Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1933)
- Date
- 1933-09-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Seite 8 Nr. 37 _ Boykott ferne steht. — Wenn morgen die Presse Mitteilen wird, daß die Resolutionen einstimmig angenommen wurden, dann muß dje jüdischö Welt wissen, daß die meisten Delegierten von Polen, Oberrabbiner Sacerdoti nebst den-übrigen italienischen Delegierten, Oberrabbiner Prato von Alexandrien, so wie eine weitere Anzahl Delegierter vorher Genf verlassen hat. Auf dies? Art ist der „einstimmige" Beschluß zustande gekommen! Endgültig muß nunmehr die gesamte jüdische Welt davon überzeugt sein, daß die Redner von Genf nicht im Namen des jüdischen Volkes und auch nicht im Namen des jüdischen Gewissens, wie Leo Motzkin meinte, ihre Ideen, nur unterstützt durch einen gut funktionierenden Presseapparat, in die Welt hinauszuposaunen und das jüdische Volk in unverantwortlicher Weise diskreditieren. Trotz. aller Negierungsversuche der Veranstalter der Genfer „Weltkonferenz" wird dis von wirklich allen großen jüdischen Weltorganisationen beschickte Londoner ökonomische Hilfst onferenz im Oktober ds. Js. das Sprachrohr des jüdischen Volkes sein und wird das jüdische Volk sich nach den dort gefaßten Beschlüssen seine Meinung bilden. Die Londoner Konferenz will durch die Zusammenarbeit aller jüdischer Weltorganisationen die Hilfsarbeit für die deutschen Juden auf breitester Basis aufnehmen und es ist zu erwarten, daß sie beschließen wird, aus dem Kreise aller Organisationen ein ständiges Organ zu schaffen, das innerhalb gewisser Zeitabstände Zusammentritt, um sich mit allen jüdischen Hilfsmaßnahmen, seien sie wirtschaftlicher oder politischer Natur, zu befassen. PalSstiaa. Brief aus Palästina. Jerusalem, 1. Sept. Im S ch l a ch t h o f e für Kleinvieh kam es zu ernstlichen Unruhen. Es ist dort üblich, daß die arabischen Viehhändler und Metzger ihr Vieh von jüdischen Schächtern schachten lassen, um es dann an die jüdischen Metzger zu verkaufen. Auch die Mohammedaner legen Wert aus geschachtetes Fleisch, ohne von der npma etwas zu wissen. Ergibt es sich, daß der Schochet ein geschachtetes Tier nach Untersuchung der Lunge als trefa erklärt, so setzt es zumeist Streitigkeiten mit dem arabischen Eigentümer ab, der sich geschädigt fühlt. Am letzten Donnerstag überfielen die Araber bei solchem Anlaß einen Schochet und mißhandelten ihn schwer. Die Schächter erklärten sich solidarisch, zunächst bei den Arabern keine Schlichtungen mehr vorzunehinen. Die W a s s e r n o t in' der Altstadt Jerusalems macht sich wieder drückend bemerkbar. Die großen Zisternen vor der Omarmoschee, aus denen sonst die ganze Altstadt, ohne Unterschied der Religion, mit Wasser versorgt wird, sind so gut wie ausgetrocknet, und die letzten Neste werden nur noch für die Moscheebesucher gebraucht. In den ersten Wochen des Elul haben 4500 MkNschkll allein unter Benutzung der Automobile das R a h e l -- grab besucht, um dort nach alter Tradition zu beten. Wie viele außerdem zu Fuß und mit anderen Verkehrsmitteln kamen, läßt sich nicht abschötzen. Eine Delegation, zusammengesetzt von den Rabbinern Kuk, Ahronsohn und Usiel, sowie den Herren Bürgermeister Dizengoss und Ben Zwi waren beim Hochkommissar vorstellig, daß den Stadtverwaltungen in den jüdischen Ansiedelungen das Recht übertragen werde. mit einem O r t 5 ft a t u t ö i e Sabbatruhe z u sichern und die Geschäftszeit an Wochentagen zu regeln. Der Hochkommissar hörte den Bericht mit Interesse an und versprach gründliche Prüfung der Angelegenheit. In P e t a ch T i k w a h begann die Orangenernte, die viele arbeitende Hände beschäftigt. Insbesondere werden für diese Arbeit Frauen und Mädchen angestellt. Auch auf dem E s r o g i m - M a r k t ist es sehr lebhaft geworden. Die Erntp ist so gut wie noch nie und ist von den Händlern schon so gut wie ganz angekauft. Auch die Preise sind höher als im vorigen Jahre. Weniger befriedigend ist die Trauben- und Mandelernte, da die Weinberge unter der Trockenheit gelitten haben. Auch die Bautätigkeit hat nach kleiner Pause wieder von Neuem eingesetzt. Die Bauplätze sind im Preise gestiegen. Viele Maurer und Bauarbeiter, aber auch ungelernte Arbeiter, finden Beschäftigung. Zur Landung m Palästina nicht zugelassen. Jerusalem, 11. Sept. 51 Juden aus der Tschechoslowakei wurde die Landung in den Häfen Jaffa und Haifa nicht g e st a t - tet. Die Behörden erklärendste hätten Grund zur Annahme, daß die Reisenden, die -im Besitze von Touristenvisen waren, entgegen den EiuwMderUNgSbestlMMUNgen, sich dauernd IM Lande niederlassen wollten. In Chedera ist es zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Mitgliedern der Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation „Histadruih Haowdim" und Revisionisten gekommen, bei dem fünf Personen verletzt wurden. Unter den Verletzten befindet sich auch der vor kurzem nach Palästina gekommene Schriftleiter der in Wien erscheinenden revisionistischen Zeitung „Der Judenstaat" Dr. Glicker, ein Mädchen wurde gleichfalls schwer verletzt. In der Kolonie herrscht noch immer eine gespannte Lage und hie und da kommt es zu vereinzelten Angriffen politischer Gegner aufeinander. Im allgemeinen jedoch beherrscht die Polizei die Lage. (ITA.) Amerika. rNässenadoption jüdischer Rinder aus Deutschland durch amerikanische Juden geplant. Newyork, 4. Sept. Auf der letzten Beratung des American Jewish Congretz wurde auf Antrag von Dr. S. M a r g o s h e § eine Resolution gefaßt, in der an die jüdischen Familien Amerikas der Appell gerichtet wird, 20 000 jüdische Kinder aus Deutschland zu adoptieren. Gleichzeitig wurde die Leitung des American Jewish Congreh beauftragt, die nötigen Schritte bei der amerikanischen Regierung zu unternehmen, um die Bewilligung zur Einreise dieser Kinder zu erwirken. In Begründung seines Antrags wies Drs Margoshes darauf hin, daß es in den Vereinigten Staaten 750.000 jüdische Familien gebe, so daß die Adoption von 20.000 Kindern kein unlösbares Problem darstellen könne. Zigarren Wolf Zeil Tel. Hansa 2793F Personalien. Hamburg, 11. Sept. In körperlicher und geistiger Frische begeht am 5. Tischri der langjährige Lehrer der hiesigen Talmud Thora-Schule, Herr Js. K a tz e n st e i n, einen 8 0. Geburtstag. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat der Genannte in vorbildlicher Treue und Hingebung das ihm anvertraute Amt der Jugenderziehung bis zu seiner vor zehn Jahren erfolgten Pensionierung versehen. Selber freudig und eifrig aus dem -nioersieobaren Wkffensborn unserer heiligen Lehre chöpfend und seinen Zöglingen in Wahrung seiner elterlichen Traditionen ein nachahmenswertes Vorbild jüdischer Pflichterfüllung, war er stets ein echt jüdischer Lehrer, der sich seiner großen Verantwortung bewußt blieb und seinen Zöglingen nicht nur reiches Wissen vermittelte, sondern vor allem auch in ihre Herzen Liebe und Begeisterung für unser heiliges Erbgut hineinpflanzte. Von seinen Schülern verehrt, genoß er auch hohes Ansehen im Kreise seiner Kollegen, für deren Interessen er sich mit seiner ganzen Persönlichkeit alb langjähriges Mitglied des Schulvorstandes einsetzte. Sein edler lauterer Charakter und sein wahrhafter, rechtlicher Sinn ließen ihn als eine Zierde seines Standes erscheinen, io daß man auf ihn und auf seine Lebensgestaltung das Wort anwenden möchte: „Eine prächtige Krone ist Silberhaar, trair n?ns auf dem Wege der Gerechtigkeit wird sie gefunden." War er berufen, nim zu lehren und zu leben, so übte er an den heiligen Festtagen ehrenamtlich in seinem Kreise das Amt des mar t? dank seiner ihm verliehenen klangvollen Stimme besonders weihevoll aus, und auch der dritte Pfeiler llNseres Judentums wurde von Ihm in Treue gehegt und gepflegt. Davon zeugte allezeit fein Haus, in dem er an der Seite einer echten nw», der würdigen Tochter eines nv» *:n» vielen durch Rat und Tat den Weg zu ebnen suchte. Möge des Herrn Gnade noch lange Herrn Katzenstein leuchten und an ihm sich weiter erfüllen: 'wi mm mm jms- 14. September 1933 vermischtes. Zürich, 11. Sept. Die Palästina-Zentrale der Aguüas Jisroel in der Schweiz teilt mit, daß deren Leiter, Herr Abr. Heifelbeck, Zürich sich nach Erez Jisroel begibt. Adresse: Dr. med. Naftali Heiselbeck, Jerusalem. Wien, 10. Aug. Dem Wiener Schomre Schabbos ist es bereits seit längerer Zeit gelungen, bei.der Aspangbahn die Herausgabe einer 50 Proz. Weekenükarte bereits von Freitag an, durchzusetzen. Um bei halber Gebühr hin- und retourzufahren, muß man bei anderen Bahnen erst Samstag wegfahrey. Der gleiche Verein versendet an alle Kuktusgemeindemitglieder ein Mitteilungsblatt. Familieanachrichken. Geburten : Eine Tochter, Dr. I. Grünfeld u. Frau Dr Judith Grünfeld-Rosenbaum, z. Zt. Straßburg, 6 Rue Jaques Kable, 6. Sept. — 15. Elul. Barmizwoh: Manfred, Sohn der Wwe. Rosa Lenschitzki geb. Därmann, Halberstadt, Heinr. Iuliusstr. 5, 16. 9. 33. — Hermann, Sohn des Oberlehrers H. Schloß, Hamburg, Brahmsallee 23, naiv nav. — Siegfried, Sohn des Herrn Jakob Farntrog, Regensburg. Briefkasten. I. i« K. M. 10.— für Aufruf eingegangen. — Abonnement bis 1. 12. 33. bezahlt. M. S. in <$>. Der 14. November 1843 fiel auf den 21. Theschwan. S. in <3. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß zur Zeit das palästinensische und ägyptische Pfund nicht mehr 10 o/o höher als das englische Lst. bewertet wird. Für, das ägyptische Lst.' wird 3°/o mehr bezahlt. Das palästinensische steht gleich mit dem engllischen PfUNd, »ur muß man bei der Umwechslung von englischen Pfunden in palästinensische in Palästina einen halben Piaster pro Pfund Wechselgebühr bezahlen. L. II. Wir nehmen und geben gern zur Kenntnis, daß die Anfangsworte der Sidra mm von den Zahlenwert von 694 vsin ergeben. Möge es auch ein ’JSfr .'ii fein. Glückwunsch- Inserate für nstpn Größe 2 Mark4.S0 Größe 3 Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte einsenden. Texte, die bis zum 16. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-Ha.schono- Nummer, später eintreffende in der darauffolgenden veröffentlicht. Frankfurt a. M. Die Anzeigen-Verwaltung des Israelit Sammelinserat Ablösung für Erez Iisroel. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel abzulösen und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 1.50 Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammeli n f e r a t beifügen. \