Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1933-09-14 · Heft 37 (14.9.1933) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 37 (14.9.1933)
Date
1933-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450756-2450792--79868-2537665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

14. September 1933 Der 3 s i a e 1, i t Nr. 37 Seite 7 liche Entschluhfreiheit unzulässig zu beschränken, mit Ent schiedenheit entgegentreten, und sichert ihnen seine Unterstützung zu. Der zweite Erlaß an die Generalstaatsanwälte bei den bayrischen Oberlandesgerichten will die Rechtsanwälte und ihren Berufvor ungesetzlich e n E i n g r i f f e n schützen. Er betont, daß in gleicher Weise auch der n i ch t a r i s ch e Anwalt, dessen Zulassung ausrechterhalten worden ist, schon im Interesse der Rechtssicherheit und der arischen Anwaltsangestellten den Schutz des Staates für eine ungestörte Ausübung des Berufes beanspruchen könne. Die Generalstaatsanwälte werden daher angewiesen, ein besonderes Augenmerk darauf zu lenken, daß der Anwalt in der Ausübung seines Berufes weder gehindert, bedroht oder sonst be e i n f In ß t, noch wegen pflichtgemäßer Berufshandlungen von irgendeiner- Seite zur Verantwortung gezogen werde. Uebergriffe dieser Art, woher sie auch kommen mögen, sollen rücksichtslos und unnachsichtig verfolgt werden. vom Lsra. K ö l n, 11. Sept Bon der Vundesleitung des Esra wird uns geschrieben: In einem am 4. September ds. Js. an die Esragruppen versandten Rundschreiben hat die Bundesleitung des Esra davon Mitteilung gemacht, daß diejenigen Gruppen, die mit dem Misrachi in irgend welcher organisatorischer Verbindung standen, aus dem Bunde ausgeschieden sind. Es sind dies die Gruppen: Berlin 3 Düsseldorf, Köln und Würzburg. Auf dem im Dezember.1932 stattgehabten Delegiertentag in Fulda hat es sich gezeigt, daß zwischen diesen Gruppen und dem anderen Teil des Bundes außer den politischen Unterschieden noch so bedeutsame weltanschauliche und religiöse Gegensätze bestanden, daß sie in einem so intimen Verband, wie es ein Iugendbund darftellt, nicht nebeneinander arbeiten konnten. Zugleich kam es in Fulda zum Ausdruck, daß der verbliebene Teil des Bundes sich in so großem Gegensatz zu Strömungen wie sie im Misrachi zum Ausdruck kommen, befindet, daß man sich zu einer scharfen Abgrenzung gegenüber dieser Organisation entschließen mußte. Dennoch sind sich beide Teile des Bundes dessen bewußt, daß sie in jüdischer und menschlicher -Beziehung so viel verbindet, daß die Hoffnung besteht, daß in manchen Punkten gemeinsame Arbeit weiterhin möglich sein wird. Zugleich wurde in dem Rundschreiben der Erkenntnis Ausdruck verliehen, daß der Esra in seiner weltanschaulichen Richtung der Agudas Jisroel nahe steht. Es ist zu hoffen, daß das gute Einvernehmen zwischen Esra und AIJO. durch diese Erkenntnis gefördert wird. Alle bisherigen Veröffentlichungen über diesen Schritt des Esra gingen nicht von der Bundesleitung selbst aus. sondern von ihr nahestehender Seite. Die Differenzen zwischen der Stellung der Bundesleitung und diesen Veröffentlichungen sind aber geringfügig. Schweiz. Die jüdische Konferenz. Genf, 12. Sept. Im Laufe der gestrigen Nacht reiste der italienische Oberrabbiner Sacerdota, der sich am schärfsten gegen die sogenannte Voykottentschließung wandte, von Genf ab. In der heutigen Schlußsitzung wurden darauf die drei Entschließungsentwürse ohne namentliche Abstimmung, aber auch ohn^ Widerspruch angenommen. Die erste dieser Entschließungen stellt fest, daß die Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung in in Deutschland gegen die deutschen Juden von der Weltjudenheit „instinktiv und spontan mit der Waffe des moralischen und ökonomischen Boykotts" beantwortet worden feien, und spricht die Erwartung aus, daß alle Juden sich auch weiterhin dieser Waffe bedienen und daß sie auch von Nichtjuden in diesem Kampf gegen Deutschland unterstützt werden. Allgemein fiel auf, daß diese Entschließung keinen „organisierten Boykott" — im Gegensatz zu den Forderungen der Judenheit in verschiedenen Ländern — feststellt. Darin dürste eine Abschwächung der ursprünglichen Fassung zu erblicken sein, die auf den Widerstand mehrerer Mitglieder der Konferenz selbst gegen die erste Fassung zurückzusühren ist. Die Woche. Berlin. Die „Kreuz-Zeitung" meldet: Die bisher gewährten Schulgeldermäßigungen an den städtischen Lehranstalten laufen mit dem 30. September ab. Vom 1. Oktober ab dürfen Schülern und Schülerinnen jüdischer Abstammung Schulgeldermäßigungen auf Grund der Einkommensteuerstaffelung nicht mehr gewährt werden. Geschwisterermäßigungen werden dagegen auch weiterhin den jüdischen Schulkindern bewilligt. — Die deutschen Meisterschaften des M a r k a b i - V e r b a n - des, die am 10. September auf dem Sportplatz der jüdischen Gemeinde hätten stattfinden sollen, wurden von der Polizei verboten. — Die parteilose Vereinigung zur Vorbereitung eines verfassungsmäßigen völkischen Volksentscheids über die Lösung der Jude n f r a g e hat sich auf g elöst. Der Entschluß wird damit begründet, daß der gedachte Volksentscheid nunmehr unnötig sei, da die Regierung das, was möglich ist, ihrerseits selbständig zu veranlassen in der Lage sei. Stuttgart. Den jüdischen Abonnenten der L a n d e s t h e a t e r in Stuttgart wurde schriftlich mitgeteilt, daß sie von einem ferneren Besuch der Theater a b s e h e n möchten. Zur Errichtung der Theater wurden einst beträchtliche Spenden von Juden angenommen. Leipzig. Am 8 .September ist in Gautzsch bei Leipzig der bekannte Gründer des „Hammerbundes" und des „Hammerverlages" Theodor Fritsch, einer der Vorkämpfer des Antisemitismus in Deutschland, im Alter von 80 Jahren gestorben. Der von Fritsch gegründete Hammerverlag hat eine große Zahl antisemitischer Schriften, u, a. auch „Die Protokolle der Weisen von Zion" herausgegeben. — Der Reichsstatthalter in Sachsen hat auf Vorschlag des Ministeriums für Volksbildung auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums neuerdings sechs Entlassungen an der Universität verfügt. Mannheim. Der Theaterausschuß hat beschlossen, nicht arischen Presseberichterstattern den freien Eintritt in das Nationaltheater nicht mehr zu gestatten. Men. Auf Anregung der bekannten christlichen Borkämpferin gegen den Antitifemitismus, Frau Therese H a r r a n d , wurden die Vorbereitungsarbeiten zur Einberufung eines Weltkongresses gegen Rassenhaß in Angriff genommen. Der Kongreß, zu dem Delegationen aus allen Ländern eingeladen werden, soll bereits im Herbst ds. Js. zusammentreten. — Anläßlich des in Wien stattfindenden Deutschen Katholikentages wurde im Hause der Franziskaner Patres bas „Heilige Ä a n d - M u s e u m " eröffnet, das, wie in der Eröffnungsansprache betont wurde, bestimmt sein soll, die Liebe zum Heiligen Lande zu wecken und zu vergrößern. Das Museum enthält u. a. auch eine große Zahl jüdisch-palästinensischer Altertümer, darunter antike jüdische Gebetbücher. Genf. Der bekannte französische Parfümerie-Fabrikant und Zeitungsherausgeber Francois C o t y , in üessen Blättern seit Jahren eine intensive judenfeindliche Propaganda getrieben wird, hat an die Jüdische Gemeinde Genf ein aufsehenerregendes Telegramm gerichtet, in dem er erklärt, daß er sich vom Antisemitismus lossage. Coty verlangt, daß sein Telegramm von der Tribüne der jüdischen Weltkonferenz verlesen werde. Budapest. Der kgl. ungarische Ministerpräsident und Kriegsmimster Julius von G ö m b ö s hat eine Verordnung erlassen, durch die ein weitgehender religiöser Schutz für jüdische Soldaten des ungarischen Heeres gewährleistet wird. Zwecks Erleichterung der rituellen Verköstigung wird den jüdischen Soldaten das Menagegeld bar ansgezahlt. Die jüdischen Soldaten werden an den jüdischen Feiertagen vom Dienste befreit, außerdem wird gewissen Kategorien auch an Sabbattagen die Dienstfreiheit gewährt. London. Lady Erleigh, die Schwiegertochter Lord Readings und Schwester Lord Melchetts, ist, wie dieser, zum Judentum ü b e r getreten. Lady Erleigh wurde im Kloster erzogen, ihre Trauung mit Viscount Erleigh fand in der Kirche statt, obwohl dieser niemals aus» dem Judentum ausgetreten war. Jerusalem. In Jerusalem ist im Alter von 51 Jahren der bekannte Pädagoge und Gelehrte Dr. Abraham Z e f r o n i gestorben. Die sogenannte Genfer „weltkonserenz". (Von unserem Sonderkorrespondenten.) Genf, 9. Sept. „Noch fehlen im Gremium dieser Konferenz die Vertreter der großen jüdischen Organisationen wie Board of 2 eputies , Consistoire, Agudas Jisroel und andere." Mit diesen Worten hat Dr. Nachum Goldmann in seinem Referate über den „Jüdischen Weltkongreß" diese „Weltkonferenz" trefflich charakterisiert. Sie ist und bleibt das P r i o atu n t-e r n eh m e n einiger mehr oder weniger bekannten jüdischen Männer. Das offizielle repräsentative Weltjudentum steht der ganzen Angelegenheit vollständig fern. Seit mehr wie einem Jahre hat die Exekutive zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses eine enorme Propaganda für ihre Idee entfaltet. Es zeugt von hohem Verantwortungsbewußtfein, daß die großen repräsentativen jüdischen Weltorganisationen trotz der Lage der deutschen Juden, oder vielleicht erst deswegen, der ganzen Veranstaltung fern geblieben sind. Die erste der Presse übergebene Mitteilung sprach von rund 100 Delegierten, aus allen Ländern der Welt. Die offizielle Präsenzliste nennt aber nur die Namen von 54 Personen. Unter Berücksichtigung der Exekutive und der unter Vorbehalt Teilnehmeni den bleiben rund 40 Personen, die mit Mandaten ider Konferenz beiwohnen. Beachtet man ferner, daß das I„Vereinigte polnische Komitee zur Abwehr der üeut- ' sehen Verfolgungen" 10 und das „Französische Komitee für den Weltkongreß" 12 Herren und Damen entsandte, dann kommt man auf rund 18 Delegierte für die g e s a in t e übrige jüdische Welt! Amerika ist nur durch Dr. S. Wiso, den Initiator dieser „Weltkonferenz" vertreten. Präsident M. Davis und N. Fischer werteten die Federation of Synagogues in London. Mit Ausnahme der polnischen Delegation kann auch nicht ein einziger der Delegierten das Recht für sich in Anspruch nehmen i in Namen der jüdischen Bevölkerung seines' Heimatlandes zu sprechen. Ueberhaupt nicht vertreten waren die folgenden Länder: Holland, Schweden, Norwegen, Finnland. Litauen, Estland, Oesterreich, Ungarn, die Türkei. Erez Jisroel war durch einen Abgesandten des Waad Leumi, Amerika, wie schon gesagt, nur durch Dr. S. Wise vertreten, Südafrika durch einen privaten Beobachter. Das war die Repräsentanz des überseeischen Judentums! Weltkonserenz!! Die Konferenz wird morgen geschlossen werden und es ist zweifellos, daß die Einberufung des „Jüdischen Weltkongresses" für das Frühjahr 1934 und ein Boykott gegenüber Deutschland in irgend einer Form beschlossen wird. Eine Diskussion über die Zweckmäßigkeit der Einberufung des „Jüdischen Weltkongresses" wurde seitens Dr. Goldmanys, aus Grund des letztjährigen Genfer Beschlusses nicht zugel ass e n. Als ob nicht neue Momente hinzugekommen sind, die zu abermaliger Erwägung berechtigt hätten! „Ist der Weltkongreß einmal beschlossen, so hoffe ich und bin ich überzeugt, daß die meisten jetzt noch abseits stehenden Organisationen sich uns anschließen." Dies die Meinung Dr. Golümanns, die wohl niemand teilen wird. Großartige rhetorische Leistungen vollbrachte Dr. S. Wise. Sieht man seine Gesten und hört man seine Worte, drängt sich der Vergleich mit anderen heute sehr bekannten demagogischen Volksrednern auf. Sein Ruf nach dem offiziellen jüdischen Weltboykott gegenüber Deutschland beruht mehr auf Gefühlsmomenten denn auf politischer Ueberlegung. Seine religiöse Pietät vrranlaßte ihn immerhin in seinem gestern Abend gehaltenen Referat, sich bei der Agudas Jisroel zu e n t s ch u l d i g e n, daß er in über 100 Kirchen in Amerika gepredigt hat! Als Abgesandte des „vereinigten polnischen Komitees" nehmen an der Konferenz auch die Herren Gemeindepräsident Mazur und Stadtrat Eckermann teil. In einer der Presse übergebenen Erklärung teilen dieselben mit, daß sie an der Beratung bezüglich Einberufung des Kongresses keinen Anteil nehmen. Wie zersplittert die Meinungen unter den wenigen Teilnehmern der Konferenz bezüglich der Boykottfrage ist, beleuchtet die nunmehr zwei Tage andauernden Beratungen in der politischen Kommission. Diese Meinungsverschiedenheiten kamen heute in der Generaldebatte kraß zum Ausdruck, indem Dr. Nurock, als Exekutivmitglied, seine warnende Stimme erhob. Obervabbiner Dr. Sacerdoti hat der Presse mitgeteilt, daß das italienische Judentum dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.