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Der Israelit · 1933-08-03 · Heft 31 (3.8.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 31 (3.8.1933)
Date
1933-08-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 31 Der Israelit 3. August 1933 nicht schwer fallen, die hierfür notwendigen Werte der Allgemeinbildung sich anzueignen. Durch besondere Kurse ist dies verhältnismäßig leicht zu erreichen. Da man die Absolventen der Talmud Thora-Anstalten ohne seelischen Schaden in den ganz oder fast ausschließlichen Taurohbcrufen nicht gegen ihren Willen halten darf, muß auch die Möglichkeit bestehen, sie durch Sonderkurse in andere Berufe überzuleiten. Gerade dann werden sie später auch als Kaufleute, Handwerker und Landwirte innerlich dem Taurohjudontum, oft auch dee besonderen Form des alten Isichuw, erhalten bleiben. Daß dieses möglich ist, beweisen die Beispiele zahlreicher Kaufleute und Handwerker des alten Iischuw und einzelne Landwirte, die auch in den Kolonien in weitem Maße seinen Lebensstil bewahrt haben. Zur Erreichung des den Talmud- Thora-Anstalten gestellten Zieles ist ein starkes Selbstbewußtsein bei Lehrern und Schülern notwendig. Sie dürfen nicht das Gefühl des Batlonus haben, sondern müssen sich bewußt sein, daß siedle ureigenstcn Hütcrdcs inneren Heiligtum s6er Tauroh sind. R n d das t h o r a t r e u e Jude n t u m d e r ganzen Welt muß sie als solche betrachten. Tine heilige Stelle muß es in der Welt geben, wo die Trziehung der Jugend im Ziel und Stoff ganz deni Taurohlebeu zustrebt. Im Talmud (Ber. 55b) heißt cs -'■ui iw nmn „Biele taten nach dem Rate Rabbi Ismaels, daß sie neben der Tauroh dem Erwerbsleben sich widmeten und es glückte ihnen. Bielen aber, die nach R. Simons Rat, sich ganz ausschließlich der Tauroh Hingaben, gelang es nicht." Rach geistvoller Erklärung ist es nicht vielen, sondern nur wenigen Ausnahmemenschen bcschieden, unter 'Ausschluß aller anderen Rücksichten u u r der Tauroh zu leben. Das ErziehungsH'stem des alten Iischuw ist schon wegen der Forderung, die es an die Veranlagung seiner Schüler stellen soll, nur für einen Teil der thoratreuen männlichen Jugend geeignet. Weitere Begrenzungen liegen in den wünschen der Eltern und der Umgebung, in denen der Knabe aufwächft, Aus sich heraus oder mit Rücksicht auf die Umwelt, werden zahlreiche thoratreue Eltern auch begabter Söhne und vielleicht noch mehr diese selbst sich die ausschließliche Taurohausbildung der Anstalten des alten Iischuw nicht wünschen, auch nicht in Jerusalem, gewiß nicht in Tcl-Awiw und Haifa und den Kolonien. Diese Tatsache an sich fordert schon gebieterisch ein a n - d e r s geartetes orthodoxes Schulwerk. Dazu kommt noch, daß wohl der größte Teil der Knaben auch aus thoratreuen Häusern geistig oder seelisch für die alte Talmud Thora ungeeignet ist. Dies alles gilt schon seit Jahrzehnten in weit höherem Maße, als es von manchen maßgebenden Männern der palästinensischen Orthodoxie berücksichtigt Von Trost zur Läuterung. Bon Rabbiner Dr. Kl. Lewin in Hamburg. Ein großes, bedeutsames Wort voll des Trostes und Antriebes zur Läuterung ruft Moschsh Israel zu und das unverbrüchlich für die Ewigkeit der Zeiten: ,Dvn Daio o"n 9*»? 'aa D’paan rmrri „Ihr, die ihr Ihm, dem Ewigen eurem G'tte verhaftet seid, ihr lebet alle immerdar." ,D'aaiff D33’K nnx DJ law ua’x Dm .1» „Wie die Zeit nicht endet, so schwindet auch ihr nicht," so merken die Alten au. Das Bibelwort enthält die Lösung unseres Schicksals, es reicht uns den Schlüssel zum Verständnis unserer Geschichte. Wir haben allen Druck und alle Rote überdauert. Wir ragen aus der Vergangenheit hervor wie ein Fels im Meer, den alle Wogen und Brandungen umrauschen. Und doch sind wir immer nur »y»n die wenigen gewesen. Was hat uns trotzen lassen jenem Gesetz, daß der Schwächere unrettbar eine Beute wird des Stärkeren? Worin liegt unsere Stärke, die uns überwinden läßt allen Druck und alle Gefahr? Mosches Wort deutet dieses größte aller Wunder der Geschichte. Wir sind und leben, weil wir unter G'ttes besonderem Schutz standen und wir uns unser Sein und unsere Kraft einsetzten für die erhabenste Idee. Der Opfermut eines Akiba, der mit lachender Seele fein Leben hingab für seinen Glauben an mrr n, an das wurde, von noch größerer Bedeutung ist es f ü r d i e neue Einwanderung der deutschen Orthodoxie in der Gegenwart. Sie bringt eine jahrhundertlange Erfahrung auf dem Erziehungsgebiet mit und kulturelle werte, auf die sie in ihrer Mehrheit nicht verzichten will und soll. Falls die Talmud Tbora-Anftalten des alten Iischuw die notwendigen methodischen und besonders die hygienischen Bedingungen erfüllen, werden wohl m -a n ch e Einwanderer aus Deutschland ihre Söhne ihnen übergeben. Einige mögen daher die Erziehung des allen Iischuw für ihre Kinder wünschen, andere werden die Talmud Thora als geeignete Grundlage betrachten und s p ä t c r ihren Söhnen die werte der Allgemeinkultur übermitteln wollen. An unsere Abonnenten! Um Trrtümer zu vermeiden, geben wir zur Kenntnis> dass Zahlungen auf unser Postscheckkonto nur unter folgender Bezeichnung geleistet werden können: Nr. 19802 Verlag des Israelit und Hermon G. m. b. H. Frankfurt am Main. Für die Mehrheit kommt die Talmud Thora nicht in Betracht. Sie wünscht die auf der Svvnthese von Tauroh und Derech Erez beruhende Unterrichtsanstült, in der ihren Kindern von vornherein die Wissens- und Kulturwcrte der Allgemeinbildung überliefert werden. In Palästina erhofft man.wirklich jüdische Schulen, auf Grundlage von Taurohwissen- und -fühlen, beherrscht vom Geiste des Religiösen. War man in Deutschland durch die besonderen Kulturverhältnisse und die behördlichen Vorschriften zu einer. Einschränkung des jüdischen Wissensstoffes gezwungen, so hofft man im heiligen Land, Bibel und Talmud in Wirklichkeit zum Kernstoff des ganzen Bildnngswesens zu machen, um den alle anderen Geisteswerte in harmonischer Einordnung sich gruppieren, Bibel und Talmud sollen nicht nur Unterrichtsfächer sein; sie sollen dem ganzen Geistesleben der Schüler das religiös Dynamische geben. Man will Wissen, ausgebreitetes und vertieftes Wissen, in allen Bezirken der jüdischen Kultur, aber nicht als Ziel, sondern zur Bildung des religiös jüdischen M e n s ch e n , dem die ewigen werte des Judentums Ureigenes werden, um ihn zum Mitschaffenden am lebendigen Sein der jüdischen Gegenwart und Zukunft zu befähigen. Diese gewaltige Kraft des Religiösen soll dann alle Werte der allgemein-menschlichen Kultur so durchdringen, daß sie selbst wieder als religiöse Werte empfunden werden und zur höchsten Vollendung gelangen als Teile der Kultur des G'ttesvolkes. Dasein und Wallen des Einig-Einzigen, hat immer wieder Israels Reihen entzündet und gegen die stürmenden Fluten des Hasses und der Verfolgungssucht gewappnet. Mit unserm Sein bezeugen wir die Allmacht und Liebe des Herrn und bekunden wir: Als G'ttes Volk haben wir Ewigkeitswert und die Bürgschaft ewiger Dauer. In dieser Ueberzeugung quillt uns unerschöpflich der Born der Hoffnung und Zuversicht, daß wir uns von der Trauer und Trostlosigkeit loswinden und die Weisung begreifen, weiter zu bleiben 'tj D’paa dem Herrn verhaftet, vnn o’paa fest und innig verschlungen mit allem, was G'ttes a n uns und i n uns ist. Von dem unbeugsamen Willen beseelt, den Großen, den Leuchten unö Führern unseres Volkes aus alter Zeit nachzuleben, werden wir an das Ewige und Unvergängliche gekettet und die Liebe G'ttes umhegt uns da schützend ,v'8 'm» by iimn pan’ 'wto „wie sich ein Gürtel den Lenden eines Mannes anschlieht" . . . Die Zeit mit all ihren Sorgen und Unstimmigkeiten lenkt unfern Blick empor zu den Höhen, zu Ihm, dem Unwandelbaren. Da erfüllt sich Mosches Schicksalsdeutung: n ty naipi Q’»->n rn-insa n^rrn Dnaan Va -pssm ~p asa röpa rronizn „In deiner Drangsal, da alle diese Dinge über dich kommen, kehrst zu dem Ewigen deinem G'tt zurück und hörst aus seine Stimme." Wie nichtig alle irdischen Stützen sind und wie wandelbar all die Dinge, auf die wir unser Vertrauen zu setzen meist geneigt sind, das haben wir mit erschreckender Klarheit nun erkannt. Und es ist tragbar unser Geschick, wenn wir unfern Vätern gleich im Gebete nach Kraft ringen. Dieses erschließt uns die Pforte des g'ttlichen Erbarmens und glättet die Wogen der Erregung in unserer Brust. Doch das Gebet allein; Das Gleiche gilt auch für die Alädchenerziehung, nur daß hier der Talmudunterricht wegfällt. Aber der Geist des talmudischen Judentums muß auch die Mädchenschule beherrschen, nicht durch Ueberschätzung des rein vecstandesmäßigen und der Bedeutung des Wissensstoffes, sondern durch pflege des warmen religiösen Gefühls. Ein tief schürfender Libelunterricht auf religiöser Grundlage, verbunden mit einem wirklichen Gebetunterricht kann und soll den künftigen Aiüttern einer neuen Generation Begeisterung und verstehen für -alles, was jüdisch ist, geben. In noch höherem Maße als bei der Knabenerziehung ist bei den Mädchen -aller Wissensstoff vornehmlich Mittel zur Bildung des jüdischen Charakters. Als Schulform ist wohl -die v o l ks - und A u f bausch u l e zu empfehlen. Die Einheitlichkeit der Erziehung aller sozialen Schichten ist hierdurch weitgehend gefördert, die Berufsentscheidung braucht nicht in frühem Alter vorweg genommen zu werden unö auch die Frage des fremdsprachlichen Unterrichtes ist so in Uebereinstimmung mit den rabbinifchen Autoritäten leichter zu regeln. Daß ein Weg zu finden ist, nat mit seinem weiten Blick unser großer Meister R. Ehajim Sonnenfeld schon vor Jahren ausgesprochen, als er so heiß das Einströmen der deutschen Orthodoxie in das heilige Land ersehnte. Bei Ausstellung der Programme muß neben der jüdisch-kulturellen Erziehung die Ertüchtigung zum Leben der genügende Rauin gegeben werden. Die eigentliche Berufsausbildung gehört in die Berufsschule, die bereits den Rahmen der Erziebungsschule überschreitet, wenn sie auch als gliedeeweifc Förtsetzung mit ihr in einer organischen Verbindung stehen soll. Aber auch die Erziehungsschule muß sich bewußt sein, daß ihre Schüler nicht lediglich jüdische Menschen zu sein haben, sondern im Leben Berufe auszufüllen haben, für die sic schon im Schulalter gewisse Voraussetzungen sich anzueignen haben. Schon weil diese Berufe sich nicht viele Jahre voraus bestimmen lassen, muß die Grundlage zur Schaffung der Voraussetzung breit und vielseitig sein. Reben dieser sehr wichtigen praktischen Erwägung stehtauch die ideelle, dem Kinde weitgehendes Verständnis und Liebe für alle aufbauenden Lebensberufe zu geben. In gemeinsamer Erziehung und im Bewußtsein der innigen Verbundenheit soll der künftige Landarbeiter und Handwerker, der künftige Kaufmann und Lehrer herangebildct werden, jeder den eigenen Beruf sich wählen und Herr des Freundes ehrend. 'Das was uns heute als Katastrophe des deutschen Judentums erscheint, ist, wie wir innigft erhoffen, ein weg der g'ttlichen Vorsehung zum Aus- und Ausbau des heiligen Landes im Sinne der Taucoh. Gebe G'ti uns die Kraft, daß ein jeder nach Fähigkeit und Möglichkeit mitarbeite an diesem Ausbau, den wir als Vorbereitung betrachten zur wirklichen Heimkehr und Erlösung des jüdischen Volkes. —-■ - -. ist erst die A n e r t e n nung der himmlischen Weltenlenkung. Das meinen unsere Alten: .v'insr D'vVv ü'mns d'»j?s n^sn mvv „Die Tore des Gebetes find nicht immer geöffnet —, /D’mns naitwi ’ayp ^as „dis Pforten der Buße schließen sich jedoch zu keiner Zeit." Zum Gebete müssen wir auch die fromme Tat hinzufügen, die echte, wahre naipn die Sehnsucht nach dem himmlischen Vater, das Verlangen, nach seinem Willen zu leben. Das Bewußtsein der g'ttnahen Liebe und Güte, die über uns waltet, verpflichtet uns, unser Leben ganz und gar dem Willen G'ttes unterzuordnen, — daß ein jeder es unter allen Umständen beherzigt: ,ii>pa nvnm 'pi>x "i ir napi * „Daß du ja zurückkehrst, ganz und voll bis zu Ihm vordringst, der dein G'tt und Gesetzgeber ist, und du aus seine Stimme hörst." Es ist doch furchtbar, daß auch in unfern Tagen noch viele innerhalb unserer Gemeinschaft G'ttes Wort an die Zeiten angleichen wollen und da ein DA mp'v, eine „Lebensrettung" sich konstruieren, wo solche gar nicht vorhanden, um über das heilige Thorawort sich hinwegzusetzen. Sind die Zeichen der Zeit noch nicht ernst genug? rrt> d’-is»» iVkwpd aryVN '■) iök mar qm»i naiv» qm»i ms qm» ibrr »naa nrsn qm» nVk iVim •fpn qm»i »'»ni qm»i 7VJ3« „Als Israel aus Aegypten erlöst wurde, da ward es hierfür würdig befunden, weil es den Druck als solchen aus G'ttes Hand hingenommen, weil es den Weg zu G'tt gesucht und sich der Väter würdig erwies, weil es schließlich aus G'ttes Erbarmen und auf seine Verheißung vertraute." Das soll auch uns den Weg umschreiben, der" uns aus der Not zur Erlösung führen wird. Klagen wir nicht zuviel über das, was als jüdische Not über uns verhängt ist, wenn sie von uns Entbehrung heischt, kehren wir zurück von einer falsch verstandenen: Anpassungssucht zu unserer recht begriffenen Aufgabe als.

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