Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1933)
- Date
- 1933-07-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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EH IM ölö]fo]l H ||o»q|ö M M I I I Erziehung und Lehre Pädagogische. Beilage zum „Israelit“ Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands I I I Hl*™ olfPT 0 i 0 ü 0! H m. Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach) Von Tlalhan Adler in Nürnberg. ^rriL»^a 27X? .12^.1 *122 riVip aratp*? ViD’ /VVsnz» 7aW »Tn? ViD’ n-ma rr'n nam :a$Ts tfT? 122?nrm2 ]™'^' Vasia 'N1212 bv ^ra Kav2 «pj>n pan?n*Ttf nw np*2 Vrsna rr.T Via’ »’>Lai nrrfrx onnsi npim 2iy rrn- #ts 122 yrnn dtk rrn? Via’ pnp ratTn nanan n|in $?iawV naV? ranx :nVpn> ]a’p nt naiK K2K -nVann ^«1 tiösa^' -n^Ppy 8'NY srvra iaV ]V2 dk 7>VM^ 1^S?2 V'Y ia« *?[JTX ri?j?A 22> p2y kVk nt^a aas, *6 aViaai njpöp n*np •lännsj iaxW n’i^nA Unter „Tefillo" ist mehr verstanden als „Beten". Es ist kein Sichberauschen an Wort und Ton, sondern ein Sprechen zum eigenen Herzen, ein Sichrichten, ein Sichbeurteilen. (nZb 'pop i>§). So ist Gebet, wie bei der frommen Mutter Samuels, eine Herzensangelegenheit. Ein einmaliges Beten während des Tages ist auch nicht die Erfüllung der ai-so-Forderung. Des Gebetes erinnere man sich am Morgen, der uns wie Abraham G'ttes Erbarmen lehrt, am Mittag, der uns wie Isaak die aus Liebe und Recht gepaarte g'ttliche Waltungsweije zeigt, am Abend, der uns, gleich Jakob im Ringen mit den Mächten der Finsternis im strengen Selbstgericht finden muß. Dem Gebete haben unsere Weisen, die tid22 wx nbrrnri/ darunter Chaggai, Secharja und Maleachi, die entsprechende Form gegeben, die wir noch heute einhalten. Wir sind noch nicht über diesen Gebetsinhalt und dessen Gepräge hinausgekommen: Jubel und Bitte. Das Kennzeichen der echten Tefillo ist nach Abba Schoul die „Richtung des Herzens", wenn man imstande ist, sich von allen Gedanken loszulösen, um nur im Gebete zu leben. Dann finden wir das Ohr unseres G'ttes. Unter den 10 Wortbegriffen für Gebet: ,-122 „ijntp ,bii>2 ,njnn 01x2 /npyx „iv'w mmip „121 >,ipK2 wählte Moses den Ausdruck pirmi, um zu sagen, nicht auf Grund seines tatenreichen Lebens bittet er um die Erlaubnis, nach dem heiligen Land gelangen zu dürfen, sondern als 020 020», als ein unverdientes Geschenk möchte er die Gewährung seiner Bitte betrachten. So ward pnnxi zum inru 022?- Israels Trost bliebin jedem Geschlecht das 020 v2nv seitens seines G'ttes, eine unverdiente Gabe aus den Tauschätzen des Himmels und den Erträgen der Erde. Geschenke G'ttes verpflichten auch das härteste Gemüt. Sind sie in ihren Ausmaßen doch von so gewaltiger Art, daß wir mit Vater Jakob sprechen müßten: „Ich bin zu klein Deiner Liebe gegenüber." „Und wenn Du, 0 G'tt, uns auf die Höhe Deiner Reinheit emporläutern wolltest, würde in diesem Läuterungsprozeß von uns nichts übrig bleiben." Wollen wir nach den Anforderungen unserer Thora uns zu positiven Errungenschaften emporraffen, dann müssen wir zunächst das negative Vorzeichen von mn nwp aus unseren Reihen wegschaffen. Gerade dieses Schulübewußtfein steht in unserem Gebetbuch vor den o'rrvn i-p- Bevor wir vor G'ttes Auge und Ohr treten und um Erhörung flehen, müssen wir unsere Seele und unser Herz mit dem ganzen Bewußtsein des großen, gnindlegenden Inhalts des Gebotes erfüllen bis zum Ueberfließen: „Liebe deinen Nächsten so, wie du dich lieb hast!" *) Aus ~D’n2i? 2'2120, ein iwT-Buch für die Hand der Lehrenden und Lernenden in Gemeinde und Familie". I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. „Schaffet Schulen!" . „Mit diesem Rufe möchten wir von Weiler zu Weiler, von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt als Anwalt der heiligsten Sache pilgern, möchten vor dem Geiste, vor dem Herzen, vor dem Gewissen unsrer jüdischen Brüder die Sache so viel tausend armer Jugendseelen führen, die von Schulen, die von besseren jüdischen Schulen ihre jüdische Auferstehung zu erwarten haben,- möchten im Namen des Judentums, im Namen unsrer ganzen Zukunft nicht eher ruhen, nicht eher rasten, bis dem Rufe: „Schaffet Schulen!" mit der Beschwichtigung erwidert werde: „Die Schulen sind da, und siehe, es sind gute, jüdische Schulen'" „Was nützte es, wenn wir Aelteren auch noch mit treuer Anhänglichkeit, mit jeder Faser unsres. Gemüts, mit jedem Blutstropfen unsres Herzens dem väterlichen Heiligtum anhangen, wenn wir die Richtung unsrer Kinder dem Ungefähr überließen, sie nicht von vornherein mit der Einheit der Kraft, der Ueberzeugung und des Willens rüsteten, die sie, stark und einig mit sich und mit G'tt und mit der von seinem heiligen Willen ihnen erteilten Bestimmung, befähige, ungeteilten Herzens, bewußtvoll und entschieden den Kampf in der zwiespältigen Zerklüftung der Zeit zu bestehen?" „Wir bedürfen der Schulen, bedürfen jüdischer Schulen, in welchen mit gleichem Ernst und gleicher Sorgfalt das alte heilige Erbgut der Jakoüsgemeine, die biblische und rabbinische Wissenschaft Hand in Hand mit allem Wahren, Edlen und Guten der europäischen Bildung, vom Aleph Beth und A B E an alle Stadien der Erkenntnis und der Entwicklung hindurch, einheitlich gepflegt werde und die ganze Geistes- und Gemütsbildung der Knaben und Mädchen von vornherein in so einheitlicher Richtung erstarke, wie sie sie dereinst im Leben als wahrhaft gebildete Juden, als wahrhaft jüdisch gebildete Menschen und Bürger bewähren sollen." „Rüste die Jugend für ihren Lebensweg, das ist ja das alte: 1211 '2 by i§2b -,12a — dazu aber bedürfen wir der Schulen!" Vorstehende Sätze sind einem Aufrufe entnommen, den unser Altmeister Samson Raphael Hirsch ’rsv im Jahre 1854 in seinem Jeschurun an seine Zeitgenossen richtete. Obwohl die flammenden, eindringlichen Worte Rabbiner Hirschs auf das ehrwürdige Alter von fast 80 Jahren zurückschauen, haben sie noch nichts von ihrer Kraft und Zeitgemäßheit eingebüßt. Im Gegenteil, sie gewinnen gerade heute erneute und erhöhte Bedeutung. Das Wirken Hirschs und seiner Nachfahren brachte es zustande, daß in thoratreuen Gemeinden und innerhalb der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands Volks- und höhere Schulen entstanden, deren Arbeit es vor allem zu danken ist, daß ein ansehnlicher Teil der deutschen Judenheit aus dem verzehrenden Feuer des Abfalls und der Gesetzesuntreue gerettet und dem traditionellen Judentum erhalten blieb. Wenn auch mancher Jünger der orthodoxen Schulen der in der Schule ihm gegebenen Wegrichtung untreu wurde und den von außen herankommenden Einflüssen einer materialistisch und atheistisch gerichteten Zeit erlag, es bildete sich doch in Gemeinde und Provinz ein Stamm, erfüllt mit dem Treuegefühl zu dem Erbe der Väter, der immer neue Vlütentriebe und Fruchtansätze zur Reife zu bringen vermochte. Man erkannte, daß das Thorajudentum sich nur dann halten und erhalten konnte, wenn seine Jugend in jüdischen Schulen, die auf dem ehernen Grunde des Willens zur nun ausgebaut waren, für den Lebenskampf gerüstet und gewappnet wurde. So entstanden in Frankfurt. Berlin, Hamburg, Breslau, Köln, Nürnberg, München und anderen Städten blühende Schulen, in denen sich Lehrer mnd Leiter mit bestem Erfolge in opferfreudiger Arbeit bemühten und bemühen, Thorajudentum zu lehren und vorzuleben und Thorageist den Seelen der ihnen anoertrauten Jugend einzuhauchen. .ns Nlv' D’P2Y>1 D’b'jIS ■>30 Das Reformjudentum, oder wie es sich später lieber nannte, das liberale Judentum, war, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf dem Gebiete der Gründung jüdischer Schulen ziemlich unproduktiv. Kam es doch den „liberalen" Herren vor allem darauf an, möglichst recht viele Scheidewände niederzulegen, die -die jüdische von der nichtjüdischen Welt trennten. Ihr pädagogisches Ideal war die simultane Volks- und Mittelschule, wo christliche und jüdische Schüler auf der gleichen Schulbank saßen. Entsprach doch diese Schulform einer Forderung des Katechismus der liberalen Parteien, denen die Herren sich verschworen hatten. Daß die simultane Schule trotz ihrer neutralen Firmierung christlich orientiert war, genierte weiter nicht. So konnte man vor wenigen Jahren noch das ergötzliche und doch so überaus traurige Schauspiel erleben, daß die Verwaltungen einiger Großstadtgemeinden auf Grund ihrer politischen Einstellung den dort bestehenden gesetzestreuen Schulen die Bewilligung finanzieller Mittel versagten. Als einen armseligen Notbehelf errichtete man Religionsschulen, in denen in wenigen Wochenstunden die Jugend in-den Geist und die Erkenntnis der angestammten Väterreligion eingeführt werden sollte. Der Erfolg war auch demgemäß. Die Schüler und Schülerinnen der Neligionsschnlen betrachteten den Besuch derselben als eine ziemlich überflüssige Sache, und so waren diese Lehranstalten kaum imstande, bewußtes und keimkräftiges Judentum zu pflegen. Das gilt nicht nur von liberalen, sondern mutatis mutandis auch von orthodoxen Religionsschulen, in welchen man sich damit begnügen muß, in etwa vier oder gar noch weniger Unterrichtsstunden einen dünnen Aufguß jüdischer Lehre zu verabreichen. Welch reiches, blühendes Leben herrschte auch einst in den jüdischen Landgemeinden, in denen ein rechter Volksschullehrer seinen gesamten Unterricht bis in die Zeichen- und Schreibstunde hinein mit jüdisch religiösem Geiste durchtränken konnte und seine Gemeinde eine Jugend heranblühen sah, die die Gewähr bot, sie in den Fußtapfen der Väter wandeln zu sehen und sich zu jüdischen Menschen zu entwickeln, denen die praktische Betätigung der nnrv v'in nicht ein überwundener Standpunkt mar. Wir denken vor allem an das blühende Schulwesen, wie es besonders in dem Bezirke Hessen- Kassel bestand. Doch die ländliche jüdische Volksschule gehört heute leider auch der Vergangenheit an. Sie fiel fast durchweg, besonders in Kurhessen, der Auflösung anheim; nur einige wenige Schulen zeugen von einstiger, entschwundener Pracht. Die Lehrer sind noch vorhanden, auch die Gemeinden bestehen noch. Nur an Kindern, dem köstlichen Baustoff jüdischer Zukunft, mangelt es. T>2ia xbx -pa Kipn bx Sjat doch auch die Männer und Frauen unsrer Landgemeinden die Furcht vor dem Kinde erfaßt, um sie so an ihrem Teil zum Rückgang der jüdischen Geburtenzahl beitragen zu lassen. Sie sind heute auch schon so weit fortgeschritten, sich mit einem Kinde begnügen zu wollen. Dieser vermeintliche Fortschritt hat jte dahingebracht, sich in ihrem Denken und Handeln nur von wirtschaftlichen Momenten leiten zu lassen. Ethische und religionsgesetzliche Erwägungen sind ausgefchaltet. So muhten ihre Schulen, die vor wenigen Jahrzehnten noch von Dutzenden jüdischer Kinder bevölkert waren, sterben, weil es den Vätern an dem Willen fehlte, Leben zu zeugen. Durch die „Nationale Revolution" ist die Situation des jüdischen Kindes und der jüdischen Schule wieder eine ganz andere geworden. Das ist alles zu bekannt, als daß darüber weitere Erörterungen vonnöten wären.- Glücklich find die Gemeinden zu preisen, die bereits ein jüdisches Schulwesen besitzen. Noch glücklicher das jüdische Kind, das in einer jüdischen Schule davon verschont bleiben kann, als Fremdkörper behandelt zu werden. Auch die konsequentesten Assimilanten liberaler Observanz in Breslau oder München werden heute unumwunden zugeben, daß ihr vorrevolutionärer Standpunkt ein bedauerlicher Irrtum war, und für die Sammlung jüdischer Kinder in rein jüdische Schulen eintreten. Denll was der jüdischen Kinder in der allgemeinen Schule wartet, bedeutet für ihre Gegenwart und ihre Zukunft einen nicht zu ertragenden Zustand. Ihre jugendliche Seele wird täglich verwundet, sie werden von ihren Mitschülern gemieden, man betrachtet und behandelt sie als Fremde und Geduldete. 'Können unter solchen Umständen unsere Kinder, verschüchtert und seelisch verkrüppelt, sich zu gefestigten und stolzen Juden und Menschen entwickeln? Glücklich noch das Kind, das in seinem Elternhaus ein vpv vip» besitzt, das es dis Unbill vergessen lassen kann, die es draußen findet! Bemitleidenswert die Kinder, denen das Elternhaus nicht eine Zelle sein kann oder sein will, worin es die Wahrheit und Schönheit jüdischen Geistes- und Gesetzeslebens begreifen lernt, 01020 i>iir qin2i o2ni>iVv i-112 pni-ivv •' So ergibt sich also mit Notwendigkeit, daß in allen Gemeinden des deutschen Judentums jüdische Schulen gegründet werden müssen. Denn die Grundsätze, auf denen sich die nationale Schule im nationalen Staate aufbaut, müssen kraft des ihm innewohnenden Gesetzes der Ausschließlichkeit zu einer Diffamierung des jüdi-