Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 40/41 MWWWW lhren!l||^lmg;yorWuhdsem «SSSiS»»», ..... mm .. i i 'ammm i~ " jenigen Richtariern Besitz und Führung einerdeutschen Apotheke erlaubt sein, die den F r o n t k r i e g e r p a r a g r a p h e n für sich in Anspruch nehmen könnten. Zur Frage der Einwanderung deutscher Juden in die Vereinigten Staaten. München. 12. Sept. Die Münchener Ausgabe des „Völkischen Beobachters" befaßte sich in einem Artikel mit dem Problem der Auswanderung aus Deutschland. In dem Artikel wurde u. a. ausgeführt: „Die Gesamtzahl der „deutschen" Emigranten wird aus 30 bis 70000 geschätzt. Diese Zahl erscheint nicht hoch in Anbetracht der Auswanderer-Zahlen früherer Jahre. Während unser Volk in früheren Zeiten durch die Auswanderung zahlreiche tüchtige Volksgenossen an das Ausland verlor, hat in diesem Jahre eine Auswanderung von Elementen eingesetzt. die für das wirtschaftliche und kulturelle Leben des deutschen Volkes ohne Bedeutung sind- Wenn die Emigration von 70 000 Juden und Judengenossen keinen anderen Vorteil böte, als an Stelle dieser Geflüchteten 70 000 tüchtige deutsche Volksgenossen in Lohn und Arbeit zu erhalten, dann wäre selbst eine gewaltsame Austreibung berechtigt gewesen. Warum sollen übervölkerte Staaten immer nur ihre Besten an das Ausland verlieren und überflüssige Existenzen behalten? Es wäre eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn die Vereinigten Staaten im Hinblick aus die Millionen tüchtiger Einwanderer aus Deutschland, die an der Entwicklung des Landes rühmlich Anteil genommen haben, auch einmal den Ausschuß übernehmen würden, zumal man dort von den Juden und Judengenvssen noch eine gute Meinung hat. Man sollte amtlicherseits prüfen, ob sich die Anrechnung deutscher Einwanöerungsguoten aus ..deutsche" Juden und Judengenossen an Stelle deutscher Auswanderer nicht durchführen liehe, womit allen Beteiligten gedient wäre." Hierzu bemerkt die „Jüdische Rundschau": «Diese Anregung des „Völkischen Beobachters" ist nach unserer Meinung sehr bemerkenswert. Wenn tatsächlich in Anbetracht der jüdischen Situation eine Einigung darüber erzielt werden könnte, daß die deutsche Emigrationsguote in die Vereinigten Staaten für Juden zur Verfügung gestellt wird, so wäre dies eine wichtige Erleichterung für die jüdischen Auswanderungsbedürstigen. Es wäre richtig, diese Anregung auf ihre Durchführbarkeit zu prüfen- Wenn amerikanische Juden dieser Möglichkeit nachgingen, so würden sie den deutschen Juden einen besseren Dienst leisten als durch Proklamationen über Boykott- und andere Kampsmahnahmen." Verbot mischblütiger Chen auf dem Leipziger Iuristentag gefordert. Leipzig, 1, Okt. Auf dem Leipziger Juristentag hielt Oberregierungsrat Schraut am 1. Oktober einen Vortrag über das Thema „Volk, Staat und Recht", in dem er u. a. erklärte, das Verbot mischblütiger Ehen sei eine dringliche Notwendigkeit. Solange ein Volk seine Nasse rein erhalte, werde die Grundeinstellung aller rechtlichen Betrachtungen unveränderlich sein. Regierungspräsident Dr. Nikolai behandelte das Thema „Rasse und Röcht," woböi er die richtige Abgrenzung der völkischen Einheit von anderen Völkern als eine der wichtigsten Aufgaben des Rassenschutzes bezeichnete. Aus diesem Grundgedanken heraus fei die Behandlung der Juüenfragc in Deutschland zu verstehen. Wirtschaftsschutz der Juden in Gbcrfchlcsien. Breslau, 28. Sept. Der Regierungspräsident in Oppeln teilt unter der Lleberschrist ,.Anwendung der Genfer Konvention aus die jüdische Minderheit im oberschlesischen Abstimmungsgebiet" amtlich folgendes mit: „In oberschlesischen Städten im Abstimmungsgebiet sind von Der Israelit Stadtverordnetenversammlungen im März und April ds. Js. Beschlüsse gefaßt worden, die eine wirtschaftliche Schlechterstellung der jüdischen Bevölkerung gegenüber der nichtjüdischen zum Gegenstand haben. Die Magistrate der betreffenden Städte sind diesen Beschlüssen nicht beigetreten, weil sie gegen das Genfer Abkommen vom 15. März 1922 verstoßen. Die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlungen entbehren somit ohne weiteres der rechtlichen Wirksamkeit. Sie werden demgemäß auch von den Stadtverordnetenversammlungen in der Praxis nicht angewandt werden. Darüber hinaus hat der Herr Minister des Innern darauf hingewiesen. daß die Magistrate solchen Beschlüssen, die gegen das Recht des Genfer Abkommens verstoßen, auch in Zukunft ihre Genehmigung zu versagen haben." Oesterreich. Trauerveranstaltungen für den „Ehofez Lhajim". Wien, 25. Sept. Anläßlich des Ablebens des «Ehofez Ehajim", wurden in Wien mehrere Trauerversammlungen abgehalten- Am Montag der Vorwoche fand eine Trauersitzung des Vorstandes der österreichischen agudistischen Organisation statt, bei der Rabbi Langbort, ein Schüler des „Ehofez Ehajim", und Redakteur Jakob Joel Brau n tieserg rissen Hespedim hielten. Am gleichen Tage versammelte, sich die orthodoxe Jugend Wiens im großen Saale der agudistischen Jugeadgruppe zu einer imposanten Trauervoranstaltung. In der kommenden Woche wird Oberrabbiner Jeschajah F ü r st, der Vorsitzende des österreichischen Rabbinisch'en Rates, in der Synagoge der orthodoxen Adas-Jisroel-Gemeinde einen Hesped abhalten, ferner wird eine große allgemein zugängliche Trauerversammlung der Aguöas Iisroel stattsinden. Schweiz. Der Abschluß des Minderheitenkongreffes. Bern. 19. Sept. In der letzten Sitzung des Minderheitenkvngresses haben die Vertreter der ungarischen, katatonischen, russischen und litauischen Minderheiten eine Erklärung abgeben, in der sie den Antisemitismus nicht billigen. Der Führer der deutschen Minderheitengruppen Abg. Dr. Hans Otto Roth erklärte u. a.: „Wir führen einen Kampf um eine neue Form der nationalen Rechte und sind hierbei bereit, auch diejenigen anzuerkennen, die nicht unseres Blutes sind." In dem später über die Rede Dr. Roths ausgegebenen Kommunique wurde allerdings dieser Satz ausgelassen. In der Schweizer Presse wird die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß der Kongreß durch das Fernbleiben der Vertreter der jüdischen Minderheiten an moralischer und politischer Bedeutung verloren habe. Die deutsche Iudenfrage vor dem Völkerbund. Gens, 28. Sept. Hinsichtlich der Erörterung der Lage der Juden im Abstimmungsgebiet von Deuksch-Oberschlesien, die aus Grund der Bernheim-Petition im Laufe der gegenwärtigen Völlerbundstagung stattsinden soll, wird seitens der deutschen Delegation angeregt, daß diese Frage in geheimer Sitzung behandelt und einer öffentlichen Diskussion entzogen werde. Auch der Bericht, den die deutsche Reichsregierung aus Grund des Beschlusses des Völkerbundsrates dein zum Rapporteur für diese Frage bestellten irischen Delegierten Lester überreicht hat, soll in einer geheimen Sitzung vorgetegt und nicht veröffentlicht werden. Der Jewish Board of Deputies hat den Delegierten der Bölkerbundsverfammlung ein Memorandum überreicht, in dem die Lage der Juden rn Deutschland dargestellt wird, technische Schwierigkeiten bei der Lösung der Flüchtlingssrage, die sich insbesondere aus den Vorschriften über Vermögensausfuhr aus Deutschland ergeben, geschildert werden und schließlich der Völkerbund aufgeforderi wird, durch Einsetzung eines Kommissars oder einer Kommission für die Ansiedtung der Flüchtlinge zur Lösung eines schweren Menschheiksproblems durch internationale Kooperation in ähnlicher Weise veizu- __ , . 4. Oktober 1933 tragen, wie dies seinerzeit durch seine Aktionen zugunsten der griechischen und armenischen Flüchtlinge geschehen sei. Die Behandlung der Flüchtlingsfrage in Genf. G e n f, 1. Oktbr. Der holländische Außenminister de Graefs hat der Völkerbundsversammlung am 29- September folgenden Resolutionseutwurs vorgelegt: „„In den letzten Monaten hat eine große Anzahl deutscher Staatsangehöriger in verschiedenen Ländern Zuflucht gesucht. Der Aufenthalt in diesen Ländern ist in dem Maße, als die Unterstützungsmittel aus privaten Quellen erschöpft sind, ein wirtschaftliches, finanzielles und soziales Problem, das nur durch internationale Zusammenarbeit gelöst werden kann. Die Völkerbundsversammlung ersucht daher den Rat, sobald wie möglich die Methoden zu prüfen, durch die eine praktische Regelung zu diesem Zweck herbeigesührt werden kann und die notwendigen Maßnahmen für die Ausführung aller Pläne zu ergreifen, die aus diesen Erwägungen hervvrgehen können. Gemäß ihrer finanziellen Bestimmung beschließt die Völkerbundsversammlung, einen besonderen Posten in das Budget für 1936 einzusetzen." Der holländische Außenminister betonte, daß ihm der Gedanke einer Einmischung in die innerdeutschen Angelegenheiten fernliege und es sich darum handele, praktische Maßnahmen angesichts der Tatsache zu treffen, daß Tausende von deutschen Staatsangehörigen in die benachbarten Länder ausgewandert seien und mit den bisherigen Mitteln auf die Dauer nicht versorgt werden können. In der gleichen Sitzung kündigte der schwedische Außenminister Sandler seine Absicht an, die Judenfrage unter dem Gesichtspunkt des Minöerheitenrechts im Politischen Ausschuß der Versammlung zur Sprache zu bringen. Am 30. September wurde der Antrag der holländischen Regierung, demzufolge der Bölkerbundsrat eine Aeuorganisakion für die Regelung der deutschen Flüchtlingsfrage schaffen soll, in der Tagesordnungskommission der Bölkerbundsverfammlung behandelt. Es wurde beschlossen, den Antrag der zweiten Kommission (Kommission für wirtschaftliche Fragen) zuzuweisen. Ein Völkerbundskommissar für die Flüchtlinge in Deutschland? Gens. 26. Sept. (ITA.) Der Mitvorsitzende des Joint Foreign Committee uird Präsident der Anglo Jewish Association Leonard G. Montesiore und Professor Rorman Bentwich sind im Aufträge des Joint Foreign Committee in Genf eingetrosfen, um anläßlich der unter dem Vorsitz des stellvertretenden Präsidenten des Völkerbundsrates, M. Mowinckel, norwegischen Ministerpräsidenten und Außenministers, eröfsneten Völkerbunds- Versammlung mit den verschiedenen Delegationen der Tagung Fühlung in der Frage der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland zu nehmen. Die Vertreter des Joint Foreign Committee schlagen die Einsetzung eines Völkerbundskommissars für die Behandlung des Flüchtlingsproblems vor. Es verlautet, daß die Vertreter der meisten Länder dieses Projekt befürworten. Sie sind der Ansicht, daß die Mitwirkung der deutschen Reichsregierung bei der Einsetzung des Kvnlmissars und bei der Erleichterung seiner Arbeit wünschenswert und erreichbar ist. Die Vertreter des Joint Foreign Committee werden im Einvernehmen mit öensür ihren Plan gewonnenen Delegationen ihre Tätigkeit darauf beschränken, den Boden für die gewünschte Einsetzung eines Flüchtlingskommissars vorzubereiten, ohne sich im übrigen.mit der Lag ederjüdischen Bevölkerung in Deutschland selbst irgendwie zu befassen. Zum Vorsitzenden der sechsten (politischen) Kommission des Völkerbundes, vor der voraussichtlich der Bericht der deutschen Reichsregierung über die Lage in Qberschlesien und eine durch die deutsche Delegation dem Völkerbund zugeleitete Darstellung von nichtamtlicher Seite zur Verhandlung gelangen werden, wurde der spanische Vertreter Senor Madoriaga gewählt.