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Der Israelit · 1933-09-14 · Heft 37 (14.9.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 37 (14.9.1933)
Date
1933-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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14. September 1933 D tz r Israelit Nr. 37 Seite 5 Zeilen des Oberrabbiners ßrt die Gemeinde der heiligen Stadt folgen Begrüßungsattikel von den führenden Männern .im gesetzestreuen Judentum des heiligen Landes und in der Gola. Mißbrauch religiöser Formen zu politischen Zwecken. 'Aus. Notizen amerikanischer und neuerdings auch polnischer Blätter scheint hervorzugehen, daß die kurzsichtigen Organisatoren des Boykotts gegen deutsche Waren nunmehr auf die Idee gekommen sind, die religiöse Institution des Cherem (Bannes) in den Dienst ihrer Bestrebungen stellen zu wollen. Die ITA. meldet aus Rewyork, das; einer der verschiedenen Rabbinerverbände in den vereinigten Staaten und Kanada (es gibt deren mehrere), einen feierlichen Bann verkündet habe gegen diejenigen Juden, die mit Deutschland Handel treiben. Wir würden auf diesen echt amerikanischen Bluff nicht den geringsten Wert legen, wenn nicht jetzt auch Versuche unternommen werden würden, die polnischen Rabbinen zu einem ähnlichen Vorgehen zu veranlassen. Zwar sind wir uns darüber klar, das; die polnischen Juden, insbesondere das „vereinigte Komitee zur Hilfeleistung für die deutschen Juden in Warschau" fortgesetzt einem äußerst starken Druck nach der Richtung unterliegt, die handelspolitischen Interessen Polens, die man leider immer noch als im Gegensatz zu den deutschen befindlich betrachtet, durch Unterstützung und Verschärfung der Boykottbestrebungcn zu fördern, und wir können uns denken, daß man einen ähnlichen Druck von innen und außen auch auf die Rabbinen ausübt. Um so mehr fühlen wir uns verpflichtet, u n se r e warnende S t i m m e dagegen zu erheben, daß d i e p o l n i s ch e n Rabbinen sich zu einem so schnöden Mißbrauch relig iö f c r Jo r m cn im Dienste offen zutage liegender politischer Bestrebungen m i ß b r a u ch e n lassen. Auch das ehrlichste Mitgefühl mit dem traurigen Schicksal der deutschen Inden, das wir durchaus würdigen, bietet für einen solchen Mißbrauch keinen Cntschuldigungsgrund. Sollte der versuch dennoch unternommen werden, so erwarten wir, das; einsichtige führende r a b b i;;; s ch e P e r s ö n!; ch k e; t c n , die in der jüdischen Welt ernst genommen werden, ihre Stimme gegen dieses verantwortungslose und nur als Abenteurerpolitik zu kennzeichnende! ^Vorgehen erheben. Ernste Stimmen zur deutschen Judenfrage. ll. Schluß aus Richard Venz „Geist und Reich". EugenDiederichs Verla g i n Jena. „Lei dem einst vorwiegend geistig bestimmten Schicksal des Deutschen, bei einer Ueberliefcrung so hoher Art, die fast ausschließlich auch von stammesmäßig. deutschen Menschen getragen war, muß die Entwicklung im neuen Kaiserreich nicht anders anmuten als die Situation int alten Roni, wo ein selbst nicht kulturschöpferisches Volk durch bezahle griechische oder orientalische Sklaven sich mit Kunst und Geist versorgen ließ: eine auf nichts als Macht und Gewinn bedachte „Herren"-Ration überläßt den Betrieb des Geistes einer verachteten Rasse und Klasse, die man sich zur Unterhaltung und Zerstreuung, zur Entspannung vom „eigentlichen" Lebensernst „hält". Wenn im vorbismarckschcn Deutschland eine jüdische Geistesherrschaft nicht bestand, so war es einfach, weil die stärksten und edelsten Kräfte der Ration dieses j Geistige selber wahrnahmen und repräsentierten — . unter der Fülle von Genies in Dichtung, Philosophie, Musik vom 18. zum 19. Jahrhundert finden sich verschwindend wenige Geister jüdischer Abkunft: der Philosoph Mendelssohn, der Musiker Mendelssohn und der Dichter Heine; und man 'wird, im letzten Falle vielleicht schon mit Einschränkung, dabei sagen müssen, daß die Kraft nationaler Geistesäußerung so gewaltig war, daß sie auch dem raffemäßig Fremden ihren Stempel aufdrückte und in keiner Weise durch dasselbe Zersetzung und Niedergang erlitt. Erst als dieser Geist in seiner Kraft sich verlagert, als Geist in Sprache, Literatur, Musik vom Deutschen selber nicht mehr ernst genommen wird; als die Fülle der schaffenden Potenz plötzlich in Typen erscheint, die es in dieser Macht und Menge vorher nie gab: im Erfinder, Ingenieur, Industriekapitän; als gesellschaftlich dieser und der Jurist und Offizier das Angesicht der Ration bestimmt — erst da erleben wir den Einbruch eines wirklich fremden Geistes in Kunst und Literatur. Und hier nun liegt der Ursprung der Raffetheorie: der noch geistige Deutsche, der um sich sah, erkannte, daß er sich gerade in dem, was bisher grundlegend für deutsches geistiges Gemeingefühl war, in der Sprache und allem, was aus ihrem Gestaltungsgesetz entspringt, nicht Alien mehr im nationalen Sinne verbunden fühlen konnte. Er spürte im G e - brauch dieser Sprache, in Presse und Literatur und bis in die Seelensprache deutscher Musik, etwas Fremdes, für das die Sprache selber keine Erklärung mehr gab. Andrerseits war, was Deutsche in Beruf und 2lrdeit einte, nichts irgend von der Sprache aus geistig Bestimmtes mehr: sondern diesprachlose Kunst der Technik, deren geistige Erfinduugstriebkraft etwas Internationales oder Uebernationales war, gleichwie ihre Methoden und ihr Material. So mußte es denn, so schloß man, in beiden Fällen etwas anderes sein als Fichtes Volkstum ursprünglicher Sprache, was Deutsche untereinander verband — man begann in Blut unb Raffe sowohl ein verbindendes wie Unterscheidendes zu suchen, und legitimierte mit dieser Theorie sowohl das materielle nationale Streben in Technik, Wirtschaft, Politik, wie man andrerseits feinen instinktiven Widerwillen und Widerstand gegen jüdischen Einfluß auf materiellem wie geistigem Gebiet damit motivierte. Wir können uns hier nicht mit der selbstverständlichen Betrachtung aufhalten, wie ungerecht und oberflächlich jede Verallgemeinerung ist, die einige auffallende Merkmale der geistigen Begabung, Gesinnung, Haltung durchweg einer „Raffe" als solcher zuschreibt und keinerlei Ausnahmen erkennt und anerkennt, und wie bedenklich und unwahrscheinlich eine solche prinzipielle Ausnahme in dem besonderen Falte erscheint, da die 'Angehörigen dieser Raffe seit Jahrhunderten den Einflüssen von Klima, Landschaft, Sprache, Geist und Kunst eines andern Volkes ausgesetzt waren, und mindestens für eine Anzahl von ihnen — ganz abgesehen davon, daß sie sich mit nordischem Blut vermischten — Wille und Fähigkeit vorausgesetzt werden muß, in der. Kultur ihres „Wirts"-Volkes auf- und unterzugehen. Cs ist bequem, über Raffe zu philosophiereu, wenn man es in seiner Eigenschaft als Angehöriger der „höheren" Raffe tut — alles charaktermäßig Edle und Anständige, alles leistungsfähig Große und Bedeutende ist eben dann bei der eigenen Raffe; alles Schlechte, Niedrige, Unfähige, Böse bei der fremden; und es ergibt sich eine Gefchichtsklitterung in den; schlichten Farbgegensatz von Schwarz und Weiß, die jedes Rachdenkens, jeder eigenen Leistung überbebt und allerdings den einfachsten Gemütern unschwer beizu-bringen ist. Schon bei Ebamberlain — so hoch er geistig über seinen heutigen Rachfolgern und Vollendern steht — herrscht diese fatale Reigung, alles, was ihm persönlich lieb ist oder imponiert, auch in den fremdesten Kulturen als „germanisch" zu reklamieren. Zu welchen phantastischen Widersprüchen jede Raffelehre führt, zeigt gerade die Frage der geistigschöpferischen Leistung. Hier geht die Dialektik von Blut und Geist weit über das jüdische Problem hinaus. Denn daß man dem als fremdraffig empfundenen Judentum die Möglichkeit einer deutschen geistigkünstlerischen Leistung schon tbeorctisch abspricbt, wäre immerhin verständlich; wenngleich eine solche vorgefaßte Meinung nicht in Betracht zieht, wie nahe es liegt und wie wahrscheinlich cs ist, daß Genien fremderen Bluts das vom Deutschen selbst verlassene und verachtete Sprach- und Geistclement als einen Welt-wert in Besitz und Hut nehmen und schöpferisch gestalten. Aber man konstruiert ja auch innerhalb des rein deutschen Volkstums den „ostifchen" oder alpinen Menschen, der Südweftdeutschland, die Schweiz und Gebiete des Ostens bewohnt, als blut- und artverschieöen vom „nordischen" Menschen, als seinen charakterlichen und geistigen Gegensatz, als eine in allem schlechthin minderwertige. Art, deren Existenz und Ausbreitung in Deutschland zum dcsten „unerwünscht" sei. Man zeigt uns Beethovens Antlitz als den verwerflichen Typus dieses ostifchen Menschen; und beweist uns dainit zwar die unendliche rassische Zusammengesetztheit des deutschen Volkes: mutet uns aber gleichzeitig zu, zugunsten der Raffotbcoric auf unsre höchsten geistigen Güter zu verzichten. So bricht der physische Blutwahn in die heiligsten Bezirke des Deutschtums selber ein, führt geradezu zum Gegensatz des Geistes. Und dieser Gegensatz von Blut und Geist bedeutet schließlich die Leugnung, die Aufhebung der Ration. Ein anderes ist es um die Lehre, ein anderes um die Nachfolge der Lehre. Ucber die Lehre könnte man mit einen; Lächeln, einen; Achselzucken hinweggehen. Daß aber heute große Teile unsres Volkes dieser Lehre sich verschrieben haben, daß sie uns schon als Dogma, als Heilslehre überall entgegcntönt, das gibt doch ernstlicher zu denken. Mag einer drangsalierten und verzweifelten Generation der Raffcmythos in Verbindung mit dem Schuldmythos noch so willkommener Ausweg sein für Haß und Ressentiment, das an den wahren (außenpolitischen) Gegner nicht herankam — es wäre schlimm um unser Volk bestellt, wenn es nur noch zu Haffen vermöchte, wem; Haß nicht nur bei der Abwehr des innerlich und äußerlich Fremden, sondern auch bei der positiven Gestaltung und Setzung des Eignen die einzige Triebkraft wäre. Daß Glaube an eigenes Blut und eigene Raffe in vielen Seelen mit solcher Macht Wurzel fassen konnte, läßt auch positive Deutung zu. Wir erkennen dann die krankhafte Uebersteigcrung des Rationbegriffs zur legendären höheren Raffe als unbewußtes Eingeständnis eines tiefen Mangels; aber wir verstehen auch, daß diese Sehnsucht nach dem, was mau nicht ist und nicht bat, unendlich produktiv sein kann. Wenn „Deutsch" ein fast religiöser Begriff geworden ist, an dem sich die Geister scheiden, so ist cs dies nicht als erfüllter vollendeter Begriff aus dem So- Sein eines seiner selbst sicheren volktums heraus, sondern aus der dämmernden Ahnung eines Schicksals, das den; Deutschen eine wirkliche Volkwevdung bisher nicht vergönnte." üormpsnüenren * Nachrichten. Deutsches «sich. Lehrgänge für Crez Iisroel auf der Frankfurter Ieschiwa. Frankfurt a. M.. 12. 6ept. Die Frankfurter Jeschiwa erstrebt die Heranbildung van jüdischen Persönlichkeiten, die in der Thora wurzeln und in der harinanischen Gestaltung ihres Lebens nach den Forderungen der Thora die Erfüllung ihres Lebens erblicken. Wenn sie auch weit entfernt ist, zu glauben, daß es ihr gelingen käntne, solche ideale Arbeit zu leisten, so darf es sie mit berechtiger Genugtuung erfüllen, wenn es ihr beschieden ist, junge Menschen in dein Thoramilieu, das sie darstcllt, heimisch zu machen, ihren Geist für die notwendige Bearbeitung der großen weltanschaulichen Fragen, die die jüdische Persönlichkeit formen, durch Thora und deren ^wahre Erkenntnis nachhaltig zu befruchten und in ihnen den festen Entschluß zu erzeugen, durch intensives Lernen die Voraussetzung zu immer

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