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Der Israelit · 1933-09-28 · Heft 39 (28.9.1933) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 39 (28.9.1933)
Date
1933-09-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 39 OSMIA SURR FÜLLHALTER Der Israelit 28. September 1933 «TESaBSB W Deutsche Qualitätsarbeit » Rm. 15.-17.50 u. 20.- A und feiner geschichtlichen Offenbarung die europäisch-amerikanische Kulmrwelt zum mindesten rm metaphysisch Letzten zusammenhielt? Und es kann ja, ist der Anfang einmal gemacht, bei der Bibel des Alten Testamentes nicht bleiben! Auf dem jüngst in Wiesbaden abgehaltenen Landeskirchentag für Nassau hat Pfarrer 71 m b o r n die mannhafte Erklärung abgegeben, „der Totalitätsanspruch des nationalsozialistischen Staates müsse feine Begrenzung finden in dem absoluten Totalltätsan sprach unsres ewigen Königs." Cr lehnte die inzwi scheu überall in der evangelischen Kirche angenom mene Arierbestimmung ab, mit der Begründung nur auf diese kommt es uns hier an — das; diese BosKmmungen, die für den Staat ihr gute Recht hätten, für die Kirche sich nicht eigneten weil sie „in ihrer letzten Konsequenz sich auch, gegen die biblischen Schriftsteller richteten d i e a l l e k e i n e A r i e r waren, und sie s ch w ä ch t e n d a h e r d i e Frontstellung d e r K i r ch gegen die modernen Irrlehre n." wir glauben, das; dieser Gedankengang, so wenig er für den Augenblick auch gerade bei dem Arierparagraphen sich durchzusetzen vermochte in den Kirchen aus innerer Notwendigkeit heraus doch immer wieder zum Durchbruch gelangen muß/ Und schon die Frontstellung gegen den g'ttesfeindlichen Bolschewismus wird auch dem neuen Staat allmählich, mit dem Verblas sen des revolutionären Ressentiments, den inneren Antrieb geben, der Kirche die Verkündung der übernationalen G'tteseinheit-Verkündung nicht zu schwer machen. Das; diese Verkündung G' ttesa! sKö n i g § der ganzen Erde aber, die einzige Ret tnng vor hoffnungslosem versinken der Welt in ein sich selber mordendes Heidentum, das; diese verkün düng, wie sie die jüdische Bibel predigt, sich diesem ihrem mütterlichen Boden auf die Dauer niemals wird entreißen können, dessen dürfen wir sicher sein! Erst wenn der neue Staat feinen Bund mi t d e r Bibel wieder schließen wird, kann er seine offensichtliche Mission als Bollwerk gegen den g'ttesfeindlichen Weltbolschewismus in vollem Bewußtsein erfüllen — und dafür wäre selbst das Martyrium der deutschen Juden nicht umsonst erduldet. wir freuen uns in diesem Sinne der wahrhaft weisen und in die Tiefe s ch a u e »t b e n Rede, die Lloyd George, der greise Kämpe, diese Woche in Barmouth gehalten hat und die eine vollkommene Bestätigung der an dieser Stelle wiederholt eingenommenen politischen Haltung ist. Lloyd George sagte nach dem Bericht der „Frankfurter Zeitung „Ich bin weder ein Nationalsozialist noch ein Faszist, noch ein Kommunist. Damm trete ich immer dafür ein, daß K l u g h e i t d e n V o r r a n g haben sollte, wenn es den Mächten gelingen würde, den Nationalsozialismus in Deutschland zu stürzen, dann würde ihm der Kommun i smus folgen." wenn der Kommunismus aber 'in Deutschland zur Macht käme, dann würden die Kommunisten sich schon darauf verstehen, ihre Macht wirksam auszunutzen. „Dies ist der Grund, warum alle Kommunisten der Welt von Rußland bis nach Amerika dämm flehen, daß die westlichen Nationen Deutschland in eine kommunistische Revolution hineinhetzen." Hoffen wir, daß der deutsche Nationalsozialismus seine welthistorische Aufgabe letzten Endes in diesem Kampfe gegen den Bolschewismus und nicht im Kampfe gegen die Bibel und ihre übernationale, die Wirklichkeit und Einheit G'ttes verbürgende ewige wabrbeit erblicken wird. Die englischen Hilssgeldep. Die Tragödie der deutschen Juden hat — dies muß in diesen Tagen des Gedächtnisses und dir in neren Abrechnung mit freudiger Dankbarkeit festgestellt werden — in fast allen Ländern der Erde zu einer erhebenden, in Wort und Tat sich vollziehenden Kundgebung wahrhafter menschlicher Solidarität und Bruderliebe Anlaß gegeben. Ueberall öffneten sich die Herzen und die Hände, nicht nur, um die Not der Flüchtlinge und Auswandernden nach Möglichkeit zu lindern, sondern auch um den ihrem heimatlichen Bo den Entrissenen sobald wie irgend denkbar die Möglichkeit neuer ökonomischer Verwurzelung zu schaffen. Der letzteren Aufgabe insbesondere hat sich das in London gebildete große britische Komitee für die deutsche Iudenheit gewidmet, das der Öffentlichkeit in diesen Tagen einen vorläufigen Bericht über seine bisherige Tätigkeit vorlegt. Man erfährt daraus, daß von den bis heute gesammelten ungefähr l 60.000 Lst. rund Lst. 20.000 zunächst reserviert wurden, um damit die nach England selbst gekommenen deutschen Flüchtlinge, deren Zahl im Verhältnis zu Frankreich und Holland übrigens geringfügig ist, einigermaßen über Wasser zu halten. Der weitaus größte Teil der Gesamtsumme, im ganzen fast Lst. l'OO.COO, sind der Auswanderung nach Palästina und der Ansiedlung sowie allgemeinen Kulturzwecken im heiligen Lande gewidmet worden, davon 50.000 Lst. zur Errichtung von Häusern für deutsche Ansiedler, 21.000 Lst. für landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung von Deutschen im heiligen Lande, 25.000 Lst. erhielt ohne weitere Zweckbestimmung der Keren Hajessod, 5000 Lst. die Jerusalemer Universität zur Anstellung von deutschen.Professoren. Angesichts der ganzen Sachlage kann man diese starke Bevorzugung des heiligen Landes an und für sich nur billigen, denn abgesehen von Cinzelfällen und von einigen wenigen bisher recht zweifelhaft aussehenden Siedlungsprojekten in überseeischen Staaten ist ja Cccz Iiscocl das einzige Land, in dem die deutschen Auswanderer hoffen dürfen, eine dauernde Zufluchtsstätte zu finden. Nur müßte dafür gesorgt werden, und wir nehmen an, daß die Leiter des englischen Komitees sich der ihnen in dieser Beziehung obliegenden Verantwortlichkeit bewußt sind, daß bei der Verwendung der beträchtlichen Mittel für Palästina in keiner weise einseitige Parteizwecke gefördert werden, daß insbe sondere nicht die Hilfsgelder dazu dienen, um die Vorherrschaft der antireligiösen und areligiösen Kreise die bisher dem kulturellen Leben Palästinas . den Stempel aufdrückten, zu verewigen, und die immerhin jetzt in stärkerem Maße einwandernden religiösen Elemente nach dem bisherigen Rezepte zurückzudrängen und zu benachteiligen. Soll das Gleichgewicht einigermaßen hergestellt werden, so müßte man im Gegenteil darauf bedacht sein, einen wesentlichen Teil der Gelder zur Begründung solcher; religiöser und kultureller Institutionen zu verwenden, die den einwandernden konservativ-religiösen Elementen gestatten, die Heranwachsende Generation, im Geiste des überlieferten Judentums zu erziehen und dieser Jugend eine ihre Entwicklung zur geschlossenen jüdischen Persönlichkeit sichernde Kulturatmosphäre zu schaffen. Ausfallen muß in dem Berichte des Komitees, daß man nur die im Verhältnis kleine Summe von 10.000 Lst. für die Rettung dewmil dem Untergang bedroh ten jüdischen Volks- und Mittelschulen in Deutschland davon' sein, daß diese,-die ja naturgemäß -die am wenigsten bemittelte Schichtdarstellenpckn'der Lage sein sollten, ein ausreichendes Crziehungswerk aus eigenen Kräften zu tragen. ' '• Das Londoner Komitee hält feine Tätigkeit keineswegs für abgeschlossen und es darf gehofft werden, daß insbesondere von Amerika aus eine wesentliche Ergänzung der englischen Hilfstätigkeit eintreten wird. Sonst wäre die Lage ja trostlos, den von den 185.000 Lst., die in England gesammelt wurden, sollen 170.000 Lst. bereits verausgabt sein, wenn Man auch anncbmen darf, daß es sich hierbei vielleicht znm Teil nur um Bewilligungen, noch nicht um Zahlungen, handelt, so verlangt doch die Vielfältigkeit der jeden Tag sich erneuernden Bedürfnisse für die Erhaltung mittelloser Emigranten in allen Ländern, für ihre Weiterbeförderung und Ansiedlung, für das Hilfswerk in Deutschland selbst und für die Fortführung der Siedlung im heiligen Lande die Anspannung aller Kräfte der ganzen Iudenheit. . Dabei dürfte aber, dies auszusprechen halten wir auch in diesem Zusammenhang für unsere Pflicht, das tausendfältig größere Elend der jüdischen Deklassierten in Sowjetrußland, die ja buchstäblich mit dem Hungertode kämpfen, keinen Augenblick aus. dem Auge verloren werden. Die deutschen Juden selber dürfen ihrer unglücklichen Brüder drüben im Osten nicht vergessen und an das Ausland insbesondere möchten wir den Appell richten, doch über dem deutschen Hilfswerk der russischen Katastrophe nicht zu vergessen. zur Verfügung stellt. Begründet wird diese Zurückhaltung damit, daß es zunächst Aufgabe der deutschen Iudenheit sei, ihre Institutionen durch Anspannung der eigenen wirtschaftlichen Kraft aufrecht zu erhalten. Aber die Verwirklichung dieses guten Rates scheitert vielfach an der täglich zunehmenden Verelendung der jüdischen Gemeinden und Körperschaften, während auf der anderen Seite das Komitee selbst ja anerkennt, daß die Erziehungsarbeit an der auf die.jüdischen Schulen aus moralischen oder aus rechtlichen Gründen hingewiefenen Jugend eine der wichtigsten Aufgaben (nicht minder wichtig wie die Erez Iisroel- Arbeit) darstellt, wag das.Siedlungswerk in Erez Iisroel in noch so großem Umfange gefördert werden, auf alle Fälle bleiben Hunöeritaufende von deutschen Juden in Deutschland zurück und es kann keine Rede Die Wiederkehrendev. Zu Ism-Rippur 5694. Von Oberrabbiner Dr. Adolf Altmann in Trier. „Das verlorene suche ich, das verirrte bringe ich zurück, das Zerbrochene verbinde ich, das Kranke stärke ich . : ." (Iecheskel 54, 1.). ' Diese große G'ttesbotschaft rief einst der Prophet Iecheskel dem jüdischen Volke zu, dem in aller Welt zerstreuten, vom Heimatsboöen entwurzelten Israel;, dem Volke, das ausgesandt war, die Welt im reinen,, einig einzigen G'ttesgedanken zu einen, und nun selbst zerrissen und zerbrochen, verirrt und verloren auf einsamer Flur ein Spielball in der Widersacher Hand geworden war. „wie irrt umher die G'ttesherde auf allen Bergen, allen hohen Hügeln, über die ganze Erde hingestreut meine Herde,, und niemand fragt nach ihnen und niemand sucht sie." (ibid.) Aber einer lebt And besteht, der Israels nicht vergißt, G'tt denkt seines Volkes, und durch seines Künders wund ruft er. durch das Weltall: „Ich suche euch, ich bringe euch aus der Verirrung wieder, ich perbinde, stärke und heile euch!" Spricht nicht auch der große Sühnetag Jom-Kippur diese Botschaft aus? Ruht nicht die Bedeutung der hohen Versöhnungsfeier vor allem in dem. Aufruf zur Sammlung und Wiederheimkehr der Verlorenen und verirrten in Israel, in ,der tröstlichen äufiimnterungsvollen Bestimmung zu läutern, zu stärken, zu heilen? wie viele sind es gerade in unserer Zeit, die zermürbt und irrend, ratlos und ziellos, gebeugt und bedrückt, scheu und verschüchtert dahinwanken und üun von diesem Tage, dem linderungsreichen und befreienden, Aufschluß und. Anhalt erhoffen. Den einen drückt die Sorge um den Lebensunterhalt, um die Existenz für Frau und Kinder, den anderen bestürzt die düstere Perspektive seines Zukunftsweges als Jude. Dieser ist persönlich berührt, ein anderer wieder über die Gemeinschaft betroffen. Und am Jom- Kippur kommen sie mit schwerem Herzen und-werfen Ich hin an G'ttes. gnaöenvolle vateebmst. Sie möchten wieder glauben und hoffen lernen, möchten wieder mit erneuter, erleichterter Seele das Leben beginnen, gestärkt und genesen zurückkehren in den heißen Kampf ums Dasein. Die noch irgendwie der Botschaft vertrauen, fühlen es alle, daß, wenn auch nichts mehr, so doch dieser Tag voll ursprünglicher Kraft, mit seinen Stunden überirdischer Geborgenheit des Vertrauens wert sei. Jom-Kippur ist ihres harten Lebens treuester Freund. Er gibt ihnen den Trost einer-

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