen Anzahl von Ländern Lösungen gesucht werden." Eine Erklärung des englischen Vertreters. Genf, 3. Okt. Im Namen der englischen Regierung erklärte in der Politischen Kommission der ehemalige Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsby-Gore, die füdifche Einwanderung nach Palästina sei erheblich gestiegen. Die Zahl der jüdischen Einwanderer im Jahre 1933 sei etwa dreimal so groß wie die im letzten Jahr. Das Einströmen jüdischen Kapitals habe günstige wirtschaftliche Bedingungen im Lande geschaffen. Es fei jedoch wichtig, Vorsorge gegen Rückschläge zu treffen, die bei allzu rascher jüdischer Einwanderung eintreten könnten. Die Quote der Einwanderung nach Palästina werde zweimal im Jahre festgelegt: es sei ratsamer, auch weiterhin diese Methode anzuwenden als die künftige Einwanderung von vornherein zu bestimmen. Nicht nur für die deutschen Flüchtlinge fei Palästina ein Einwanderungsland, sondern für Juden aller Länder. Auch zweifle er daran,'daß es richtig sei, daß sich die sechste Kommission mit der Frage der jüdischen Auswanderer aus Deutschland befasse, da dieses Problem in freund-, sch astl ich er Weise in Berlin selbst durch Vertreter der britischen und der deutschen Regierung behandelt werde. Palästina sei ein kleines Land und könne nicht als einzige Lösung der Frage der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland betrachtet werden. Auch sei es von Bedeutung, die sich zusehends bessernden Beziehungen zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas nicht zu stören. Zum Schluß schlug Ormsby-Gore vor, die Frage, der Flüchtlinge aus Deutschland im Zusammenhang mit dem von der holländischen Regelung des Problems der deutschen Flüchtlinge zu treffen, in der zweiten, für soziale Fragen zuständigen, Kommission der Völkerbundsversammlung zu behandeln. Der Vertreter Frankreichs Verenger erklärte, er stimme den Ausführungen Ormsby-Gores zu. Er fügte hinzu, daß nicht alle aus Deutschland auswandernden Juden nach Palästina einwandern wollen. Der deutsche Vertreter v. Keller bemerkte, die Kommission müsse sich mit der allgenieinen Seite der Flüchtlingsfrage beschäftigen. .Was die P a l ä st i n a - E inwand e r u n g b e t r e s s e, so befasse sich seine Regierung mit dieser Frage in besonderen Verhandlungen, die einen g ü n st i g e n Verlaus nehmen. Holland. rNachsike hadaß in Holland. Amsterdam, 3. Oktbr. Am Sabbath abend fand die konstituierende Versammlung der „Machsike Hadas" in ihren eigenen Räumen. Blasiusstr. 64 statt. — Das Ziel des Verbandes ist die religiöse Zusammenfassung der gesetzestreuen Juden. Zunächst ist die Gründung einer Talmud-Thora. Jeschiwa, Ves Jakob-Schule für die ostjüdische Jugend beschlossen worden, sowie die .Einstellung einer Kaschrus-Kommission. Der Verband steht unter Leitung von ihrem Rabbiner S. Halpern. Die Talmüö-Thora befindet sich im Vereinshause. Anmeldungen werden jeden Abend von 7 bis 8 Ahr entgegengenommen. Rumänien. Feierliche Eröffnung der Schifsslinie Polen-Palästina. Konstanza. 27. Sept. Am 27. September wurde in Konstanza die polnische Schiffslinie nach Palästina durch den polnischen Gesandten in Bukarest in Anwesenheit von Vertretern der rumänischen Behörden feierlich eröffnet. Für den Dienst Konstanza—Haifa resp. Jaffa hat die polnische Schiffahrtsgesellschaft Gdynia- Amerika den 15 000 Tonnendampfer ..Polonia" eingestellt. An der ersten Fahrt des Dampfers nach Palästina nahmen 700 Passagiere, unter ihnen 500 Palästina-Auswanderer und 140 Palästina-Touristen, teil. Der Direktor und der Vizedirektor der Gdynia Amerika-Linie sowie 20 Journalisten, Vertreter der bedeutendsten jüdischen und nichtjüdischen Zeitungen Polens, machen die Eröffnungsfahrt auf der polnischen Palästina-Linie mit. Panikkatastrophe in einer Lukarester Synagoge. B u k a r e st, 1. Okt. In der g ro ß e n Synagoge von Bukarest hat. sich am Kol Nidrei-Abend eine furchtbare Katastrophe ereignet. Auf der Galerie der Synagoge war Kurzschluß entstanden und der Schließnngssunke wurde von einigen Galeriebesuchern als Beginn eines Brandes gedeutet, was zu einer unbeschreiblichen Panik führte. Die Frauen, die auf der Galerie dem G'ttesdienste beiwohnten, begannen sich unter entsetzlichen Schreien von der Galerie hinunterzustürzen. Versuche von Besonnenen, der Panik Einhalt zu gebieten, waren vergeblich. Man versuchte, sich mit allen Mitteln einen Ausweg zu bahnen, während die Frauen weiter von der Galerie in den Betraum hinuntersprangen. Herbeigeeilte Polizei und Feuerwehrleute konnten die Türen nicht öffnen, da diese nach innen schlossen und die Menge von innen dagegen drückte. Als inan endlich aufmachen konnte, und die Ruhe wieder hergestellt war, stellte man fest, daß das Feuer im Keime zu ersticken gewesen wäre. Zehn Frauen fanden den Tod, 36 Personen wurden schwer und 14 Personen leicht verletzt. Die Synagoge bot ein Bild des Grauens. Nur mit Mühe und Not konnten die Angehörigen davon abgehalten werden, unter den Trümmern des Bethauses nach ihren Angehörigen 311 suchen. Erst nach geraumer Zeit konnten die Toten und Verwundeten geborgen werden. Am folgenden Tage haben sich im Hofe des Tempelgebäudes erschütternde Szenen abgespielt. Die ganze Nacht über hielten einige hundert Gläubige die Totenwache und beteten unablässig bis in den grauenden Morgen. Das G'tteshaus wurde erst um 6 Uhr früh geöffnet, um zu verhindern, daß unbefugte Elemente den Schauplatz der Katastrophe betreten. Am Vormittag um 9 Uhr wurden in allen Tempeln Bukarests Trauerg'ttesdienste abgehalten. Die jüdische Gemeinde beschloß, den bedürftigen Angehörigen der Todesopfer Unterstützungen auszufolgen. Die Beerdigung fand am Sonntag Nachmittag statt. Zur Frage des Numerus clausus in Rumänien. Bukarest, 1. Okt. Infolge der starken Ueberfüllung der rumänischen Universitäten und Hochschulen hat sich die Regierung veranlaßt gesehen, eine Konferenz sämtlicher Rektoren und Dekane der rumänischen Hochschulen für Oktober nach Bukarest einzuberufen. Aus der Tagesordnung steht die Frage der Einführung des Numerus clausus. Inzwischen wurde auf einer Sitzung des Kuratoriums der Universität Jassy auf Vorschlag von Professor Sion eine Resolution angenommen, in der es heißt, die Einführung eines Numerus clausus an den rumänischen Universitäten sei unzulässig; die Möglichkeit, an dem Ausbau und der Verbreitung der rumänischen Kultur teilzunehmen, müsse auch weiterhin für jedermann offen bleiben.! : - polen. Die palästinaauswanderung aus Polen. Warschau, 14. Sept. Im ersten Halbjahr 1933 wurden durch das Warschauer Palästinaamt 5340 Palästina-Auswanderer abgefertigt. Von diesen waren 3522 Z^rlifikatsiiihaber. 322 Kapilalisten, 38 Hanöwerler mit einem Eigenvermögen von 250 Pfund, 480 Angehörige in Palästina ansässiger Juden, 140 Rückwanderer. 750 Touristen, 64 Schüler, 5 Angehörige freier Berufe mit einem Eigenvermögen von 502 Pfund und 3 Einwanderer mit im voraus gesicherten Einkommen in Palästina. Drei Jahre Lublin. Lublin, 17. Sept. Mit Ablauf dieses Jahres hat die L u b l i n e r I e s ch i w a h ihre dreijährige Probezeit bestanden. Der größte Teil der Hörer, die die ersten drei Jahre in der Jeschiwah. gelernt haben, erhalten jetzt im Stadium der ersten Reise den Titel Na'TlX und treten die zweite Periode an, die mit der Erlangung des R a b b in er d i p l 0 m s abschlie^en wird. * Es sei erinnert, daß am 28. Siwan 5390 die Jeschiwah unter imposanten Feierlichkeiten mit 70 Schülern eröffnet wurde. Heute zählt die Anstalt genau 200 Jünger. Man darf im Ganzen sagen, daß alle an die Jeschiwah gestellten Erwartungen sich erfüllt haben. Es gab unter den ersten Schülern sogenannte Jiuim, einen, der bei seiner großen Jugend &ereitsNX-DU nynli hatte, einen anderen, der bewandert im ganzen Talmud und Kommentaren war. Was diese in Lublin gelernt haben, das ist die Methode, den Aufbau und den Aufstieg, die Kunst, systematisch zu lernen und richtig zu lehren. Sie sind heute wahre und bedeutende Thora gelehrte, die der Welt was geben werden. Der eigene Lubliner Mussar mit seinem starken chassidischen Einschlag wirkt ungemein erzieherisch auf die jungen Menschen, und die Yläi feiert in Lublin Triumphe, wie man sie seit den babylonischen Schulen nicht mehr erlebt hat. Die materiellen Sorgen der Jeschiwah sind groß und werden immer größer, aber die Sympathien. deren sie sich überall, sogar in den nichtjüdischen Adelslreisen, erfreut, und auf der anderen Seite die fast übermenschliche Energie ihres Gründers und obersten Leiters stärken uns in der Hoffnung. daß alle Schwierigkeilen überwunden werden und die Jeschiwah einer noch glanzvolleren Zukunft entgegengeführt wird. Rußland. Außerordentlich starke Beteiligung an den Feiertagsg'ttcsdrenftcii in Rußland. M 0 skau, 1. Okt. Die Beteiligung an den G'ttesdiensten anläßlich' der hohen jüdischen Feiertage war in diesem Jahre -in Rußland, insbesondere am Jom-Kippur, der auf einen arbeitsfreien Tag fiel, besonders stark. Alle Synagogen waren überfüllt; allerdings waren unter den Betern jugendliche Elemente weniger stark vertreten. Störungsversuche jugendlicher Kommunisten, die in der Nähe der Synagogen lärmend musizierten, blieben erfolglos. Auffällig war die außerordentlich große Zahl von Bettlern, die sich um die Synagogen, insbesondere um die große Synagoge in der Spaglenitschew-Straße in Moskau, drängten. Eine große Menge religionsfeindlicher Propaganda-Literatur wurde am Tage vor Jomkippur vernichtet. Die kommunistischen Behörden haben aus Veranlassung des Verbandes der Gottlosen wegen dieses Vorfalls eine Untersuchung eingeleitet. (ITA.). England. Werke deutsch-jüdischer Gelehrter und Schriftsteller werden in Palästina hcrausgegeben. London, 2. Okt. Wie die ITA. erfährt, konnte die finanzielle Beteiligung einer Reihe öffentlicher Institutionen und Verlagshäuser an der -im August ds. Js. in England eingetragenen „Palestine Publishing Company Ltd.", gesichert

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