Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1933)
- Date
- 1933-08-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 6 Nr. 32 Der Israelit 10. August 1933 weiteren Rassenvermischung lehne er es von vornherein ab, Nichtarier aufzunehmen. Bereits die Möglichkeit, daß der Gesuchsteller in entfernterem Grade als dem der Großeltern von Nichtariern abstamme, gebe genügenden Grund zur Ablehnung des Gesuches. Fremdstämmige dürften grundsätzlich nicht eingebürgert werden. Ausnahmen gelten nur, wenn sich der Gesuchsteller besondere Verdienste in Deutschland erworben habe. Wenn sich der Gesuchsteller mit einem Angehörigen einer fremden Rasse, besonders der jüdischen Rasse, verheiratet, sei die Einbürgerung grundsätzlich zu versagen. Kein Arier-Paragraph für die Leipziger Messe. Leipzig, 4. August Das Leipziger Messeamt gibt für die Besucher der bevorstehenden Leipziger Herbstmesse folgendes bekannt: „Die Leipziger Messe ist seit Jahrhunderten sowohl im Hinblick aus die Einkäufer als auch auf die Aussteller eine internationale Veranstaltung. Es ist selbstverständlich, daß diese Jnternationalität der Leipziger Messe auch in Zukunft keine Störung erfährt. Die Leipziger Messe ist und bleibt ein Instrument des Warenverkehrs, dessen Bedeutung nicht auf den deutschen Binnenmarkt beschränkt bleibt, sondern international ist. Alle Gerüchte, daß bestimmte Staaten und Völkergruppen, zum Beispiel nichtarische Kaufleute, von der Beschickung und dem Besuch der Leipziger Messe ausgeschlossen werden sollten, entbehren jeder Grundlage. Auch den in Deutschland ansässigen jüdischen Kaufleuten wird bei der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit auf der Leipziger Messe kein Hindernis in den Weg gelegt. Die Gerüchte, die von einem Teil der ausländischen Presse unter der Ueberschrift „Juden von der Leipziger Messe ausgeschaltet" böswillig verbreitet werden, sollen sich auf die Tatsache stützen, daß für eine Sonderveranstaltung im Rahmen der diesjährigen Herbstmesse die erste „braune" große Messe durchgeführt wird. Hier handelt es sich um eine Schau rein deutscher Waren, die von deutschen Fabrikanten des gewerblichen Mittelstandes hergestellt werden. Schon feit vielen Jahren zeigen andere Länder in geschlossenen Sammelausstellungen die Erzeugnisse ihrer nationalen Produktion aus der Leipziger Messe. Die Tatsache, daß jetzt auch die deutschen Fabrikanten eine Sonderschau rein deutscher Waren aus der Leipziger Messe zeigen, gibt keinerlei Anlaß zu der Vermutung, daß Angehörige irgend welcher Völker und Rassen von der Leipziger Messe ausgeschlossen werden sollen." .Richtlinien der Juristischen Wochenschrift. Leipzig, 5. August Die „Juristische Wochenschrift", die vom Reichsjustizkommissar Staatsminister Dr. Hans Frank heraüsgegebene Zeitschrift des Deutschen Anwaltvereins, veröffentlicht an der Spitze ihrer neuesten Nummer die Richtlinien der Schriftleitung. Die erste dieser Richtlinien lautet: „Die Juristische Wochenschrift als Zeitschrift des Deutschen Anwaltvereins im Bunde nationlafozialistischer Deutscher Juristen, kann nur Beiträge von Personen veröffentlichen, die Arier sind. Bücher, deren Verfasser Nichtarier, oder die in nichtarischen Verlagsunternehmungen erschienen sind, werden im Schrifttum nicht besprochen: Anzeigen über solche Bücher werden auch nicht in den Anzeigenteil ausgenommen." Ausschluß nichtarischer Studienreferendare. Berlin, 8. August Der preußische Kultusminister hat eine umfangreiche Anweisung über die Durchführung des Berufsbeamtengesetzes bei den Studienreferendaren und Kandidaten des höheren Lehramtes erlassen. Alle Referendare müssen eine dienstliche Versicherung über ihre arische Abkunft abgeben. Kandidaten nichtarischer Abstammung werden in Zukunft nicht mehr zum Vorbereitungsdienst in Preußen zugelassen. Sofern sie sich bereits vor dem 1. August zur wissenschaftlichen Prüfung gemeldet haben, können sie diese noch beenden. Nichtarische Referendare, die sich bereits zur pädagogischen Prüfung im Herbst gemeldet haben, können die Prüfung noch beenden und werden nach Ablegung derselben zum 1. Oktober entlassen. Schweiz. Internationales Hilfskomitee für geistige Arbeiter aus Deutschland. Genf, 6. August In Genf hat sich vor einiger Zeit ein internationales Komitee zu dem Zwecke gebildet, geistigen Arbeitern, die in letzter Zeit genötigt waren, Deutschland zu verlassen, Arbeits- und StellungSMvglichteiten ZU verschaffen. Etwa vierzig prominente Persönlichkeiten stehen an der Spitze dieser Bewegung für internationale Hilfeleistung. Im Oktober wird ein britischer Appell an die zahlreichen alle gesellschaftlichen Schichten umfassenden englischen Komitees erlassen werden. Ein ähnlicher Appell wird anläßlich des Frauenkongresses, der in Chicago während der Weltausstellung abgehalten wird, von der Vorsitzenden Mrs. Chapman an die Vereinigten Staaten gerichtet werden. Das Komitee will den Flüchtlingen an den verschiedensten wissenschaftlichen Institutionen der Welt, nämlich an Laboratorien, Sammlungen, Bibliotheken, Forschungsinstituten zusätzliche Arbeit verschaffen. Es stellt den Institutionen die nötigen Geldmittel zur Verfügung, wogegen einer der emigrierten Fachleute mit einem Posten oder einer bestimmten Arbeit betraut wird. Lehrstühle können nicht errichtet werden; vielerlei wissenschaftliche Arbeit jedoch, die in den letzten Jahren in den meisten Ländern aus Mangel an materiellen Mitteln eingestellt werden mußte, kann auf diese Weise wieder ausgenommen und fortgesetzt werden. Der zweite Teil des Arbeitsprogramms besteht darin, den Flüchtlingen in solchen außereuropäischen Ländern Stellungen zu verschaffen, die für die Organisation oder die Reform ihrer technischen und wissenschaftlichen Einrichtungen von den Kenntnissen der freigewordenen deutschen Fachleute guten Gebrauch machen können. Die Transjordanien-Frage vor der Mandatkommission. Genf, 2. August Das offizielle Protokoll der letzten Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes wird erst Ende September anläßlich der nächsten Tagung des Völkerbundsrates veröffentlicht werden. Ueber den Verlaus der Verhandlungen auf der letzten Tagung der Mandatskommision erfährt der Genfer JTA-Vertreter folgende das Palästina-Mandat betreffende Einzelheiten: In der ersten Sitzung wurde die Frage jüdischer Kolonisation in Transjordanien sowie die Stellung der britischen Regierung zu einer solchen ausführlich erörtert. Die Frage wurde durch das britische Mitglied der Kommission Lord Luggard aufgeworfen. Er fragte den Vertreter der Mandatarmacht M. A. P o u n g, ob Aussichten für eine Kolonisierung von Juden und Arabern in Transjordanien vorhanden feien und ob die Regierung geneigt fei, eine solche Einwanderung zu erleichtern. In seiner Antwort betonte Poung vor allem, daß die Bestimmungen des Palästina-Mandats betreffend die Errichtung des Jüdischen Nationalheims sich nicht auf Transjordanien erstreckten, und daß es sich jetzt nicht darum handle, irgendwelche Aenüerungen in dieser Beziehung vorzunehmen. Die britische Regierung glaube nicht, daß es gegenwärtig möglich sei, die Niederlassung von Juden in Transjordanien zu erleichtern. Auf eine weitere Frage des portugiesischen Kommissionsmitgliedes nach den Gründen für diese Haltung erklärte Poung, die Niederlassung von Juden in Transjordanien könne aus allgemeinen Gründen der Sicherheit nicht ermutigt werden. Es gäbe dort keine Bewegung zugunsten der Einwanderung anderer Rassen und es seien auch nicht größere zur Kolonisation geeignete Landstrecken vorhanden, wenn auch das Land nicht so dicht bevölkert sei wie Palästina. Nach diesen Erklärungen nahm der Vizepräsident der Kommission v a n R e e s das Wort. Er wies darauf hin, daß das Mandat die Einwanderung von Juden nach Transjordanien nicht ausschließe. Ban Rees beschäftigte Ich mit den in letzter Zeit verbreiteten Nachrichten, aus denen hervorgehe, daß in Transjordanien der Wunsch nach jüdischer Einwanderung und Niederlassung bestehe. Wenn Emir Abdullah für jüdische Einwanderung sei, erklärte van Rees, dann möchte er wissen, warum die britische Regierung dagegen sei. Der Vertreter der Mandatarregierung Poung erwiderte, er sei mit van Rees darin einer Meinung, daß das Mandat jüdische Einwanderung nach Transjordanien nicht ausschließe: die britische Regierung sei jedoch unter- Berücksichtigung der allgemeinen Stimmung im Lande und der Sicherheitsfrage zu der Ansicht gelangt, bah es nicht zweckmäßig sei, derzeit eine jüdische Kolonisation in Transjordanien zu erleichtern. Lord Luggard richtete an Poung die Frage, toiesich die Regierung zu einer mit Unterstützung der Juden durchzuführenden Ansiedlung von Arabern in Transjordanren stelle. Doung erwiderte, die Regierung habe gegen ein solches Projekt nichts einzuwenden, doch könne es sich nicht darum handeln, Araber in größerer Zahl, nach Transjordanien umzusiedeln, als der Aufnahmefähigkeit des Landes entspreche. Es seien weder größere Bodenreserven noch eine einer Masseneinwunderung günstige Stimmung in Transjordanien vorhanden. Van Rees, machte daraus aufmerksam, daß Transjordanien eigentlich doppelt so groß sei wie Palästina, dabei aber eine- Bevölkerung von nur etwa 300 000 Seelen aufweise, während in Palästina beinahe eine Million Menschen, wohnen. Er wiederholte seine Frage, ob es klug sei, den. Verkauf von Boden in Transjordanien zu verhindern, wenn der Emir selbst den Verkauf wünsche. Poung erklärte, es gäbe in Transjordanien große Gebiete von Oedland, während kulturfähiger Boden nicht weniger dichtbevölkert sei als in Palästina. Jedenfalls sei der Unterschied nicht groß. Die Regierung sei nicht gegen die Zulassung einer Einwanderung nach Transjordanien, jedoch nur in einem der Aufnahmefähigkeit des Landes angepaßten Ausmaß. Auf eine weitere Frage erklärte Poung, es bestehe kein allgemeines Bodenkaufverbot für Juden,, die Genehmigung zum Bodenkauf sei Juden nur individuell verweigert worden. Van Rees bemerkte nunmehr, nicht alle in Palästina ansässigen Juden seien palästinensische Bürger; die Bürger der dem Völkerbund angehörenden Staaten aber müßten nach dem Grundsatz der wirtschaftlichen Gleichberechtigung der Völkerbundsstaaten in Transjordanien / ebenso behandelt werden wie andere Bürger dieser Staaten. Poung erklärte, die Regierung sorge dafür, daß der Grundsatz wirtschaftlicher Gleichheit in Transjordanien gewahrt werde. Schließlich gab Poung auf eine Frage von Professor Rappard nochmals die Erklärung ab, d aß die britische Regierung derzeit nicht gewillt sei, die Niederlassung von Juden in' Transjordanien zu erleichtern. Bezüglich des Legislative Council erklärte Poung, die Regierung halte an ihrem Entschluß, einen solchen Rat zu schaffen, fest, wenn auch in arabischen Kreisen ein gewisser Widerstand gegen den Plan bestehe und die Opposition der Juden gegen ihn sehr stark sei. (Siehe hierzu Wochenrundschau. Red.). Polen. Antisemitische Lxzedenlen in polen verurteilt. Warschau, 6. August Das Kreisgericht ist Wadowice hat in dem großen Prozeß gegen 42 Einwohner einer Reihe von Marktflecken und Dörfern im Distrikt Zywic in Polinsch-Oberschlesien nahe der deutschen Grenze, die wogen Teilnahme an den pogromarttgen Ausschreitungen im März angeklagt worden waren, das Urteil gefällt. Der Hauptangeklagte Professor Ferens wurde zu 3 Jahren, ein weiterem Angeklagter zu 2 Jahren, einer zu 18 Monaten, einer zu 16 Monaten, einer zu 14 und zwei zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. 24 Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von 4 bis 8 Monaten, 11 wurden freigesprochen. Die polizeiliche Ermittlung hatte ergeben, daß die Angeklagten fast durchwegs Mitglieder des Haller-Verbandes oder des inzwischen aufgelösten „Obwiepol" waren. Frankreich. Lin „verein für rituelle Speisehäuser" in Frankreichs Paris, 7. August Die Gesellschaft „La Chounamit“ Ist in Paris vor 4 Monaten gegründet worden zu dem Zweck, nach der Art des Hamburger Vereins rituell zuverlässige Pensionen und Gasthäuser zu schaffen, um so dem reisenden oder sich für längere Dauer aufhaltenden Publikum Gelegenheit zu geben, ohne langes Suchen rituell einwandfreie Verpflegung gegen möglichst mäßige Preise zu erhalten. Dem Vorstand gehören u. a. an Prof. Marcus Cohn an der Sorbonne und Ecole Rabbinique, Mr. Mathieu Müller, Rabb. S ch i l l i und andere Persönlichkeiten, die im Zentrum des französischen jüdischen Lebens stehen. Anfragen und Beitrittserklärungen als Mitglieder-