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Der Israelit · 1933-08-10 · Heft 32 (10.8.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 32 (10.8.1933)
Date
1933-08-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 32 Der Israeli! 10. August. 1933. Das wäre dann eine reichsgesetzliche Festlegung der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse gegenüber allen anderen nichtdeutschstämmig'en Menschen, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben, ähnlich wie dies im Cvbhofgesetz zum Ausdruck gekommen ist. Run mag es gewiß verbissene Judengegner genug geben, die eine solche Anprangerung des jüdischen Volkes ans dem Wege der Gesetzgebung - mit besonderer Genugtuung begrüßen würden. Aber sie widerspricht nrannigfachen Erklärungen, die von fühcenden Stellen grade in der Frage der Raffenpolitik abgegeben worden sind, und auch die juristischen Verwicklungen, die sich aus einer solchen Differenzierung zwischen den einzelnen nichtdeutschen Rationalitäten ergeben würden und auf die auch die erwähnte Zeitung hinweist, sprechen gegen diese Interpretation der unklaren Pressenotiz, wir glauben vielmehr, daß diese einen ganz anderen Sinn haben sollte. Sie besagt unsres Erachtens einfach, daß man sich mit dem Ausschluß der Richt-Arier vom vollen Reichsbürgerrecht begnügen will, aber nicht daran denkt, diese Richt-Arier oder sonstige Gruppen von nichtgermanischcn Rcichsangehörigen nun auch positiv als „nationale Minderheit" im Sinne des Völkerrechts zu konstituieren. Da aber das volle Reichsbürgerrecht überhaupt nicht jedem Deutschen automatisch zufallen, sondern aus Grund von Verdiensten verliehen werden soll, so wird hierbei wohl kaum an eine Zurücksetzung von Juden hinter Polen, Dänen und son- .stigen Richtdeutschen gedacht werden. wie die jüdischen „Reichsangehörigen jüdischen Glaubens und Stammes" ihre inneren religiösen und kulturellen Angelegenheiten ordnen wollen, wird man wohl zunächst ihnen selbst überlassen, wobei es allerdings früher oder später zu einer der allgemeinen Tendenz entsprechenden Vereinheitlichung der buntscheckigen jüdischen Gemeindegesetzgebung in den verschiedenen Ländern und Provinzen kommen dürfte. Das wird heute wesentlich schneller gehen als in den Zeiten der parlamentarischen und partkularistischcn Länderdemokratie, und sich darauf rechtzeitig vorzubereiten, wird Pflicht der jüdischen Gemeindeorganisationen sein. Transjordanien und Irak. Zwei Meldungen im Nachrichtentoil der heutigen Rümmer lenken die Aufmerksamkeit auf ein Problem, das gerade heute immer größere Beachtung heischt: die Frage der Ansiedlung von Juden in den Palästina benachbarten Ländern. Hierbei kommen in erster Reihe Transjordanien und der Irak, in zweiter Reihe Schrien in Betracht. Transjordanien hat vor ein paar Monaten in der Presse viel von sich reden gemacht, als es schien, daß der Emir Abdulla, der Beherrscher dieses Landes, zur Zigarren Wolf Zeil "■'w Tel. Hanta 27930 Bekämpfung der dort herrschenden wirtschaftlichen Rot den Verkauf größerer Bodenkomplexe an jüdische Gesellschaften und die systematische Ansieblung von Inden ins Auge fassen wollte. Diese Absichten riefen sofort die arabischen Rationalisten von Palästina auf den plan, die eine starke Bewegung gegen den Emir und seine Pläne entfesselten.. Zwar stellte sich das iransjordanische Parlament vollkommen auf die Seite Emir Abdullas, aber es scheint,, daß die hinter den Kulissen wirkenden arabisch-nationalistischen Faktoren doch stärker waren als die offiziellen Staatsorgane Transjordaniens, denn es ist inzwischen von diesen jüdischen Siedlungspläncn ganz still geworden. was jetzt aus der letzten Sitzung der Mandatkommission des Völkerbundes in Genf von der Sielsungnahme der britischen Regierung zu den transjordanischen Anstedlnngspläncn berichtet wird, läßt nun erkennen, daß die Befürworter jener Pläne offenbar die Rechnung ohne den Wirt gemacht und es versäumt hatten, zunächst die Zustimmung der Mandatarmacht Zü ihrem Unternehmen einzuholen Die britische Regierung hat in Genf rundweg erklärt, es fei gegenwärtig nicht möglich, die Riederlassung von Juden in Transjordanien zu erleichtern und hat diese Erklärung noch ein zweites Mai mit einem gewissen Rachdruck unterstrichen. Zur Begründung wurden zwei. Momente angeführt. Einmal meinte der palästinensische Vertreter, Mr. ^oung, es sprächen Gründe der „Sicherheit" gegen die Riederlassung von Inden in Transjordanien und außerdem behauptet er, daß der kulturfähige Boden in diesem Lande, das doppelt so groß ist wie Crez Iisroel, nicht weniger dicht bevölkert sei als das Gebiet westlich des Jordans. Man kann eigentlich nicht behaupten, daß beide Begründungen besonders einleuchtend sind. Zwar ist Transjordanien mit seiner lang gestreckten gegen die wüste vollkommen offenen Dstgrenze, hinter der nur ein dünner Streifen von Menschen bewohnten Gebietes liegt, an und für sich den räuberischen Ueberfällen der Beduinen in außerordentlich starkem Maße ausgesetzt. Aber was im Cmek möglich ist, Schutz und Verteidigung des Gebietes durch die Siedler selbst in Gemeinschaft mit einer gut organisierten und mit Flugzeugen ausgcstatteten Polizeitruppe, läßt sich bei gutem willen auch in Transjordanien durchführen. . Es steht also so ans, als ob die Fernhaltung der Juden aus Transjordanien höheren politischen Erwürgungen, oder mit anderen Worten einem stillen! Ueberoinkommen der britischen Regierung mit den : arabischen Rationalisten znznschreiben sei. schätzende Hilfe in diesem Kampf auch in der Betonung des Speziellen jeder einzelnen Religion in ihren Kreisen; denn jede neu zurückgewonnene Seele bedeutet einen Gewinn für das Ganze., wir sind der Anschauung, daß eine Stellungnahme der einzelnen Religionen zu diesem Vorschlag erst nach dieser gemeinsamen Aussprache stattfinden sollte. Cs wäre dann die Linie deutlicher erkennbar, und man wäre wenigstens über den ersten Schritt hinweg, wir stellen unseren Vorschlag hiermit zur Diskussion. wir haben das hier von uns nahestehender Seite angeschnittene Problem im Laufe der Jahre wiederholt an dieser Stelle beleuchtet. Heute, da die Welt und gewiß die deutsche Iudenheit durch andersgeartete geschichtliche Ereignisse präokkupiert scheint, könnte mancher glauben, der geistige Abwehrkamps gegen die bolschewistische Gog-Magog-Bewegung sei ein menschheitliches Interesse zweiten Ranges, wir halten das für einen Irrtum. So wenig wie man über der Fürsorge für die in Rot geratenen deutschen Juden der unglücklichen Hungernden in Rußland vergessen darf, so wenig sollte hinter der geistigen Auseinandersetzung mit der rassischen und nationalistischen Ideenwelt die große Solidarität aller g ' t t e s g l ä u b i - gen, d e n g r o b c n M a t e r i « l i s m u s verwerfende n M e n s ch h e i t s g r u p p e n gegenüber dem Gottlofentum aus dem Gesichtskreis vcrschwinden. wochenrundschau. ZV*. Die Biirgerrechkssrage. Durch die deutsche Presse ging vor einigen Tagen eine orakelhaft klingende Rotiz über die Ausgestaltung des neuen Reichsbürgerrechts, in der es hieß, das neue Reichsrecht werde „zwar den weg der raffenmäßigen Scheidung zwischen Ariern und Richtariern fortselzcn, eine Sonderbehandlung der nationalen Minderheiten sei aber nicht beabsichtigt." Die C. v.- Zeitung zieht daraus den Schluß, es werde künftig in Deutschland drei Gruppen von Bürgern geben: vollberechtigte Reichs btt cg er arischer Abstammung, reichs a n g e h ö r i g e Juden, die nicht als Reichs b ü r g e r mit vollen Rechten gelten, endlich vollberechtigte Reichsbürger, die ihrer Rationalität nach Polen, Litauer, D ä n e n usw. sind. Heimkehr — und was dann? Wir beginnen im Feuilleton dieser Rümmer mit der Veröffentlichung einer Erzählung Heimkehr — und was dann? von Karl Darm st adle r. Der Verfasser ist den Lesern des „Israelit" nicht mehr unbekannt. Seit den Tagen des Krieges versucht er. in gebundener Sprache jüdisches Leben und Erleben zum Ausdruck zu bringen. Die an anderer Stelle henke zum Abdruck gebrachten Verse „Die Kinder . . .“ lassen erkennen, mit welcher tiefen Schau Karl Darmslädter hineinsiehl in die Wirrnis unserer Tage. Die Erzählung „Heimkehr" — und was dann? . . ." ist ebenfalls zeitnahe. Was, abgehoben vom düsteren Hintergrund des vorüberziehenden und gerade zu Ende gegangenen Krieges, an Einzel- und Gesamtfchicksat sichtbar wird, läßt schon erahnen» was ist» und was fein wird. Die Tatsache, daß der Krieg bis in die jüngsten Tage hinein bedeutsamsten Linslutz auf das persönliche Schicksal und auf die seelische Lage vieler jüdischer Menschen gehabt hat, mag es rechtfertigen, dem Kriegsgeschehen einen breiten Raum in der Erzählung zu gewähren. Denn unabhängig davon, datz heule die Kriegsleistung in schmerzlichem Gegensatz zur sonstigen Bewertung des Heldischen zur Grundlage materieller Existenz jüdischer Menschen gemacht wurde, war, dessen sind wir gewitz, das Kriegserlebnis unserer besten jüdischen Jugend in stärkstem Ausmaße bestimmend für ihr Fühlen und Denken. Die Erzählung wird davon zeugen. D. Red. Kleines Feuilleton. Einweihung einer Sefer-Thora in der spanischen Hauptstadt. In der auf Calle Principe 5, drei Treppen befindlichen Synagoge in Madrid, hat am Sonntag, den 9. Juli d. I. abends eine würdige Söfer-Thora-Einführungsfeier stattgefunden. Der Raum war mit Blumen geschmückt worden und die kleine Madrider Kehilla war mit etwa 30 Personen erschienen, um an der Feier teilzunehmen. Nachdem das Minchagebet vollendet und Thillim gesagt worden waren, wurde die Sefer Thora unter Hakafothgesängen wie an Simchat Thora in den Araun Hakodesch gebracht und unter allgemeiner Aufmerksamkeit wurde in altem Kastilianisch die Festrede gehalten. Der Redner gab anschließend an den Satz mpa ivw cnn „Erneuere unsere Tage wie ehedem" eine Schilderung des alten Glanzes des Judentums in Spanien. Er führte aus, wie hier die größten Dichter, Gelehrten und Philosophen, Nagrela, Chasdai Crescas, Ben Gabirol u. a. gelebt, und wie Jehuda Halevi, Jbn Ezra, Al charisi in einer Gemeinde, die damals 70 000 Mitglieder zählte, in dem nur eine Stunde entfernten Toledo, gesungen haben. Bon Mosche den Amram, der die Thora am Sinai empfing, von Mosche ben Maimon, dem großen Gesetzeslehrer in Cordova, von Rabbi Mosche ben Hanoch, dem ersten Talmudisten aus Babylon in Spanien, Mosche ben Rachman, dem großen Philosophen und Kabbalisten, der den Pentateuch ins Deutsche übersetzt und erklärt hat, ging der Redner auf die großen jüdischen Gelehrten unserer Zeit über und schloß dann mit den Worten: „Man k konnte unsre Bücher in den Autodafes verbrennen, man r konnte die Druckerei verbieten, aber diese Sifre Thora, k auf Pergament und Leder geschrieben, gehören uns k seit ein paar tausend Jahren. Wir können das ewige | G'ttesgesetz mit uns tragen und in das Land zurückbrin-! gen, in das wir unter der Devise: „Ora et labora" zu- | rückkehren. Zum Schluß wandte sich der Redner an die l Anwesenden, u. a. Präsident Don Jgnacio Baüer und | Frau, den Porsteher der Madrider Gemeinde, Don Halm t Nahon aus Tanger, Herren Cori. Signor Albagli aus I Smyrna, Senor Benzaken aus Gibraltar, Familie Strumza aus Mazedonien, Herrn Eisen aus Warschau | und die anderen Sefardim und Aschkenasim und sprach ß den Wunsch aus, daß die Sefer Thora Mazal und Befl racha bringen möge, gemäß einem Spruch des Talmud: ß .ioviaw min *ido ih'vrr ,*>iaa 'ihn inn | „Alles hängt vom Glück ab sogar die Sefer Thora des | Hechal". So kam diese Sefer Thora von der Ferne zur '' antiken Arca des Madrider Bethauses. I- Nach einem Hanothen Tfchua auf die spanische Re- - publik und Regierung und mit einem Extra-Mischeberach : für die jüdischen Brüder in Deutschland, schloß die ein- £ drucksvolle Feier. P. Loni. r Vergilbte Blätter. Es ist in diesen Blättern schon öfters darauf hinge- | wiesen worden, erst in einer der jüngsten Nummern, x welch reicher Schatz von Frömmigkeit, jüdischem Empfinden und tätiger Nächstenliebe die bayrischen Landgemeinß den zu Anfang und Mitte des vorigen Jahrhunderts V auszeichnete. Ein weiteres Zeugnis hierfür gibt der nach- | stehende Brief, den der Großvater des Einsenders vor § einem Drewierteljahrhundert an einen Jugendfreund in ß Nordamerika richtete, und der durch einen Zufall an die 1

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