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Der Israelit · 1933-09-14 · Heft 37 (14.9.1933) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 37 (14.9.1933)
Date
1933-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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14. September 1933 Frankfurt k. SR«, den 23. mui 5393 KTjer Israeli H,v_ Ein Centralorgan fOr das orthodoxe Judentum ({fESto m l SS Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz. || j 4 Abonnement ab Juli 1828: Deutschland 1.3Ü Mark monatlich- Ausland: Btertel, iabrvreise (entsprechend dem deutsche» Inlandspreis zuzüglich Katzen des Streifband-Versandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 6.—; Amerika 1.80 Dollar; England 6 sh.: Frankreich 25Fr.; Belgien Be!ga5. Holland 2fl.; Italien 18 Lire; Jugoi'lavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 150 Lei; Polen 4 deutsche Told«ark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Ir.; Tfchecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn Lengö 5; Dänemark, Norwegen u. Schweden 5 Krouen. Einzelnummer 30 Pfennige. Im Falle von Streiks und höherer Gewalt keine Verpflichtung zur Rückzahlung von Abonnementsgebühren. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 80 Goldpf. für di« fiebengespaltsu« Nonpareille-Zeile. Monnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.— Mk., vorletzte Textsette 2.60 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. o. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstratze 7, Tel. Hansa 31081 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In« und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Deschäftsanz.: Jul. Schmidt. Ostendstratze 83 Tel. 45866. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag ans Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermorl G.M'b.H,» Frankfurt (Main) Nr. 18892.—Außerdem an: Postsparlasse Wien Nr.lÄMö.—Postsparlaflenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. Vlü 7351. — Postscheckamt Amsterdam Nr.34889 — Pomcheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten flch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Bevölkerungspolitik. Das rührige Reichsministerimn für Propaganda Hat in diesen Tagen einen groß angelegten plan veröffentlicht^ um durch -Mc Zehntausende von Vereinen, Verbänden, (Organisationen, durch Presse, Rundfunk -und efilm die Gedanken der Eugenik und der Bevölkerungspolitik, die der neue deutsche Staat als richtig erkannt hat, in die breiteste Volksmasse und, was wichtiger ist, in die Famlienhäuser zu tragen und in die Herzen der wlänner und Frauen zu pflanzen. Cs handelt sich bei den eugeni scheu Grundsätzen, die da popularisiert und zur Gestaltung einer neuen Wirklichkeit fruchtbar gemacht werden sollen, um ein Doppeltes: um die möglichst wirksame Auslese eines gesunden, physisch und geistig wertvollen Vachwuchses, also um die Ausscheidung gewisser Urankhettstrüger aus dem Fortpftanzungsprozeß, und zweitens um die Steigerung der V o i k s v e r m e h r n n g überhaupt, um die bewußte Stärkung des Fortpflanzungswiliens und die systematische Bekämpfung der ihm entgegeuwirkondon seelischen und wirtschaftlichen Faktoren. Wir wollen von bem ersten, ncQüt'wcn Zeil dieses großangelegten Programms, wie er insbesondere in dem Sterilisations-Gesetz zum Ausdruck gelangt, an dieser Stelle nicht sprechen, zumal wir einen gesinnungsgenössischen Fachmann ersucht haben, dazu vom Standpunkte der religiösen Ueberliefernng in unsrem Blatte demnächst Stellung zu nehmen. Wohl aber soll von dem positiven Vorhaben der Reichsregierung die Rede sein, mit allen staatlichen Machtmitteln nicht nur durch fteuerpoUtische, besoldungsrechtliche und iarifpolitische Rlaßnahmen, sondern auch durch ein.en Generalangriff geistiger Qlvt auf die moderne Urankhett der Flucht vor dem Kinderreichtum das Steuer herumzuwerfen und dem bedrohlichen Sinken der Gcburtenrate, diesem furchtbarsten, schwärzesten Schatten steigender Zivilisation, zu Leibe zu rücken. Denn hier wird ein Problem augepackt, das für die d e u t s ch enFude u und die Juden des Westens überhaupt in noch weit schärferem Ausmaße zur Lebensfrage geworden ist als für den Durchschnitt der Bevölkerung, und das seit fast drei Jahrzehnten in der jüdischen Literatur und Presse, von den Ranzeln der Synagogen und in den Beratungen jüdischer Körperschaften unzählige Wale mit größerer oder geringerer Gründlichkeit. und Zielbewußtheit abgehandelt worden ist. Wie es in der deutschen Fudenheit nach einem Jahrhundert zunehmender religiöser Skepsis und Verwahrlosung aussieht, wie diese Preisgabe der Wurzeln aller jüdischen Rraft, des G'ttvertranens und der Gesetzestreue, zu einer nationalen Selbstausrottung von erschütternder Veheinenz geführt hat, zeigen ein paar Ziffern, die das T. V.-Blatt grade diese Woche veröffentlicht hat. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Oktober Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg, Verlag des Israelit G. m.b.H., Frankfurt a.M. Aus ihnen geht die Ueberalteruug der jüdischen Bevölkerung Deutschlands im vergleich mit der allge^ ineinen Bevölkerung und der fortschreitende Geburtenrückgang bei den deutschen Juden hervor. Die „T. V.-Zcitung" weist daraus bin, daß der Grund für den stärkeren Anteil der Fnden an einigen Wirtschafts, zweigen in ihrer besonderen 'Alterszusammensetzung zu suchen ist. 1925 gehörten 55 proz. sowohl der Gesamtbevölkerung wie der jüdischen Bevölkerung zu der die Hauptmasse der Erwerbstätigen stellenden Altersgruppe zwischen >5 und 50 Zähren. Die wetteren Rängen jüdischer Erwerbstätiger, gehören der bei den Juden viel stärker als bei der Gesamtheit besetzten Altersstufe über 50 Fahre an. Von der Gesamtbevölkerung waren 1925 25,7 proz. Personen unter l.5 Jahren» 18» 17 proz. Personen über 50 Fahre. Bei der jüdischen Bevölkerung ist es gerade umgekehrt. Der Anteil der Fudeu unter 15 Fahren liegt knapp bei 18 Proz., während mehr als ein Viertel der deutschen Fudeu über 50 Fahre alt war. Cs werden sodann die prozeutzablen der Personen unter 15 und derjenigen über 50 Fahre bei der Gesamt- und bei der jüdischen Bevölkerung für die einzelnen deutschen Länder angegeben. 21m auffälligsten ist die Ueberalterung der jüdischen Bevölkerung ln wecklenburg- Strehlitz und Schaumburg-Lippe, wo die Prozentziffern für die Fugend- und für die Altersgruppe 15,74 und 55,51 resp. 15,00 und 55,88 betragen. Die ehelichen Lebendgeburten bei der jüdischen Bevölkerung sind im Reich von 6800 i. F.I925 auf 4650 i. F. 1950, in Preußen von 4680 i. F. 1925 auf weniger als 5000 i. F. 1950 gesunken. Während 1925 von 100 ehelichen Lebendgeburten im Reich 0.56 und in Preußen 0,65 jüdisch waren, betrugen die betreffenbett prozentzahlen 1950 nur noch 0,41 und 0,48. wahrend somit der jüdische Bevölkerungsanteil fast l proz. betrug, war der Anteil der Fudeu an den Geburten geringer als ein halbes Prozent. Dieser außerordentliche Geburtenrückgang erklärt es. daß Anfang 1955 im Reich bereits mehr als 50 Proz. der Fudeu das 50. Lebensjahr überschritten batten. Das ist die Frucht einer historischen Entwicklung, di«z der deutschen Fudenhcit zwar das Geschenk der äußeren Emanzipation brachte, ihr dafür aber die Widerstandskraft gegen jeden Lusthauch der sie umgebenden Lebensanschauungen der üulturweli raubte, ja, sie vermöge ihrer intellektualistischen Beweglichkeit, losgelöst vom Rlutterboden ihrer Leben gestaltenden religiösen Tradition, zu Pionieren jeder neuesten Uultur-Rlodc, zu den empfänglichsten und dankbarsten Rachbetern des grade modernsten individualistischen Schlagwortes machte. Und doch gibt cs keine Religion und kein ethisches System ans Erden, das mit so ungeheurer Wucht der Prinzipien und mit solcher Uneutriuubarkeit der normativen Lebensregelung die sittliche Pflicht der Rin- -dererzeuguug — allen Ausreden und Argumenten des gewöhnlichen oder verfeinerten Egoismus zum Trotz — ciuzuschärfcu und ihre Ersüttuug zu erzwingen und in die Wirklichkeit umzusetzen verstände wie Lehre und Gesetz des Fudcntums. Rirgends darum bat sich die Preisgabe der Glaubensgrundiagen und die Untergrabung der gewissenhaften Gesetzeserfüllung so furchtbar gerächt, wie in diesem seit Fahrzehnten sich vollziehenden „Untergang der deutschen Fudenheit", der tatsächlich eine Art wettgeschichtlicher Selbsterekution aus Grund eines vor Fahrtausend voraus verkündeten Urteilsspruchs darstellt: „Das Lebe n u n d d e n Tod h a b e i ch v o r D i ch h i u g e g c b e u , d e n S c g e n u n d den F l u ch — D u m n ß t' d a s L e b e n w ä h - len, damit Du lebest, Du und Dein Samen" (V. B. R'i. 50, 19). Und nun erlebt diese deutsche Fudenheit, zu allen Zeichen nird Wundern der letzten wonnte von den Wachtposten vor den geschlossenen jüdischen Läden am Boykottsabbat bis zu den um ihren Lohn geprellten Täuflingen und Rlischehe-Halbjuden —, daß die

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