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Der Israelit · 1933-08-03 · Heft 31 (3.8.1933) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 31 (3.8.1933)
Date
1933-08-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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3. August 1933 Der Israelit Nr. 31 Seite 7 roel in Erez Iisroel wird ein Sonderorgan unter dem Flamen: „Waad Hachinuch al jaü Agudas Jisroel" eingesetzt, an deren Spitze rabbinische Autoritäten, pädagogische Fachleute und führende Laien von agudistischer Gesinnung stehen sollen. Der „Waad Hachinuch" hat zur Lösung seiner neuen bedeutungsvollen Aufgaben, in deren Dienst im August eine pädagogische Kommission, bestehend aus den Herren Universitätsprofessor Samson Breuer, Dr. Leo Deutschländer und Studiendirektor Dr. Marcus Elias nach Erez Jisroel reist, ein internationales Kuratorium einzuberufen. Auf Grund von Berichten aus Jerusalem, Warschau und London wurde zu den neu gebildeten „Hilfskomitees für die deutschen Juden" Stellung genommen. Es muß grundsätzlich verlangt werden, daß «n Falle von gemeinsamen Sammlungen die Förderung religionswidriger Zwecke ausgeschlossen bleibt und daß im übrigen den orthodoxen Institutionen ein entsprechender prozentualer Anteil überall gewährt wird. Einen breiten Raum nahmen in den Verhandlungen die inn erpalä st inensischen Organisationsfragen ein, da es heute gilt, den Strom der neuen Einwanderer, insbesondere die Jugend, vor der Assimilation an die religionsfeindlichen Parteien zu schützen und sie im Rahmen der Agudas Jisroel dem gesetzestreuen Judentum zu erhalten. Zu diesem Zwecke sind eine Reihe von Aenderungen sowohl im Gefüge der palästinensischen Landes- und Jugendorganisation als dem der Vertretung der Welt- Aguda und der Poale-Agudas-Jisroel ins Auge gefaßt. Am Samstag schloß die Tagung mit einer gemeinsamen Sitzung der Aguda-Leitung mit den Führern der schweizerischen Landesorganisation, der Palästinazentrale und der Keren Hathora-Verwaltung. Oesterreich. Cin Besuch in Rumänien. Wien, 24. Juli. Redakteur Sch. Schön seid, der soeben von einer agudistischen Propagandareise nach Rumänien zurückgekehrt ist, berichtet über seine Eindrücke folgendes: Eine der Hauptaufgaben, die die Agudas Jisroel sich bei ihrer Gründung gestellt hat, war, die einzelnen Teile der Weltorthodoxie einander näherzubringen und alle orthodoxen Juden zu einer geschlossenen Gesamtheit zu vereinen, um so die heiligen Besitztümer des Judentums zu erhalten. Diese Aufgabe durchzuführen, ist der Agudas Jisroel mit G'ttes Hilfe zum großen Telle gelungen. Wenn auch führende Persönlichkeiten in Kattowitz dem Bestreben, orthodoxe Juden aus dem Osten mit solchen aus dem Westen zu vereinen, skeptisch gegenüberstanden, so ist dieses Ziel heute doch so gut wie erreicht. Auf der Grundlage der Thora ist es gelungen, die orthodoxen Massen aus allen Teilen der Welt unter der Fahne der Agudas Jisroel zu vereinen, und was damals ein Traum gewesen, ist heute zur Wirklichkeit geworden. Und eben diese Aufgabe hat die Agudas Jisroel jetzt in Rumänien zu erfüllen. Rumänien besteht eigentlich aus fünf Ländern: Transsylvanien, Bukowina, Marmarosch, Altrumänien und Beßarabien. Es dürfte kaum noch ein Land geben, wo die einzelnen Bevölkerungsteile einander so fremd, ja vielleicht sogar feindlich gegenüberstehen. Bestehen schon bei den Nichtjuden diese Unterschiede, so sind die Differenzen bei den Juden — weit größer. Die transsylvanische Orthodoxie, mit ihrer altungarischen autonomen orthodoxen Organisation, die Marmaroscher Orthodoxen, größtenteils Chaffidim, die zu den anderen Orthodoxen kein rechtes Vertrauen haben, die Orthodoxen der Bukowina mit ihrer „detufchen" Bildung, die beßarabischen „russischen" Orthodoxen und die kleine Zahl der Orthodoxen in Altrumänien, alle sind eine geschlossene Gruppe für sich. Diese fünf Gruppen der rumänischen Orthodoxie zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen und in einer großen agudistischen Landesorganisation zu organisieren, ist das Ziel der Agudas Jisroel in Rumänien, das zu erreichen von ganz eminenter Bedeutung für alle Teile der Orthodoxie ist, weil die antireligiösen Strömungen in Rumänien eine große Gefahr für das orthodoxe Judentum bedeuten, der nur durch eine straffe Organisation begegnet werden kann. Bei unserer Tournee durch Rumänien ist es uns gelungen, diesem Ziele näherzukommen. Allerdings ist dies bloß der Anfang und die Agudas Jisroel wird den Verhältnissen in Rumänien zukünftig ihr Augenmerk weit mehr zuwenden müssen, als bisher. Die Idee der Agudas Jisroel ist in Rumänien in allen Kreisen der Orthodoxie so verbreitet, daß man in allen Orten, auch in den kleinsten Dörfern, begeisterte Agudisten findet. Es gibt kaum noch Orthodoxe, die die Bedeutung der Agudas Jisroel für die Erhaltung des historischen Judentums noch nicht erkannt haben. Von rechts gibt es keine Gegner, mit Ausnahme des K r o l e r Raw '"2, der die Agudas Jisroel jedoch auch nicht in ihrer Gänze ablehnt, ihre Tätigkeit aber nur auf die Großstädte beschränken will, während er die Notwendigkeit der agudistischen Organisation in der Provinz bestreitet. Es ist aber charakteristisch, daß die zionistischmisrachistische Propaganda gerade in seinem Ort verhältnismäßig große Erfolge erzielen konnte. Vor kurzem fand in Großwardein die Landeskonferenz der transsylvanischen Agudas Jisroel statt, der die maßgebendsten Persönlichkeiten der Orthodoxie .bewohnten, auch solche, die noch vor einigen Jahren der agudistischen Organisation fernstanden. Die praktische Tätigkeit der Agudas Jisroel in Rumänien bezieht sich auf alle Gebiete der orthodoxen Klall-Arbeit, insbesondere jedoch aus die B e t h - I a - cob-Bewegung und den D a f j o m i - Schiur. Die Beth-Jacob-Schulen werden immer größer und zahlreicher und die Lehrerinnen, die die Ideale der Agudas Jisroel bei der weiblichen Jugend verbreiten, genießen in den Kreien der Orthodoxie die höchste Achtung. Der Dafjomi-Schiur hat sich in Rumänien so eingebürgert, daß es kaum einen Kibuz orthodoxer Juden geben dürfte, wo er nicht alltäglich abgehalten wird. Auf der Durchreise hielt ich mich in einem ganz kleinen Städtchen auf, wo nur einige Juden leben, die alltäglich den Dafjomi-Schiur lernen, ohne von Agudas Jisroel viel mehr zu wissen, als daß sie den Dafjomi-Schiur eingeführt hat. Tschechoslowakei. Rabbi ). tz. Duschinsky. beim englischen Gesandten. Bratisliva, 31. Juli. Rabbi I. H. Duschinsky, Chust, der Nachfolger von Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld b"2r 1., stattete am Mittwoch vergangener Woche in Begleitung von Rabbi Mosche Blau dem englischen Gesandten in Prag, Edison, einen Besuch ab, bei welcher .Gelegenheit die Wünsche der Orthodoxie, betreffend die Gemeindeorganisation in Erez Jisroel, sowie über die Ermöglichung der Einwanderung orthodoxer Juden nach Erez Jisroel, besprochen wurden. Der Gesandte, der seiner Freude Ausdruck gab, den neuen Oberrabbiner der Jerusalemer orthodoxen Gemeinde kennenzulernen, versprach, sich für die Wünsche der Agudas Jisroel einsetzen zu wollen. Rabbi Mosche Blau sprach ferner beim englischen Generalkonsul in Prag, Nicolson, vor. Die Bewilligung zur Einwanderung einer größeren Anzahl junger orthodoxer Juden, die sich in der zu gründenden Jeschiwah des Rabbi Duchinsky in Jerusalem dem Thorastudium widmen wollen, wurde bereits erteilt. Die Forderung der Aguda nach Bereitstellung einer entsprechenden Anzahl Blanko-Zertifikate für agudistische Enwanderer wurde eingehend besprochen. Rabbi Mosche Blau stattete vergangene Woche auch einen Besuch im Außenministerium ab und wurde von dem bevollmächtigten Minister P a v l u und Obersektionsrat Dr. Fritz, früher Konsul in Jerusalem, mit dem Rabbi Mosche Blau von seiner palästinensischen Wirksamkeit her freundschaftliche Beziehungen verknüpfen, empfangen. - Der Gemeindestreit in INunkacz. Munkaczevo, 31. Juli. Der bekannte Gemeindestreit innerhalb der Munkatscher Judenschaft, der schon so viel Unsegen unter den Juden in Podkarpatska Ruß gestiftet hat, ist vor einigen Tagen in eine neue Phase eingetreten. Letzten Dienstag, den 18. Juli, ist den Vorständen der beiden Gemeinden eine Verordnung des Landesamtes eingehändigt worden, die den bisherigen Verhältnissen in den Gemeinden mit Regierungsgewalt ein Ende setzt und eine ganz neue Situation schafft. Leidtragende sind zunächst beide Gemeinden. Die „ K o n g r e ß " - G e m e i n d e wurde wieder a u f g e - l ö st und damit der ursprüngliche Zustand, als der Munkaczer Oberrabbiner sich geweigert hatte, der alten Gesamtorganisation der orthodoxen Gemeinden anzugehören, wurde wiederhergestellt. Der alten Gemeinde („orthodox") aber wurde — wie den Berchten zu entnehmen ist — bis zur Wiederherstellung normaler gesetzlicher Zustände die Autonomie entzogen. Ihre gewählte Leitung wurde kurzerhand abgesetzt und an ihrer Stelle eine „Regierungskommission", der auch führende „Beizer" Gemeindemitglieder angehören, mit der Verwaltung der Gemeinde, der Schaffung friedlicher Verhältnisse zwischen den beiden Parteien und der Vorbereitung neuer Wahlen betraut. Polen. Der Prozeß Grotkowsky. Lemberg, 28. Juli. Wegen angeblicher Ermordung des antisemitischen Studenten Grotkowsky find bekanntlich eine Reihe junger Juden in Lemberg im letzten November verhaftet worden, von denen der Hauptbeschuldigte, Keller, schon im Februar, nachdem er 2j/, Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, wegen Mangels aller Beweise freigelassen wurde. Damals äußerte der Anwalt des Beschuldigten, Dr. Landau, die Überzeugung, daß auch die anderen Angeklagten, denen eben so wenig eine Schuld beizumessen sei, in Kürze sreigelassen werden müßten. Trotzdem fand die Verhandlung gegen die drei Angeklagten, Tune, Schmer und Katz, erst in der vorigen Woche statt. Alle drei beteuern ihre Unschuld. Der Staatsanwalt beantragte Zeugenvernehmung. Da jedoch Zeugen bisher überhaupt nicht aufzutreiben waren, beschloß der Gerichtshof Vertagung, um aufs neue nach Anhaltspunkten für die Anklage zu suchen. England. Der French-Bericht und die Palästina-Anleihe. London, 28. Juli. Zu der durch die Veröffentlichung des French- Berichtes und die beabsichtigte Zweimillionenauleihe für Palästina geschaffenen Lage hat sich Prof. B r o - detzky in einem Interview wie folgt geäußert: „Man wird sich erinnern, daß der French-Bericht der Exekutive der Agency und der arabischen Exekutive vor einem Jahre eingehändigt wurde und es war damals vom High Commifsioner versichert ^worden, daß er nach Empfang der Bemerkungen der Agency und der arabischen Exekutive seine Empfehlungen dem Colonialsekretär übermitteln werde, dem es dann obliege, über die Politik der Regierung zu entscheiden. Keinesfalls würden die French-Berichte veröffentlicht werden, bevor diese Regierungsentscheidung vorliege. Die Bemerkungen der Agency wurden vor einem halben Jahre übergeben und die Veröffentlichung des Berichtes wurde schon während der ganzen Zeit erwartet. Wir hatten vorgeschlagen, daß gleichzeitig mit dem French-Bericht auch unsere Bemerkungen veröffentlicht werden sollten, weil der erstere mit der wirklichen Lage in Palästina nicht übereinstimmt. Aber diese Anregung wurde von der Regierung nicht angenommen. Wir übergaben unsere Bemerkungen also der Presse und sie werden jetzt in Buchform erscheinen. Nach unserer Meinung enthalten unsere Bemerkungen eine ausreichende Antwort auf viele von Mr. Frenchs Schlüssen, besonders auf diejenigen, welche auf eine Einschränkung der jüdischen Kolonisation in Palästina hinauslaufen. Mr. Frenchs Theorie scheint zu sein, daß die Sicherheit der Araber größer werden wird, wenn man die jüdische Arbeit einschränkt. Das Argument von den vertriebenen Arabern ist in Wirklichkeit widerlegt worden und wir hatten gehofft, daß wenigstens ein Ergebnis der inzwischen angestellten Nachforschungen sein würde, daß man diese Legende aus der Vegriffswelt der Palästina-Politik entfernen werde. Es ist deshalb für uns eine Sache großer Enttäuschung, daß die Regierung ihre Entscheidung auf dieser Theorie und auf der angeblichen Notwendigkeit besonderer gesetzgeberischer Vorsorge dagegen aufzubauen scheint. Ich hoffe jedenfalls, daß wir nichts mehr über dgs seinerzeit beabsichtigte Gesetz zur Kontrolle der Baden- Übertragungen hören werden, wenn der Colonialsekretär auch ankündigte, daß die Regierung Maßregeln ergreifen wird, um die Pächter zu schützen. Wir billigen natürlich alles, was die Pächter, feien es Araber oder Juden, gegen Ausbeutung oder ungerechtfertigte Schädigung schützen kann. Dennoch erfüllt uns auch diese Ankündigung mit Besorgnis, weil auf diese Weise sehr leicht nicht nur die gutgläubigen Pächter geschützt, sondern künstliche Ansprüche, welche die Entwicklung der jüdischen Kolonisation hindern, .hervorgerufen werden. Schon heute enthält die in Palästina herrschende Bodengesetzgebung viel

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