Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1933)
- Date
- 1933-09-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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11 September 1938 Wochenrundschau. Der Genfer Sput Herr Stephen 2Di[et Heformrabbiner und radikalzionWschür volksführer> hat gute und offenbar auch ausgeruhte Nerven. Cr geht unbeirrt seinen weg, wenn auch so ziemlich alle verantwortungsbewußten und in langjähriger Arbeit für Klall Isroel bewährten. politischen Führer der Iudenbeit in den meisten Ländern der Diaspora diesen Weg für falsch und verderblich halten. So hat er jetzt — unterstützt von seinem treuen Gefolgsmann, Dr. Nachum Goldmann — nachdem er in Prag zum Entsetzen aller ruhig und vernünftig denkenden Zionisten seine radikalen Illusionismen an den Mann gebracht batte, in Genf eine Anzahl Leute zusammengetrommelt, die sich „Weltkonferenz." nennen und einen „Weltkongreß" aller Juden auf Grund parlamentarischer Wahlen propagieren. Uebec Wesen und Verlauf dieses Spektakelftücks unterrichtet unsre Leser der' instruktive Bericht unsres Genfer Sonderkorrespondenten, der sich die Sache an Ort und Stelle ansah. Au bedauern ist, daß sich unter den Delegierten auch zwei Männer befanden, Masur und Cckermann aus Warschau, die zwar nicht als Agudistcn, sondern vielmehr als Vertreter des „Vereinigten polnischen Hilfskomitees" nach Genf kamen, die aber durch ihre bloße Anwesenheit der Versammlung ein Relief verliehen, das sie nicht verdient. Wir betonen demgegenüber ausdrücklich, daß die Delegation dieser Herren ohne Zustimmung und gegen den Willen der Exekutive der Agudas Isroel-Welts r g a n i s a t r o n erfolgte, die sämtliche in Genf ventilierten Pläne aus prinzipiellen und praktischen Gründen e i nmütig ablehnt, und die darin den gleichen Standpunkt wie die übrigen großen jüdischen Organisationen: American Iewish Committee, Joint, Board of Deputies, Alliance Israelite universelle u. a. m. vertritt. Cs ist bedauerlich, daß man in der deutschen Presse aus einer erklärlichen Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse heraus dem Genfer Spuk überhaupt irgendwelche Bedeutung beimaß, ebenso bedauerlich allerdings, daß den wirklichen Interessen des jüdischen Volkes, das vor allem anderen an der C r h a l t u n g des Weltfriedens interessiert ist, durch Leute wie Stephen wse schwerer Schaden zugefügt wird. I Der Israeli! Wir hoffen, daß es gelingen wird, auf der vom Board of Deputies in Aussicht genommenen Konferenz, die auf alle Wahldemonstrationen und alles Kcaftmetectum verzichtet, ruhige und fruchtbringende Arbeit zum Besten der notleidenden Teile der jüdischen Gesamtheit zu leisten. Jüdische Geschichte und jüdische Historiker aus dem Warschauer Historischen Kongretz. In Warschautagte der Historische Kongreß, und auch rin paar Juden, zwar nicht erster Garnitur, aber immerhin ein paar Männer, die sich in Warschau als jüdische Historiker einführten, nahmen an ihm teil. Daß heute mit einer solchen Aufgabe eine ganz besondere Verantwortung gegen die jüdische Gemeinschaft verbunden ist, wird jedem einleuchten,, der weiß, mit welchem Eifer unsere Widersacher allenthalben nach Belegen in unserer eigenen Geschichte für ihre Iudenpolitik ausspähen. Herr Dr. M a b l c r, der erste jüdische Referent auf dem Warschauer Kongreß, war sich dieser moralischen und wissenschaftlichen Verantwortung keineswegs bewußt, als er den versuch unternahm, die jüdische Geschichte bloß materialistisch, oder, wie er sich ausdrückt, realistisch zu fassen und, den historischen Gegebenheiten unseres Volkes Sinn und Seele abzusprechend, diesen mit rein soziologischen Definitionen beizukommen. Für ihn steht auch fest, daß Talmud und Talinudismus Dokumente aus einer Zeit wirtschaftlichen und geistigen Tiefstandes im Judentum seien. In normalen Zeiten würden wir solche Auslastungen nur krasse Ignoranz nennen, heute aber bergen sie auch gewisse Gefahren in sich, auf die die Professoren Baron und Lalabau auch hlttwlesen. B a l a b a n , eine der erfreulichsten Erscheinungen des Kongresses, wurden in einer Diskussion über seinen Vortrag „Die jüdischen Kulturelemente von Rhein bis zur Weichsel" von Herrn Dr. Schipper ganz ohne Rot die Chasaren aus den Hals geladen, die die vorahnen der heutigen polnischen Juden sein sollen. Dieser sehr merkwürdige „Beitrag zur Ostjudensrage" ist wiederholt und unwiderleglich von der ernsten Geschichtswissenschaft als Phantasterei abgetan worden. Aber Schipper steht noch ungefähr da, wo der Maskil vor 50 Jahren, der eines Tages im Beshamidrasch als Philosoph ausgewacht ist, gestanden bat. Man höre seine Definition: Galizien komme von C H a l u z i m , und Chaluzim zeige die sprachliche Verwandtschaft mit Chabaroi I (Chawerim), als welche sich die Chasaren bezeichneten. Wer hier noch nicht den Weg sieht, auf dem die Chasaren nach Galizien gekommen sind, dem ist wirklich nicht zu helfen! . . . Nr. 37 Seite 3 OSMIASUPRA FÜLLHALTER ****=-"" "wmiiffci üiifr SB ^Deutsche Qualitätsarbeit . Rm. 15.- 17.50 u. 20.- Da war die alte Entdeckung der ersten Maskilim schon wesentilch einleuchtender. Galizien, so verfügten sie, setze sich aus zwei hebräischen Worten zusammen, nämlich '’S ’bu und bezeichne die in „die Wüste Vertriebenen", Jene Haskalabwoisbeit blieb auf der Ofenbank des Beshamidrasch und brachte den Hörern ungestörte Freude. Die Unsinnigkeiten des Herrn Schipper werden aber von einem Forum verkündet, das die wissenschaftliche Welt ernst nimmt und verursachen somit einen vL'.n hlh'N obendrein. Auf fast gleichem Niveau steht die Feststellung, daß das jüdische Idiom im Osten nicht ans dem Mittelhochdeutsch der jüdischen Emigranten aus Deutschland im Mittelalter komme, sondern ein Gemisch der C b a s a r e n s p r a ch e mit dem Dialekt der deutschen Kolonisten in Polen darstelle. Hier werden die Linguisten lachen. Nur diejenigen, die, weit von der Wissenschaft, geschichtliche Belege für ihre Politik suchen, werden nicht lachen, sondern sich einiges aus den Feststellungen der „kompetenten jüdischen Historiker" merken. Keiner von den jüdischen Vertretern gab sich die Mühe, den Geist der jüdischen Geschichte zu erfassen, das Heldentum, die Größe und die Tragödie des Iudenvolkes auf seiner g'ttgewiesenen Bahn durch die Völker und Länder nur irgendwie zu zeigen, was umso schmerzlicher aussiel, als sich der Kongreß a n s i ch auf ganz hohem Niveau bewegte. Cr wäre ohne jüdische Beteiligung entschieden harmonischer verlaufen. Nun, da Juden doch das Wort ergriffen, muß der Welt gesagt werden, daß das Judentum und die jüdische Geschichtswissenschaft an ihm nicht beteiligt w a r e n u n d nicht zu Worte kamen. Zum Thronwechsel im Irak. König F e i s a l, der Beherrscher des Irak, dessen Name in letzterer Zeit auch im Zusammenhang mit Palästina vielfach genannt worden ist, ist plötzlich in der Schweiz gestorben, und sein Tod wirft eine Reihe neuer Probleme im nahen Orient auf. Die Bewunderung für den Wüstensohn, der sich nicht nur zur Krone, sondern auch innerlich zum König emporgeschwungen hat, zu einem königlichen Führer seines Landes nach innen und außen, teilten auch wir. Seine ten der Völker wußte am’, baß sie alle nur eine bestimmte, ihnen eigentümliche Kraft befaßen; daß eine Macht aber der anderen mit der Waffe des Gegners beikommsn könnte, das war ausgeschlossen. Als er aber sah, daß G'tt die Aegypter mit ihrer Waffe (Wasser!) schlug, mit welcher sie Jisroel zu schlagen glaubten, da mußte er zugeben, daß der Ewige allein der einzige G'tt ist. Wer also in dem Wirken der nm»n nur bas Gesetz von m» uas m» erkennt, b e r an - erkennt hiermit die Alleinherrschaft G ' t t e s! Wahre 'n nnaay gestaltet sich demnach auf folgende Weise: Während wir durch mann 2ia'i>, naaxan und wvya warn uns ausschließlich für den mny, die zukünftige Welt vorbererten, und hierbei das des Diesseits auf das für die Erhaltung des Körpers unbedingt erforderliche Minimum zu reduzieren, baut sich unsere Gegenwart auf gemäß den oben ausgeführten Zusammenhängen in der naaay, (vgl. ’nnV ’aanp ns!), — deren Gestaltung, nach dem Gesetz vonmainarna, ganz davon abhängt wie wir uns in dem aiv n»y und dem yaa mo bewähren. In einem Wort: Je nachdem wir uns für «an eahy versorgen, dementsprechend gestaltet sich unsere Gegenwart.; Nachdem wir nun zu dieser für unsere tägliche rmaar so grundlegenden Erkenntnis gelangt sind, müssen wir uns schließlich über noch eines klar werden, nämlich über mp und miy- Es ist ein - Irrtum, wenn wir nar und vvy als Belohnung und Bestrafung für gute bezw. schlechte Handlung auffassen. .Wer nicht säet, erntet nicht! Was sollte es denn da zu ernten geben?! Wem würde es einfallen, in diesem Falle bei ausgebliebener Ernte von einer Stralfe zu reden. Es liegt eben in der Natur der Dinge, daß ohne Saat keine Ernte möglich sein kann. Dasselbe gilt auch für »inan,2 ni-iy, für unsere mm. Die 'aa sagt in 's ma nnaay bezüglich der Vorbereitung für »an a^ay: p’na nair> mya mv Ki>v '» — nava ^arv nav anya mrw '»?nava baK' „Wer am nav any vorbereitet, der hat am naty zu essen; wer am naiy any nicht vorbereitet, woher sollte er am na» zu essen haben?" Es steht nicht nawa bas-> sondern i,arr' aa'n», woher soll er was zu essen nehmen können, wenn er nicht vorbereitet. In der Natur der Sache liegt es, daß nur derjenge zu essen hat, der vorbereitet, und wer nicht vorbereitet, der hat eben nichts. Hat das da etwas mit Lohn und Strafe zu tun?! — Es ergibt sich also, daß das Gesetz: rna na» ms ganz unabhängig von 12V und »aay seine Wirksamkeit rein als Naturgesetz, wie jedes andere auch, nach dem Willen des Schöpfers ausübt. So will es der Schöpfer! Durch Erfüllung einer jeglichen mm gerät die Natur in Tätigkeit — wie wunderbar! — geschehen unzählige Vorgänge, bis das .nn» nna na»-Gesetz an dem n»an n»ay seine Aufgabe erfüllt hat. Desgleichen auch beim Uebertreten einer nn»ay - Der Schöpfer hat demnach also die Natur so geschaffen, daß harmonische Beziehungen zwischen ihr und der Erfüllung der irrwi durch uns bestehen. In diesem Sinne haben wir den Ausspruch R. Ehajims von Woloschin zu verstehen: ,ni>ayn Va am^ -pnx maan p 's nani am i>vaa' ük ls. *aas Kap. 25), „Wenn am eine nasa ein Grundsatz der mm aushören sollte, mühte die Welt zu Grunde gehen," — well eben der Bestand der Welt mit den naaxa der pman eng miteinander verknüpft sind. Liturgisches zum ersten Selichottage. Von Rabbiner Dr. Kautz in Hindenburg O. S. In manchen Gemeinden ist es üblich geworden, im Pismon des ersten Selichottages ni-nn laaaap nnaaa ’Kxaaa in der letzten Strophe na£'i>a anaya annmy nxn eine Textänderung vorzunehmen, indem man statt fiaWa betet manpna- Diese Aenderung beruht auf einer Anregung, die der auf dem Gebiete der Liturgie besonders verdiente Forscher, Professor A. Berliner gab. Die Selichot wurden nämlich in früherer Zeit nicht, wie heute meist üblich, in Verbindung mit dem nrnn» -Gebet gesprochen, sondern schon in der Nacht (Orach Ehajim 581), teilweise sogar schon um Mitternacht. Berliner glaubte daher, daß dort, wo die Selichot nicht in der Nacht, sondern erst nach Tagesanbruch gebetet würden, der Ausdruck nii"!?a anaya nicht zutreffe, und er schlug daher vor, dafür nab.npna zu setzen, eine Lesart, die seitdem in manchen Gemeinden angewandt wird. Allein, so sehr auch diese Anregung von der Gewissenhaftigkeit ihres Urhebers zeugt, eine solche Textänderung erscheint dennoch i-mr »na ’*na niaa nimaa, bedenklich. Abgesehen davon, daß auch andere Wendungen jenes Pismon wie z. B. nma» ’Ksaaa usw. auf der gleichen Linie sich bewegen, ist der Ausdruck na^a Dnara ein biblisches Zitat, das auf Pf. 134, 1 nai"i>a m maa anaasn beruht, und er wäre daher schon aus diesem Grunde in seiner Integrität zu wahren. Ueberdies bezeichnet ni"i> in der Heiligen Schrift nicht nur die astronomische Nacht, sondern wird auch bildlich auf die Zeit der Not und Bedrängnis angewandt, z. B. na-m pas, Hiob 35, 10 u. a. m. Wird doch daher im Psalmenkommentar von S. R.