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Der Israelit · 1933-09-20 · Heft 38 (20.9.1933) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 38 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Brief vom Token Meer. -b. mit stahlhartem Blick und auf Fernziele gerichtetem Wollen, an sein Werk. Weh dem, ders nicht zuwegej bringt, der sich nicht aufraffen kann vom betäubenden! Schlag oder vom einlullenden Glück. Das Äad desj Wenn man an einer der erhöhten Stellen der Stadt Gebens geht über die Hilflosen hinweg. : D’Venv nach Osten schaut, so sieht inan an manchen s Tagen zum Greisen nahe die transsordanischen . Berge * * * i (2rria 'in), und genießt man gar den herrlichen Blick j von einem der nach Osten hin die Stadt abschließenden Rocb gingen sic in grauen Uniformröeken, Noch; Berge (bwt 1.1 .nsis in), so kann man vor diesem transtrugen sie bei schlechtem Wetter die Mäntel aus Frank-! LAauischen Gebirgszug deutlich den Jordan und dessen rerch, manche sahen phantastisch aus, wenn sie, am, g^cte]; Höhenunterschied trennt Jerusalem vom Toten kalten Februarmorgen, eingewickelt in russische Schaf- Meer. Jerusalem liegt auf hohem Gebirge 800 Meter pelze, binaussuhren ins Feld, Daheim bängten sie die'hoch; das Tote Meer bildet, 400 Meter unter dem Meeres- Koppel und Riemen an die wand, ließen die Ander! lpiegel liegend, den tiefsten Punkt der Erdeein Veii- - - - - l spiel dafür, me fitr. etn Land mck klemen Ausmit Kokarden spielen, verschlossen Granatsplitter und (Querschläger in Schachteln und Kistchen. Stoff zum Reden, daheim ,im Wirtshaus, in der Bahn, beim Friseur, hatten sie auf Jahre hinaus. „weischt noch, Peter, wie wir im Dezember am Kanonenberg die Korbflasche mit Schnaps in Trinkbechern halber leer gemacht hawwe?" „Bergheimer, erzähls doch noch einmal, wie dir der Wosbacher im Unterstand, du hast geschlafe, die Koscherkonserven aus der Büchse rausaegessen hat? Nachher hascht 'n Dreck gehabt, nn mir hawe uns kaputt gelacht?" — „Aber am schönsten wars doch, wie der Jakob mit seiner blauen Stall schürze (er hat sie von dahernr mit naus genommen) auf poste gezogen ist, und der „Alle" ist nachher durch den Graben gekommen! Den Blick! wenn er ihn auffressen können in dem Augenblick, hätt' crs gemacht ..." Ader zuviel ist versäumt.. vier Jahre wollen eingeholt sein. Der eine geht wieder in sein Büro. Der andere pflügt seine Felder wieder, wie es sich gehört. Lernen müssen sie wieder, weil man sie ja von den Schulbänken und Hörsälen gerufen hat. Man muß wieder reinkommen, es nützt alles nichts. Wirb schon nicht so schwer werden. Dies und das haben wir dazu gelernt, sagen sie . . . Frisch genug fühlt sich auch Herbert wieder, an die Arbeit zu gehen, wird es nicht ein genießerisches Schaffen sein, sich in die Fragen des Rechts zu ver tiefen, von dessen Wegen die Menschhe.it abgeirrt war? — „Sie müssen doch jetzt bald fertig sein mit Ihrem Studium," meinte eines Tages der Pfarrer, den er auf einem Spaziergang traf. „Wenn es mir nachginge, Herr Pfarrer, würde ich mich noch länger in das Studium hineinarbeiten, das mit meinen Lieblingsideen zusammenhängt. Draußeni habe ich mir oft genug meine Gedanken gemacht, habe mich im schlaflosen Daliegen zwischen gefräßigen Ratten und halbverwesten Menschenkörpern gefragt, ob es irgend jemand gäbe, der noch ein mal in solche Höllen hineingehen möchte. Keiner, las ich jüngst, der die Erfahrungen des Krieges durchgemacht habe, möchte wohl nochmals dies erleben. So aber sprechen nicht nur erdenserne Träumer, die mit einem Schlage ewige, unwandelbare Ideale herbeizaubern möchten, ginge es auch auf Kosten unbegreiflicher Selbstverleugnungen. Rein, Herr Pfarrer, ich weiß, daß nüchtern denkende Männer, denen das, was man des Volkes, des Landes, der eigenen Ration Ehre und würde nennt, über alles geht, mit klarem verstände sinnen und sinnen, ob es kein Heilmittel, kein Gegengift gäbe gegen die Seuche, die die Menschheit vergiftet. viele haben es sich vorgenommen, Kämpfer des Friedens zu werben. Ich fürchte nur, es wirb ihnen schwer gemacht von allen Seiten her. wieviele werden es dann noch sein, die nicht niedergedrückt werden von sich entgegenstemmenden Gewalten? Unzählige, zuerst im eigenen Volk, und dann in allen Völkern zu einigen suchen und dem Haß, der Rachsucht, der Verächtlichmachung, der Unterdrückung in jedem Lande und gegen jedes andere Land, den Ruf entgegenschleudern, den unsere weisen auf die drei Grundsäulen der Welt eingemeiselt haben: Wahrheit — Recht — Frieden!- (Fortsetzung folgt.) maßen oft Naturerscheinungen größter und kontrastreichster Art bietet. In einer Stunde erreicht man mit dem Auto das Tote Meer von Jerusalem aus. Heute ist ein täglicher regelmäßiger Autobusverkehr auf der sehr gut angelegten Straße eingerichtet. Mau fährt auf modernster Straße im modernsten Autobus durch die gebirgige Wüste nana) (min', und man staunt, wie hier die Technik mit ihrem modernen Straßenbau die Natur bezwungen hat. In starken Kurven arbeitet sich der Weg durch die ineinandergreifenden Bergkegsl inrmer weiter abwärts, mitunter auch erst eine Bergspitze ersteigend, um dann um so steiler wieder abwärts zu führen. Geübte jüdische Chauffeure leiten die Autobusse auf dieser Straße, die nur selten an einer menschlichen Behausung vorbeiführt. Eines dieser wenigen Häuser mitten in der Wüste wird von einem Araber bewohnt, der eine kleine Schankwirtschast betreibt. Gewöhnlich machen die Autobusse dort eine kleine Station, und sowohl die Motorkühler als auch die Insassen des Wagens führen sich Erfrischung zu. Daß dieser Araber unbewußt Reklame für die hebräische Sprache macht, mutet merkwürdig an und liegt auch wohl nicht in dessen Absicht. Und doch schänkt er Getränke in Gläsern aus, die den Aufdruck Jv*ns “in 'ins besitzen. Wüßte er, was auf den Gläsern steht, ich glaube, er würde die ganzen Gläser zum Teufel werfen. Immerhin hat dieser Araber keinen Grund, auf die Juden böse zu sein, denn seitdem die Autobusse so viele jüdische Menschen an seiner Behausung vorbeiführen, macht er sicher kein schlechtes Geschäft. Vom arabischen Wirtshaus geht's nun weiter abwärts. Bevor man aus dem Gebirge heraustritt, weist eine Tafel am Wege mit der Aufschrift „Sea Lewel Lv'n nsr darauf hin, daß wir uns nun in der Höhe des Meeresspiegels befinden. Kurz darauf erblicken wir in einiger Entfernung unter uns liegend das tiefblaue. Tote Meer. Die Straße führt nun schnurgerade hinab zum nördlichen Ufer des Meeres, dessen Breitseite (Ost West) man vollkommen über die Strecke von etwa 12 Kilometern übersehen kann, dessen Längsseite dagegen, die sich über die Strecke von etwa 80 Kilometern erstreckt. nicht zu überschauen ist. — Ein herrlicher Anblick: das Meer, auf beiden Seiten von steinigen, zerklüfteten Bergen umsäumt, besonders schön, wenn sich bei Nacht der Vollmond in einer riesenhaften Silbsrflache auf dem Meere spiegelt. Das Meer selbst ist eins der größten Naturwunder. Es stellt eine hochprozentige, (26 Prozent) Salzlauge dar, die trotz des dauernden Zuflusses von süßem Jordanwasser in ihrer Zusammensetzung stets gleich bleibt. Man sucht sich dies so zu erklären, daß die gleiche Menge Wasser, welche zufließt, andererseits wieder verdunstet. Das spezifische Gewicht des Meerwassers ist infolge der großen Salzkonzentration derart hoch, daß bekanntlich auch Nichtschwimmer im Toten Meer mit Leichtigkeit schwimmen können; auf dem Rücken liegend wird man ohne Gefahr vom Wasser getragen. Natürlich können in dieser konzentrierten Salzlauge keine Lebewesen existieren, da die Lauge sämtliche Lebewesen abtötet; daher auch der Name „Totes Meer". Die Tatsache. daß hier auch Vögel leben, widerlegt die weitverbreitete Meinung, auch oberhalb und in der U# gebung des Toten Meeres könnten keine Lebewesen existieren. Während gewöhnliches Meerwasser im wesentlichen nur Kochsalz enthält, weist das Wasser des Toten Meeres neben Kochsalz einen hohen Gehalt an Kali-, Magnesium- und Bromsalzen auf, abgesehen von reichlichen Mengen von Bitumen (Asphalt), Stoffe, die für die chemische Industrie von größter Bedeutung sind. Als Düngemittel in der Landwirtschaft und als wichtiger Artikel der pharmazeutischen und Farbenindustrie (Brom) stellen also die im Meer enthaltenen Stoffe einen unermeßlichen Reichtum dar. Es kommt als wertvolle Eigenschaft hinzu, daß das Wasser des Toten Meeres infolge dieser Salze auf den menschlichen Körper von heilkräftigster Wirkung ist. Die Idee der Ausnützung all dieser günstigen Eigenschaften lag schon immer nahe, aber die fast unüberwindlich erscheinenden Schwierigkeiten ließen diese Idee bis vor Kurzem noch keine Wirklichkeit werden. Der Gedanke, hier am tiefsten Punkt der Erde, in der Wüste, wo im Sommer die höchsten Temperaturen rereicht werden, abseits von jeder menschlichen Siedlung, wo nur hier und da die nomadischen Fellachen ihre Zelte ausschlugen, durch keine Verkehrsmittel mit der übrigen Welt verbunden — also unter den denkbar ungünstigsten äußeren Verhältnissen — eine Industrie aufzubauen, schien säst utopisch. Und doch — nachdem die englische Konzession mit zäher Energie erkämpft worden war, und nachdem vor zwei Jahren daraufhin der Betrieb hier begonnen wurde, steht heute am Toten Meer eine Moderne Fabrik mit einre Belegschaft von zirka 500 Menschen. und in einigen Jahren wird hier unten ein» ganze Stadt entstanden sein mit Tausenden von Pionieren, die eine Industrie hingestellt haben werden, die sch in der ganzen Welt Geltung verschafft haben wird. Ist man doch mit einer derartigne Energie an dre Sach» herangegangen. d.aß bereits nach einem Jahr eine Menge produziert worden war, die nach den Konzessionsbedingungen in den ersten sieben Jahren hätte erreicht werden müssen. Es ist zwar eine englische Gesellschaft, die das Unternehmen leitet, aber jüdische Energie, jüdische Köpfe und jüdische Hände sind hier am Werk. Jüdische Ingenieure, jüdische Chemiker und jüdische Arbeiter bilden hier unten am Toten Meer eine große Gemeinschaft, von denen jeder einzelne stolz ist, seinen Teil zum Aufbau dieses grandiosen industriellen Werkes beizutragen. Zusammengskommen aus aller Herren Länder. fühlen sich alle zusammengehörig, und die gemeinsame Sprache läßt die letzten Unterschiede der örtlichen Abstammung vergessen. Man wohnt die Woche über hier unten unter den nicht gerade feudalen Verhältnissen, aber man weiß, auch in dieser Beziehung wird in absehbarer Zeit sich manches im Laufe der Entwicklung besser gestalten. Man macht es eben in '"n nicht so wie anderwärts, daß man erst alle äußeren Bedingungen schafft, alles vollkommen herrichtet und dann erst mit der Arbeit beginnt, sondern man fängt aus alle Fälle erst einmal an zu arbeiten, und parallel hiermit baut man allmählich auf. Immer wieder kommen moderne Maschinen an, inrmer wieder werden da und dort Verbesserungen . getroffen, und so werden sich auch allmählich dasäußere Leben, die Wohnverhältnisse, die Verpflegung usw. vollkommen gestalten. Ueber na» fährt der größte Teil der Belegschaft nach La'l>vii', und am Freitag Nachmittag kennen die Jerusalemer schon die lange Reihe von Autos, die, vollgepaSt mit Menschen, die Prophetenstraße hinauffahren. Die Fabrikanlage ist so ausgedehnt, und insbesondere die riesenhaften Verdunstungsbassins verteilen sich auf. kilometerweite Flächen. Von einer großen Pumpstation wird das Meerwasser aus einer gewissen Tiefe (wo die Salzkonzentration am größten ilt), in diese Bassins geleitet, wo durch die natürliche Sommery.ge das Wasser verdunstet und die Salze auskristallisieren. Von dort gelangen die Salze zur Reinigung und Verarbeitung aus bestimmte Produkte in die eigentliche Fabrik. Dauernd verlassen mit Säcken beladene Lastwagen die Fabrik. Die Ware geht über Jerusalem nach Jaffa, und von dort per Schiff an die entsprechenden Bestimmungsorte. Unweit vom Fabrikgelände — eine halbe Stunde Fußweg — ist am nordwestlichen Ufer des Salzmeeres ein kleiner Vade-Kur-Platz in der Entwicklung begriffen. Ein kleines modernes Hotel, ein Badehaus und ein paar sonstige kleine Bauten bilden den Grundstock zu diesem „Kallia" benannten Platz. Heute fahren schon täglich aus Jerusalem viele Menschen zum Baden nach „Kallia", und besonders zur Zeit des Vollmonds finden dort große Vergnügungs - Veranstaltungen statt, die von Tausenden von Menschen besucht werden. -— Cs ist anzunehmen, daß sich hier allmählich eine kleine Villenstadt entwickeln wird, wo die Leute besonders den Winter verbringen werden, da es einen eigentlichen Winter am Toden Meer überhaupt nicht gibt. Gefrierpunkttemperaturen kennt man hier nicht, und auch der Regenfall ist nur sehr gering. Mit dem Auto leicht erreichbar und vom Toten Meer aus deutlich sichtbar ist der nächste weiter nördlich liegende größere Ort Jericho. Das alte biblische Jericho hat jedoch an einer anderen Stelle, mehr westlich vom heutigen, im Gebirge gelegen. — Immerhin, die ganze Gegend ist historisch interessant. Dieses ]Tvn pay hatte doch bei der Eroberung des Landes insofern eine große Bedeutung, als das jüdische Volk hier zum ersten Male den Boden des Landes betrat. Hier ist es durch den Jordan gezogen, hier hat Josua die 12 Jardensteine errichtet, hier sind sie zur Belagerung Jerichos gezogm, hier fielen die mächtigen Mauern dieser Stadt durch ein Wunder nieder. Man wird von einem nicht minder ehrfürchtigen Schauer ergriffen, wenn man sich daran erinnert, daß es hier war, wo die Propheten und miteinander zum pv schritten, das jenseits des PT dann inPu auf dem Feuerwagen entschwand, daß dann — alles auf diesem Boden hier — trauernd zurückging, und in wt von den a'K'ajn 'Ja als Nachfolger des in'^rr empfangen wurde. Man wird in Erinnerung an all diese Ereignisse unserer Geschichte von tiefer Sehnsucht ergriffen nach der Zeit, wo — wie damals — dieses Stück Land mit allen anderen Tellen Erez Jisroels unmittelbar von der g'ttlichen war betreut fein wird, wo unser Hinstreben zum Lande der Väter und unsere Arbeit für das Land der Väter ihre Krönung und ihren Lohn in der mw nbiKJ, int nrai? ’i^'a finden werden. -nin ja wvn ay -uPrr rrn mnaa K’ajn inpx Irgendwo in Süddeukfchland. Ein strahlend schöner Tag, gegeben von Oben, ein wahrhaftes Geschenk in der Enge und Gedrücktheit unserer Tage. Das ganze Dorf m lebhafter, frsudigbswsgter Erregung. Das Rathaus geschmückt mit den Fahnen des neuen Reiches. Immer mehr Leute strömen herbei und mitten und zwischendurch Männer in feierlichem Schwarz mit Zylinder, feiertäglich gekleidete Frauen. Es flutet' aneinander vorbei. Sie stören einander nicht — aber sie beadjten sich auch nicht, llnsichtbarse Seidewände trennen. Die Einen streben dem Rathaus zu, wo unbeteiligt durch die anderen . der neue. Bürgermeister gekürt wird, der dann später unter Musik im

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