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Der Israelit · 1933-09-14 · Heft 37 (14.9.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 37 (14.9.1933)
Date
1933-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 37 Der Israelit 14. September 1933 Geschenke in allen Preislagen in dem großen Spezialhaus Ö-> «Tiii i unDSOHn i ZEIL 95 u. TONGESGASSE 25-27 | gleiche Umwelt, der man ja die selbstsüchtige Klugheit der Geburtenbeschränkung, den Horror vor dem Gewimmel der Kinderstube, erst abgeguckt und abgelernt bat, urplötzlich umzulernen beginnt oder wenigstens von ihrer obersten Führung zum Umlerncn aufgesordert und erzogen wird. Wir haben an dem rassischen Prinzip, wie es heute tm neuen Deutschland vertreten und in der praktischen Politik vor allem gegen die Existenzgrundlagen der deutschen Juden ausgewertct wird, gewiß keine ungemischte Freude und sind von der Ueberzeugung durchdrungen, das; hier — aus Gefühlsmomenten und Ressentiments heraus die gefährlichste Uebersteigerung einer in bestimmten Grenzen gewiß berechtigten, auch von der jüdisch-religiösen Tradition anerkannten Betrachtungsweise vorliegt. Aber die energische Betonung der izn) der c r st e n Weisung des Schöpfers an die Menschheit, und vor allem der g c o s; a n g e l e g t e Versuch, sie, einer g a n z e n m o d e r n c n L n t w i cklung z u in Trotz, i m d e u t s ch e n Volke — ob auch keineswegs aus religiösen Gründen — d u r ch z u s e tz e n, verdient vom Standpunkte des orthodoxen Judentums aus die wärmste Anerkennung. Hören wir, als seien die Worte an uns gerichtet, was der Leiter des Aufklärungsamtes für Bevölkerungspolitik und Kassenpflege, Dr. Gros;, in dieser Hinsicht vor kurzem in einem Artikel ausführte: „Bor wenigen Jahren schrieb eine einsichtige, tapfere Frau und Mutter einmal den Satz: „Nur das Volk hat eine sichere Zukunft, bei dem unmittelbar neben der Nationalflagge die Leine mit Kinderwindeln flattert." Damals erntete dieser Satz allseitig Hohn und Spott, und nur wenige konnten begreifen, daß in diesen Worten die einzige geschichtlich richtige Antwort auf die Frage nach dem Sein und Vergehen der Völker liegt. Inzwischen ist, dank zielbewußter Aufklärungsarbeit, jener Standpunkt törichten Spottes überwunden worden, und heute beginnen Millionen die Wahrheit dieser Worte einzusehen. Denn tatsächlich gibt es keine andere Grundlage für die Zukunft, als immer neue Geschlechter gesunder, lebensfähiger Kinder. Alle Taten der Politik und der Wirtschaft sind Tageswerk, wenn nicht immer neue Generationen hineinwachsen und übernehmen, was die Väter schufen. Das hatte die -abgelaufene Zeit vergessen. Sie legte das Schwergewicht auf den Einzelnen und und sie vergaß dabei Wert und Bedeutung der Geschlechterfolge. Mehr noch: Ehe und Familie, Kinder und Elternglück verfielen zunehmend dem Hohn und Spott eines aufgeklärten Zeitalters, das schließlich in Dutzenden von eleganten Modeblättern | Tag für Tag als zeitgemäßes Ideal die degenerierte l Fräu mit dem rassigen Kleid, dem schnittigen Auto und l dem Luxuspinscher als standesgemäßem Kinderersatz proj pagierte. Und die wirtschaftliche Folge dieser seelischen; Haltung ist dann gewesen, daß die Hauptsteuerlast immer mehr auf die Schultern der kinderreichen Familien gewälzt wurde, deren Ernährer man bei Anstellung und Wohnungsmieten und an tausend anderen Stellen des öffentlichen Lebens gegenüber den Ledigen bewußt benachteiligte. —: — — Dabei ist eines von vorneherein selbstverständlich: Dis kommenden Maßnahmen auf steuerpolitischem, besoldungs- und tarifpolitischem Gebiet, zu deren Vorbereitung der bevölkerungspolitische Beirat der Reichsregierung unter Vorsitz von Ministerialrat Dr. Gütt kürzlich zwei wichtige Sitzungen abhielt, werden nicht, wie bisher, auf mitleidige Unterstützungsversuche hinauslausen. Pflege und Entlastung der kinderreichen Familien kann niemals ein Gnadengeschenk sein, sondern ist eine Pflicht des Staates, deren Erfüllung die Familie als selbstverständlich erwarten darf. Denn wer über seine individuelle Arbeitsleistung hinaus durch Aufzucht gesunder Kinder die Grundlagen der staatlichen Zukunft sichern hilft, leistet, völkisch gesehen, mehr für sein Volk, als der andere, der kinderlos aus der Welt geht und die Sorge für die künftige Entwicklung anderen überläßt. Neben die Schaffung der notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen muh aber auch weiterhin zielbewußte Arbeit an der Schaffung einer neuen seelischen Haltung des Volkes treten. Denn alle Gesetze können nur Hindernisse aus dem Weg räumen und Schwierigkeiten beseitigen helfen; der Entschluß zum Kinde und die Freude am Wachstum der gesunden Familie muh aus den Herzen der Menschen selber k o rn m e n, und deshalb ist die unermüdliche Arbeit am Wegräumen falscher Ideale und zersetzender Irrlehren notwendig, damit unser Volk wieder dem gesunden Instinkt des Lebens folgen lernt. Es ist selbstverständlich, daß bei der jetzt einsetzenden Aufklärungsarbeit alle Uebertrerbungen und Einseitigkeiten vermieden werden müssen. Wer um die ganze Größe der Aufgabe weiß, kommt nicht in die Versuchung, mit Schlagworten oder gar Drohungen den Willen zum Kinde wecken zu wollen. Wir können nur eines tun: Mit zartestem Takt, zugleich aber auch mit leidenschaftlicher Ueberzeugung, die kranke Seele unseres Volkes wieder auf den Weg gesunden Empfindens zurückzusühren. Gelingt uns das und schafft gleichzeitig der Staat, wie jetzt sicher zu erwarten steht, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für ein sorgenloses und freudiges Familienleben, dann wird in kurzer Zeit das Gespenst des völkischen Todes, das jetzt über Deutschland steht, gebannt sein und ein neuer völkischer Frühling dem politischen folgen, der dann die Zukunft unseres Staates in fernste Zeiten hinein sichert." Cs sind zum Teil andere Beweggründe als die hier entwickelten, die für die jüdische Lehre und für das jüdische Gesetz maßgebend sind, wenn sie jede künstliche oder natürliche Beschränkung der Geburten verurteilen. Der tiefste Grund ist in jener wunderbaren Steile in 'O» angedeutet, die aus der seine Le i stu n g im Laufe seines Leb ens, Z U s ä m M e N st e l lu n g der gerichtlichen Ahndung des Wenschenmordes und ihrer Begründung qto '2 d*h«7 nK nwv a’pbx mit der Aufforderung des "m an an die noachidische Alenschheit, die Lehre ableitet, daß jedes infolge menschlicher Willkür ungeboren bleibende Wenschenwesen eine strafbare Minderung des G ' t t l i ch e n in der Welt, eine Verdunkelung des 0*72' des g'ttlichen Ebenbildes in der Sphäre des Gewordenen bedeute. Freilich atmet diese Stelle jene unvergleichliche Ehrfurcht vor dem in jedem Säugling neu aufftrahlenden Funken g'ttlichen Wesens, die mit Rücksichten auf nationale Selbsterhaltung ebenso wenig gemein hat wie mit jeder Art von individuellem Egoismus. Aber auch jener Gedanke der .nationalen Selbsterhaltung ist der jüdischen Ueberlieferung nicht fremd. Schon im Beginn des ägyptischen Golus hält die Amramstochter Mirjam den in Verzweiflung ob des volksgcschickes auseinander gehenden Eltern die Standarte des alle Katastrophen überdauernden nationalen Lebens entgegen. Die Mahnung ward beachtet, und aus der vertrauensvoll wieder geknüpften Ehe ging Mosche R a b b e n u , der Befreier und Bringer der g'ttlichen Offenbarung hervor. Und als das zweite G'tteshelligtum unter dem römischen Schwerte zusammensinkt und der Rest des jüdischen Volkes unrettbar dem Untergang auf römischen Sklavenmärkten bestimmt scheint, da sind es die jüdischen Weisen, die in starken Worten nun erst recht die Pflicht gesteigerter Verantwortlichkeit für das Leben neuer emporsteigender Generationen ihren Zeitgenossen ans Herz reden und alle Resignation als Verrat an der Sache G'ttes und seines ewigen Volkes brandmarken. Die Lage des deutschen Judentums ist schlimm, aber sie ist nicht schlimmer als in den Tagen des ägyptischen Golus und des beginnenden römischen. Was unsren Vätern und Müttern in jener düstersten Zeit galt, es gilt auch uns in erhöhtem Maße. Im Augenblicke, da die deutsche Umwelt, aus der wir zwar „ausgeschaltet" sind, aber mit der wir ja doch durch tausend Fäden verknüpft bleiben, sich in einem entscheidenden Punkte ans ö§tt Weg des U m l e r -- n e n s im Sinne eines Postulats der jüdischen Ethik begibt — was könnten wir Weiseres tun, als hier einmal gelehrige Schüler z u m g u t e n zu werden, nachdem wir die Kunst der Anpassung so oft und so lange zu unsrem Schaden und zum Schaden der ganzen Menschheit betätigt haben. Für Körper und Füsse nur DIAIÖN-Puder Ellul-Bekrachkungen. Von <£lie Weisfifch in AAr-Harnburg. (Schluß.) Nur wir Menschen allein, obgleich Krone ber Schöpfung, haben leider den nenn *jm in Vergessenheit geraten lassen, — sind weit weg von -ihm gewichen und daher leider nicht mehr imstande, mit ganzen Kräften in dem jubelnden Chor der Schöpfung miteingustimmen. Nicht so war es aber von jeher, rrs? m ruft überglücklich aus (so voll war seine Brust von ma mp’a-v daß er sogar die natürlichen Grenzen jenes Jubels überschritt): i'pin ■’b i»n mvsr. — Dem Wilnaer Gaon war die min» all sein Handeln, sein ganzes Leben etwa nicht nimm? Der mm ysn nSnani" — m-apn erhalte ihn uns, —er frohlockt etwa nicht in feinen von p"nin umgebenen ms 'i i Nur wir übrigen kleinlichen Menschen halten in unserem Jrrtume das für „hohe Sphären", was unseren Vorfahren Alltägliches war. Was ihnen, vor gar nicht so langer Zeit noch, einfachste Selbstverständlichkeit war, das staunen wir als etwas Uebermenfchliches an, und einer von Tausend wagt es kaum, sich in diese „hohen Sphären" zu erheben, um einmal zu sehen, was das eigentlich ist, dieses „Uebermenfchliche"! O, wir Kurzsichtigen, die wir nur gewohnt sind, alles mit der wvna dem kurzsichtigen viehisch-sinnlichen Blicke, zu betrachten, und dementsprechend nur das i sehen können, was unmittelbar vor dem Auge liegt, nicht aber was hinter dem Rücken! Würden wir uns doch der mba© nnn» des geistigen Auges, bedienen, den wir dem Viehe voraus haben, — wahrlich, wir würden dann nicht schon bei dem allernächsten Blicke — der letzten na’o -Halt machen, sondern vielmehr versuchen, uns der sinnlichen trügerischen Welt des loszureißen, um nach dem allerersten Ursprung alles Seins und Geschehens, des Lohnes und der Strafe, forschen. Und wir würden einfehen, daß der einzige wahre mban unseres Seins nichts anderes fein kann, als m bv crjvryn Vaa Vnsn pmx-ni suynn in?© ,inva© vr» rmrnin „geistigen Genuß zu haben an der g'ttlich-majestätifchen Pracht," wie unsere Weisen uns lehren (f. on®» vi-o»- Kap. 1), — und daß der Ort dieses großen awn in Wirklichkeit nur «an oinj? fein kann, während mn Di>w nur der Weg ist, der dorthin führt: -rran niny ’jsa nrn-nsb nnn nm vbisn Wir würden dann nicht mehr in kurzsichtiger Einfalt, unsere so kostbare rmm, die der Schöpfer in uns eingehaucht — npbx pbn —' mit ntn D^iy 'aiivn, mit zweifelhaften Augenblicksgenüsfen des Diesseits, die oft jahrelange Leiden nach sich ziehen, zu füttern suchen. — Diese Welt wird uns dann nur -als Ort für die Erfüllung der rvn:ta dienen, — ihre verstrickenden mvrrm nur als läuternde niv'vi gelten! Wir würden uns wie mit magnetischen Kräften an mapn gebunden fühlen, und daher alles Mögliche tun, was nur 'nh manpnn fördert, — allen Hindernissen fliehen, die eine nx’n» zwischen UNS und dem Schöpfer bilden könnten. Wir würden dann das Gesetz der Kausalität, das Ursache und Wirkung, miteinander verknüpft, nicht in der sinnlichen Welt zu bestätigen suchen, sondern stattdessen ln der geistlgen Wett das eherne Naturgesetz: mta nsis nn» bewahrheitet finden, das Gesetz, dessen sich der Schöpfer nach seinem heiligen Willen .seit jeher bei der Beurteilung der Geschöpfe bediente, — und wir würden -immer wieder von Neuem, es an unseren Handlungen und deren Folgen zu bestätigen versuchen, um daraus für künftige Besserung zu lernen. Wie kam es bloß, daß dieser ewig wahre nvm -pn im Laufe der Zeit so sehr verschüttet worden ist, daß wir mit Mühe und Not nur noch kaum einige seiner Spuren wiedererkennen können! War es doch in früheren Zeiten selbst den o!»iyn nivirr natürliche Selbstverständlichkeit, sich nicht mit der wvna mm zu begnügen, sondern nach höherem Ursprung alles Seins zu forschen. Ihre Götzen, die sie anbeteten, entnahmen sie nicht der sinnlichen Welt, sondern höheren Regionen. Jede Nation glaubte an ihre „nationale Macht", die sich in den oberen Regionen befindet, und die imstande ist, ihren Anhängern, durch ganz bestimmte, ihr eigentümliche Kräfte, zu Helsen. In der Vat hat rnapn auch jeder Nation einen D'ar^a n© mit gewissen spezifischen Kräften bestimmt (s. crann ,rnin w 'Vn)- Der Irrtum der Völker bestand nur darin, daß sie ihrer „höheren Macht" Ursprungskraft zuschrieben und rrapn nicht als den G'tt, der über alle Mächte verfügt, -anerkannten. Als der Miüjanite iw, der Kenner aller Götzen, von den Wundertaten und Strafgerichten, die der Ewige an den Mizrijim und ihren Göttern vollzogen hatte, hörte, rief er, unter Anerkennung des Ewigen als den alleinigen G'tt über alle Mächte, begeistert -aus: vn n©s nana ->a wpbrw bya m ->a tist nny was oiVpaii* mann dahin erklärt: ’insn a’rni n «mnsa ns m» na ni>« n»in 'n an »nit /pm na brrn©> m keine (S’tttjeit außer ihm existiert, — weil mit dem Urteil, mit dem die Aegypter Jisroel vernichten wollten» sie selbst geurteilt worden sind." Von den übrigen Mäch-

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