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Der Israelit · 1933-07-28 · Heft 30 (28.7.1933) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 30 (28.7.1933)
Date
1933-07-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Nr. 30 Seite 13 K 28. Juli 1933 zeichnender für die Wertschätzung des Letzteren ist die Tatsache, daß die politische Gemeinde Schweinshaupten ihn während der Zeit von 1825—1834 und später noch einmal von 1840—46 mit der Führung der standesamtlichen Register betraute. Im Jahre 1859 wählte ihn die Gemeindeverwaltung zu ihrem Mitglieds und zugleich in den „Pflegschaftsrat". An äußeren Ehrungen seitens der christlichen Mitbürger fehlte es also Reb nvv nicht. Doch darin sah der Fromme wahrlich seine Lebensaufgabe nicht! Der min nivvni' n^a i>ii> zu 'n nam zu t-nsan oi’p im weitesten Umfange und im ernstesten altjüdischen Sinne blieb ihm Hochziel seines Lebens und Strebens. Darin setzte er seine ganze Kraft und Willensstärke. Trotz der Ungunst der Zeitverhältnisss, trotz der bescheidenen Mittel im häuslichen Kreise, setzte er das Letzte dran, die vier Söhne zu mnan 'iwim heranzubilden, teilweise in dem kleinen Zell bei Würzburg, wo der Geist von Reb „Mendel-Zell" und dessen Sohn Reb Jona Rosenbaum einen rw-npi min oix>» geschaffen hatten, in engem und stetem Konnex mit dem Zell benachbarten Würzburg und Höchberg, wo der „alte Würzburger Raw", Rabbi Seligmann Bär Bamberger und Reb Losor Ottensößer wirkten und ihre Lehrerbildungsanstalten begründeten, um dem damals gewaltsam vorstürmenden Reformjudentum einen festen Damm entgegenzusetzen. In einer solchen Sphäre ausgewachsen, wurden die Söhne tüchtige Lehrer bezw. Kultusbeamten in jüdischen Gemeinden, zum Teil Grohgemeinden. Eigen war allen Söhnen eine klangvolle Stimme, verbunden mit scharfer Artikulation der Aussprache, ebenso die hübsche Handschrift des Vaters. Mehrere Söhne waren auch mit Vorliebe gesuchte ta’Vni» und der jüngste übte neben dem Lehrberufe auch die nasi>n eines -ibid aus?) Auch die einzige Tochter ward mit einem Lehrer und weithin bekannten rrn vermählt. So war Reb Mosches Lebenswerk harmonisch abgeschlossen und in zahlreichen Enkeln und Urenkeln, die gleichfalls dem Lehrberufe sich widmeten und mit " bekannten Nubbinerdynastien der deutsch-jüdischen Orthodoxie in verwandtschaftliche Beziehungen traten, lebt sein Name segensvoll weiter.isaa-pam Dem Mannesalter entsprachen die Jahre des zum Lebensende schreitenden Greises. Nachdem ihm 1849 die treue Gattin und Lebensgefährtin entrissen wurde, siedelte er mit seinem Sohne Nathan der zum Kultusbeamten nach Mönchs-Deggingen bei Nördlingen berufen worden war, nach diesem Orte über. Dort blühte einst eine stattliche jüdische Gemeinde mit eigener Volksschule und hübschem noaan ma- Heute wohnt leider keine jüdische Familie mehr dortselbst: Reb Mosche verbrachte dort die letzten 14 Jahre seines Lebens mit „Lernen" und „Lernen". Aus hinterlassenen Schriften mit herrlichen min aus rrip»' aus vni» und n»l>n leuchtet sein tiefes und umfangt'siches Wissen. xn”*ina «bian 'iv uma» '»»is paa rrl>. Bis zur letzten Stunde wich fein heiliger Mund nicht vom Thoraworte-, an seinem Sterbebette saßen die Söhne lernend. Ein Verzeichnis seiner v'isv hatte er vorsorglich bei Lebzeiten angelegt nebst einem Verteilungsplan für die erbenden Söhne, ebenso spezielle Vorschriften und Anordnungen für seine mm. Am 1. Tag des ii>oa «nn «mn 5636 (1876) hauchte er nach kurzem Krankenlager seine rnrnv nnvi aus. Ein bescheidener . Grabstein, wie er ihn in seinem schlichten Sinne gewünscht hatte,, mit nur knapper Angabe des- Namens und Sterbetages, bezeichnet die letzte Ruhestätte des Rastlosen. Im einsamen D»n ma des stillen Dorfes Mönchs-Deggingen schlummert Reb Mosche Sonn dem großen Auferstehungsmorgen entgegen. — •iri>jr p' miar' Korrespondenzen * Nachrichten. Holland. Nachklänge der Alelchett-Aonferenz. Amsterdam, 25. Juli. Wie Prof. D. C o h e n, der Sekretär der offiziella Vertretung der holländischen Judenheit erklärt, ist die von Herrn Samuel Untermyer aus Newyork nach Amsterdam auf letzten Donnerstag und Freitag einberufene Besprechung zur Weiterführung der Mel- Hett'schen Pläne ohne jede Fühlungnahme mit Amsterdamer Kreisen einberusen worden und wird von diesen mißbilligt. In der Tat ist, wie ich bereits vorige Woche melden konnte, außer unverbindlichen Unterhaltungen der paar amerikanischen Herren aus der etwas geräuschvoll angekündigten,, Amsterdamer Konferenz" nicht das geringste geworden. Z Es ist der vor zwei Jahren im gesegneten Alter von 91 Jahren zu Würzburg verstorbene Lehrer Jakob Sonn Der 3 s r ae li 1 _ Nachdem inzwischen bekannt geworden ist, daß der englische Board of Deputies auf Grund der Vorstellungen von deutsch-jüdischer, insbesondere von orthodoxer Seite, am Sonntag dieser Woche mit überwältigender Mehrheit beschlossen hat, das Unternehmen Lord Melchetts auch weiter entschieden a b z u l e h n e n, ist aus ein baldiges Ende dieser herausfordernden Demonstrationspolitik mit Sicherheit zu rechnen. England. Eine Protestdemonstration des Castend. London, 21. Juli. Eine von einem Protestkomitee veranstaltete Prozession, die sich im Lastend versammelte und nach Hyde Park marschierte, um gegen den deutschen Antisemitismus zu protestieren, vereinigte etwa 50 000 Teilnehmer. Sprecher waren die Herren Dr. I o ch e l m a n n, Morris Myer und P. H o r o v i tz. Der Board o f Deputies hat die Demonstration als zwecklos und schädlich abgelehnt, jede Teilnahme verweigert und, leider vergeblich, alles aufgeboten, um sie zu verhindern. Natürlich war die Prozession mit bildlichen und mündlichen Aufforderungen zum Boykott deutscher Waren verbunden. (Siehe Wochenrundschau. Red.). Ablehnung des Melchett-Boykotts durch die englische Judenheit. London, 24. Juli. Der Board o s Deputies hat in seiner gestrigen Sitzung nach dreistündiger erregter Debatte in nichtöffentlicher Sitzung mit 110 gegen 27 Stimmen eine Resolution auf Ausrufung eines allgemeinen jüdischen Boykotts deutscher Waren und Schiffe im Sinne Lord Melchetts abgelehnt. Der Vorsitzende, Neville L a s k i, sprach sich, insbesondere auf Grund der im „Israelit" seit Wochen vorgebrachten Argumentation und im Hinblck auf die Proteste der deutsch-jüdischen Organisationen, mit großer Schärfe gegen die Resolution aus und erklärte, daß auch führende englischjüdische Staatsmänner wie Lord Read in g und Sir Herbert Samuel von der Verkündung des Boykotts dringend abgeraten hätten. Die radikale Minderheit, der der Verstand mit dem Herzen durchgeht, wird natürlich weiter agitieren und es gilt daher, auch fernerhin auf der Hut zu sein. Palüsttna. Oer Arbeitermangel in Palästina. ,— Appell der histadruth an die Zertifikatsinhaber. Jerusalem, 18. Juli. Im Hinblick auf den in allen Teilen Palästinas, insbesondere in den Kolonien, herrschenden Mangel an jüdischen Arbeitern fordert die Histadruth Haowdim alle Inhaber von Einwanderungszertifikaten auf, sofort nach Palästina zu kommen, um den Verlust jüdischer Arbeitspositionen zu verhindern. Eine Crez Israel-Stimme zum Zionistenkongreß. Tel - Awiw , 18. Juli. Die Wahlen zum Zionistenkongreß haben im allgemeinen die Persönlichkeiten wieder gebracht, die seit Jahren als große und kleine Wortführer und Herrscher der zionistischen Bewegung im Galuth und dem durch sie geschaffenen neuen Jischuw in Erez-Jsrael ihr Gepräge aufdrücken oder — in Wirklichkeit — nicht aufdrücken. Sie selber haben nie daran gedacht, Wege zur Tradition ihres Volkes zu suchen, und so können sie dieses Verlangen auch nicht an die Massen stellen, für die sie die Verantwortung tragen. Nicht einmal zu ethischer Persönlichkeit ist bisher kein wenigstens in seinen ethischen Werten adäquater Führer erstanden. Niemand, auch niemand, genießt das Vertrauen und die Liebe des Jischuw. Das Höchste, was man von den Führern feit Herz! sagen kann, ist das Lob als gute und ergebene Leiter ihres Ressorts und als ehrenwerte Persönlichkeiten. Doch dieses Lob genügt nicht. Auch kann man es in seiner Gänze nur einem Teil der Führer zollen. Nur die Anziehungskraft, die von Herzls reinem Wollen und großem Können ausstrahlte, hatte auch Teile aus der thoratreuen Judenheit um Herzl sammeln und sich als religiöse Kulturfraktion Misrachi organisieren lassen. Der Misrachi hat aber nicht nur die klassische Periode unter Herzl mitgemacht, in der alles noch Anfang und alles noch Theorie war, er hat auch in allen Entwicklungen bei der zionistischen Bewegung verharrt, selbst, als ihre Bestrebungen sich überraschend in Erez-Jsrael verwirklichten aber die Wirklichkeit so ganz anders wurde, als es der in G'ttes Offenbarung am Sinai wurzelnden Traditionenkette entsprach. Die Männer, die mit Hilfe einer mit ihnen verbundenen Clique hartnäckig die Geschicke des Misrachi im Zügel halten, hätten mehr Thora-Politik und weniger zionistische Politik machen müssen. Stets sind sie in entscheidenden Momenten zu Kouzessionswilligsn geworden, und aus dieser Schwäche heraus haben sie nie auf der Tribüne der Zionstenkongresse das flammende Wort für die Thora gefunden. Das einzige Mal, an dem — natürlich unter eisigem, abwesendem Schweigen — das richtige Wort im Interesse der Thora an die zionistischen Delegierten gerichtet wurde, sprach es der Florenzer Delegierte Advokat P a c i f i c i. Vor dem Richtstuhl der jüdischen Geschichte werden die heutigen Führer des Misrachi nicht bestehen. Auf dem demnächstigen Zionistenkongreß werden voraussichtlich die gleichen Männer wie seit Jahren die Politik des Misrachi leiten und mit ihrer Redegewandtheit und parlamentarischer Erfahrung über die Untiefen hinweggleiten. Es ist dies schon aus diesem Gesichtspunkt bedauerlich, weil der Misrachi wertvolle orthodoxe Kräfte hat, die teils durch ihre persönlichen Verhältnisse, teils durch die Gewalt der Führer zurückgehalten werden. Es muß dem Misrachi zugebilligt werden, daß er anfangs den Glauben hegte, durch eine Mitarbeit an der zionistischen Propaganda, der er ständig Gelder zuführte, die finanziellen Möglichkeiten für sein eigenes Schul- und Kolonisationswerk zu erhalten, die ihm gebühren und darüber hinaus im Sinne der Tradition auf die zionistischen Reihen einzuwirken. Dieser Optimismus ist aber längst gründlich zerstört worden, — und andere Misrachifllhrer hätten längst auf den Zionistenkongressen die Alternative gestellt. Wer in Erez-Jsrael wohnt, sieht es deutlich, daß den meisten Führern und dem Gros der Masse des neuen Jischuw die Tradition des jüdisches Volkes Lächerlichkeiten einer grauen Vergangenheit bedeutet. Die Lust in Erez-Jsrael ist heute voll Miasmen der Unjüdischkeit. In den zionistischen Schulen lehrt man hebräische Sprache und jüdische Geschichte, aber kein Judentum. Wann haben die misrachistischen Redner auf den Zionistischen Kongressen dieses Fürchterliche in die jüdische Welt hinausgeschrieen? Die ganze Atmosphäre ist vergiftet. Sport — nicht als Mittel, sondern als Zweck —, Kino, seichte Lebensauffassung, — regeneriert so ein Volk? Tausende strömen tagtäglich in die Kinos mit ihren aufreizenden Sinnesreizen, weil sie das Judentum nicht mehr kennen und in ein Leben des öden Einerleis versinken. Selbst das Wissen vom Verhungern der russischen Juden und vom Elend in der deutschen Judenheit hält sie nicht vor derartigen Vergnügungen zurück. Wo sind da die Führer als sittliches und nationales Gewissen? In den misrachistischen Schulen besteht natürlich die ehrliche Absicht, die Jugend im Geiste der- Thora zu erziehen. Infolge der destruktiv wirkenden Vorbilder des neuen Jischuw sind aber die Resultate meist negativ. In der heutigen geistigen Atmosphäre, wie sie der neue Jischuw geschaffen hat, genügt nicht die Quantität des Judentums-Unterricht, sondern ist auch auf die Qualität, auf die Methodik, die größte Aufmerksamkeit zu richten. Apologetik gegenüber den unjüdischen Einflüssen, die das Kind umgeben, ist nötig. Das fordert dauernde Lehrerfortbildung, doch die fehlt. Dieses Verlangen erstreckt sich heute auf alle Parteien und Schichten der Orthodoxie. Diese gemeinsame Aufgabe sollte heute den Misrachi mit den anderen Teilen der Orthodoxie verbinden und ihn einen scharfen Trennungsstrich zu, Strömungen in der Judenheit ziehen lassen, die das Judentum nicht kennen wollen. Findet der Misrachi endlich auf dem Zionistenkongreß das richtige Wort, dann beginnt er endlich eine Periode, die schon längst auf ihn wartet. (Wir geben den Ausführungen unsres Herrn Korrespondenten Raum, ohne an die Möglichkeit einer Kooperation der Orthodoxie mit dem Misrachi zu glauben, solange dieser organisatorisch an den Zionismus gebunden ist. Red.).

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