Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1933)
- Date
- 1933-08-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450789--79818-2537612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 Nr. 34 Der Israelit 24. August 1933 durch verschiewo es um ihre Ehre und ihre nackte Existenz geht. Es die Weltkon-jmüsse ösfentlich vor aller Welt ausgesprochen werden, daß wenn es unmöglich sei, den Flüchtlingen ihre Heiu n d seiner In st i t u t i o n e n d e n e freie Elemente st e l l t ferenz fest, üaß sie solange keine Möglichkeit sieht, die Berankwortung zu tragen und sich an der Arbeit zu beteiligen, als die Grundforöerungen des Misrachi n i ch t e r f ü l l t w e r d e 17. 2. Mit Rücksicht daraus, daß das religiöse Judentum bisher auf dem Gebiet der Kolonisation benachteiligt wurde, fordert die Konferenz den Keren Kajemeth Lejisrael auf, religiösen Juden Boden in entsprechendem Ausmaß zu Siedlungszwecken zur Verfügung zu stellen. 3. Da bisher in den zionistischen Institutionen religiöse Beamte fast überhaupt nicht ausgenommen wurden, verlangt die Konferenz, daß überall in der Zionistischen Organisation und in ihren Fonds Beamte aus dem Misrachi und aus dem Jung-Misrachi angestellt werden. Außerdem nahm die Kofnerenz eine Reihe von Resolutionen gegen French-Vericht usw. und betreffend Erziehung, Einwanderung und Kolonisation an. Tfchecho-Alowakei. Die Verhandlungen des Zionistischen Aktionskomitees. Prag, 18. August Auf Grund einer eingehenden Aussprache gelangte das. Zionistische Aktions-Komitee einmütig zu der Ansicht, daß die gegenwärtige wirtschaftliche und politische Lage der Juden in einer Reihe von Ländern es notwendig mache, daß der Kongreß sich möglichst auf die Probleme einer großzügigen Einwanderung —: vor allem deutscher Juden — nach Palästina konzentriere. Der Kongreß soll einen Appell an England als Mandatarmacht für Palästina und an den Völkerbund formulieren, in dem im Hinblick auf die schwierige Lage großer Teile der Judenheit politische Maßnahmen, insbesondere zur Erleichterung der Einwanderung einer möglichst großen Zahl deutscher Juden nach Palästina, gefordert werden sollen. Dieses Problem erscheint dem Aktions-Komitee von so überragender Bedeutung, daß es beabsichtigt, die Tagesordnung des Kongresses zwecks Ermöglichung einer intensiveren Behandlung des Plans einer konstruktiven Hilfsaktion zu beschneiden. Zur Beratung der Frage einer Reorganisation der Jewish Agency hatten die Allgemeinen Zionisten eine geschlossene Sitzung einberufen. Auf Grund dieser Beratung werden die Allgemeinen Zionisten die Forderung erheben, daß das Fisty-Fifty-Prinzip bei der Zusammensetzung der Exekutive der Jewish Agency aufgehoben werde. Sowohl in der Londoner als auch in der Palästina-Exekutive soll in Zukunft den Nichtzionisten bloß ein Drittel der Sitze eingeräumt werden. Ferner wurde beschlossen, zu verlangen, daß der Council und das Administrative Committee der Jewish Agency in Zukunft nur dann das Recht haben sollen, Kongreßbeschlüsse zu ändern, wenn mindestens 25 Proz. der nichtzionistischen Mitglieder dies verlangen. Stimmabgabe durch Vertreter soll dei der Beschlußfassung über Anträge auf Abänderung von Kongrehbeschlüssen nicht zulässig sein. Oie Eröffnung des XVIII. Zionistenkongresses. Prag, 22. August Im großen Lucerna-Saal, dem größten der Stadt, wurde Montag abend unter Anwesenheit von etwa 4000 Delegierten und Gästen der XVill. Zion ist enkongreß eröffnet. Aus den Tribünen sah man auch prominente Vertreter der Stadt Prag, der tschechoslowakischen Regierung und vieler europäischer Gesandtschaften. Die Stimmung im Saale und um den Kongreß herum ist von der zugesprtzten Lage der Juden in der Welt beherrscht. Der Kongreß wird mit einer hebräischen Rede von Nachum S o k o l o w eröffnet. Nach Dankesworten an die Regierungen streift der Redner die Entwicklung in Deutschland. Ohne anzuklagen, will er nur konstatieren, daß die Entwicklung den Gedanken der Assimilation des Judentums in der Diaspora endgültig als Irrweg gezeigt hat. Heute liege die Sache so, daß Palästina als Nationalheim nach der zionistischen Parole als einzige Möglichkeit zur Hilfe dastehe. Die Judensrage, d. h. die Frage der weiteren Existenz des jüdischen Volkes, muß heute die ganze Welt beschäftigen. Die Juden wehren sich dagegen, Feinde Deutschlands zu sein, sie seien im Gegenteil Freunde und Bewunderer seiner Kultur, erheben aber dessenungeachtet ihre Stimme, , mat wiederzugeben oder sie in anderen Ländern unterzubringen, sie in die Heimat ihrer Väter zurückzuführen seien. Was seinerzeit der freie Entschluß.nicht herbeiführen konnte, müsse jetzt das Unglück erreichen. Einerseits durchlebe heute das jüdische Volk die größte Katastrophe, auf der anderen Seite habe Palästina noch nie so geblüht wie gerade jetzt, so müssen denn diese beiden Tatsachen in inen Zusammenhang gebracht werden. Angesichts der Lage habe Palästina aufgehört, ein Diskussionsthema zu sein und ist zur Sache des gesamten jüdischen Volkes aufgerückt. So müsse denn die Arbeit verzehnfacht werden, um die Aufgabe der Ausgestaltung und des Aufbaus Palästinas ganz zu lösen. Cs folgt eine lange Reihe von Begrüßungen, unter denen eine solche im Namen der Stadt Prag große Ovationen auslöst. Zenken als Vertreter der Stadt wünscht namens des tschechischen dem jüdischen Volke, daß es in Palästina in nächster Zukunft seine eigene Heimat finde und selbständig verwalte. Der Eräsfnungsabend schließt nach Mitternacht mit einer Trauerfeier für Dr. A r l o s o r o f f. Prag, 23. August An Stelle von Prof. Weizmann, der erstmals beim Kongreß passiv ist, erstattete das Mitglied der Exekutive, Prof. Brodetzki aus London das politische Referat. Er zollte dem neuen High Commisstoner, Sir Arthur Wauchope, Dank und Anerkennung für seine auf loyale Förderung des National-Home gerichtete Politik, gab aber starker Unzufriedenheit mit einer Reihe politischer Maßnahmen der letzten Zeit Ausdruck. Insbesondere habe die Veröffentlichung des French-Verichtes und die Erklärung, die der Colonialminister im Unterhause dazu abgegeben habe, den Eindruck erwecken müssen, als ob tatsächlich die Frage der dislozierten Araber ein großes und schwieriges Problem fei, während doch im Gegenteil die ä u ß e r st geringe Zahl der hier in Betracht kommenden arabischen Bauern nunmehr authentisch festgestellt sei. Es sei ungerecht, wenn die Regierung sich einerseits für verpflichtet halte, den arabischen Pächtern ihre Fürsorge zuzuwenden, während andererseits der Grundsatz gilt, daß die Juden für ihre Interessen fast ganz allein zu sorgen hätten. In der Einwand-e rungspolitik vermiß Brodetzki die durch die Lage gebotene Großzügigkeit. Das Land schreie nach einer starken jüdischen Arbeitereinwanderung. Je mehr Juden in Palästina einwandern, desto mehr Wirtschaftsplätze werden geschaffen und desto größer werde die Aufnahmefähigkeit des Landes. Der Kongreß müsse an das Gewissen der Mandatarmacht und der ganzen Menschheit appellieren, damit Palästina die Zufluchtsstätte werde für die in ihrer Existenz bedrohten Juden der ganzen Welt. Die Jewish Agency bedürfe der Erweiterung und der Einbeziehung der ihr noch fernstehenden Kreise, damit sie eine stärkere Autorität auch gegenüber der Mandatarmacht gewinne. Das Araber-Problem müsse und könne freundschaftlich gelöst werden. Das beweise eine tausendjährige Geschichte. Die Juden hätten den Arabern vieles zu bieten, ohne daß deren Freiheit und ihr nationales Selbstbewußtsein verletzt zu werden braucht. Bei der Wahl des Präsidiums stand die Revisionistenfrage im Mittelpunkt. Die Arbeiterpartei, welche fast die Mehrheit hat, will die Revisionisten, insbesondere mit Rücksicht auf ihren Zusammenhang mit dem Arlosoroff-Mord, demonstrativ aus dem Präsidium ausschließen. Die Revisionisten protestieren leidenschaftlich dagegen, daß man ihnen den Mord an die Nockschöße hänge. Misrachi stellt sich wiederum, getreu seiner bisherigen unbegreiflichen Politik, an die Seite der Revisionisten, wird aber schließlich mit diesen überstimmt. Mit einer kleinen Mehrheit von 2 Stimmen wird der Antrag der Arbeiterpartei, zur Tagesordnung überzugehen, angenommen. Hieraus wurde mit den Stimmen der allgemeinen Zionisten, der Arbeiterpartei und der Radikalen gegen die Stimmen von Misrachi und Revisionisten das Präsidium wie folgt zusammengesetzt: Leo Motzkin, Ussischkin, Rufeisen, Sprinzak, Kaplanski, Kaplan, Grünbau m. Es wird erwartet, daß die Revisionisten infolge dieser Provokaton den Kongreß verlassen werden. F a r b st e i n referierte über M i tt e l st a nd s e i nwanderung und Jndu str i e fö rd e rum g in Palästina, und entwickelte seine bekannten Anschauungen über die überragende Bedeutung der Industrie neben dev bisher etwas einseitig bevorzugten Landwirtschaft. Er forderte freie Einreise für qualifizierte Arbeiter, Herabsetzung der Mindestgrenze von 1000 Lst. für Kapitalisten Heraufsetzung des Höchstalters für Zertifikatbewerber unb Einbeziehung Palästinas in das Zoll-Präferenzsystem des britischen Weltreiches. Es referierten noch W i l k a n s k i über landwirtschaftliche Fragen, Adolf Böhme in deutscher Sprache über die Möglichkeiten nationaler und privater Kolonisation. Gerichtliche Prüfung der „Protokolle der weifen von Zion". Prag, 18. August M. M. Ussischkin, Leo Motzkin, H. Farbstein, Dr. Mayer Ebner, eventl. auch Berthold Feiwel und einige andere noch lebende Delegierte des 1. Zionistenkongresses in Basel, die gegenmärig zur Teilnahme am XVIII. Zionistenkongreß in Prag weilen, werden auf Ersuchen des Baseler Gerichtes in den nächen Tagen vom Prager Gericht über ihre Ansicht betreffend die „Protokolle der Weisen von Zion", von denen von antisemitischer Seite behauptet wird, sie seien Geheimbeschlüsse des ersten Baseler Zionistenkongresses, vernommen werden. Das Basler Gericht benötigt diese Zeugenaussagen zur Fällung des Urteils in einem Prozeß, der gegen Schweizer Zeitungen wegen Ausnahme einer Anzeige angestrengt wurde, in der der Leipziger Hammer-Verlag die von ihm herausgegebenen Protokolle unter der Ueberschrift „Die Echrheit der Protokolle von einem Teilnehmer am Zionistenkongreß bestätigt" ankündigt. Im Text der Anzeige wird auf das Vorwort zur neuesten gekürzten Ausgabe der Protokolle hingewresen, in dem als Zitat aus einem in einer schwedischen Zeitung erschienenen Artikel des Stockholmer Oberrabbiners Dr. M. Ehrenpreis folgender Sutz wiedergegeben wird: „Theodor Herzl war sich von Anfang an über feine Ziele klar". In diesem Satz, mit dem Dr. Ehrenpreis die Judenstaatspolitik Herzls kennzeichnen wollte, erblickt der Herausgeber ein Bekenntnis zur Echtheit der „Protokolle". Da sich Dr. Ehrenpreis, der neben Herzl die Einladungen zum ersten Kongreß unterschrieben hat und der erste Generalsekretär der Zionistischen Organisation war, und ebenso der schweizerische Zionistenverband und die Baseler jüdische Gemeinde durch die in den Schweizer Zeitung Wiedergegebene Behauptung .der Echtheit der Protokolle beleidigt fühlen, haben sie die Klage gegen die betreffenden Zeitungen erhoben. Das Baseler Gericht hat zunächst 750 Exemplare der Protokolle in Baseler Buchhandlungen beschlagnahmt und ein umfangreiches Verfahren eingeleitet, bei dem zum ersten Mal die behauptete Echtheit der Protokolle von einem öffentlichen Gericht geprüft werden soll. Zu einer Gerichtsverhandlung um die Protokolle der Weisen von Zion sollte es schon früher einmal kommen, als Achad Haam eine Klage gegen den Grasen Reventlow, der ihn als den Verfasser der Protokolle bezeichnet hatte, einbrachte^ Graf Reventlow erklärte jedoch damals vor der Verhandlung, er könne seine Behauptung nicht aufrecht erhalten, so daß die von Achad Haam'angestrebte gerichtliche Untersuchung über die „Protokolle" unterblieb. Die Kläger in dem jetzigen Prozeß beabsichtigen, nach seinem Abschluß die zuständigen Völkerbundsinstanzen zu veranlassen, im Interesse des internationalen Ehrenschutzes ein Verfahren eiuzuleiten, in dem endgültig festgestellt werden soll, daß die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" eine Fälschung sind. (ITA.). Die zweite Weltkonferenz des Weltverbandes der allgemeinen Zionisten. P r a g, 20. August Am 19. August, 8 Uhr abends, wurde im Gregrfaal des Prager Repräsentationshauses die zweite Weltkonferenz des W e lt v e r b a n d e s der Allgemeinen Z i o n i st e n eröffnet. Nach den Begrüßungsworten Dr. Moffinfons helt Dr. Schwarzbart in jiddischer Sprache einen Nachruf auf Dr. Chaim Arlosoroff. Cs folgte die Wahl des Präsidiums. Dr. Schwarzbart erstattete den Bericht der Leitung und entwickelte das politische und sozialwirtschaftliche Programm der Allgemeinen Zionisten. Er erkläre u. a., jdie Ergebnisse der bisherigen Arbeit in Erez Israel hat-