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Der Israelit · 1933-07-20 · Heft 29 (20.7.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 29 (20.7.1933)
Date
1933-07-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 29 Der Israelit 20. Juli 1933 » des mit der deutschen IudenpolM bis zu einem gewissen Grade auszusöhnen und den vielfachen Erklärungen deutscher Botschafter und Außenpolitiker in den Wcstländern ein größeres Gewicht zu verschaffen, als dies bisher der Fall sein konnte. II. Me in der Wirtschaft, so waren die deutschen Juden ' bisher auch hinsichtlich ihrer Rechtsstellung lediglich (Objekt negativer Gedanken- und ver- Wir betonen das, weil insbesondere von zio-,zu besteuern und — nijtifcbor Seite jede Andeutung, die nach dieser der Staatsorgane — Richtung aus der nationalsozialistischen Literatur und Presse herausklingt, mit der Freudigkeit des Rechtbehaltens begrüßt und aufgegriffen, und sofort die Bereitschaft angedeutet wird, sich der Regierung zur Ausarbeitung gesetzgeberischer Autonomie-Pläne für die deutschen Juden zur Verfügung zu stellen. Im Gegensatz hierzu lehnt die Liberale Zeitung alle derartigen Pläne als vollendete Preisgabe waltnngscrperimente der nationalen Revolution. Dies ' l ut T-T? irr iirrtntinp f,,, r-r I«»ifchkn G>-,ch'b°r-ch!igm g ab. ohne freilich sagen zu können, wie denn nun auf Grund der nicht zu erschütternden Tatsache des rassisch-deutschen Volksstaates, in dem für individuelle jüdische Gleichberechtigung kein Platz mehr ist, überhaupt ein P l ä tz ch e n für die rechtliche Cingvuppierung von Juden und Judentum ausfindig gemacht werden soll. Wir halten cs für wahrscheinlich, daß die Regierung bisher eine positive Regelung auch auf diesenr Gebiete überhaupt noch nicht ins Auge gefaßt hat. Ihr dürfte es am sympathischsten sein, r e i ch srechtli ch überhaupt nur die Rechtsstellung der Juden als I n d i v i d u c it zu ordnen, ihre Organisation als Gruppe aber diesen Individuen selber auf Grund der Entwicklung des jüdischen Kirchenrechts zu überlasten. Ls ist sehr zu überlegen, ob das nicht auch vom Standpunkte des Judentums, vom Standpunkte der jüdischen Religion aus die relativ günstigste Lösung wäre. Als Gemeinschaft, als die am Sinai konstituierte, irdischen Bodens beraubte und ins Exil hinausgewiesene Ration d e s R) e l t e n k ö n i g s schweben wir ja wirklich „zwischen Pimmel und Crde!" Rlit jedem Atemzug hängen wir an dem ewig schöpferischen Willen unsres Königs im Pimmel ohne vollstreckbaren Anspruch auf den Loden, auf den wir — ob auch schon vor zwei Jahrtausenden — den müden Fuß des Exilierten gesetzt haben. ~ möge der Staat uns nur die Freiheit lasten, i er negative Charakter der ganzen Iuden-Ideologie, wie ste in Beamtengesetz, Crbhosgesetz, Schulgesetzgebung, Arbertssront-Rcgclung usw. zum Ausdruck gelangt, tritt schon rein sprachlich in dem hier überall grundlegenden Begriff des „Nicht- Ariers" zutage. Daß diese „Richt-Arier" auch mit ihren individuellen und kollektiven Rechtsgütern nicht auf den Raum zwischen Pimmel und Crde verwiesen bleiben können, ist klar, und es liegen — mehr als auf wirtschaftlichem Gebiete — Symptome genug dafür vor, daß nicht nur die nationalsozialistischen Theoretiker, sondern auch die beamteten Politiker nach einer Regelung der jüdischen Rechtsstellung im Verhältnis zum Staate sowohl, wie als Gruppe nach innen suchen, die der neuen Ideenwelt des völkischen Rastenbewußtseins entspricht. Rach F r e y t a g - L o r i n g h o v e n , mit dessen Vorschlägen wir nns nach der grundsätzlichen Seite vor zwei Monaten an dieser Stelle ausführlich beschäftigten,*) hat inzwischen i n g a n z ä h n l i ch e m Sinne auch der Rektor der Frankfurter Universität, Ernst K r i e ck in seiner neuen Zeitschrift „Volk im Werden" das Wort zu dem Thema ergriffen, und er wie andere Wissenschaftler (z. B. Prof. A. L ä u ml e r) betrachten es als eine Selbstverständlichkeit, daß die Juden Deutschlands fortan als eine vom d e u ts ch e n Volke deutlich abgegrenzte rassische oder völkische Minderheit unter einem für sie zu schaffenden F r c m d c n r c ch t Ihr religiöses und kulturelles Eigenleben werden entfalten können. Bemerkenswert ist demgegenüber, daß der für die Gesetzgebungsarbeit auf diesem Gebiete zuständige Staatssekretär im Reichümmistemim des Innern, Dr. P f u n d t n e r, in einer vor vierzehn Tagen erwähnten Rede in der Verwaltungsakademie eine Reuregelung des Bürgerrechts in Deutschland auf Grund des Rasteprtnzips ankündigtc, dabei aber — sofern der Bericht genau war — wieder ausschließlich von den negativen Momenten gesprochen zu haben scheint, keineswegs etwa von einer den außerhalb des Roichsvolkes stehenden „Reichsangehörigen fremden Blutes" zu gewährenden „n ationalen Autonomie' *) Siehe Israelit Nr. 20 d. I. „Wohin geht die Fahrt"? unsre Gemeinschaft nach dem im Thoragesetze niedergelegten Willen unsres Königs frei zu konstituieren, keinesfalls aber mit Staatsgewalt der jüdischen Gemeinschaft das Danaergeschenk einer nationalen Minderheits - Verfassung oktroyieren, die uns den Adel unsrer Geschichte, den eigentlichenSeinsgrundunsrerhistorischen Existenz rauben würde: die Verankerung u tt b Auflösung aller rassischen und nationalen E l e in e n t e in dem dem Geiste offenbarten G'tteswillen. vom Staate brauchen wir nichts als das Recht, für die nach diesem Ideal gebildeten Gemeinschaften und ihre freien Zusammenfassungen, die Individuen unter der allgemeinen Aufsicht unser religiöses, kulturelles und soziales Leben im Rahmen dieser jüdischen Gemeinschaften in Freiheit zu entwickeln, perr Dr. pfundtner hält den Begriff des „deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens" für einen großen „Täuschungsversuck", weil dieser Ausdruck das ein-, zige Unterscheidungsmerkmal zwischen dem jüdischen und christlichen Deutschen im Glauben erblickt und den rassischen Unterschied unterdrückt. Wir wollen nicht darüber streiten, ob es ganz gerecht ist, eine aus ehrlichstem deutschem Kulturbewußtsein und aus einer bestimmten historischen Konstellation erwachsene objektive Ungenauigkeit als „Täuschung" zu bezeichnen. Fest steht aber jedenfalls, daß d i c künstliche Schaffung einer gesetzlich konstituierten konfessionslosen jüdischen Rasse in Deutschland und ihre proklamierung als nationale Minderheit eine noch viel größere Verleugnung der historischen Wahrheit und Wirklichkeit wäre als der nun ins Grab' gesunkene deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens! Man mißverstehe uns nicht. Alle Jahrtausende hindurch waren wir und sind wir stolz auf u n s r e j ü d i s ch e R a s s e, stolz, darauf, die Kinder Awrohoms, Izchoks und Iaakauws, die Kinder Mosches und Dowids, Zeschajobus und pillels zu sein, mit denen, als lebten sie heute, m täglicher Zwiesprache unser ewiges Schrifttum uns verknüpft, — aber alle diese Heroengestalten der Menschheitsgeschichte waren nur groß durch ihren Glauben — piss' px: r\x naxoi — und nur als Träger und Fortpflanzer jüdischen G l a u d e n s g.u t c s , als Künder des G'ttes - königtums in der Geschichte sind uns auch jüdisches Blut und jüdische Rasse im Golus noch — zwischen Pimmel und Erde — erhaltenswerte Faktoren des Weltprozesses, für die es sich lohnt, zu leiden und, wenn es sein muß, zu sterben. Wochenrundschau. Die neue evangelische Kirchenverfassung. Wir haben in den letzten Monaten wiederholt darauf hingewiesen, welche Bedeutung in dem g e i st ig e n Ringen um die Wertgeltung des Rassebegriffesim Ganzen der neuen deutschen Kultur der Stellungnahme der Kirche, insbesondere der mit dem mm Besinnung. Von Rabb. Lichonon Wassermann in Baranowitschi. Aus dem Jiddischen übersetzt von R. Ehannn Wassermann.!. Die letzte Epoche der jüdischen Geschichte wird in der Bibel als vnnrr „späteste Zeit" bezeichnet. Unsere Weisen nennen sie tfrptpzn xnajvy: Spuren des Messias (vgl. hierzu Gen. 49, 1 und Nachman. z. St.; ferner Deut. 4. 30; 31.) Bei den Propheten finden wir eine genaue Schilderung dieser Zeit in geistiger und materieller Hinsicht. Der Prophet Jeremias schreibt (Kap. 30, 6): „Die Stimme des Schreckens haben wir gehört, Furcht — kein Frieden, Jedermann greift mit den Händen an die Lenden wie eine Frau in Wehen, jedes Antlitz ist gelb verfärbt, gewaltig ist jener Tag wie keiner außer ihm. eine Zeit der Not ist er für Jakob, aber aus ihr wird er (Jakob) gerettet." Das ist eine Schilderung d^r materiellen Lage. Ueber die geistige schreibt der Prophet Jecheskel (34), in seiner Strafrede über die schlechten Hirten Israels: •ams D’jn vn brnv 'sn 'in Hierzu bemerkt „sie weiden sich selbst", d. h. sie suchen nur ihren eigenen Vorteil. Der Prophet Jecheskel spricht von drei verschiedenen Gruppen; nnaiya ,nnn Die „Zerbrochenen" sind nach einem Ausspruch des Wilnaer Gaon die Verkrüppelten, denen nur ein Glied fehlt; das sind in geistiger Hinsicht die nn» daib onain, diejenigen, die sich nur über ein einzelnes Gebot hinwegsetzen, grundsätzlich aber die Thora hatten wollen. Die „Verstoßenen" und „Verlorenen" .sind die nmnn VaVanmnsolche, die sich über die ganze Thora hinwegsetzen. Doch unter ihnen ist zu unterscheiden, zwischen solchen, die noch-als Juden gelten wollen, zuweilen sogar beanspruchen, Führer sein zu dürfen, obwohl sie das G'ttesgesetz mißachten. Die „Verlorenen" sind solche, die schon scheinbar in der nichtjüdifchen Umwelt ausgegangen sind. Das eigentliche Leiden unserer Zeit charakterisiert Jecheskel Kap. 20, wenn er die Juden sagen läßt: tn» rv>m „wir wollen sein wie die anderen Völker." Unsere Weisen bemerken hierzu, daß die Juden, die sich den Völkern angleichen wollen, sich in der Regel nicht den guten Elementen der anderen Völker angleichen, sondern gerade den minderwertigen. Wie aber bei vielen Völkern Hauptpunkt in ihrem Programm der „Judenhaß" ist, so ist es auch bei denjenigen unseres Volkes, die das miaa nvu „wir wollen sein wie die anderen Völker" zu Ihrem Programm erhoben haben: ihr Hauptprogramm ist der „Jui denhaß", d. h. die Ablehnung und Verfolgung von allem, was uns frommen Juden heilig ist und sein soll. Das ist in kurzen Strichen die Lage des heutigen Geschlechtes. Was aber sagt der mw dazu? Wird n^apn zulasten, daß Sein Volk untergeht? Fern sei dieser Gedanke: cmaa nvn onaje nnt? *ii?x rprm vn Dann bv ni>ym norm nvw ynm nprn -va xi> ox copi-x nx diu »as m 'ui (Jech. 20, 32; 33.) vaHy -stvx naisv Denn so spricht der Prophet Jecheskel: „Und was ihr sinnt, das soll niemals geschehen, daß ihr sprechet: Wir wollen wie die anderen Völker sein usw. So wahr ich lebe, spricht G'tt, der Herr, mit ausgestrecktem Arm und mit überströmendem Grimm will ich über euch regieren!" Je mehr wir Juden danach streben, uns den Völkern zu assimilieren, um so stärker wird G'ttes „überströmender Grimm" sein. 'b nvni> Dwyn \n D3ns „Von den Völkern schied Ich euch, Mir anzugehören!" Dazu erklärt ve>v. Wenn ihr euch selbst von den Völkern scheidet, dann gehört ihr Mir, wenn aber nicht — dann seid ihr Beute eines R'ebukadnezar und seiner Genossen! — Aehnlich bemerkt auch Talmud am Ende der maiva 'm zu den Worten des Hohenliedes nivn ni^'xa irr mxaxa, „bei den Hindinnen oder Gazellen des Feldes": „So spricht G'tt: Wenn ihr Meinen Schwur hallet, so ist es gut, wenn aber nicht, dann, löse Ich euch auf!" Was fordert G'tt von den Führern eines Geschlechtes? Wieder sagt es der Prophet Jecheskel: rrinibnan nx onx onm nptnai 'vn nn©nn xi» mawain Dnxsi xb nbinn mo nnpm epax fmxn m 'iai uxx nynrr 'irr (34, 4)">ai nsa - *paa (34, 15; 16.) avrr nman nrri „Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt, die Kranken nicht geheilt, die Verwundeten nicht verbunden usw., aber mit Strenge habt ihr sie niedergehalten und mit Härte usw. Ich aber werde meine Schafe weiden usw., das Verlorene werde ich aufsuchen, das Versprengte zurückführen", ö. h. Die Abtrünnigen, die bereits in den Völkern untergegangen sind, wird man aufsuchen; selbst wenn sie schon seit drei Geschlechtern das Judentum verlassen haben, wird man sie aufstöbern und sie nicht unter den andern Völkern aufgehen lasten. Fürwahr, jetzt verstehen wir den buchstäblichen Sinn dieser Worte! Wer wird sie aussuchen? Die jüdischen Führer hätten es tun sollen, aber sie tun es nicht! Oroaiw -inxn mu ii>arw a^>nn r« „Ihr Fett esset ihr unb in ihre Wolle kleidet ihr euch, — aber die Herde weidet ihr nicht!") G'ttes Wort muß sich aber erfüllen; erfüllen wir es nicht — so tun es andere; denn „viele Boten hat

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