Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 40/41 De r Israelit 4. Oktober 1933 w-irö der jüöische Mensch mit allem Wissen um sicherer Dornenweg ist. Der Sinn jenes Satzes im Kasein Volk und seinen G'tt ausgestattet, er vergißt es pitel der Strafandrohungen ist ganz klar. Wie 'sich G'tt eurer gefreut Hatz als ihr in der jriUIe des Glückes mcrn der hungernden Kinder und das Stöhnen der Greise unmittelbar vernehmen kann. Jüdische Solidarität schickte ihre Funken in die weite Welt hinaus, bevor noch die Schallwellen durch den Aether an unser fernes Dhr drangen. * * Und wie die Skala der Feste mit dem Ui n g en u m die Thora (Am ersten Tllul stieg Moses auf, um die zweiten Bundestafeln für sein Volk zu erflehen) begann, so klingen sie am letzten Festtage mit der F r e u d e a n d e r T h o r a aus, min nnvV« Freude an der Thora? Thora, das schon. Treue zur Thora auch, trotz allein und allem; vielleicht sogar erstrecht und dennoch! Aber Freude? Welche Macht vermag uns Freude zu suggerieren oder zu gebieten, da jeder Tag neuen Ausschluß und damit verbunden, neue Uot bringt? Keine, wenn man unter Freude das versteht, was die Welt darunter gemeiniglich steht, von der Koheleth sprach nvnr it na nrmwb' wenn man an jenen „Dienstag der tobenden Freude" denkt, dem naturgemäß ein grauer, trüber Mittwoch folgt. Für solche schale Freuden ist heute kein /Platz in unserem Lebcnsraumc. Kalte er je für sie Platz? 'wsx? toj bx bx-w na^n Vx Ist aber nnaw das, was der gleiche Koheleth mit den Worten lobt nnoiyn nx ’jx narv ift sie so geartet, das; ihr keine Enttäuschung und Ernüchterung folgen kann, sondern noch mit dein Ausklang am letzten Tage — naV IX iv»vn — eine ungetrübte Nurfreude bleiben kann, aus der man wie aus einem Stahlbad neu gestärkt für den Kampf und die Arbeit des Werktages hervorgeht, darin haben wir auch dieses Jahr und vielleicht gerade dieses Jahr mm nnat?* Ein neuerer Nelgionsphilosoph übersetzt nnats» mit Heimkehr der Seele. Ein gutes Wort, dieses „Heimkehr der Seele" und wie für unsere Zeit geprägt. Eine große Heimkehrerschar hat sich, nicht dem eigenen Triebe gehorchend, in Bewegung gesetzt. Nicht dem eigenen Triebe? Wer weiß es, wer versteige sich, es zu behaupten? wir haben für Buße und innere Läuterung das eine Wort ruwrv &as aber wörtlich und sinngemäß Rückkehr, H e i m k e h r bedeutet, wie kann man dahin zurückkehren, so fragt „Thofez Lhajim", wo man n i e geweilt hat? wenn Menschen zu G'tt, zur Thora, zum Sabbat eines Tages kommen, ohne je Thora gelernt, Sabbat gehalten zu haben, wie kann man das Rückkeh r nennen? Wohl sagt der jüdische Weltweise von Radin, es ist dennoch und in jedem Falle Rückkehr, Heimkehr. Alle, auch die ein g'ttfremdes Leben geführt haben, weilten einmal, ob sie es wollten und wußten oder nicht, bei G'tt; ihre Seelen alle haben am Sinai gestanden und die jüdische Verpflichtung auf sich genommen. vor der Geburt schon, sagt Midrasch, nur im hellen Lichte der weit. And alles Leben und Lernen ist nur ein S i ch e n t s i n n e n auf das, was in ihm sitzt. Es geht bei unserer Buße und Reinigung nicht um Neuland, es gilt nur, uns wieder zu erringen, was wir schon einmal in uns oder in den Vätern besaßen. ■2"rwb an1? vr> ^x-w Jedes Sichfinden zu G'tt ist ein Sichwiederf i nd e n, es ist in jedem Falle ein fmin1? irnx ii2'L»n- Heil uns und heil ihnen, wenn sie, die Heimkehrer, von Not und Drangsal getrieben, sich auch von innen her ins Vaterhaus gewiesen fühlen und sich finden mit den Worten des königlichen Dichters fljn ava naoa ’hbx’ ■»s* „Er nimmt mich auf in feine Hütte am Tage der Not, birgt mich im Schütze seines Zeltes." G'tt wartet der Heimkehrer. Seine Hütte ist weit geöffnet und hat Platz für alle. Cr f r e u t s i ch der Wiederkehr seiner Söhne, auf welchem Wege sic sich auch immer zu ihm finden. v2nx rvirtnto aanx anwft arto? 'n vv nwrr? "ni •oanx “PüxnV tj p „Und es wird sein, wie sich G'tt gefreut hatte, euch Gutes zu erweisen und euch zu vermehren, so wird er sich freuen, euch heimzusuchen . . ." Niederschmettecn müßte uns dieser Satz in seiner grausigen Unverständlichkeit, wollten wir ihn wörtlich nehmen. Freuen sollte sich G'tt unseres Unglückes? Ein Vater mag es wohl tragen, wenn das Kind das harte Schicksal, nicht unverschuldet, trifft. Er, der Vater, hat cs ja genugsam gewarnt. Aber freuen sollte er sich dessen? wo bleibt die Verheißung Seiner unversiegbaren Duelle des Erbarmens nx orriD O’aa to;? wieder muß der bekannte Prinz aus der Welt des Muffar und Mofchol für eines jener Gl eich niste herhalten, die in ihrer simplen Naivität das letzte treffen. Der Königssohn hatte in der Fremde den Vater und dessen Huld vergessen, ja auch die Heimkehr htnausgeschoben. well cs ihm eben m der Fremde, mit Hilfe der reichen väterlichen Gaben, so wohl erging. Da sagte der königliche Vater: „Ich entziehe ihm die Hilfe, er wird Not und Entbehrung leiden in feindlicher Umgebung und in seiner Erniedrigung die Hilfe des Vaters anrufen und dessen Nähe wieder suchen müssen. Ein Gleichnis? Cs ist dies deutlich zu lesen in Ni. V, 50 '121 •j'»'?v 1x12' ’S "»m -'121 H3L»1 „In der Bedrängnis, da all diese Dinge über dich kommen, am Ende der Tage, da wirst du zurückkehren zum G'tte, deinem G'tte ..." Der königliche Vater freut sich auf die Wiederkehr des Sohnes, auch wenn der Heimweg ein schwe- - mnx — zu ihm kämet, so wird er sich jetzt freuen, wenn ihr euch auf dem Leidenswege - '121 Trixn1? cw'chy '-np-w' p — zu ihm findet. Ihr kommt so oder so, aber i h r k o m m t! . . . .werden die Heimkehrer den weg bis zu Ende gehen und sich im Vaterhause finden? .. wir registrierten vor kurzem eine Nieldung des Berliner Elektrizitätswer k e s , wonach der L i ch t v e r b r a u ch in den jüdisch e n Häusern diesen Sommer ungleich größer war als in den früheren Jahren. Cr wird sich in den Wintermonaten noch wesentlich vergrößern. Bedeutet das Lichtwachstum im jüdischen Sinne? Ist diese Flucht ins eigene Haus, in die Familie eine Rückkehr ins jüdische Heim, zum Licht und zur Freude des jüdischen Sabbat, zur Reinheit des jüdischen Familienlebens, zur rituell geregelten Einfachheit und Schönheit des jüdischen Tisches? Wäre dem so, wir könnten dann dieses Jahr mit doppelter Lautstärke zum Abschied vom Feste gemeinsam das Lied anstimmen: •nmxi m i:1? x*>n '2 Wochenrundschau. Ein Ernkedankfesk, und was daraus für «ns folgt... Ein Erntedankfest mit dem Endziele, derer zu gedenken, die nichts zu säen und nichts zu ernten haben, und ihnen das Los jm harten Winter zu erleichtern, heimctt uns fo sehr an, daß wir, wie sich die Welt zu uns auch stellen mag, es mit der Seele mit begehen müssen. Was war unser Sukkoth, neben seiner Bedeutung als Zeichen des ewigwährenden g'ttlichen Schutzes, anderes als ein Ernte ö KN kf e ft *pDxn an' mit dem Zwecke und der Verpflichtung, der darbenden mabxni nimm nani 'ihn, zu gedenken, die bei der Fülle des G'ttessegens in Scheune und Keller nicht enterbt und enteignet beiseite stehen dursten; was anderes als eine soziale Deutung der Freude und des Glückes im Sinne von Erfreuen und Beglücken? _ Selbst die Verordnung, uns an einem bestimmten Tage durch Vereinfachung der Kost etwas für die Kleines Feuilleton. Ein prophetisches Work vor 54 Zähren. Am 1. Juli 1894 starb in Höchberg Rabbiner P. 2. H. Wechsler .b"xi allgemein bekannt und verehrt unter dem Namen „Reb Hyle Wechsler". Ein Enkel von Rabbi Mendel Rosenbaum ^"21 lernte er in seinen jungen Jahren bei Rabbi Jona Rosenbaum in Zell und -später in Preßburg. In Höchberg galt er dann als einer der grüßten w»2n 'i'vi-n und n’p’is des damaligen Bagern. Stets von einer großen Schar von Jüngern umgeben, für deren materielle Bedürfnisse er sorgte, füllte er den ganzen Tag und ein gut Teil der Nacht mit Lernen und Lehren aus. Zusammen mit dem damaligen Rabbiner von Schwabach, Rabbi Löb Wißmann gründete er dort die Talmud Thora-Schule. In Höchberg, wo er als Rabbiner fungierte, entfaltete er ein überaus segensreiche Lehr- und soziale Tätigkeit. Unter seiner Korrespondenz fand man auch Re sponsert von K s s a w Sofer in Preßburg, mit dem ihn eine Jugendfreundschaft verband. Erst später redete sich herum, daß Rabbi Pinchos Mosche Elchanan Wechsler bis in die tiefen Nachtstunden hinein auch K a b b a l a studierte, ohne mit jemand weiter darüber zu sprechen. Söhne des Heimgegangenen Rabbi wirken ais Gelehrte und Lehrer von Ruf in Jerusalem, in Alzenau und in Kolberg. So weit mr Charakteristik eines der letzten v'p'iLi D’jm im Bayern des vorigen Jahrhunderts. Nun liegt uns ein Manuskript in sauberer Handschrift vor, (als Fragment auch gedruckt), und wir würden glauben, einen Tagesbericht zu lesen, sähen wir es nicht mit eigenen Augen, daß die Schrift vor über 50 Jahren abgefaßt wurde. Es ist gar kein Zweifel. Ein Hellsehender hat die ganze Entwicklung unserer Zeit vorausgesehen, von dem Ausbruch des Weltkrieges, bis zu den Vorgängen der heutigen Tags. Wenn wir in der Erzählung „Licht aus dem Westen" den großen Chatam Sofer all das, was w i r erleben und erleiden, in sich erleben und Voraussagen sehen, wofür der Autor gewiß eine Stütze in Urkunden hatte, so könnte es mancheinem als etwas zugestutzt, sozusagen eins „nach rückwärts gerichtete Prophetie" erscheinen. Diese Prognosen eines alten bayrischen Rabbiners aus dem Geistesmilieu des Chatam Sofer ist die beste Rechtfertigung, ja eine konkrete Unterlage für das letzte Sterbekapitel in besagter Erzählung. Das Manuskript betitelt sich: „Ein Wort der Mahnung an Israel zur Beherzigung der Judenhetze und merkwürdige darauf bezügliche Träume von Iäschern Milo Deb o r." Das Wort Iaschern erklärt sich, nach ' einer von einem Sohne des Verfassers uns gegebenen Deutung, aus den Worten iw- Der Autor hatte das Bestreben und die Hoffnung, alle Welt w gerade und rechtschaffen zu machen. Da er in feiner Bescheidenheit' anonym bleiben wollte, fügte er den Titel hinzu xba „man spreche nicht davon." Man muß aber heute davon sprechen. Wenn man etwa auf Seite 6 die vom Verfasser vorausgesehene Perspektiye liest: „Nichts wird mehr vor dem Judenhaß schützen, auch das Wasser der Taufe nicht, auch die Vlutverbindung durch Mischehe nicht," oder: „Jude bleibt IPde beim Nichtjuden, mag er der Reform oder der Orthodoxie huldigen. Wir wollen also bilden ein Volk von Brüdern nach innen, wie wir es ja nach außen sind," so weiß man, wie richtig der bayrische Rabbi in die Zukunft gesehen hat. Von der Verwirrung in der Herzego- ' wina sieht der Verfasser Krach auf Krach kommen (Sa- Fajevo), so daß bald die ganze Welt in Flammen steht. .Aus der Asche folgt der Judenhaß. Palästina wird den Türken entrissen und' kommt nicht mehr in deren Hand. Nach längeren Geburtswohen ist aber Erez Israel Israels Land . . . Hoffen darf man nur, daß in gleichen; Maße wie diese Voraussagungen eingetroffen sind, sich auch all die im Werke ausgesprochene Hoffnungen recht bald erfüllen. Es wäre am Platze, die ganze Schrift, da die seinerzeit gedruckten Exemplars vollkommen vergriffen sind, noch einmal erscheinen zu lassen. Das Manuskript befindet sich in Händen des Herrn Lehrer Wechsler in Kolberg (Pommern). Die nächste Nummer des „Israelit" erscheint Donnerstag. den 18. Oktober. An den yatbfeiertagen erscheint — wie immer — keine Nummer. Wochenkalender vom 7.-14. Okt. 1833 17. — 21. Tischri 5694 j t)i mairo Samstag Sep.? 17 2y lymn Vin na® Sonnrag .8 18 iy ) Montag Okt. 9 19 ny? lyiair inn Dienstag 10 nun 20 V 1 Mittwoch 11 21 T!f 82i joypin Donnerstag 12 22 ny n-ntv Freitag 13 23 oy niin nnvv Samstag 14 24 s cnnn paiaa n’mna Mnnled: Donnerstag vorm. 5 Uhr 19% Min.