Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1933)
- Date
- 1933-09-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450791--79853-2537649- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7. September 1933 ... D e r I s r a e I t t ' -- - ' _ Nr. 36 Seite 9 lorene Krieg und der vom Haß diktierten' Friedensfchluß zurückgelafsen hat. ' ' ' ' Wohl ^ann die Schweiz heute keine neuM. Niederlas sungen gewahren, dies gilt aber 'keinesfalls etwa nur Juden gegenüber. Man kennt hier ©’tt sei Dank nur noch Menschen. Religion und Rasse. spielen in einem Lande, wo drei große Kulturen zusammenströmen, absolut keine ausschlaggebende Rolle Wie während des Weltkrieges, will die Schweiz eine freie Friedensinsel bleiben. Man lehnt hier ebenso den Kommunismus, wie den übersteigerten Rassenstolz strikte ab. Wie wäre dies in einem Lande, wo der Völkerbund seinen .Sitz hat und seinen Einfluß mit der Zeit unbedingt festigen wird, anders möglich? I. M. „Jüdische Weltkonferenz". Genf, 6. Sept. Gestern abend wurde in Gens eine sogenannte zweite I ü d i s ch e W e l t k o n f e r e n z eröffnet, an der angeblich Delegierte aus 24 Ländern beteiligt sind. Aus Deutschland ist keine Vertretung eingetroffen. Die meisten Teilnehmer kommen aus Frankreich und den Vereinigten Staaten. Die Konferenz wird drei Tage dauern. Sie wird über die Einberufung eines Jüdischen Weltkongresses, beraten. Nebenbei' soll über die Stellung der Juden in Deutschland gesprochen werden. Tschechoslowakei. Der XVHI. Zionistenkongreß. Prag, 31. Äug. In Fortsetzung der Generaldebatte, die sich bis Donnerstag hinzieht, ergänzt Rabbi B r o d t vom Misrachi die Ausführungen Rabbi Meier Berlins. Er weist darauf hin, daß die jüdische Orthodoxie sich immer mehr emanzipiere, Misrachi ziehe aber die Einheit vor, allein die zionistische Neutralität gehe zu weit. Wenn die zionistischen Institutionen den Sabbat und die religiösen Gesetze entweihen, so wundere man sich nicht, wenn es ihnen private Unternehmen nachmachen. Redner will hoffen, daß der Kongreß dem Misrachi die Basis zur Zusammenarbeit mit der zionistischen Organisation nicht entzieht. Mosche S ch a p i r a vom „S)apoel Hamisrachi" will Ven Gurion bei Worte halten, daß eine friedliche Atmosphäre gegenüber dem religiösen Judentum geschaffen werde. Supraski macht im Namen der Allgemeinen Zionisten Vorschläge für die Regelung einer großen Einwanderung. Der Arbeitervertreter Kaplan bespricht das Wahlrecht in Palästina, sodann Fragen der. Arbeit und der Organisation. Es kommen dann Vertreter mehrerer Landsmannschaften zu Worte. Während Morrice Myer, Amerika, eine Lanze für Weizmann bricht, in dem er allein den geeigneten Führer sieht, ergeht sich Stephen S. W i s e in schärfster Kritik gegen Weizmann-. Ihm antwortet für die Arbeiterpartei Rome z. Sobald sich ein Revisionist auf der Tribüne zeigt, verlassen die andern Parteien zum -großen Teil, .den Saal. Etwas mehr Beachtung findet eine große . Rede des Arbeiterführers Verl K a.tz e n e l f o n, die. eine, scharfe Auseinandersetzung mit Dr. Wise ist. Er sagt u. a., man mache dem toten Arlosorosf Komplimente, bekämpfe aber die leberrde. Arbeiterschaft Er' wendet sich gegen kolonisatorische Aktionen ohne Kontrolle her Agency. Zwei orientalische Juden bringen die Klagen und Forderungen der Juden in fernen und anderen arabischen Ländern zum Ausdruck. Es müsse etwas getan werden zur Entgiftung der arabischen Meinung in diesen Ländern und zur Ermöglichung der freien Auswanderung der dortigen Juden nach Palästina. Nach weiteren vielfachen Auseinandersetzungen mit Stephen Mise, kommt erst am Donnerstag die Generaldebatte mit kurzen Schlußworten von Sokolow, Brodetzky und Locker mm Abschluß. Am Freitag und Sabbatabend wird das Plenum des Kongresses von Sitzungen des .Council der I e w i f h- Agency abgelöst. Erst am Sonntag mittag tritt der Kongreß wieder zu einer Sitzung zusammen, die sich ununterbrochen bis Montag vormittag hinzieht und in die kurze Schlußsitzung übergeht. Zum Präsidenten der Organisation wurde wieder Nahum S o k o l o w gewählt. Weizmanns Kandidatur kam nach feiner strikten Ablehnung, auf dem Kongresse zu erscheinen, nicht mehr in Betracht. Dagegen wird ihm die Leitung der Aktton zur Ansiedlung deutscher Juden in P a löst in «'übertragen. Die neugewählte Exekutiv ersetzt sich zusammen aus der Mttte und der Histadruth. Die Revisionisten wie auch M i s r a ch i f e h l e n sowohl in der Exekutive wie im neugewählten Aktionskomitee. In der: letzten Sitzung kam wider alles Erwarten doch noch Iaboiinsky zu Wort, der sich in seiner scharfen Art mit dem Kongreß auseinandersetzte und besonders gegen die Untersuchungskommission zur Feststellung der Mitschuld der Revisionisten an der Ermordung Arlosoroffs Sturm lief." Eine lebhafte Kulturdebatte entwickelte sich nach einem Referat L e w i n s o h n s über „Zionismus und hebräische Renaissance". Misrachi erklärte, sich an den Kulturbeschlüssen nicht beteiligen zu wollen. Nach diesem Beschlüsse erfolgt die Uebergabe her Erziehung an die K n e s e s I s r a e l. Es werden ferner Beschlüsse gefaßt zur Uebersührung von Kindern Deutscher Eltern in Erziehungsanstalten von P a l ä st i n a. Die Universität in Jerusalem und das Technikum in Haifa sollen erweitert werden. Eine Reihe anderer Resolutionen, u. a. eine solche, die Wahrung der zionistischen Disz i p l i n betrifft, wurden angenommen. Fast ohne Feierlichkeit wird, nach Annahme der Resolutionen, der Kongreß mit einer kurzen Schlußrede Motzkins geschlossen. Eröffnung der Tagung des Council der Jewish Agency. .. ' Prag, 31. Aug. Am Bl. August wurde die Tagung des Council der Jewish Agency durch Professor Herbert Speyer (Belgien) eröffnet. Nach den üblichen Begrüßungen erstattete Dr. Maurice B. Hext er ein ausführliches Referat über landwirtschaftliche Kolonisation in Palästina. So k o l o w und Professor Vrodetzky referierten über die politische Lage und über die politische Tätigkeit der Agency in der letzten Arbeitsperiode. In der Diskussion Nahm die Frage der Reorganisation einen breiten Raum ein. Zur Vorbereitung der Reorganisation wurde, ein : Initiativkomitee bestellt. In de^ zweiten Sitzung der Council-Tagung hielt der Präsident der. Jewish Agency, Dr. Nahum Sokol o w, eine mit begeistertem Beifall aufgenommene Ansprache zur Rechtfertigung der Mitarbeit der N i ch tz i o n i fte n am zionistlschen Aufbauwerk. Prof.: B r o d e tz k y referierte über Pächterschutzverordnung, French-Bericht, Legislative Council und Massenimmigration. Leo He vvmann berichtete über die Keren H ajessod-Arbe i t. Die drohende Spaltung der Agency durch Austritt der Nichtzionisten wurde , im letzten Augenblick durch Annahme des Vorschlages vermieden, den das zur Beratung des Vertretungsanteils beider Gruppen in der Leitung eingesetzte, aus 5 Zionisten und 5 Nichtzion.isten bestehende Sonderkomitee nach' eintägiger Beratung aüpgearbeitet hatte. Dem zum Beschluß erhobenen Vorschlag der Kommission zufolge soll das bestehende Fifty-Fifty-Abkommen als unverletzlich angesehen werden; .solange. es aufrechterhalten wird, sollen die Nichtzionisten Anspruch aus das volle Maß der Vertretung haben, wie es in diesem Abkommen vorgesehen ist. Das Programm der „Judenstaatspartei". Prag, 30. Aug. Der Sonderverband der Zionisten-Revisionisten in der Zionistlschen Weltorganisation teilt in einem Communigue mit,' däß er aus einer anläßlich des XVIII. Zionistenkongresses!in Prag abgehaltenen Konferenz beschlossen hat, feine Verbindung istst der Union der Zwnisten-Revisionisten zu lösen und den ,Namen „Judenstaatspartei" (Sonderoerband der Zionisten-Revisionisten) anzunehmen. Die Partei erstrebt, eine mandatstreue, auf'Repatriierung der Juden gerichtete Politik der Mandatarmacht und der-Palästinaregierung zu. erwirken, eine Politik, deren Grundsatz die aktive Förderung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina ist. Die Partei fordert die Sicherung der jüdischen Siedlung in Palästina durch Ausstellung jü d i s ch e r Einheiten in' der, Polizei, Gendarmerie und Armee?In wirtschaftlicher Hinsicht wird die Partei bestrebt sein? die Errichtung solcher Institutionen in Angriff zu nehmen oder zu fördern, welche der leberführung jüdischen Kapitals, jüdischer Arbeitskraft und jüdischen Unternehmungsgeistes dienen. Die Partei bekennt sich zu dem Grundsätze.jüdischer Arbeit in Palästina auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit. Das Eornrnunique ist von Graßman, Mächovcr, Soskin und Stricker unterzeichnet. Zionistenführer, beim tschechoslowakischen Außenminister. P r a g, 31. Aug. Außenminister Dr. B e n e s ch empfing am 31. August den Präsidenten der . Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, den Präsidenten des Zivnisienkvngr'esies und des Cvmiiee des. Delegations Juioes Leo Motzkin, das Mitglied der Zionistischen Exekutive Prof. S. B r o d e tz k y und den jüdischen Abgeordneten im tschechoslowakischen Parlament, Dr. Angela Goldstein. Der Besuch war eingehender Erörterung politischer Fragen, die mit der zionistischen Aufbauarbeit im Zusammenhang stehen, gewidmet. Der Außenminister empfang auch den Generaldirektor der ITA.,jHerrn Jacob Landau, Newyork. Im Verlaus eines längeren Gesprächs erklärte der Außenminister, er sei ein entschiedener' Freund des Palästinaaufbaus. Zu der Ermordung Professor Theodor Lessings. Marisnbad, 30. Aug. Professor Theodor Lessing wurde in seinem Zimmer in einer Marlenbader Villa am 30. August von unbekannten Tätern durch das Fenster erschossen. Professor Lessing, der bis zum Vortag an den Arbeiten des Zionistenkongrösses Anteil genommen hatte, sollte in den nächsten Tagen vom Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, Professor Masaryk, zwecks Besprechung aktueller Fragen empfangen werden. Lessing, der im 62. Lebensjahre stand, machte in früheren Jahren viel von sich reden infolge seiner scharfen Angriffe auf das positive Judentum und insbesondere seiner lieblosen Art, von den Osijuden zu sprechen. In vielen Artikeln und auch Broschüren wurde gegen ihn Stellung genommen. Später mar er selbst als Professor in Hannover Zielscheibe vielfacher schwerer antisemitischer Angriffe, und die jüdische Presse mußte ihn, da man in ihm den Juden treffen wollte, in Schutz nehmen. Nicht zuletzt.wohl infolge dieser bitteren Erfahrungen wandte sich Lessing in letzterer Zeit wieder dem Judentum, aus dessen Gemeinschaft er ausgetreten war, zu und schloß sich der jüdischttationalen Bewegung an. Ein reiches, bewegtes-Leben fand nun ein tragisches Ende. „Unser Erez Jsroel". Bratislava,!. Sept. Am 29. Aw versammelte sich im Saale des Handelsgremiums in Bratislava ein mehrhundertköpfiges Publikum, um Rabbi Mosche Blau unmittelbar vor seiner Heimreise nach Jerusalem über Erez Jisroel-Probleme zu hören. Sein Thema lautete diesmal „Unser Erez Iisroel". Der Hauptton wurde auf „unser" gelegt. Damit sollte von, vornherein auf eine Stellungnahme zu den aktuellen Palästinafragen vom Standpunkte der jüdischen Thoratreue Bedacht genommen werden. Der Saal war dicht besetzt, als Herr Max Weiß hen Redner mit herzlichen Worten begrüßte., Rabbiner Blau entledigte sich seiner Aufgabe mit kräftigem rednerischem Elan. Er wies überzeugend nach, daß in der Vergangenheit bis in unsere Zeit hinein die religiöse Judenheit und die von der Thora geleitete religiöse Begeisterung allein es waren, die eine „historische Beziehung" zu Erez Jisroel und eine jüdische Siedlung in diesem Lande aufrechterhielten und dadurch das allgemeine Interesse, das jetzt einem „jüdischen Nationalheim" in Palästina bewiesen wird, ermöglichten. Für die Vergangenheit wird diese Tatsache auch von denjenigen zugegeben, die in, unseren Tagen bemüht sind, der jüdischen Niederlassung in Palästina einen anderen Sinn zu gebne. Aber auch in der Gegenwart kommt hem, was das. thoratreue Judentum in Erez Jisroel geschaffen hat, nämlich den -allgemeinen Institutionen der Wohltätigkeit, den Bet- und Lehrhäusern, den Krankensind Waisenhäusern und insbesondere den großen städtischen Wohnbezirken in Jerusalem, Jaffa, Tißerias, Safed, Hebron usw., die ausschließlich das Werk frommer jüdischer Siedler sind, wie die große jüdische Siedlung in Tel-Awiw mehr der Privatinitative -einzelner Juden unfrommer und frommer, aber nicht der zionistischen Organisation als solcher entspringt, eine weit größere Bedeutung zu, als man es auf zionistischer Seite zugibt. Selbst von den Kolonien verdanken die größte