Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1933)
- Date
- 1933-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Safed 3× ep/1046078
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24. August 1933 Der Israeli! Nr. 34 Seite b ^Schulleiters besitzen, er müßte auch zugleich gute kaufmännische Fähigkeiten auftveisen. Die meisten höheren Schulen, insbesondere -Gymnasien, befinden sich ,im privatbesttz und siohen finanziell in höchster Blüte, Schulen, wie z. B. Herzlia-Gyinttasium, Bast suria-Gymnasium, humanistisches Gymnasium u.a.m. sind in der Lage, dem Lchrperfonal pünktlich ihre Gehälter auszahlen zu können. Es herrscht hier verlangen nach einer höheren, westeuropäisch geleiteten Schule, streng thoralreu geführt, ohne jede politische Färbung. Der Lehrplan und der Geist einer solchem Schule müßte denen der orthodoxen jüdischen Schulen in Deutschland entsprechen, natürlich mit einiger Rücksicht auf die hiesigen Verhältnisse. Insbesondere mußte den jüdischen Wissenschaften reichlich Rechnung getragen werden. Die Lehr- und Umgangssprachen können selbstverständlich nur Iwrith sein und es braucht wohl nicht erst betont zu werden, daß nur ö e r Lehrer überhaupt Aussichten hat, der in der ' hebräischen Sprache zuhause ist. Leider besitzen wir hierzulande noch keine thoratreue, höhere Knabenschule (wisrachi hat nur Volksschulen. Die Tachkemoni-Realschule kann aus Gründen, deren Erörterung hier zu weit führen würde, zu keinem rechten Gedeihen gelangen). Es wäre auch zu erwägen, eine solche Schule auf kooperativer Grundlage zu errichten, so daß der Schulleiter sich die geeigneten Lehrkräfte ans Ehuz laarez mitbringt und statt einem festen Gehalt eine kooperative Beteiligung der Lehrer, resp. einen gemeinschaftlichen Aufbau der Schule mit den Lehrern vornimmt. Diese Form ist hier vielfach anzutreffen. Die zu errichtende Schule durfte sich der Unterstützung weitester Kreise, insbesondere auch der hiesigen „Histadruth hacharedim" nach jeder Richtung hin erfreuen. Die „Histadruth Hacharcöim"bcsitzt bereits eine sehr gut geleitete Volksschule in eigenem Grundstück. Auch sonst tritt diese Vereinigung mit aller Energie für eine Besserung der religiösen Verhältnisse ein. Ganz besonders wird dem Ehilul Sabbat zu Leibe gegangen. Kehren wir nun wieder zu I n d u st r i e und Handel zurück. Hier gibt es noch einige Möglichkeiten, sich selbständige zu machen. Unter vielen anderen Möglichkeiten nenne ich: Eiscmvaren und Baubeschläge, Bauholzhanöluugen, Haushaltungs- und wirtschaflsartlkel, Blechwaren, Glas- und Porzellan, Fischräuchereien, Damenputzgeschäfte, Kleiderstoff- und Baumwollwarenfabriken. Ausreichend vorhanden sind Trikotagen-- und Strumpffabriken. Auch Kaufleuten mit kleinem Kapital (ca. 5000 RM.) ist Gelegenheit zur Selbständigkeit geboten. Die Hauptsache ist, daß mau die Fähigkeit besitzt, sich vollständig umstellen zu können. Diese Umstellung fällt aber den deutschen..Juden, im Gegensatz zu den aus dem Esten kommenden ineist sehr schwer, insbesondere im vorgeschrittenen Alter. — Sehr viele deutsche Kapitalisten kommen hierher in dem Glauben, Grund,und Boden oder sonstige Produktionsmittel recht billig kaufen zu können und kehren lieber in ihr Galuth-Land zurück, um dort vielleicht alles einzubüßen, als hier die der Konjunktur angemessenen Preise zu zahlen. Sie könnten hier vielleicht Gefahr laufen, bei einer etwa niedergehenden Konjunktur eine kleine Einbuße von ihrem oft recht stattlichen vermögen zu erleiden. Diese Leute betrachten Crez Israel als ein Ausbeutungsobsikt und sollten lieber nach Kanada oder Kalifornien gehen. Solche Aionsfreunde könnten sehr viel von ihren ostjüdischen Brüdern lernen, deren Großzügigkeit und schnelle Entschlußfähigkeit oft Bewunderung hervorruft. Sehr viele reiche Ostjuden kommen her, uni ihr Kapital in Crez Israel anzulegen, gleichviel ob ihnen geringerer oder größerer Nutzen winkt. — Man sagt hier, der Unterschied zwischen dem deutschjüdischen und dem ostjüdischen Kaufmann kennzeichnet sich am besten in folgendem Kalkulationssystem: wenn dem deutschen Kaufmann etwas offeriert wird, so zieht er sein Notizbuch heraus und fängt an zu rechnen. Reihe an Reihe reiht sich, eine Seite nach der anderen wird nüt Zahlen bedeckt; kommt er dairn endlich zu dem Resultat, daß er an dem offerierten Geschäft Mt verdienen kann, kaust er; glaubt er aber nur wenig verdienen zu können, so kauft er nicht, seine Rechnung läuft aber immer aufs verdienen hinaus. Anders der Ostjude, wird ihm etwas offeriert, so macht er sich auf irgend einem Stückchen Papier seine Rechnung und kommt schließlich zu dem Resultat: „wieviel kann ich hierbei schon verlieren?" Cr rechnet also gleich mit einem evtl, kleinen Verlust — und kaust, wie es uns die Erfahrung lehrt, ist er trotz feiner evtl. Verlustkäufe — der Tüchtigere. Aber auch viel öeutschjüöische Kaufleute kommen ins Land, die sich absolut zu keinem Objekt entschließen können, auch wenn es noch so vorteilhaft erscheint, weil sic eben nicht die geringste Entschlußkraft aufdringen können und glauben, bei jedem Geschäft unbedingt hereinzufallen. Diese Leute reisen wieder unbefriedigt ab, kehren zurück in ihr Golusland und glauben, nur Schlechtes in Erez Israel erlebt zu haben; sie beweisen damit, daß die Kundschafter, die irm nty» aussandte, nicht ausgestorben sind, sondern sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Erst vor wenigen Tagen begegnete mir ein junger Mann aus Berlin, der im Aufträge feines Vaters das Land bereiste und nach wirtschaftlichen Möglichkeiten Ausschau halten sollte, der mir erzählte: „Ich bin jetzt 2 Tage im Lande (ein Tag davon war Schabbos), habe schon das ganze Geschäft in Palästina kennen gelernt und sehe, daß hier „nichts zu machen" ist". Ich habe ihm geraten, mit dem nächsten Schiff nach Europa zurnckznfahren. Um nun zu einem etwas erfreulicheren Abschluß zu kommen, möchte ich noch einige Berufe nennen, in denen m. E. Aussicht auf eine Existenz vorhanden sein dürfte. Z. B. in der Lebensmittelb r a n ch e. Modern aufgemachte Kolonialwarengcschaftc, feine Delikateßgeschäfte, Obst und Gemüse, Backwaren, Fischgeschäfte, alles aber n u r i n m od c r n st e r A u f m a ch u n g , da sonst genügend solcher Geschäfte vorhanden sind. Auch eine Fabrik, die Konfitüren, Marzipan, Pralines, Bonbons usw. hecstellt, wäre am Platze. (Schokoladenfabriken sind genügend vorhanden). Sehr enrpsehlenswert ist noch immer die Bienenzucht, die heute noch kaum die Hälfte des Inlanöboöarfes deckt. Sie ist sehr rentabel und soll schon im ersten Jahre 50 proz. des investierten Kapitals abwerfen. (Erschöpfende Auskünfte hierüber erteilt bereitwilligst die Imkerei Robert Blum, Tel-Awlw, Harkonstraße 108). Auch die M i l ch w i r t s ch a s t erweist sich sehr gewinnbringend. Drei erstklassige (holländische!) Kühe bringen den Bedarf einer Familie. Ferner ist die H ü h n e rz u ch t ertragreich, muß aber sehr verstanden sein, da durch eine nicht rechtzeitig festgestellte vorhandene Krankheit die ganze Farm zugrunde gehen kann. Auch in einzelnen a n d e r e n B r a n ch e n ist eine Cin- 'chaltung — wenn modern aufgezogen — von Fall zu Fall noch möglich. Sehr viel Propaganda wird jetzt für Besiedlung des palästinensischen Nordens gemacht. Insbesondere soll ein Teil der deutschen Alija nach S a f e d geleitet werden. Safed hat heute ca. 18 000 Einwohner, hiervon 7—8000 Juden, vorwiegend Sfardim. Safed ist Gebirgsstadt, noch etwas höher gelegen als Jerusalem. Das Klima ist insbesondere für 'deutsche Einwanderer sehr gesund, da auch im Hochsommer keine sehr hohen Temperaturen gemessen werden. Die Bevölkerung ist ziemlich arm, was übrigens früher auch bei den jetzt blühenden anderen Städten Palästinas der Fall war. Es ist j c tz 1 n o ch dort billig Boden zu erwerben und dürfte es sehr empfehlenswert sein, wenn sich geschlossene G e s e l l s ch a f t e n, e t w ä Vereinigungen von 60 Familien mit etwas Kapital, hier n i c d e c l a s s c tt w ii rde n. Es wird dieses von verschiedenen Organisationen angestrobt, jedoch dürfte hierbei in absehbarer Zeit nicht viel herauskommen. Die wühlen der Organisationen arbeiten langsam, viel zu langsam und umständlich. Reue Komitees werden schnell gebildet. Seit über vier wonaten werden überall Komitees zur Unterstützung der deutschen Auswanderung gebildet, werden große Summen in der ganzen Welt für diese Zwecke gesammelt, w a n w ü r d e a be r g e r n d e n cr st e n Ein w a nd c re r sehen, der ans Kosten dieser Sa m m - l u n g e n nach hier geschickt w i r d. Auch hier im Lande werden große Sammlungen veranstaltet, aber cs ist n i ch t m ögli ch . a n ch n u r e i n c n p i a st e r f ü r deutsche C i n w a n d ere r, d i e o h n e G e l d h e r g e k o m m e n s i n d . von e i n e r G r g a n i s a t i o n zu erhalte n. Cs wird in der Organisationen beraten und b eraten, i n z w i s ch e n a b er k ö n neu die s e Ri e n s ch e n (m e ist kauf m ännischc A n - gestellte) v e r h u n g e r n , w e n n s i ch n i ch t Privatleute ihrer a n n e h in e n. wögen diese Zeilen dazu beitragen, daß endlich etwas praktisches für die schon hier weilenden Olim geschieht. Die Welt gibt die Gelder, damit den Unglücklichen sofort Hilfe geschieht, und hierzu sind O r g a n isat i o tt c tt m i t ihren I a n g w i e r i g e n Apparaten sehr w e n t g g c e i g n e t. Es wäre daher empfehlenswert, wen» sich geschlossene Gesellschaften mit etwas Kapital in Safed niederlasfen würden, wo heute noch alles billig ist, und nicht zu warten, bis Organisationen helfen werden, oder auch dort der Boden s ch w i n d e l b a f t e Preise erreicht, wögen sie selber ihr Schicksal in die Hand nehmen und aus die Hilfe von bauen, der ihnen zur weiteren Bebauung des palästinensischen Bodens beistchen möge. Da Safed immerhin ca. 18 000 Einwohner, zählt, gutes Klima hat, landschaftlich terraffenartig gelegen ist, so ließe sich diese seit Jahrhunderten versunkene Stadt, durch Kapital und Fleiß deutscher Juden, zu herrlichstem neuen Leben erwecken-. •wn rmmsn pys mzna Korrespondenzen * Nachrichten. IMS Deutsches Reich. verbotene jüdische Zeitungen. Berlin, 22. August Aom Geheimen Staatspolizeiamt wurden, wie es in der Begründung heißt, zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, die „ I ü - bische Rundschau" und bio „£. V. - Zeitung " (Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) verboten. Letzteres Blatt wurde nur bis zum 2. September verboten, während das Verbot der „Jüdischen Rundschau" sich bis zum 15. Fe b r tt a r 1 9 3 4 erstreckt. i Zusätzliche Ausfuhr in verbittdung mit Vermögens- Übertragung nach Palästina. Frankfurt a. M., 23. August Der „Frankfurter Zeitung" wird aus Berlin folgendes telegraphiert: . Bestehende Möglichkeiten zu zusätzlichen deutschen Exporten (vor allem von M a s ch i n e n) nach Palästina sollen, wie verlautet, in folgender Weise ausgonutzt worden: Die Ausfuhrerlöse werden nach einer von einer Treuhandgesellschaft geschlossenen Vereinbarung reichsangehörigen Inden, die nach Palästina auswandern, dort gutgeschrieben, nachdent ihre im Inland vorhandenen Markbeträge zur Bezahlung der aus Deutschland bezogenen Waren verwandt morden sind. Auf diesem Wege ist also eine Transferierung von K a p i t a l i e n deutscher Juden nach Palästina möglich nnd zwar gilt die Vereinbarung bis zu einem chöchsibctrag von 3 Millionen Reichsmark. Gleichzeitig sind weitere 3 Millionen Reichsmark in Devisen bewilligt worden für den Transfer von Geldern der jüdischen Palästina-Organisation. Die vermittelnde Stelle ist unseres Wissens eine englischpalästinensische Bank.^ Wie uns mitgeteilt wird, ist die P a l ü st i n a - Z e nt r a l e der A g u d a s I i s r o e l in Frankfurt bereit, Interessenten nähere Einzelheiten über die hier getroffene Regelung mitznteilen und sie ztl beraten. Erez Irsrocl-Csrogim. Frankfurt a. M.. 17. Anglist Die palästinensische Landesorganisation der „Agttdas Jisrvel" in I e r ü f a l e m teilt mit, daß in diesem Jahre nusreichendes Material an schönen Erez Jisroel-Csrogim unter Garantie für alle religionsgesetzliche Anforderungen (Ausschluß von geliefert werden könne. Die