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Der Israelit · 1933-07-20 · Heft 29 (20.7.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 29 (20.7.1933)
Date
1933-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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20. Juli 1933 Der Israelit Nr. 29 Seite 5 bewußt zu gehen und uns auch unsererseits in die Rühen der Minderheit" zu stellen» die allein das Bewußtsein für das Golus des Landes sich erhalten Hat und die da kämpfen muß um die Herrschaft der Thora, um die Herrschaft des G'ttesrechts im G'tteslaud! Dieser 9. Aw will uns in all unserem persönlichen Goius das furchtbare Bewußtsein wachhalten, -daß auch in solcher Zeit das jüdische Volk in seiner „Mehrheit" noch gar nicht öen Sinn jener Katastrophe bes 9. Aw Einzusehen gelernt hat, daß all unser Golus noch nicht bewirkt hat, daß das jüdische Volk es bewußt erlebe. Soll der 9. Aw in solcher Zeit unser ^rller Ohr finden? Chawerim! Chaweroih! An jedem Einzelnen von uns ist es, die Zeit vorzubereiten, da imsn üswan |v>x Korrespondenzen * ßacbricbten. Deutsches Reich. Widerruf von Einbürgerungen. Berlin, 17. Juli. Zu den neuen Gesetzen, bie das Reichskabinett am 14. Juli verabschiedet hat, gehört auch ein solches über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit für unerwünschte Elemente. Die Rücknahme der Einbürgerung kann erfolgen, wenn diese erst nach dem 9. November 1918 vorgenommen wurde und Die Einbürgerung nicht als erwünscht angesehen wird. Der Widerruf gilt auch für die Familienangehörigen, die mit dem Eingebürgerten die deutsche Staatsangehörigkeit erreicht haben. Die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit kann ferner für Reichsangehörige, die sich im Auslande aufhalten und gegen die Pflicht zur Treue gegen Reich und Volk verstoßen haben, ausgesprochen werden. Bei Nichtbeachtung de« Rück - kehraufforüerung kann neben dem Verlust der Staatsangehörigkeit auch eine Beschlagnahme des Vermögens erfolgen. Die Ausführungsbestimmungen, die noch nicht erlassen sind, werben Näheres darüber besagen, wann eine Einbürgerung als nichterwünscht anzusehen ist. 215 Notare abgesetzt. Berlin, 12. Juli. Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht die Namen von 213 jüdischen oder von Juden abstammenden Notaren, die in Berlin auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus ihrem Amt entlassen wurden. Die Liste.enthält auch die Namen des Vorstandsmitglieds der Berliner Jüdischen Gemeinde, Dr. Max Köllen sch er, und des Direktors des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Ludwig Holländer. Gleichfalls auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurden 34 richterliche und staatsanwaltschaftliche Beamte, unter ihnen eine größere Anzahl von Juden, in den Ruhestand versetzt. Löschungen in der Anwaltsliste. Berlin, 17. Juli. „Vossische Zeitung" meldet: Aus Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und der neuen Bestimmungen über die Anwaltschaft haben in der letzten Woche etwa 200 preußische Anwälte ihr Notariat verloren, davon 170 auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, weitere ca. 35 durch ihre Löschung als Anwälte. Von den 170 Notar-Löschungen entfallen über 150 auf die Berliner Gerichte — in der Vorwoche waren es etwa 200. In der Liste der Rechtsanwälte wurden etwa 130 Anwälte neuerdings gelöscht, davon 75 in Berlin. Ronferenzgemeinschaft der jüdischen Großgemeinden. Berlin, 17. Juli. Am 15. Juli fand nach längerer Zeit wiederum eine Beratung der zur Konferenzgemeinschast zusammenge- Die Woche. Berlin. Die Deutsche geographische Gesellschaft hat Geheimrat Dr. Manfred P h i l i p p s o n in Bonn die - Große goldene Richthofenmedaille, die höchste Ehrung auf diese Gebiete, für seine hervorragenden Verdienste für die geographische Wissenschaft verliehen. — Wie das „8 Uhr-Abendblatt" erfährt, soll bei Durchführung des Arierparagraphen in der deutschen Arbeitsfront später jüdischen Angestellten erlaubt werden, eine besondere Organisation für nichtarische Arbeitnehmer zu bilden zur Pflege von Wohlfahrtsaufgaben. Mitglied der Arbeitsfront kann diese Organisation nicht werden. — Wie das „Berliner Tageblatt" mitteilt, ist ein Reichsverband christlich-deutscher Staatsbürger nicht arischer und nicht rein arischer A b st ä m m u n g in der Bildung begriffen. Der Reichsverband erstrebt ein gemeinsames, verständnisvolles Zusammenwirken aller deutschen Volksgenossen, ohne Unterschied der Kirchenzugehörigkeit auf dem gemeinsamen Boden des sozialistisch-deutschen Nationalgefühls. — In Berlin wurde unter Beteiligung aller großen jüdischen Organisationen und mit der nach Verhandlungen mit Staatskommissar Hans Hinkel erteilten Genehmigung der preußischen Regierung der „Kulturbund deutscher Juden 1933" gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland zu pflegen. — Die Direktion des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde Berlin teilt zur Aufklärung von Mißverständnissen mit, daß jüdische Kassenpatienten nach wie vor im Krankenhause der Jüdischen Gemeinde ausgenommen werden können. München. Die Nationalsozialistische Stadtratsfraktion hat im Stadtrat München neben anderen Anträgen den folgenden Antrag eingebracht: „Wir beantragen, der Stadtrat beschließt, daß in Zukunft die Aschen verstorbener Juden nicht mehr in christlichen Friedh ö f e n u n d Urnenhallen beigesetzt werden dürfen." Hamburg. Wie bekannt wird, bekam das Jüdische S ch w e st e r nh e i m in Hamburg aus dem Nachlaß von James Löb 25.000 Dollar. Breslau. In Gleiwitz (Oberschlesien) wird jüdischen Personen der Zutritt zum städtischen Freischwimmbad im Wilhelmspark nicht gestattet; eine Aufschrift entsprechenden Inhalts ist in der Nähe des Eingangs über der Kasse angebracht. — Das Breslauer Jüdische Museum wendet sich an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Aufforderung, ihm vernachlässigte alte jüdische Kultgegenstände in aufgelösten Gemeinden oder bei Privaten zur' Einreihung in die Sammlungen oder zur Aufbewahrung zu überlassen. — Die Mehrzahl der jüdischen Aerzte in Oberschlesien, welchen Mitte Juni sämtliche öffentliche Kassen per 1. Juli gekündigt worden waren, ist durch Verfügung des Innenministeriums wieder zur Ausübung der Ortskrankenkassenpraxis zugelassen worden. Erfurt. Nach einem Bericht der „Jenaischen Zeitung" wurden aus dem Erfurter Jahrmarkt 30 jüdische Markthändler in Schutzhaft genommen, wie es heißt, zum persönlichen Schutz der Händler vor der gegen sie stark aufgebrachten Bevölkerung. Es werde ihnen weiter Schutz geboten, aber nahegelegt, nächstens die Erfurter Einwohnerschaft durch ihre Anwesenheit nicht mehr zu reizen. Darmsladk. Wie amtlich mitgeteilt wird, haben jetzt unter Zurücknahme früherer Verfügungen jüdische Kinder und diejenigen der Adventisten an dem Schulunterricht am Samstag teilzun e h m e n. Haifa. In der Siedlung K i r - j a t h C h a j i m, die den Namen von Chajim Arlosoroff trägt, wurden 200 Arbeiterhäuser fertiggestellt, weitere 200 Häuser sind im Bau begriffen. Für die Siedlung wurden 3000 Dunam zur Verfügung gestellt. Jerusalem. Die Untersuchung in der Mordiache Arlosoroff haben zu weiteren Verhaftungen von Arabern und Juden geführt, über die noch Stillschweigen herrscht. — Vor dem Strafgericht in Nablus standen vier Araber, die beschuldigt waren, seinerzeit den ehemaligen jüdischen Legionär Joseph Benjamin in Nathania in einem Streite getötet zu haben. Nur einer von ihnen wurde für schuldig befunden und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. — Zwei Wächter der Arbeitersiedlung Beth Alpha wurden von Beduinen, die sie aus den Weingärten der Kolonie verdrängen wollten, verwundet. schlossenen Vertreter der größeren jüdischen Gemeinden und Landesverbände statt. An der Beratung nahmen auch Mitglieder der Reichsvertretung,' die am gleichen Tag in Frankfurt eine Präsidialsitzung abhielt, teil. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Herr Direktor Heinrich Stahl, eröffnete die Tagung, worauf die Herren Kammergerichtsrat Wolfs und Landgerichtsrat Dr. L i l i e n t h a l über die Tätigkeit der Reichsvertretung, sowie Herr Dr. Ludwig T i e tz über die Arbeiten des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau eingehende Berichte erstatteten. Die nur durch eine kurze Mittagspause unterbrochene Aussprache, die sich bis zum Abend hinzog, führte in allen wesentlichen Fragen zu vollkommener Uebereinstimmung. Die versammelten Vertreter an Großgemeinden waren sich darüber einig, daß angesichts der schwierigen Lage, in der sich die Judenheit Deutschlands befindet, das oberste Gebot vollkommene Einheit des Handelns ist. Zu.Deklarationen, die ungehört verhallen, ist keine Zeit. Aufbau und Hilfe sind die Gebote der Stunde. Wenn in vergangenen Zeiten anderwärts Juden in Not waren, standen die deutschen Juden stets an der Spitze der Hilfeleistung. Heute sind sie selbst in der Lage der Hilfesuchenden und erkennen dankbar alle Bemühungen des Auslandes an, ihnen in ihrer großen seelischen und materiellen Not beizustehen. Aber die entscheidende Hilfe und Aufrichtung kann dem deutschen Judentum nur aus den eigenen Reihen kommen und für den weit überwiegenden Teil innerhalb des Landes, das ihr Vaterland ist und bleibt. Hier gilt es Hand anzulegen: Die Erhaltung der Gemeinden, vor allem auch der Kleingsmeinden, das Erziehungswesen und die körperliche Ertüchtigung der Jugend, Berufsumschichtung und Schaffung von Ausbildungsstätten, die sozialen Versicherungen, die Schaffung gemeinnütziger Kreditinstitute, Betätigung in Wissenschaft und Kunst, dazu die gewaltigen Aufgaben des Hilfswerks für dis in Not Geratenen — das sind die Fragen, vor denen die Vertreter des deutschen Judentums stehen. Alle diese Fragen werden seit dem Ausbruch der Krise von den dafür geschaffenen Organen des deutschen Judentums in anstrengendster und unausgesetzter Arbeit geprüft und, soweit möglich, praktischer Lösung zugenhrt. Die Arbeit ist unsagbar schwer und kann nur Schritt für Schritt geleistet werden. Sie wird um so fruchtbarer sein, je stärker da Vertrauen ist, das sie trägt. Nach dem Ergebnis der Frankfurter Tagung kann man zu den Führern des deutschen Judentums das Vertrauen haben, daß sie all die weitverzweigten Einzelheiten der praktischen Arbeit ins Auge fassen und im Rahmen des Möglichen durchführen. Oesterreich. Netb Zakob-Lehrkurse im kommenden Schuljahre. Wien, 16. Juli. Die Lehrkurse an der Beth Jakob-Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien werden auch im kommenden Schuljahre in zwei Jahrgängen geführt. Jedoch wird-man fortan in erhöhtem Maße Vorkenntnisse bei der Aufnahme verlangen. Es muß ein Nachweis erbracht werden, daß die Aufnahmsbewerberin der deutschen Sprache so weit mächtig ist, daß sie eine einfache Erzählung 'christlich und mündlich fehlerlos wiedergibt. Von jüdischen Kenntnissen wird vorausgesetzt, fehlerfreies hebräisches Lesen, Uebersetzen der Hauptgebete, wie Schmäh und Virkas Hamosaun, Kenntnis der biblischen Geschichte von der Schöpfung bis zu Moses Tod. Das Mindestalter für die Aufnahme beträgt 16 Jahre. Schülerinnen, die die verlangten Vorkenntnisse nicht haben, finden an unserer Anstalt Vorbereitungskurse, in denen ihnen die Kenntnisse zwecks Aufnahme' in das Seminar übermittelt werden. Wie im Vorjahre so werden auch heuer Anmeldungen für unsere Kindergartenkurse entgegengenommen, die den Teilnehmerinnen in zwei Jahren die Vorbereitung zur Staatsprüfung ermöglicht und sie gleichzeitig zu Beth Jakob-Kindergärtnerinnen ausbildet. Da wir immer wieder Anmeldungen von Schülerinnen bekommen, die mit 14 Jahren aus der Schule herauskommen, haben wir uns entschlossen, Fortbildungskurse für schulentwachsene Mädchen von 14 Jahren an einzurichten, die den Schülerinnen eine allgemeine Weiterbildung in streng jüdischem Geiste vermitteln.

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