Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1933)
- Date
- 1933-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 33 Der Jsraelit 17. August 1933 Regierung darüber verständigt habe, daß den Juden, die nach Palästina auswandern wollen, die Mitnahme ihres Vermögens gestattet werde. Der Vertreter der Mandatarmacht, Mr. Poung, erklärte darauf, es sei der britischen Negierung bekannt, daß die deutsche Regierung in solchen Fällen die Ausfuhr von 1000 Lst, gestattet. Auf eine Frage Dr. Nuppels bestätigte der Regierungsvertreter, daß transjordanische Araber keines Passes bedürfen, um nach Palästina einzuwandern. Ueber die wahrscheinliche Dauer der gegenwärtigen Konjunktur tn Palästina und insbesondere der Baubewegung äußerte sich Mr. Poung in optimistischem Sinne. Zur Lage der Fuden in polen. Zürich, 11. August Anläßlich der Tagung der „Agudas Jisroel" in Zürich äußerten sich die Herren I. M. Lew in, Präsident der Agudas Iisroel-Landesorganisation in Polen und Herrn Oberrabbiner H o r w i tz aus Sanok, über die Lage der Juden in Polen gegenüber einem Vertreter der „I. P. Z." wie folgt: Wenn man die geographische Lage Polens betrachtet, wo im nachbarlichen Sowjet- Rußland einerseits, eine allgemeine jüdisch-religiöse Verfolgung herrscht, und in Deutschland andererseits die Juden ihrer bürgerlichen Gleichberechtigung beraubt werden, so sind die Juden in Polen, dättk der Negierung des Marschalls Pilfudski wie auf einer Insel gegen die Einflüsse der östlich-russischen Religionsversolgung und des westlichen Antisemitismus beschützt.' Es fei nicht zu verleugnen, daß der Antisemitismsu in Polen jetzt neu zu blühen beginne, jedoch lehne die überwiegende Mehrheit des polnischen Volkes treu seiner alten Tradition die Judenhetze entschieden ab. Die Regierung erstickt jede antisemitische Hetze im Keime; sie identifiziert den Antisemitismus mit Verrat am Staate. Aber auch auf wirtschaftlichem Gebiete sind Zeichen einer Besserung zu konstatieren. Die Polenheit Polens hegt ihr volles Vertrauen zur gegenwärtigen Regierung, daß sie gewillt fei, im Rahmen der Möglichkeit die allgemeine Wirtschaftslage Polens, darunter auch die jüdische Wirtschaftslage zu verbessern. . Was die Bedeutung der Aguda-Organifation in Polen betrifft, sei erwähnt, daß bei den letzten Kultusgemeindewahien die Agudas Jisroel bei fast 70 Prozent der Genreinden die Mehrheit der Sitze erobert, darunter die größten Gemeinden wie Warschau und Lodz. Das Schulwerk der Agudas Jisroel, wie ihre Jessode Hatorah und die Veth Jakob-Schulen, wo über hunderttausend Kinder ihre allgemeine, traditionelle und profane Erziehung genießen, gewinne immer mehr an Boden. Die Jugend- und Mädchenorganisationen, sowie die Aguüistische Arbeiterorganisation, bilden einen Damm gegen kommunistische Jdeeneinbrüche bei der jüdischen Jugend. Die Regierung hat auch Verständnis für die religiösen Bedürfnisse der polnischen Judenheit und trägt denselben Rechnung. Was die Intensivierung der Arbeit für Erez Israel betrifft, so ist zu sagen, daß die Agudas Jisroel kürzlich mehrere landwirtschaftliche Schulen, sowie Handwerker-Lehrstätten zur Ausbildung von religiösen Chaluzim gegründet hat. Holland. Eine deutsch-jüdische orthodoxe Schule in Holland. A m st e r d a m, 14. August Mit Erlaubnis des holländischen Unterrichtsministers wird im nächsten Monat eine jüdische Schule mit deutscher Unterrichtssprache für die Kinder der nach Holland übersiedelten deutschen Juden im Haag eröffnet werden. Die Schule wird auf traditioneller Basis stehen und nach dem Muster, der Frankfurter Samson Raphael Hirsch- Schule organisiert sein. Oesterreich. Numerus clausus sür ausländische Studenten an den österreichischen Hochschulen. Wien, 7. August Die Einführung eines Numerus clausus für ausländische Studenten an den österreichischen Hochschulen wurde amtlich verlautbart. Als Grund für diese Maßnahme wird Raummangel, sowie der Wunsch nach leichterer Einhaltung von Ruhe und Ordnung an den Hochschulen angegeben. Auch jene ausländischen Studenten die schon bisher an österreichischen Hochschulen eingeschrieben waren, müssen bis zum 1. September neuerlich inskribieren. Erst Anfang Oktober werden die Hochschulbehörden darüber entscheiden, welche Ausländer zum Studium weiterhin zugelaffen bleiben. Für Inländer ist stretrgfter Logitimationszwang vorgesehen. Regierung und Hochschulbehörden hoffen, daß durch diese Maßnahme der Lernfriede an den Anstalten gewährleistet sein wird. Die Einschränkung des Ausländerftudiums richtet sich, wie in eingeweihten Kreisen versichert wrd, einerseits gegen den Zustrom politisch unerwünschter Elenrente, andererseits gegen, die jüdischen Studenten aus Osteuropa. Polen. Urteil im Prozeß wegen Ermordung des Studenten Grotkowsko. Warschau, 10. August Das Lemberger Strafgericht hat den wegen Totschlags an dem nationaldemokratischen Studenten Grotkowsky angeklagten Moses Katz der unvorbedachten Tötung schuldig befunden und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die Mitangeklagten von Moses Katz, Israel Tune und Nehemia Schmer, wurden wegen Mangels von Beweisen freigesprochen. Ucgierungsauflagcn an die Lodzer Gemeinde. Lodz, 11. August Der Lodzer Gemeinde ist von der Vorgesetzten Wojwodschaft bei Zurückreichung des Budgets für 1933 die Auflage gernacht worden, die bisher selbständig verwaltete und finanzierte Schechita auf die Gemeinde zu übernehmen. Die Frage ist feit Jahren Gegenstand der Verhandlungen zwischen Gemeinde und Regierung und ist nun durch einen Machtfpruch der letzteren gelöst worden. Die Regierung glaubt, daß die Schechito-Einnahmen zur Verbesserung des Gemeindebudgets führen werden, während die Gemeinde sich davon ein stärkeres Defizit verspricht. Ferner hat die Regierung verfügt, daß es Pflicht der Lodzer Gemeinde fei, einen Oberrabbiner zu berufen. Die letztere Verfügung hat in den Kreisen der orthodoxen Judenheit der Stadt lebhafte Befriedigung .wachgerufen. rMsrachi-lveltkonfereiiz und Thora Iveawodah- Tagung. Krakau, 10. August Die für fünf Tage anberaumte Weltkonferenz des Misrachi wurde nach der Eröffnungsrede Rabbi Meir Berlins, der u. a. Worte des Gedenkens für Dr. Chaim Arloforoff sprach, von Vertretern der Wojwodschaft, des Stadtrates, zahlreicher jüdischer Gemeinden, sowie des französischen und tschechischen Konsulats begrüßt. Vom Oberrabbiner von Jerusalem, Kuk, war ein Begrüßungstelegramm eingelaufen. An den polnischen Staatspräsidenten Moscicki und an Marschall Pilfudski wurden Huldiguttgsdepeschen ab gesandt. — Auf der gleichzeitig stattfindenden Tagung der Thora Weawodah-Vewegung wurden Referate über das Verhältnis zum Misrachi, über Hachfcharah und Alijah und über die ideologischen Grundlagen der misrachistischen Jugend- und Arbeiterbewegung erstattet. Der Forderung des palästinensischen Delegierten Scheragai nach völliger Loslösung vom Misrachi trat Rabbi Berlin entgegen. In der zeitweilig stürmisch verlaufenen Generaldebatte verlangte eine Gruppe von Delegierten, daß sich die Bewegung ans das Programm eines religiösen Sozialismus festlege, was von der Mehrheit abgelehnt wurde. Krakau, 13. August Auf der Misrachi-Konferenz machte Rabbiner Fifhm a n n den Vorschlag, die organisatorische Basis des Misrachi zu erweitern und zu diesem Zwecke einen allgemein religiösen Kongreß nach Jerusalem einzubevusen. Rabbiner Amiel und andere Redner traten dafür ein, auch außerhalb der zionistischen Organisation stehende Gruppen in den Misrachi aufzunehmen und es wurde dabei mehrfach angedeutet, daß der Misrachi aus der .zionistischen Organisation austreten und sich als unabhängige religiöse Partei konstituieren soll. Rabbi Meir Berlin lehnte diese letzteren Anregungen entschieden ab. Rabbiner Fi sh mann erklärte in seinem Referat, daß die Ergebnisse der Misrachi-Arbeit nach 32jähriger Tätigkeit nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden können. Der Misrachi habe Zwar seinerseits sehr viel für den Zionismus geleistet, aber feine eigenen Ideen in der zionistischen Organisation nicht durchsetzen können, vielmehr habe er den Weg der Kompromisse gewandelt. Beweis dafür, fei die fortgesetzte Verletzung der religiösen Vorschriften in Palästina im allgemeinen und in den Betrieben, die auf dem Boden des Nationalfonüs errichtet worden find, im besonderen. Der Misrachi kämpfe leider mehr gegen rechts als gegen links. Durch Einberufung eines Weltkongresses des religiösen Judentums könne der Misrachi einen Zusammenschluß mit den rechts von ihm stehenden Gruppen fördern. Rabbiner Amiel aus Antwerpen sprach über die Ideologie des Misrachi und erläuterte den Unterschied zwischen misrachistischer und agudistischer Anschauung. Die Tendenz seines Referates ging dahin, die agudistisch gesinnten orthodoxen Juden für den organisatorischen Rahmen des Misrachi zu gewinnen. Den Bericht der Misrachi-Weltzentrale erstattete Mosche Schapiro aus Jerusalem. Eine Verstärkung des misrachistischen Schulwesens sei im Hinblick auf die steigende Einwanderung aus Deutschland notwendig. In der Generaldebatte, die am Donnerstag Abend begann und am Freitag fortgesetzt wurde, waren alle Redner in. der Verurteilung der Gesetzesverletzungen im heiligen Lande einig, nicht aber hinsichtlich der Konsequenzen, die aus dieser Sachlage zu ziehen seien. Der Wille, in Erez Jisroel eine Einheitsfront der religiösen Kreise unter Einschluß der Agudas Jisroel zu schaffen, kam in der Aussprache stark zum Ausdruck. Rabbiner N i f f e n b a u m aus Warschau erhob schärfsten Protest dagegen, daß auch in der Siedlung Gan Schmuel, die den Namen von Rabbi Schmuel Mohilewer s. A. trägt, das Thoragesetz öffentlich mit Füßen getreten werde. Am Sonntag erstattete Herr Farbstein in vertraulicher Sitzung einen Bericht über die politische Lage im Zionismus. Tschecho-slowatei, Um den presover Rabbinatssitz. P r e f o v, 1. August Von zuverlässiger Seite wird uns mrtgeterlt, daß die in oftflovakifchen Blättern erschienenen Mitteilungen über den endgültigen Verzicht des Oberrabbiners Lau auf den Presover Rabbinatssitz völlig unrichtig sind. Die Gemeindeleitung wird im Einvernehmen mit der" überwältigenden Mehrheit der Gemeinde- Mitglieder die beschämende Angelegenheit erst dann als abgeschlossen ansehen, wenn es mit G'ttes Hilfe gelungen fein wird, die zuständigen Behörden von der vollkommenen Unschuld des Oberrabbiners zu überzeugen. Bis dahin bleibt vor G'tt und der Welt Oberrabbiner Lau der Raw der Presover Gemeinde. Damit fallen alle Kombinationen und Gerüchte über die Neubesetzung des Presover Rabbinatssitzes weg. Die das erdrückende Gros der Gemeinde bildenden Gutgesinnten würden jeden Versuch, die sittlich und rechtlich gebotene Treue zu ihrem geistigen Oberhaupt zu erschüttern, mit den alterschärfsten Mitteln zurückzuweisen wissen, gleichviel von welcher Seite dieser Versuch unternommen werden sollte. Jugoslawien. Landwirtschaftliche Rolonisierung von Juden in Jugoslawen. Belgrad, 3. August Im jugoslavischen Teil von Mazedonien wurde mit landwirtschaftlicher Kolonisierung von (inländischen) Juden begonnen. Wie die Belgrader Zeitungen melden, wurde die ersten 50 jüdischen Familien bereits in Bitol Jümarea angesiedelt. Der Landwirtschaftsminister hat die von jüdischer Seite finanziell gesicherten Kolonisierungsbestrebungen im Hinblick Es die infolge der Wirtschaftskrise eingetretene Verarmung der städtischen jüdischen Bevölkerung gebilligt.