Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1933)
- Date
- 1933-08-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Nr. 33 Seite 9 17. August 1933__ England. „Cmica", eine neue Hilssgefellschaft für Palästina- Siedlung. London, 2. August In London wurde unter dem Namen „Emica" eine neue Gesellschaft gegründet, deren Aufgabe es ist, armen Juden die Einwanderung nach Palästina und die Niederlassung in diesem Lande zu ermöglichen. An der Spitze.der neuen Gesellschaft stehen der Präsident der Jewish Colonisation Association (Jca) Sir Leonard L. Cohen, Felix M. Marburg, O. C. ü'Avigöor Goldsmid, I Simon Marks, Julius Simon, Bernarü Flexner, Dr. Julius Blau-Frankfurt und Dr. Alfred Klee. Felix M. Marburg, Bernard Flexner und Julius Simon sind „A"-Mitglieder der Bereinigung, weitere „A"- Mitglieder sollen durch den Palestine Trust Fund ernannt werden. Die übrigen heißen „B"-Mitglieder, weitere „B"-Mltglieder werden durch die Jewish Colonisation Association ernannt.! Oer Antrag Locker-Lampson.! London, 11. August, i Der vom Unterhaus, wie vor 14 Tagen gemeldet, gefaßte Beschluß auf Annahme des Antrags Locker- Lampson wegen Verleihung der Staatsbürgerschaft an staatenlose Juden hat folgenden Wortlaut:; Es wird auferlegt dem Commander Oliver Lockerj Lampson, dem Admiral Sueter, dem Lord Elmley, dem! Sir Wilfrid Sugden, dem Mr. Holford Knight, dem Mr.! Hannon und dem Mr. W. I. Stewart: ein Gesetz erngubringen, das bestimmt ist, die Möglichkeit einer Staatsbürgerschaft von außerhalb des 1 Britischen Reiches wohnhaften Juden zu schaffen und | zu erweitern. I Dieses „Gesetz über die Nationalität von Juden", das 1 bestimmt ist, die Möglichkeit einer Staatsbürgerschaft | | von außerhalb des Britischen Reiches wohnhaften Juden J zu schaffen und zu erweitern, ist dementsprechend ein* j gereicht und zum ersten Mal gelesen worden. Es wird i am Dienstag, den 7. November, zum zweiten Mal gej lesen und dann gedruckt werden." palösktna. Informationsmaterial für die palästinensische Industrie. Jerusalem, 9. August Nach 1^ jähriger Vorbereitung veröffentlicht die Abteilung für Handel und Industrie der Jewish Agency isoeben ein umfangreiches Buch über den Auße n Hände l d e s mittleren Ostens. Das Buch gibt instruktives Material über 672 verschiedene Import- und I Exportartikel der Länder des mittleren Ostens, Syrien, j Aegypten, Mesopotamien, Persien und der Türkei. Zuj summen haben diese Länder eine Einwohnerzahl von 49 j Millionen Menschen. Das Buch gibt der palästinensl-! schen Industrie einen außerordentlich wichtigen Ueberblick 1 über die Möglichkeiten, die ihr durch die Entwicklung des Exports nach den benachbarten Ländern des mittleren Ostens sich erschließen können. Auch für Handelsfirmen, die sich dem Import oder Export in Erez Jisroel widmen wollen, ist das Buch von aufschlußreicher Bedeutung. — Transjordanien und Syrien als Aufnahmeländer für jüdische Einwanderung. - Jerusalem, 6. August Die in Amman stattgehabte und von 300 Delegierten besuchte „ökonomische Konferenz" der gemäßigten Partei in Transjordame» beschäftigte sich eingehend mit der in Transjordanien herrschenden Wirt- 1 schaftskrise. Die Versammlung betonte ihre Treue gegenüber dem Emir Abdulla und ihre gegnerische Ein- Istellung gegenüber den nationalistischen Extremisten., Sie konnte aber nicht umhin, unter den sonstigen sehr vernünftigen wirtschaftlichen Beschlüssen auch kurz zu betonen, daß sie „Gegnerin des Zionismus" sei. „Doar Hajom" veröffentlicht ein Interview, das einem seiner Vertreter von dem Schriftleiter einer großen syrischen Zeitung gewährt worden ist. Auf die Frage, ob in Syrien deutsche Juden sich niederlassen könnten, antwortete Chirdin el Achüaf: „Ich kann sie versichern, daß wir moslemische Araber in Syrien der Einwanderung deutscher Juden durchaus sympathisch gegenüberstehen. Unserer Ansicht nach könnten 40- bis 30 000 deutsche Juden sich mit Leichtigkeit in Syrien Miederlassen. Sie würden freundlich empfangen werden. Wir haben das Empfinden, daß gerade die jüdische Einwanderung unserem Lande, nottut und daß hier die Stammesverwanötschaft zwischen Arabern und Juden sich günstig auswirken wird, während wir den Armeniern durchaus ablehnend gegenüberstehen. Wir bedauern sehr, daß die Beziehungen zwischen Arabern und Juden in Palästina sich in der letzten Zeit bis zur gegenseitigen Verständnislosigkeit verschärft haben. Unserer Ansicht nach müßte man im Gegenteil eine semitische Einheitsfront schaffen gegenüber den Uebergriffen der europäischen Völker, die die Semiten zu einer minderwertigen Rasse stempeln wollen. Gerade das neue Deutschland zeigt uns in dieser Hinsicht den richtigen Weg. Aus die Frage, welche Erwerbszweige den Juden in Syrien offen ständen, erfolgte die Antwort: alle. In unserem Lande sind die größten Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden und die Juden können von allen Gebrauch machen: Landwirtschaft, Industrie, Handel, freie Berufe usw. Zum Schluß äußerte sich der syrische Redakteur über die arabisch-jüdischen Beziehungen in Palästina und betonte, daß die syrischen Araber ihre Solidarität mit den palästinensischen nicht verleugnen könnten, daß sie aber ihren Einfluß gerne in der Richtung einer Entspannung der gegenseitigen Beziehungen geltend machen wollten. -- Die Verleugnung der jüdischen Religion durch den Zionismus. T e l - A w i w, 9. August In sämtlichen Kewuzoth usw. aus den Böden des Jüdischen Nationalsonds wird der Sabbat öffentlich entweiht. Man pflügt, man sät, man erntet, man fährt. Gemäß Beschluß des Zionistenkongresses hätte der Nationalsonds die Pflicht gehabt, den Verträgen sine Klausel zum Sabbatschutz einzufügen. Da derartige Beschlüsse aber nur eine höfliche Verbeugung vor dem Misrachi bedeuten und da mehr als Neunzehntel der Leiter und der Beamten sämtlicher zionistischen Instanzen selber den Sabbat entweihen, so bleibt es stets beim Alten. Die lammfrommen Misrachisten find gut genug, Geld zu sammeln und dürfen zufrieden sein, wenn man ihr schüchternes Klagen anhört. Von den längst vor der orthodoxen jüdischen Oeffentlichkeit gerichteten Misrachisührern ist auch auf dem dieser Tage beginnenden Zionistenkongreß nicht zu erwarten, daß sie endlich einmal die Interessen des wahren nationalen Judentums, das sich auf den Traditionen des jüdischen Volkes und nicht auf den assimilatorischen Weltanschauungen der modernen Nationaljuden ausbaut, mit Energie vertreten werden. Zu wünschen wäre es nur, daß es innerhalb des Misrachi endlich einmal einer in ihrem Verhältnis zum orthodoxen Judentum bewußteren und klareren Opposition gelingen möge, die Leitung des Misrachi in die Hand zu bekommen. (Im Zusammenhang mit dieser Zuschrift unsres Korrespondenten sind die Verhandlungen auf dem Misrachi-Kongreh in Krakau beachtenswert. Siehe Korrespondenz. Red.). Amerika. Der Bürgerkrieg in Cuba und die jüdische Bevölkerung. N e w y o r k, 11. August In Newyork sind Meldungen eingetroffen, denen zufolge die jüdische Bevölkerung, in Havanna und anderen cubamschen Städten durch den dort herrschenden Bürgerkrieg und Generalstreik und die damit in Zusammenhang stehenden Ruhestörungen und Terrorakte schwer betroffen wurde. Die genaue Zahl der im Laufe der Ereignisse verwundeten oder verhafteten Juden steht noch nicht fest. Etwa 600 jüdische Familien leben in cubanischen Provinzortschaften, ihr Schicksal gibt Anlaß zu chwereb Beunruhigung. In Havanna sind Nachrichten eingetroffen, aus denen hervorgeht, daß in der Provinz vielfach Wohnungen und Geschäfte von Juden erbrochen und geplündert wurden. Die jüdischen Institutionen in Euba sind außertande, den Notleidenden Hilfe zu leisten, da sie selbst aller Mittel entblößt sind. Sie haben deshalb an die Juden in den Vereinigten Staatne den dringenden Appell gerichtet, Mittel zur Unterstützung der bittersten Mangel leidenden jüdischen Opfer der Unruhen nach Euba zu lenden. - (Vettere Korrespondenzen siehe Sette 13.) Vermischtes Berlin, 10. Aug. Das Israelitische Krankenheim, Berlin N. 24, Elsässerstr. 85, macht hierdurch darauf aufmerksam, daß es bereits seit langer Zeit vollständig freie Arztwahl eingeführt hat, so daß jeder Arzt seine Patienten völlig uneingeschränkt behandeln kann. Das Israelitische Krankenheim ist stets unter Norden 8029 oder Norden 0831 zu erreichen. Bad Nauheim, 1. Aug. Mit Unterstützung aus Mitteln der Professor D. Simonsen-Stiftung kann jüdischen Kranken, die einer Kur in Bad Nauheim bedürfen, die Durchführung dieser Kur zu besonders ermäßigten Gebühren ermöglicht werden. Die Gäste der Professor D. Simonsen-Gesellschaft e.V. erhalten Unterkunft und rituelle Verpflegung in erstklassig geleiteten Kurhäusern (Einzelzimmer mit fließendem warmen und kalten Wasser, Balkon, Gartenbenutzung.) Anfragen sind zu richten an den Syndikus der Professor D. Simonsen-Gesellschast e. V., Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Selmar Spier, Frankfurt a. M., Taunusstr. 1. Bad Ems, 6. Aug. Haben Sie, verehrter Kollege, schon einmal die Wahrheit des Gäll'fchen Wortes bitter empfunden, daß ein „Herr Kollege" ein Mann sei, der seinesgleichen nicht schmecken könne, dann kommen Sie doch einmal nach Ems, gurgeln Sie den Hals frei von allem Schleim und die Seele von allein Aerger, daun werden Sie in unserem schönen Heim unsere Amtsbrüder und Schwestern, ohne alle kleinlichen Hemmungen des Alltags, von ihrer liebenswürdigsten Seite kennen lernen und neu gestärkt an Leib und Seele und froh bereit zur echten .Bruderliebe zu Ihrer Arbeitsstätte zurückkehren können. Aus solchen Gedanken einer Pflege des Gemeinschaftsgeistes, aber auch der ehrlichen Dankbarkeit gegen unsere Schwester Oberin, die in rührender Hingabe ihre Kraft dem Dienste ihrer Gäste weiht, wuchs ein geselliger Heimabend, der allen Insassen unvergeßlich bleiben wird. Kollege F a l k e n st e i n, der ewig Junge, regte den Abend nicht nur an, sondern trng durch die Wahl des Programms, wie auch durch seine Einleitungssprache dafür Sorge, daß die Feier dem besonderen Charakter der Zeit — in jeder Hinsicht angepaßt blieb. Auch der Nestor der Gäste, Kollege L i p p m a n n s o hn, fand innige Worte, die sowohl das Hohelied der Freundschaft sangen, wie auch eine Apothese des guten Geistes unseres Heims, wie auch seiner vorbildlichen Leitung zum Ausdruck brachte. Den musikalischen Teil des Abends bestritten die Herren Sanier unb S) e 5 mit ihren wohlausgebildeten schönen Stimmen, während Frl. Weiß mann Bibellegenden von zartester Schönheit, ihre eigenen Schöpfungen, zum Vortrag brachte. Frau K ö st r i ch, Kollege Rothschild und Kollege Blum erzählten ernste und launige Schulerlebnisse, die mit allen wahlgelungenen Vorträgen zeigtn, daß unser eingeborener Optimismus und unser G'ttvertrauen trotz Allem immer wieder zu seinem Rechte kommt. Mit dem Wunsche, daß ein gütiger Stern über unserm Heim für alle Zeiten wache und mit innigem Dank für alle, die zum Gelingen des Abends beigetragen, schloß der Leiter die Sitzung. Eine Sammlung, die ca. 20 Mk. betrug, wurde der Obrschwester zur freien Verfügung gestellt. Ungar. Brod, 31. Juli. Die am 22. Tamus stattgefundene Gedenkfeier an die vor 250 Jahren beim Ueberfall der Kurutzen in grausamer Weise hingemordeten Märtyrer gestaltete sich in jeder Beziehung würdig dem ernsten Charakter der Veranstaltung. Aus nah und fern waren Rabbiner, Gemeindedelegationen und Einzelpersonen erschienen, um pietätvoll derer zu gedenken, die in jüdischer Heiligkeit gelebt und den Tod für ihren Glauben erlitten haben. Unter den Gästen sah man die Herren Oberrabbiner Josef Broda, Myjava, der als Delegierter der Bratislavaer orthodoxen Landeskanzlei erschienen war, Oberrabbiner Weinberger, Dun. Streda, Oberrabbiner S. Weiß, Senica, u. a. Auch die Behörden und die christlichen Konfessionen waren mit zahlreichen führenden Persönlichkeiten vertreten. Die Rabbiner Mähren-Schlesiens vertrat Herr Oberrabbiner Dr. Spira, Mähr.-Oftrau; von nichtorthodoxen Rabbinern der Slowakei waren die Herren Oberrabbiner Dr. Schweiger, Nitra, und Dr. M. Enten, Kosice, anwesend. Im großen Turnsaal der Gemeinde wurden die nach Hunderten zählenden - Gäste vom stellvertretenden Vorsteher, Herrn Eugen Beck herzlichst begrüßt. Ansprachen hielten die Herren Rabbiner Dr. Kalman Nürnberger, Uh. Brod, Bürgermeister L u z a, Vizebürgermeister Dechant H l o b i I, Musealdirektor H a - 6 e r {a n b und zuletzt eines der ältesten Mitglieder der Uh. Broder Gemeinde, Herr Jakob S. S ch ö n. Auf seinen unter jubelndem Beifall aufgenommenen Vorschlag wurde an Präsidenten M a s a r y k ein Hulüigungstelegramm abgesandt. Nach dem Minchagebet begab man sich aus das o«nn nn zum Grabe des Rabbi Nosson Nota Aschkenask srn. Dort sprachen die Herren Direktor Ferü. Prager, Rabbiner Dr. R ü r n b e r - ger, Oberrabbiner Broda, Oberrabbiner Dr. S ch w e iger, Nitra, Oberrabbiner Reich, Vrbove, und Oberrabbiner Weiß, Senica, die alle in bewegten Worten die Anwesenden aufforderten, in diesen Zeiten jüdischer Selbstbesinnung darauf bedacht zu sein, die jüdische Jugend der stark vernachlässigten mährischen Gemeinden zur Thoratreue zurückzuführen und ihr das Bewußtsein wiederzugeben, Angehörige des Volkes der Thora zu sein.