Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1933)
- Date
- 1933-09-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450792--79865-2537662- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Nr. 37 Der Israelit Einstellung zu jüdischen Dingen war nicht ganz eindeutig und einheitlich, kannte er in seinem Lande auf politischem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet keine Iudenfrage, so daß Juden sogar an leitender Stelle in Bagdad mittätig sind, so war er mit Hinblick auf Palästina doch sehr stack von der panarabischen Bewegung und ihren palästinensischen Treibern beeinflußt. Ts ist noch nicht lange her, daß er anläßlich seiner Besuche in Palästina und im Ostjordanland Aeußerungen von sich gab, die in gleichem Waße den Jubel der Araber hervorricfen, wie sie der jüdischen Presse Anlaß zu scharfer und berechtigter Kritik gaben. Ts war Fcifat kein schöner Abgang beschieden. Ueber sein frisches Grab hallt unheimlich das Tcho der 2! f s v r e r Metzeleien, die die junge Selbständigkeit des Landes stark erschütterten. Ts ist nicht unseres Amtes, in die Hintergründe der AsiFrcrtragödie im Irak hineinzuleuchten. Nachdenklich müssen sie aber stimmen über die Bedeutung der Mandat sp o l i t i k in den arabischen Gebieten und die Gefährlichkeit der allzufrühcn Liquidierung dieser Vormundschaft in Ländern, wo widerstreitende Völkerschaften nur auf den Woment warten, ihre alten Rechnungen auf eigene Faust auszutragen. Ob wir mit der englischen Verwaltung in Palästina in allen Teilen zufrieden sind oder nicht, hoffen und erwarten muß man, daß bis zum Eintritt einer völligen Der» s ö b n u n g und v e r ständig u n g zwischen 2lravern und Juden — sie w i r d einmal eintreten müssen — die starke englische Hand dem Lande nicht entzogen wird. Wie sich nun die Dinge unter dem Rachfolger Feifals im Irak gestalten niögen, eine Blenderung in der Lage der Juden des Irak steht nicht zu befürchten. Wan darf hoffen, daß nach wie vor der Irak auch Palästina als Wüster dienen kann, wie Araber und Juden bei einem TUinimu.m von gutem Willen gemeinsam zuin Wohle des Staates und ihrer eigenen Interessen arbeiten können. Oberrabbiner Josef Arm Duschinsky in Jerusalem. Wontag, der 6. Tllul, war ein Festtag für das Thorajudentum im Heiligen Lande. Schon am Sonntag kündigten in den Straßen Jerusalems und anderen Städten Riesenplakate in goldenen Buchstaben die Ankunft des Dberrabbiners an und forderten die Waffen zur Beteiligung am Empfange auf. Am Sonntag nachmittag und Wontag in aller Frühe brachten unzählige wagen und Autobuffe die festlich gestimmten Wenschen an den Hafen von Jaffa. Reben den Vertretern der Agudas Iisroel, der Afchkenasimgemeinde und all ihrer größeren Institutionen sah Hirsch nW> in der Regel bildlich ausgelegt, z. B. Pf. 92, 3 mi"i>3 imvasi „in morgenloser, Nacht auf Nacht sich abspinnender Dunkelheit". Ebenso in dem erwähnten Ps. 134, 1 D’tawn „in den dunklen Nachtzeiten des Galuth." Besonders in der Gegenwart mit ihren Nöten und Dunkelheiten gewinnt für den andächtigen Beter gerade das Diasn eine besondere Aktualität und Bedeutung. Die Kunst, richtig ps zu sagen. [(T'np #’o n"ix) Es ist bekannt, welche Bedeutung unsre Weisen der Pflicht des M-Sagens beimesfen. Heißt es doch im Talmud, daß dem, der sorgfältig die nixa des ps- Sagens hütet, sich alle Tore des p? p öffnen, ja, daß das kleine Kind, wenn es nur schon einmal ps gesagt hat, sich damit seinen Anteil an der zukünftigen Welt erworben habe. g. Weniger bekannt, und leider noch weniger beachtet dürfte'aber sein, daß es auch darauf ankommt, richtig ps zu sagen, ja daß ein unrichtiges ps-Sprechen genau wie eine am falschen Ort gesprochene 0313 sogar als großes Unrecht gilt. Der Talmud sagt, ein ps soll nicht überstürzt und nicht abgehackt, nicht zu kurz und nicht zu lang ausgesprochen werden. Wer prr überstürzt, abgehackt oder zu kurz ausspricht, so heißt es dort, der verkürzt i"v seine Lebenstage. Richtig soll das ps so gesprochen werden, daß das »Hop) am Anfang korrekt lang, das s am Ende deutlich artikuliert ist, das Wort nicht wie in zwei Worte gespalten p-s erscheint, und das Sprechen des ganzen Wortes gerade so viel Zeit, nicht mehr und nicht weniger, als das Sprechen der man Deputationen aus vielen Städten und Kolonien. (Oberrabbiner Thacham Jakob W e i e r schickte einen besonderen Delegierten, um in seinem Ramen den Oberrabbiner zu begrüßen. 2lls das Schiff in den eisten Worgenstunden vor dem Hafen hielt, wartete eine taufendköpfige Wenge am Ufer. Die offiziellen Vertreter der 2lguöa und der Gemeinde durften an Bord, um die Formalitäten zu ordnen. Als erster aller Reifenden stieg der (Oberrabbiner mit feiner Begleitung ins Boot. Die Landungsbehörden sahen von allen Formalitäten ab und der Hafendicektor begleitete mit größter Ehrerbietung den Rabbi zum Auto, das feiner am Eingang der Halle wartete. Dort war inzwischen der 2lndrang so gewaltig, daß die Ehrenwache mit Hilfe der Hafenpolizei die (Ordnung aufrecht erhalten mußte. Tine unabsehbare Reihe von Autos begleitete den Wagen des (Obcrrabbiners bis zuni Hotel in Tel-Awiw, wo der erste Empfang mit einer Herzlichkeit stattfand, die den Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Rabbinen von Rainen aus Jerusalem und anderen Orten batten sich hier schon eingefunden. 2lm Rachmittag fuhr der Oberrabbiner in I e r u s a l e m ein, schon in W 0 z a von unzähligen Deputationen und einer Wenschenmenge empfangen, die die Einfahrt der Wagen zu einer schweren Aufgabe machte. 2luch hier wurde eine kleine sinnige Empfangsfeierlichkeit improvisiert. In Jerusalem selbst hielt der Festzug zuerst in der Iaffastraße am Porta! des S ch a a r e Z e d e k - H 0 f p i t a 18 , dessen Hof und Garten bald von Wenschen angefülit waren. In der Svnagoge des Krankenhauses, wo nur die Rabbinen und Ehrengäste Zutritt erhielten, sprach einer der ältesten Rabbiner laut den Segensspruch und die Wenge draußen rief im Chore 2lmen. Ein Waffengesang schloß den ersten 2lkt ab. 2luf dem Wege nach dem Rabbinerhause konnten die Wagen nur dank der mühevollen Ordnungsarbeit der Polizei vorwärts kommen. Vor dem Haufe waren Ehrenpforten mit Begrüßungen in Lichtfchrift angebracht. Als der Rabbi mit feiner Familie sich längst ins Haus zurückgezogen hatten, waren draußen die Gesänge und Tänze noch im vollen Gange. Es herrscht wahre Feststimmung In der heiligen Stadt, die nicht dein Augenblicke gilt, sondern aus der Hoffnung beruht, daß mit dem Einzug des neuen Führers eine neue Aera des jüdischen Lebens für die heilige Stadt und das heilige Land beginnt. 'Am Donnerstag vormittag wurde 'Oberrabbiner Duschinsky vom H 0 ch k 0 m m i [ f a r in Audienz empfangen. Er wurde begleitet von Rabbi Iungreis, Rabbi Wofche Blau und Dr. Burbaum. Der Oberrabbiner stellte sich vor und gab der Hoffnung 2lusdruck, bei feinen Bestrebungen stets die Unterstützung der Regierung zu finden. Der Hochkom- Worte psi -Hu 'k (Anfangsbuchstaben ps) dauert, in Anspruch nmmt. Der Vorbeter soll aber auch seinerseits mit dem Beginn der nächsten 0313 so lange schweigend warten, bis die Gemeinde Zeit gehabt hat, nach dem Schluß der vorhergehenden .1313 wie gehörig ps zu sagen, ps soll man ansangen zu sprechen, unmittelbar nachdem man den letzten Buchstaben der betreffenden 0313 0 0 l l st ä n d i g gehört hat. Besonders gegen die letzterwähnte Vorschrift wird vielfach dadurch verstoßen, daß die Gemeinde ps sagt, während der Vorbeter noch den letzten Buch st oben der N3i3 singt. Das ist aber falsch; von einem solchen nmvn ps heißt es i'n iw' isvw. Es wird dazu ausdrücklich erklärt, daß auch, wenn der pn mit seinem pa'! den letzten Buchstaben lang hinzeht, man nicht eher mit dem ps anfangen dürfe, als bis der Vorbeter ganz zu Ende gesungen hat. — Anders ist es mit dem ps im v'-7p, jrvenn der sin das Wort -nasi sehr lang hinzieht. Dann soll man sofort ps sagen, La ja die Benediktion, die man mit dem ps bekräftigen will, schon mit p’»in endet. Gerade in diesen Tagen, da wir uns anschicken, von unserem himmlischen Vater ein langes und glückliches Leben für uns und unsere Lieben zu erflehen, ist es an der Zeit, auch auf diesem Gebiet v3ivn jzu tun, auf daß wir den Segen auf uns lenken: •■pnusn i'»' ilp«3 ■p«»n ba (Der Wandkalender des Jüdischen Frauenbundes.) Der diesjährige achte Kalender des Bübischen Frauenbundes ist etwas einfacher in der Form als sonst und hat weniger Bilderbeilagen, diese aber sind Kopien guter jüdischer Kunst. Dem Wunsche und 14. September 1933 INTERNATIONALE SPEDITION Frankfurt a. M. Telefon 30576 . GÜlleufsjfr.' 31 Lagerung, Verpackung, Ümzüge, Gepäck, Versicherung; Sammelladungen innerh- Deutschi. u. nach d. Ausland . PALÄSTINA-TRANSPORTE miffar erwiderte, es freue' ihn außerordentlich, den Rachfolger Rabbi Sonnenfelds, den er, wohl nicht kannte, von dem -er aber so viel Erhabenes ge-. hört hatte, kennen zu lernen. Rachdem der Oberrabbrner dem Hochkommissar auf dessen Wunsch einiges von seinem Werdegange, seinem früheren Wirkungskreise und seinen guten Beziehungen zur tschechoslowakischen Regierung berichtet hatte, bemerkte der Hochkommissar, er hoffe, daß der Oberrabbiner auch über das Entgegenkommen der palästinensischen Regierung niemals zu klagen habenwerde. 2lm Donnerstag nachmittag erreichten die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt mit der „offiziellen/Krönung" im Zentralhotel in Jerusalem. Die Vertreter; aller orthodoxen Aschkenasim- und Sephardimgemeinden im Lande waren anwesend, ebenso die Spitzen der Behörden und sämtliche Konsuln. Der Oberrabbtncr wurde bet seinem Eintreten begleitet von Herrn Santtätsrat Dr. Wallach und Rabbi Wofche Blau. Dieser eröffnete die Feierlichkeit mit einer kernigen Rede im Ramen der 2lschkenasimgemeinde und Agudas, Iisroel in Erez Israel. Die Rede wurde dann von Dr. Burbaum auf Englisch übertragen. Es folgte Begrüßung im. Ramen der Regierung, im Ramen der Konsuln sprach der Generalkonsul der Tschechoslowakei. Weitere Grüße überbrachten Vertreter der Stadtverwaltung, ein Delegierter von Rabbi Jakob Weier und ein Vertreter Rabbi Wofche Wordechai Epsteins, der krankheitshalber verhindert, war, selbst zu erscheinen. Rach den Begrüßungen ergriff der Oberrabbiner selbst das Wort, um in schlichten Worten zu danken. „Wein programin," sagte er, „muß nicht erst ausgestellt und mitgeteilt werden. Es ist durch meine vierzigjährige Wirksamkeit festgelegt und durch das Merk Rabbi Lhajim Sonnenfelds bestimmt. Richtschnur bet all meinen schwierigen Aufgaben seien mir die Interessen des Frieden s." Er schließt mit dem 2lusdruck des Dankes auch für den tschechischen Konsul, die Regierung und den Hochkommissar^ was mit einer donnernden „Iechi" der Wenge beantwortet wird. Zu Ehren des Einzuges des geistigen Führers bringt der „Kol Israel" eine F e st n u m m e r, die auf dem Titelblatt das Bild des (Oberrabbiners mit einer Huldigung trägt. Rach einigen Begrüßungsder Stimmung ber Zeit kommen einige Palästinab.ilder entgegen. Die Sprüche sind bunt und vielfach und zum größten Teile den Schriften neuzeitlicher Literatur ent-1 nommen. feine Herrenhute bekannte flarken Fabrikate, Wachenkalender. vom 16. — 23. Sept. 1933 vom 23. «tut 5693 bis 3. Tischri 5694: 'Bl’ ep N131N3 Samstag 16 25 31 D’asi- Sonmag -17 26 33 Montag Sep. 18 27 13 M"3DB fl’3yn Dienstag 19 28 na Mittwoch 20 29 13 N3D.1 VS1 a->sr Donnerstag 21 1 T3 '« M' nwn tm Freitag 22 2 na '3 DT N3VN VS"> Samstag 23 3 . V3 n3ir njv , , 33NSN Verantwortlich für Sen allgemeinen Teil und das. Feuilleton E. Ethachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: C. Cch ach norottz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. K a u f m a n n. in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon (8. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M.