Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1933)
- Date
- 1933-08-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 31 Der Israelit 3. August 1933 zu viel, was geeignet ist, der jüdischen'Entwicklung ungerechtfertigte Hindernisse in den Weg zu stellen? Auf die Frage, ob noch eine weitere Regierungserklärung oder etwa noch eine weitere Enquete zu erwarten fei, antwortete Prof. Brodetzky, er glaube das erstere nicht und was die Enqueten anbetrifft, fo habe man deren ja doch gerade genug erlebt. Die fortgesetzte „Prüfung" unserer Arbeit in Palästina, die nicht immer von Sympathie getragen ist, kann weder dem jüdischen Kolonisationswerk nützen, noch Palästina als ganzes. Der Shaw-Bericht hat genug Schaden angerichtet. Dem Hope Simpson-Bericht folgte das berühmte Weißbuch, dessen Wirkung ich nicht zu beschreiben brauche. Die Lage Palästina ist heute wahrlich ein klarer Beweis für den großen Vorteil der jüdischen Arbeit für das ganze Land und die Araber, die in den Ländern rund um Palästina wohnen, haben es oft genug ausgesprochen, wie sie b palästinensischen Araber um die Vorteile beneiden, die sie aus der jüdischen Kolonisation ziehen. Die jetzt beabsichtigte Anleihe von 2 Millionen Pfund soll zu einem Achtel der Wiederansiedlung dislozierter Araber dienen, während dieser Summe keinerlei Betrag gegenübersteht, der etwa zum jüdischen Vorteil verwen det werden soll. Das entspricht eigentlich nicht ganz den Grundsätzen, die in dem bekannten Briefe Macdonalds nach dem Pahfield-Weißbuch ausgedrückt sind. Heber di Verblendung der sonstigen Eingänge aus der Anleihe ist noch nichts angekündigt worden. Die Agency verhandelt darüber mit der Regierung und wünscht, daß ein be trächtlicher Teil den jüdischen landwirtschaftlichen und städtischen Zwecken zugewendet wird. Der Dienst der Anleihe wird vollständig von den palästinensischen Steuerzahlern getragen werden und die jüdischen Steuer zahler tragen bereits über 40 Proz. der öffentlichen Ein künfte des Landes. Angesichts der derzeitigen Entwick lung kann man annehmen, daß bis zur Ausgabe der Anleihe die Juden gesondert mindestens 50 Proz. der palästinensischen Steuereingänge aufbringen würden. Wir glauben daher, daß es nicht mehr als billig wäre, wenn die jüdische Landwirtschaft und auch die städtische Sied lung durch die Anleihe mindestens in der gleichen Weise gefördert werde, wie die arabische. ten werden füllen, daß aber schon vorher die'Palästinaer sich die Wertschätzung und Achtung seiner Gemeinden. Regierung die,.für die Bauarbeiten. erforderlichen Summen. äüs, Ihren Fonds 'vorstrecken werde. und aller Schichten der Bevölkerung. Auch feine schriftstellerische Tätigkeit, besonders auf kulturhistorischem Gebiete, verdient hervorgehoben zu werü,en. -naw qchvVi ns» Vermischtes. palästinensisches Bürgerrecht für staatenlose Juden? London, 30. Juli. In der gestrigen Sitzung des englischen Unterhauses brachte der konservative Abgeordnete Locker-Lamp son einen Gesetzentwurf ein, der die Möglichkeit schaf fen soll, Juden außerhalb des britischen Imperiums die palästinensische Staatsangehörigkeit zu verleihen, wenn diese Juden anderswo kein Bürgerrecht genießen. Der Gesetzentwurf wurde in erster Lesung angenommen. Der Antragsteller führte aus, daß er ein warmer Freund de großen deutschen Volkes fei und jederzeit nach dem Kriege fein Wort für fair play gegenüber den Deutschen eingelegt habe. Nichtsdestoweniger müsse das. Geschick, das dem vielleicht größten Deutschen unsrer,, Zeit, Prof. Albert Einstein, widerfahren sei, doch zum Nachdenken darüber zwingen, wie man in.solchen' und ähnlichen Fällen.chelfend eingreifen könne. "Einstein sei 'heute heimatlos und er habe, als er nach England kam, sich in das./Besucherbuch eingetragen mit dem lakonischen Worte: „ohne Adresse". Wenn solche Fälle, wie der von Prof?Eknstein, in größerer Zahl vorhanden seien, so müßte eigentlich der Völkerbund eingreifen. Vis dieser sich aber zu einer Handlung aufraffe, glaube er, daß es die Pflicht und die Möglichkeit des britischen Imperiums fei, an Stelle einer Aktion des Völkerbundes das von ihm beantragte Gesetz zu schaffen.(Was insbesondere Einstein betrifft, so hieß es früher, daß E schweizerischer Staatsangehöriger sei. Im übrigen wird-man den'Wortlaut des Gesetzentwurfs abwarten muffen,,"der ein völkerrechüich überaus schwieriges Problem aufrollen dürfte. Red.) ■ - ■ PalSfiina. Die Wassernot in Jerusalem. , I e r u salem , 25. Juli... Zur größten Freude der ganzen Jerusalemer Bevölkerung macht der High Commissioner durch eine offizielle Erklärung bekannt, daß die Vorbereitungen für die Anlage einer den Gesamtbedarf befriedigenden Wasserleitung für die Stadt Jerusalem beendet sind, daß die Kosten dafür aus der neuen Palästina-Anleihe bestrit- Randegg (Baden), 27. Juli. Cs gibt nicht leicht eine fromme Landgemeinde in Deutschland, die eine solche Fülle von Vorzügen in sich' vereinigt, wie Randegg i. B. Herrlich zwischen die romantischen, burggekrönten Hegauberge eingebettet, in unmittelbarer Nähe der schönen , Schweiz, in gesündester Höhenlage, besitzt: es so einen einzigartigen Rahmen für die Gemeinde und ihre Be-! Die Woche. Ralhan Rothschild In den Morgenstunden des trauerschweren jum.mp _ verbreitete sich die Schreckensnachricht von dem Heimwohner. Die jüdische'Gemeinde selbst blickt auf eine'meh'r! g?ng Nathan Rothschilds Waren auch die letzten als hundertjährige Geschichte zurück. Eine ehrwürdige Wochen des Dahmgeschiedenen erfüllt von schwerem Lei- Reihe thoratreuer Rabbiner hat diese freundlichen, ehrden, so traf sein nun doch unerwartet schneller Tod lichen, biederen Randegger Juden in den Wegen und unendlich schwer den Kreis seiner. Familie und die große Traditionen unserer heiligen Tauroh unterwiesen. Treu, Anzahl treuer freunde, die er sein eigen ^nennen durfte, und austecht tragen die Randegger diese heiligen Tra- Denn in der Blute' des Mannesalters, mit 46 Jahren, ditionen ihrer Lehrer durch die Zeit. Alle Gemeindeinmußten wir ihn aus unsrer Mitte scheiden sehen. Dem stitutionen von der Mikwoh über die jüdische Schule zum echstudlschen Hause Isaak Rothschilds W; entstammend, herrlichen G'tteshaus, befinden sich in tadelloser Ordwußte er die Tradition, die ihm dort von Jugend aus nung. Sie werden durch den Herrn Ortslehrer und das geworden war, mit seltener Hingabe in seinem eigenen Rabbinat, das in dem ein halbes Stündchen entfernten zu verwirklichen. Wie freute er sich mit jeder Gailingen seinen Sitz hat,, gewissenhaft betreut; aber zu Gründe, die ihm sein Beruf freiließ zur Beschäftigung dem Frieden der gesegneten Natur und zu dem Frieden wU jüdischer Lehre, welche Bereicherung.konnte er aus innerhalb der jüdischen Gemeinde gesellt sich das erhaoen Lehrhallen des »"v mp» und des 70 rinb mit hinaus bene Geschenk des Dorffriedens. An der Schwelle dieser ms Leben nehmen, mit welcher Gewissenhaftigkeit wididyllischen Landgemeinde halten malachei" hascholaum wete er sich der jüdischen Erziehung seiner, Kinder, deren „ heilige Wacht. — Der Grund dieser Zeilen? — Wie schön Fortschritte er allsabbatllch prüfte und förderte, und gar wäre es, wenn sich der eine oder andere unserer Brüder, manchen seiner zahlreichen Besucher hat er noch in den die die Sehnsucht nach innerem und äußerem Frieden letzten schweren Wochen um ein mm-oi gebeten. Aber uni) nadj Erholung und Kräftigung in G'ttes freier, sem Wirken blieb nicht auf den Kreis seines Hauses beherrlicher Natur, schon lange im Herzen tragen, bewogen schränkt, es drängte ihn hinaus zum Wirken für den fühlte, in unserer'lieben Gemeinde Randegg ihren Wohn- Denn er liebte sein Volk, und das schwere Geschick seisitz auszuschlagen. Schöne Wohnungen sind vorhanden! | rnes Volkes war sein eigenes, persönliches Leid. Mit (Die Mieten betragen fast nur xh der Großstadtmieten), seiner herrlichen Stimme, deren Schmelz nie auch die ge- Herr Vorsteher Marko Bloch bietet sich zur Beantworrmgste Trübung erlitt, wußte er als ins irtv lange tung von Anfragen und Erledigungen bereitwilligst an. 2nhre hindurch Hinzureißen und emporzuheben zu.echter Jeschiwas krakim koscho! Kommt! Wohnt alls tem Lande! einerlei,, ob er an einem einfachen Wochentag am Wohnt in einer herrlich gelegenen, friedlichen, frommen stand, oder , ob er in der Heiligkeit des Q’us’sn av jüdischen Landgemeinde! ' als Fürsprech seines -n» bie nVmm mrVo von G'tt er- ■ ’ _ . . , , flehte. Denn seine nVan war nicht nur Gesang, sie quoll Rlonkreux, 31. Juli. Redakteur S. Schachnowltz ihm vielmehr aus den Tiefen einer reichen, freuderfüllaus Frankfurt a. M. ist, wie das Israelitische Wochenten jüdischen nuw und war ihm tiefstes Erlebnis — blatt meldet, in Montreux eingetroffen und hat seine •>)> vn nimm- Unb rme -roirftc feine nimn nicht nur auf Tätigkeit durch einen Geschichtskurs in der Jeschiwoh [eine Gemeinde, wie strahlte sie beseligend und verkläansangen. Am Schadbos hielt Herr Schachnowitz einen auf ihn selbst zurück und wie vergoldete die Erinaußerordentlich interessanten Vortrag über die Gegennerung an jeden 2" ihm das Grau des Alltags auf wartslage des jüdischen Volkes; in dem er anhand belange hinaus. — Jede ms» bv nnat? im Kreise seinen Geschichte nachwies, daß es nach jeder dusteren und trau- Familie und seiner Freunde erreichte erst ihren Höherigen Zeit doch immer wieder hellichter Tag für das punkt, wenn er aus den Schätzen seines freudigen^ von Judentum geworden ist. Selbst vor hundert Jahren, als echtem Humor erfüllten Gemütes mit überreichen Händurch die Emanzipation eine innere geistige Verwirrung öen spendete — mn»vi rnnvv. Aber auch IN ernster Pslichtu"ter„der ^.denheit i" einge^ten erflung stellte er seinen Mann. Er war einer der ersten, Sl Lntn Äf iSrL I diedem Ruf zur Mitarbeit in der ms» n»-,v man- Folge ÄfrtTwäL 5h Sn/if^rLUr ffle leisteten und gar vielen hat er so letzten heiligen Liebes- K°° S? Schächnowif'Lr au?‘?J'Vfrtum Ä&WLgj L°b°n ftst mSrp3-W5"<mo6nsfipSC,3?i* iuls [mn?6m m ,m ®‘töäftslden erwarb chm dl- Ach. wäre daö Maßgebende, Dach daö jüdische Bdlk kann eben 17..—_ bedeutender Gelckiäftsliäulec und ielblt die verlön- Nicht nach den Maßstäben der übrigen Volker, gemessen I jich.^eundschaft ibrer Leiter ~ ' ®° ««» tta Hln,chS°n °m° unendlich schmerzlichen E" llul>°>'»bb'»-l-chlda.n den schweum ihn traii-in seine ausopsernd- .Gattin, seine reu -Pagen des Falles von Jerufcholajim sich nichts an- Dieder leine Gelcbmister und die arvüe Scbar deree non chm zu wünschen mutzte. ° -s dan°'"°Sr SÄ'irSÄt Ä 7r?n imchtEyen. j.« bic itn ctütQGti ©olusleib bos „wofytv , ober ndu)t ®pff{\n)iftßrn bciftchen unb er rvle oiif Erben iefat kennt wird nun „in der Sonne hinter!kn für unsa^e ÄTrauernL Bergen ein „Jawneh finden, das ihrnhre eigene Kul-; mßae ber rnm-Ruf aulrickten in idrem derben tur vermitteln und ihrem Leben ^Mieder Sinn geben ' n mochte. - .Bi- Anfang August wird die Jeschiwoh^won Schmerz und ihrer Seele, kndernhm. Trost Ipeirden. 80 Hörern besucht sein. - In schwerster Zeit will sie ver- , " „ mchen, der jüdischen Jugend in Westeuropa als Tal- «äronm Aoetyeld von Rothschild 80 Iahre att. mudheimstätte zu dienen. Möge der Segen des Allmäch- Die Gattin Edmund von Rothschilds und Tochter des tigen auch in Zukunft auf diesem Unternehmen ruhen, hier in Frankfurt und in der ganzen jüdischen Welt undamit die Kenntnis der Thora in Israel weiter gepflanzt vergeßlichen Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild, und gepflegt werden kann. : Lehagdil Tauroh ulhadiro! Baronin Adelheid von Rothschild, begeht London, 31. Juli.' Einer der neu -rnann.-n Delegier. ten Australiens Hum Völkerbund ist Rabbiner D. I. Friedmann aus Perth, ein Zögling 'des Londoner Würdigihres-verewigten Vaters und ihres Gatten,. Jewish College. Rabbiner Friedmann hat-in einem Inhat die Iubilariii in ihrem langen Leben eine reiche, terview erklärt, daß er natürlich gerbe bereit sei, sich in phllanttopische Wirksamkeit entfaltet,, die rn ihren Aus- Genf für gerechte jüdische Interessen eiuzusetzen. ' fnm.if nfirh m,f hn* hoifin» Versonalien. Wirkungen, insbesondere soweit sie sich auf das heiligei Land .erstrecken,, historische Bedeutung hat. Eine ungezählte Meihe von Instituten und - Skiftungen in Frankreich wie in Deutschland legen Zeugnis ab von der ein- I zig dastehenden Munifizenz, mit der die Jubilarin die! Trädition ihres Hausetz fortsetzte und steigerte. Was ihrem Amberg, 31. Juli. Am i»m mV kann Herr Ober-> Wohltätigkeitswirken a-ber charakteristisch ist, mar die lehrer Leop. G 0 dl ew s k y auf eine 25jährige, ersprießpersönliche Note, die ästen ihren Schöpfungen einen inliche Tätigkeit in der Gemeinde Amberg mit Sulzbach I dividuellen. Charakternaufdrückte. Sv wie sie persönlich und Schwandors zurückblicken, nachdem er vorher in der gemeinschaftlich mit ihrer verewigten Mutter, meist be- Gemeinde Gerolzhofen 10 Jahre amtierte. Einer fromraten von Michael Moses Mainz s. A., Schöpferin und men und angesehenen Lehrersfamilie in Franken ent- Gründerin all dieser Anstalten war,, so widmete sie ihnen lammend, wußte er deren Tradition allzeit hochzuhalten, auch fortgesetzt die liebevollste Fürsorge. In Deutschland Sein Name hat in der bayerischen Judenheit und darüber ist von den durch chre Mutter und durch die Jubilarin hinaus und besonders bei seinen Kollegen einen guten gegründeten und betreuten Stiftungen vor allen Dingen Klang. Durch seine berufliche Tüchtigkeit, seinen biededie Lungenheilstätte in Norörach zu nennen, reu Charakter, sein allzeit hilfsbereites Wesen, errang! sowie das im Rothfchild'schen Stammhaus auf der Zeil