Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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4. Oktober 1933 14. Tischri SSS4 Nr. 40,41 Frankfurt a. M.» den Begründet von Dr. Lehmarm in Mainz. Abonnement ab Juli 1828: Deutschland 128 Mark monatlich; Ausland: Vterteltcchrpreiss (eursprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüqltch Konen des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1.6V Dollar; England 8 sh.: Frankreich 88 Fr.: Belgien Belga8. Holland 3fl.; Italien t8 Lire; Jugoilavien 83 Din.; Litauen 720 Ltt.; Rumänien 160 Lei; Polen 4 deutsche Gold mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungar» vengö 8; Dänemark, Norwegen ».Schweden 5 Kronen. Einzelnummer 36 Pfennige. Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 86 Doldof. für die stebengesp alten« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 78 mm breite Reklamezeile: letzte Textsette 8.— Mk., vorletzte Textseite 8.60 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Inseratenannahme durch de» Verlag des Israelit ®. m. 6. H.» Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstraße 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnferarenann. für Franks. Geschäfts»»,.: Jul. Schmidt. Sstendstraße 83 Tel. 48888. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermon Gm.b.tz., Frankfurt (Main) Nr. 19803.—Außerdem an: Postsparkafle Wien Nr. 79603.—Postsparkaflenamt Budapest Nr. 18434. —Postscheckkonto Warschau Nr. 19U737. - Postscheckamt Zürich Nr. Vlil 7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr.84889 - Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten fich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Freudenfeste heute. Bütt e ober (5 hrenwolke? Wenn in der Schrift zu lesen ist, daß „G'tt Israel in Sukkoth wohnen ließ, als er es ans MizrajttN führte," so ist darunter nach einer Meinung die Wolke und die F e u e r s ä u l e zu verstehen, die Israel auf seinem Wüstenzuge vorausgingen und vovanleuchteten. Andere möchten es wörtlich nehmen: G'tt hat fein Volk auf dem Wege zum großen Ziele, wenn es von Zeit zu Zeit da und dort Rast hielt, in Hütten, in Wanderzelten wohnen lassen. Cs liegt kein Grund vor, hier divergierende Meinungen zu sehen, vielmehr könnten sich beide Einsichten ergänzen, die eine bedingt die andere. Im W a n d e r z e l t e saß das rasten.de Volk, Wolke und $ c u c r f a u 1 c über ihm. Rur, daß die strengere Schule den Blick nach ob c n heftet und das Chrengeleite in Wolke und Ofener sieht, während die unserem C-rdenleben.näher stehende Richtung nach unten schaut, in die Bütte auf dem schwanken Boden unseres irdischen Seins. Auf der Mittellinie zwischen oben und unten finden sich die beiden Schulen, finden wir uns: In der Bütte unter dem Schutze der g'ttlichen Chrenwo-lke und im Lichtscheine Seiner wegweisenden Fe u e r s ä ule. Wie eng £}iittc und Schutzwolke zueinander gehören, haben wir oft genug in der Geschichte erfahren, erleben wir auch heute. Ist die Zeit durch jtdd wQQ gezeichnet, wird Israels Wanderschicksal uns zur eigenen Le.benstragik, dann sucht und findet der Blick von selbst zu den tos *»1357- Wohl uns, wenn der Aufblick nicht durch andere, fremde Rebelbildungen gestört und getrübt ist. von einem alten Rabbi in polen wird erzählt: Als er am ersten Festabend im kreise seiner Familie und seiner Jünger in der Festhütte sich anschickte, mit dem hochgehobenen Kelche das kiddusch anzustimmen, kam von außen ein wuchtiger Stein auf das Sukkohdach geflogen , und riß ein ganzes Stück vorn Tannengrün weg. Alle erschraken. Der Rabbi aber ruhig zum Dach bmaussehend: „So ist es richtig. Cs war z u d i ch t gedeckt." Sprachs und fing mit größter Andacht das Weihegebet an, um Ihn zu lobpreisen, „der uns auserwählt von allen Völkern, uns erhoben über alle Zungen und uns geheiligt bat durch seine Gebote ..." Wenn wir beute in dieseiy Zusammenhänge jenes kleine Erlebnis erzählen, bekommt es für uns symbolische Bedeutung, ist cs uns,-als hätte jener Rabbi auch an uns gedacht und zu uns in Deutschland gesprochen. Wir haben im letzten Jahrhundert das Dach über unserem Haupte vielleicht etwas zu dick und zu dicht gebaut, wähnten uns gar zu sicher gedeckt und geschützt in der Bütte, die Menschen errichtet haben, verloren. unter dem Schutzdach der Emanzipation den Aus- und Aufblick zur höhe. Cs mußten ein paar Stellte von außen kommen, daß unser Auge den Aufblick frei bekommt zu den Sternen ulld zu Ihm, der über den Sternen thront. Führten die waa nno unserer trüben Gegenwart dazu, daß wir die Perspektive zu den 1122 '13? finden, wieder finden, dann könnten wir uns mit manchem von dem, was wir heute erleben und erleiden, absurden. Unser F e st st r a u ß ein Symbol! „Wer das Gericktsbaus verläßt und dabei die Palme schwingt und Lieder singt, der hat g e w 0 n n e n." So hätten wir, nach Midrasch, das Büttenfest als Ausläufer der „Furchtbaren Tage" des Gerichtes zu erkennen. Gewonnen? Roch haben die 'Ankläger das Wort und es wird über uns zu Gericht gesessen, Cdikt über Cdikt gegen uns erlassen. Das Cndnrteil ist noch nicht abzusehen. Und dennoch Sieg- und Gewinn? Wohl- Ais Begriffe unseres Innenlebens bleiben Sieg und Gewinn von äußeren Umständen und Widerständen unberührt. Line reiche und tiefe Symbolik umrankt unseren Festbund, den ältesten und natürlichen v i e r e r - pakt unseres I ch s und unseres Volkes. „Ich" und.„Volk", sic begegnen sich in der Allegorie der „vier Arten". Cinmal sollen sie auf die Einheit und das Zusammenwirken unserer Organe und Sinne (Lulaw: das Rückgrat, Cthrog: das Myrte: das Auge, Bachweide: der Mund) hindenten, ein -anderes Mal aber symbolisch das Volk in all seinen Teilen, Klassen, wirtschaftlichen und geistigen Schichten vereinigen. Auch da verinögen wir keinen Widerspruch in den Auffassungen zu sehen. Wer die Ganzheit und Einheit, Geschlossenheit und Ausgeglichenheit i n s i ch erlangt bat, der wird auch d e m G a n z e n dienen, wird sich als Ganzes in die Gesamtheit des großen bbs einordnen. vor Zufriedenheit und Selbstgefälligkeit bewahre uns der Ausblick «auf die Gemeinschaft. Mit dem Feststranße in -der Band sprechen wir Dank- und Bittgebete aus. Wir danken nb Hin und haben allen Grund dazu, wenn wir heute noch, gesund an Leib und Seele, im harmonischen Zusammenwirken unserer Organe und Sinne, wie es der Lulaw uns veranschaulicht, vor Ihm stehen dürfen. Bat je eine Zeit die Tiefe des Schechejonn-Gebetes begriffen wie die unsere? wir haben Pier Jahre des anhaltenden Todesgrauens hinter uns und ein Millionenheer deckt die Crde, mir sind noch da: 13"NNP' Cs folgte ein Jahrzehnt, das uns mit seinen politischen und wirtschaftlichen Röten ganz nioderzureißcn drohte, wir stehen noch aufrecht: liö'pv Hand aufs jüdischer Bruder, wie oft ist dir in den Wandlungen der letzten Jahre das barte Wort entfahren: „Cs gebt nicht mehr weiter!" Cs ging weiter und wir feiern wieder ein Fest: mn w*nv Aber auch eine Litte, ein R 0 t s ch r e i entringt sich unserer Brust, indem wir den Feststrauß, das Symbol der durch tausend Fäden des Blutes, der.- Geschichte und des Glaubens verbundenen jüdischen Zerstreuung, in Banden halten,uinv'MNixiM'in Hilfe 0 Hilfe! . . . liier spricht der Lulawbund von Israels Verbundenheit und nur von dieser. höreu wir das Niyiznn derer in unserer Rahe, ja in unserer Mitte, die einem Winter der Rot mit Schrecken entgegensetzen! Sehet, wie die 2lnderen jetzt schon mit allen Rütteln menschlicher Kraft für ihre 2lrmcn und Erwerbslosen in.den Kampf treten, daß der Winter ihr Los nicht noch härter und trostloser gestalte. Wollen wir uns, das Volk der klassischen abrahamitischen Wohltätigkeit, von der Umwelt darin beschämen lassen? Könnten wir eine Minute unseres Festes froh werden, bei dem Gedanken, daß Hunger» Kälte und Entbehrung bald -als Wintergäste ins Baus unseres Bruders, mit dem wir in Gemeinde und G'ttesbaus zusammen beten und hoffen und G'tt ein Lied singen, einkehren werden? Rach allen Richtungen der Windrose weist die Festpalme, xi njptyim tuyiinn B i l f e 0 X7 i 1 f e! gelangt zu uns der heisere Schrei über die Ostgrcnze her. Cs ist der Schrei von Kindern und Greisen, für die ans den weiten Feldern der russischen Erde kein Korn und kein Weizen geschnitten wurde, bl? irsüi Cs ist noch gar nicht so lange her, daß gerade dieser Teil unserer Gemeinschaft den Ehrenplatz ln dem durch die vier 2lrten veranschaulichten Viererbund unseres Volkes eingenommen hatte. Wir hätten kein 2ln.recht auf die Danklicder angesichts der harmonischen Einheit unserer gesunden Glieder und Organe, unseres gesättigten Ichs, dliebe der Ln-- law uns in seiner Symbolik für die G e m ein» schaft unbegriffen, die von ihm uns übertragene Verpflichtung gegen alle Teile des Volkes uucrfaßt und unerfüllt. Sage nicht, Rußland ist weit, sprich nicht von Cntsernung in einer Zeit, da jede räumliche Weite nur eine Frage der Wellenlänge ist, da man mitlelö eines Stückchens Hartgummi das wim-