Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 29 Die Eröffnungsfeier findet Montag, den 16. Oktober 1933 statt. Unterrichtsbeginn Dienstag den 17. Oktober Alle Anmeldungen zu diesen Kursen werden in der Beth Jakob-Lehrerinnenbildungsanstalt, Wien II., Malz gasse, Dr. Krüger-Heim entgegengenommen. Holland. Vorstoß gegen die Schechrta in Holland? A m st e r d a m , 13. Juli. Der holländische Tierschutzverband hat eine Rund frage unter den holländischen Tierärzten darüber ver anstaltet, ob die übliche Schlachtungsart oder die rituelle Schlichtung vorzuziehen sei,. Die überwiegende Mehrheit der Tierärzte hat sich gegen die Schechita ausgesprochen Bloß vier Stimmen wurden zugunsten der Schechita abgegeben, während 511 Tierärzte für die gewöhnliche Schlachtungsmethode eintraten. Die Vereinigung „Amor et Justitia" hat sich an die Oberrabbiner von Amsterdam, Haag und Rotterdam mit der Aufforderung gewandt, die geistigen Führer der holländischen Judenheit mögen sich für die Einführung einer humaneren Schlachtungsmethode anstelle der Sche chita einsetzen. Man darf erwarten, daß von jüdischer Seite alle Aufklärungsmahnahmen ergriffen werden. Noch immer Uielchett-Uonferenz? Amsterdam, 18. Juli Die aus Amerika herübergekommenen Delegierten der vertagten Melchett'fchen Weltwirtschaftskonferenz Untsrmyer und Koralnik, wollen übermorgen hier in Amsterdam eine Besprechung abhalten, um das spätere Stattfinden der Konferenz doch noch zu erreichen. Die besonnenen Kreise des holländischen Judentums sind entschiedene Gegner des Melchett'fchen Gedankens eines Weltboykotts gegen Deutschland und werden sich durch die lärmende Propaganda der amerikanischen Zio nisten in dieser Haltung auch gewiß nicht beirren lassen Wenn man, nachdem die Londoner offiziellen Kreise von dem Plan abgerückt sind, nunmehr die anderen westeuropäischen Hauptstädte dafür gewinnen will, so dürste Amsterdam dafür der schlechteste Platz sein. Tschecho-Slowakei« Ueberschwemmungskatastrophe in Aarpathorußland. Prag, 18. Juli. Das Städtchen Vylock in Karpathorußlanü wurde von einer schweren Ueberschwemmungskatastrophe betroffen. Die durch die Regengüsse der letzten Tage angeschwollene Theiß stieg über die Dämme und überflutete weite Usergebiete, in denen die gesamte. Ernte vernichtet wurde. Um 2 Uhr nachts drangen die rei ßenden Fluten in das Städtchen Vylock ein, von dessen 550 Häusern 300 einstürzten. Ueber 120 Familien wurden obdachlos. Die entsetzten Einwohner flüchteten in den Tempel, in dem das Wasser jedoch Nach kurzer Zeit bis auf 2 Meter stieg, so daß die Menschenmenge sich auf der Frauen-Galerie zusammendrängen mußte. Erst gegen Morgen wurde die Einwohnerschaft durch Militär, das Rettungsboote herbeigebracht hatte, evakuiert und zum Teil in den Bahnhofmagazinen, zum Teil in benachbarten Ortschaften untergebracht. Die Not unter der hauptsächlich aus armen Handwerkern bestehenden jüdischen Bevölkerung ist außerordentlich groß. Viele von ihnen haben buchstäblich nur das nackte Leben gerettet. Die jüdischen Nachbargemeinden haben eine Hilfsaktion eingeleitet. Bei den Rettungsaktionen hat sich der Sekretär der Jüdischen Gemeinde Vylock, Eugen Steinberger, besonders hervorgetan. Es gelang ihm unter eigener Lebensgefahr, zahlreiche jüdische und nichtjüdische Familien vom Ertrinkungstode zu retten. Palästina. vom jüdischen Lide und jüdischen Schweigen. Jerusalem, 14. Juli. Aus Appellation von Advokat Dr. B u x b a u m entschied das Jerusalemer Kreisgericht in einem bestimmten Falle, daß man einem religiösen Juden nicht zumuten dürfe, unter Anrufung des G'ttesnamens vor Gericht zu schwören. Es genügt, wenn in solchem Falle der Zeuge sich für seine Aussage mit seinem Ehrenworte verbürgt. * Einen symbolischen Akt von großer Wirkung vollzogen orthodoxe Juden Jerusalems an einem Tage der vorigen Woche mit einem sog. -nm mno als stumme Demonstration gegen die Judenverfolgungen in verschie denen Ländern. Man fastete zwar nicht, aber betete den ganzen Tag und legte sich außer den Gebeten a b s o l u tes Schweigen auf von morgens bis zum Sonnen Untergänge. palästinaregierung erzielt für 1952 einen verwa tungsüberschuß von einer halben Million Pfund Jerusalem, 14. Juli. Wie aus den eben veröffentlichten amtlichen Ziffern über die Verwaltungswirtschaft der Palästinaregierung in der Zeit vom 1. April 1932 bis zum 31. März 193 hervorgeht, hat die Regierung insgesamt in diesem.Zeit raum 2.516.000 Pfund ausgegeben, während ihre Ein künfte 3.016,000 Pfund betrugen. Die Regierung hat so mit im abgelaufenen Finanzjahr einen Verwaltungs Überschuß von einer halben Million Psund erzielt. Die Sammlungen zugunsten der deutschen Juden haben bis zum 10. Juli 14.600 Pfund ergeben. Die Erziehungskommission des Hilfskomitees befaßt sich der zeit mit dem Plan, 1000 jüdische Kinder aus Deutsch land in den verschiedenen Schulen in Palästina unter zubringen. - Die Frage des Sabbatschutzes in Palästina. T e l - A w i w, 12. Juli. Zur Frage des Sabbatschutzes in Pa l ä st i n a nahm eine im Tel-Awiwer Beth Haam ab gehaltene von über 6000 Personen besuchte Massenver sammlung Stellung. Chaim Nachman B i a l i k, der im letzten Augenblick verhindert war, seine für diese Versammlung angekündigte Rede zu halten, hatte ein Schreiben geschickt, das zu Beginn der Tagesordnung verlesen wurde. In diesem Schreiben fordert Bialik die Vorkämpfer der Sabbatschutzbewegung auf, in ihrem Kampf um vollständige Beobachtung des Sabbat durch den Jifchuw nicht zu erlahmen, denn ohne Sabbatbeobachtung fei ein volles jüdisches Nation alleüen nicht möglich. Das Vorgehen derjenigen, die den Sabbat öffentlich entweihen, verurteilt Bialik aufs Schärfste. Nach Ansprachen von Bürgermeister Meir Drzengoss, den Rabbinern Gold und U z i e l und dem Vertreter des Misrachi Pincus wurde eine Reihe von Resolutionen gefaßt, in denen gegen Sabbatentweihung in Tel-Awiw protestiert und die Regierung aufgefordert wird, die Bestätigung des von der Stadtgemeinde Tel- Awiw angenommenen Sabbatschutzgesetzes zu beschleunigen. Die Versammlung beschloß, den Gemeinderat von Tel-Awiw, die Vertretung der Jüdischen Gemeinde Jafsa- Tel-Awiw und das Rabbinat aufzufordern, eine Delegation zum High Commissioner zu entsenden, um ihm die Bitte der jüdischen Bevölkerung um baldigstmögliche Inkraftsetzung der Sabbatschutzverordnung vorzutragen. Berufsausbildung religiöser jüdischer Jugend aus Deutschland in Palästina. Tel-Awiw, 12. Juli In Tel-Awiw hat sich ein aus Vertrauensmännern relgiöser jüdischer Jugendbünde Deutschlands und einer Reihe bekannter jüdischer Persönlichkeiten zusammengeetztes Komitee gebildet, das sich die Aufgabe gestellt hat, die Berufsausbildung religöfer jüdischer Jugendlicher aus Deutschland in Palästina zu leiten. Das Komitee, dem Lazarus Barth, S. L. de Beer, Benno Cohn, Dipl.-Agr. Rudi Herz, Dipl.-Agr. Jntriligator, Kestenbaum, Dr. Levinger, Jacob Landau, Edmund Leoy, Beruh. Mintz, Dr. E. Michaelis, G. Nachowski, Dr. E. Nebenzahl, D. Z. Pinkas, Dr. Ernst Simon, Dr. M. Scherefchewski und Mosche Schapira angehören, weist darauf hin, daß die deutschjüdischen religiösen Jugendbünde an den Zielen des Komitees stark interessiert sind, well einerseits ein bedeutender Teil der sich zur Alijah bereitstellenden Juden in Deutschland aus religiösen Kreisen stammt und andererseits die religiöse Jugend Deutschland infolge des Schächtverbots, der Sabbatrage und eventueller Heranziehung zur Arbeitsdienstpflicht, mit der der Zwang zur Uebertretung des Religionsgefetzes verbunden fein würde, sich in besonderer Notlage befindet. Augenblicklich wird ein detailliertes Projekt zur Ausbildung von 300 bis 400 Jugendlichen im Alter von bis 16 Jahren ausgearbeitet. Da den Bedürfnissen der religiösen Jugend in Deutschland entsprechend die Zahl der in Palästina auszubildenden Jugendlichen weit größer sein muß, stellt dieses Projekt nur einen ersten' Schritt zur Derwirklichung ten Komitees dar. — Ziele des neugegründe- Australien. Jüdische Siedlung in Nordaustralien? Melbourne, 12. Juli. Einer Ankündigung des australischen Landesverteidigungsministers Sir George P e a r c e zufolge wird die australische Bundesregierung demnächst umfangreiche Pläne für den kolonisatorischen Ausbau von Nordaustralien fertigstellen. Minister P e a r c e erklärte in diesem Zusammenhang, daß die Regierung für den Gedanken der Errichtung einer großen jüdischen Siedlung' in diesem Gebiet außerordentliches Interesse zeige. Der Beschluß der Bundesregierung, eine großzügige Kolonisation in Noröaustralien durchzuführen, soll angeblich seinen Grund darin haben, daß die Regierung: damit die Verwirklichung eines vor einiger Zeit gemachten Vorschlages, Nordaustralien zu Kolonisationszwecken an Japan abzutreten (in Australien selbst leben etwa 150.000 Japaner), verhüten will. Wie die ITA. erfährt, ist ein hoher Regierungsbeamter vor einigen Wochen energisch dafür eingetreten, daß in Nordaustralien eine jüdische Kolonie zur Ansiedlung von Flüchtlingen aus Deutschland errichtet werde. Diesbezüglich teilte Landesverteidigungsminister Sir George Pearce Pressevertretern mit, die Pläne der Regierung seien so umfassend, daß. kein Grund vorliege, warum nicht alle an der Kolonisation interessierten Kreise aus der Durchführung dieser' Pläne Nutzen ziehen sollten. In den jüdischen Kreisen Australiens zeigt man für diese Kolonisationspläne wenig Begeisterung. Es wird darauf hingewiesen, daß Nordaustralien sehr entlegen sei und daß seine klimatischen Verhältnisse eine bedeutende Schwierigkeit für die Kolonisation durch Europäer darstellen. (Weitere Korrespondenzen siehe Seile 11.) Personalien. Ursprüngen, 13. Juli. Am 19. Juli feierten die Eheleute Bernhard Dlllenberger und Frau Betty geb,. Frank in Urspringen b. Karlstadt a. M. das seltene Fest der Goldenen Hochzeit. Die Jubilare befinden 'ich noch Hei bester Gesundheit und feierten an diesem Tage im engsten Familienkreise mit ihren Kindern und Enkeln dieses Freudenfest. Fünf Söhne der Jubilars kämpften fürs Vaterland. Bratislava, 17. Juli. Nach kurzem Leiden verstarb rm 62. Lebensjahre Ignaz Weiß, Präsident der Kreditanstalt A. G. in Vagsellye (Sala). Der Verblichene 'ührte als Mensch und orthodoxer Jude ein vorbildliches Leben. Mit besonderer Liebe hing er an Erez Jisroel, wohin er in letzter Zeit größere Summen überwies, ohne je die Oeffentlichkeit davon in Kenntnis zu setzen und Dank zu beanspruchen. Jede Mizwoh wurde in. 'einem Hause mit größter Peinlichkeit eingehalten. Seine Kinder erzog er als Nachkomme des bn r>onn min’ 'n in strengstem jüdischem Geiste und fünf Töchter verheiratete er ausschließlich mit ctkvi n^aan ’-ra!>a- Auf leinen Wunsch wurde er in Preßburg zur "'i-v gebracht, die sich zu einer imposanten Trauerkunögebung der ganzen Umgebung gestaltete. Rechtsanwalt Dr. Jakob e i ß, die Herren Hugo Rosenberger, Karl Roth, Josef Holzer und Leopold Haas, alle angesehene verdiente Männer, beweinen in dem Verblichenen ihren Vater. rrjxjn Vermischtes Berlin, 18. Juli. Im Aufträge des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sollen Kriegsbriefe, Kriegstagebücher und Kriegsgedichte gefallener Deutscher Juden auszugsweise veröffentlich werden. Diese Sammlung soll für alle Zukunft ein Dokumentär die Vaterlandsliebe Deutscher Juden und ein Beweis ihrer Zugehörigkeit zur Heimat fein. Es ergeht darum an alle die herzliche Bitte, das zur Verfügung stehende Material (unter Angabe des Truppenteils, der Charge, des Zivilberufes sowie des Ortes und der Zeit, wo der betreffende Frontkämpfer gefallen ist) an die Adresse von Dr. Ernst F r a e n k e l, Syndikus des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten E. B., Berlin W. 15, Kur- 'ürstendamm 200, einzusenden. Kosten entstehen den Einsendern nicht; das Material wird nach Gebrauch zurückge geben. Nürnberg, 17. Juli. In der Sitzung des Stadtrates von Nürnberg vom 12. Juli bemerkte Oberbürgermeister Liebet zu dem geplanten Umbau des ehemaligen Telegraphenamtsgebaudes u. a.: „Am sympathischsten würde der Stadtverwaltung die künstlerische Ausführung des Spruches sein: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud' bei seinem Eid!" Unser Berichterstatter, der uns den Zeitungsbericht über die Sitzung zur Verfügung stellt, macht bei dieser Gelegenheit auf die wenig beachtete Tatsache aufmerksam, daß bei den letzten Korruptionsasfären Juden so gut wie gar nicht beteiligt sind. mm