Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M., den 26. Tammus 569; «ß| Ein Centralorgan fOr das orthodoxe Judentum /[[fl| fff M it Dearündet von Dr. Lekimmm in Mainr. A\ \ i Begründet von Dr. Lehmarm in Mainz. AboaneTnenI ab Juli 1328: Deutschland 1.30 Marl monatlich: Ausland: Bierteltabrpreise (enisprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutfch-Lfterretchr Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 6 fh>; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5. Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire: Ingo» slavien 55 Din.; Litauen 7L0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold» marl zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.: Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer dreißig Toldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp alten» Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuche» uvd Famtltenanzeiaen nur 40 Pf. Die 75 nun breite Reklamezeile: letzte Textfeite 2.— Mk., vorletzte Textsette 2.60 Mk.; Ehiflregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de« Verlag des Israelit (3. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstrabe 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch fämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Deschäftyanz.: Jul. Schmidt, Ostendstrabe 83 Tel. 45886. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermon (S.m.b.H., Frankfurt (Main) Nr. 19803.—Außerdem an: Postsparkaffe Wien Nr. 79605.—Postsparkafsenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto iüarschau Nr. 1SU757. — Postscheckamt Zürich Nr. V1Ü7354. — Postscheckamt Amsterdam Nr.34889 — Postlcheckamt Prag Nr. 78.030 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Zwischen Himmel und Erde. I. Die Behandlung des Iudenproblems durch das neue Deutschland trägt bisher einen durchaus negativen Charakter — es galt den Führern, im Sinne des nationalsozialistischen Programms, einen „Be-- f r e i u n g s p r o z e ß " durchzusühren, aus Politik, Kultur und Wirtschaft den fremdrassigen Einfluß a u s z u >s ch a l t e n und die Juden, die man als Fremdkörper in dem deutschblütigen völkischen Organismus empfand, aus allen Positionen zu entfernen, die sie bisher dank ihrer Befähigung und der geschichtlichen Entwicklung eines Jahrhunderts im deutschen Gesamtleben innehatten. Was mit den Entfernten und Ausgeschalteten nun zu geschehen habe, wovon sie leben und w i e sic leben sollen, welche Rechtsstellung sie einnehmen und wie sich ihre Erziehung und ihr Ge- .meinschaftsleben nach der positiven Seite zu gestalten haben würde — darüber glaubte man zunächst sich keine Gedanken machen zu müssen. Aber es liegt im Wesen aller wesentlich negativen Triebkräfte, daß sie mit der Zeit ihre eigene Substanz aufzehren und dadurch mit eherner Rotwendigkeit nach positiver E r g ä n z u n g schreien. Das haben die Führer des neuen Deutschen Reiches mit großer Klarheit erkannt, soweit es.sich um den revolutionären Prozeß im Großen handelt, und' es ist kein Zufall, daß der Reichskanzler in den letzten Wochen immer wieder auf den Primat der. positiven schaffenden Aufbau-Arbeit vor allem Rivderreißen und „Reinemachen" in ernsten und eindringlichen Worten hingewiesen hat, denen man die aufrichtige Sorge des vorausschauenden Staatsmannes um die Zukunft anmerkt. Dieser Hinweis muß aber der Ratur der Dinge nach, logischer weise, auch für* die Angelegenheiten der deutschen Juden gelten. Alle nationalsozialistischen Prämissen zugegeben, sogar die, daß der Fremdstämmige in Deutschland nur insoweit Lebensrecht habe, als die deutschrassige Bevölkerung dadurch keine Beeinträchtigung erleidet — i m m ererhebt sich die Frage, w o v o n die überall a u s g e s ch a l t e t e n Juden l e b e n u n d w i e s i e, solange sie leben u n ö i n D e u t s ch l a n ö lebe n, ihre e l e m e nt a r e n s e >e l i s ch e n Bedürfnisse auf de m Boden der Rechtsordnung b e friedigensollen. Man schätzt die Zahl , der Juden, die durch. Gesetzgebung, Verwaltung und wirtschaftliche Gleichschaltung in den letzten Monaten ihre wirtschaftliche Existenz in Deutschland eingebüßt haben und der proletaristerung entgegengehen, auf h u n d e r t t a u s e n d. Was diese Ziffer an physischem Leid und seelischer Rot bedeutet, soll hier nicht gewürdigt werden. Man wird diesen Hunderttausend die vielfach größere Zahl der deutschen Arbeitslosen entgegenhalten und, daran gemessen, und im Lichte der harten Rotwendigkeiten einer weitschauenden völkischen Politik die tragische Ziffer für irrelevant erklären. Aber abgesehen davon, daß die deutsche Arbeitslosigkeit das Ergebnis übermächtiger weltwirtschaftlicher Faktoren und nicht bewußter menschlicher Maß- Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat August Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.h.H., Frankfurt a.M. nahmen ist, betrachtet es die Regierung ja, wie selbstverständlich, als ihre oberste Aufgabe, diese Arbeitslosigkeit zu mildern und ihren unschuldigen Opfern ein menschenwürdiges Dasein z u sichern. Mag man also, immerhin die Depossedierung und proletarisierung der deutschen Juden aus rassischen Gründen als harte staatspolitische Rotwendigkeit gelten lassen — würde es diesen staatspolitischen Rotwcndigkeiten.etwas verschlagen, wenn der Staat nun begänne, einen Bruchteil der bewunderungswürdigen legislativen Gestaltungskraft, die er auf allen Gebieten des nationalen Lebens und Strebens bewährt, auch , der. Einordnung dieser zunächst auf den R a u m zwischen Hi m m e l und Erde verwiesenen Elemente zuzuwenöcn? Mit dem dichterischen Rezepte allein: „Laß' sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind!" wird sich der Staat schon aus Gründen der öffentlichen Ordnung auf die Dauer unmöglich begnügen können. So wächst, wenn man die revolutionäre Ausschaltung wesentlicher Teile der deutschen Iudenheit aus Kultur und Wirtschaft als abgeschlossen ansehen darf —die vernichtenden evolutionären Rachwirkungen gehen ins Unendliche —, aus dieser Ausschaltung selber mit zwingender innerer Rotwendigkeit für die Iudenpolitik des Reiches eine Alternative heraus, die denn doch einmal mit allem Ernste ausgesprochen werden muß. E n t w e der — es wird die allmähliche 2t u s - Wanderung des Großteils der deutschen Iudenheit mit staatlicher Förderung, gegebenen Falles unter Heranziehung des Völkerbund-Apparates, ins Auge gefaßt, wobei angesichts der Arbeitslosigkeit in allen Kulturländern selbstverständlich nur eine Siedlungspolitik allergrößten Stils in menschenarmen überseeischen Territorien, teilweise in Palästina, in Frage kommen könnte. Oder aber.— man überläßt die Auswanderung der Ausgestoßenen und subsistenzlos Gewordenen der jüdischen Privatinitiative, so daß diese Auswanderung inangcls der erforderlichen Geld- und Machtmittel immer nur für eine kleine verschwindende Minderheit praktisch in Betracht kommen wird, nicht aber für die Masse der deutschen Juden. Dann müßte der Staat die Konsequenz aus feiner eigenen rassenpolitischen Theorie ziehen und zum wenigsten dafür sorgen, daß die aus der führenden Schicht, aus freien Berufen, aus Beamtentum, deutscher Kulturbetreuung, Kaufmannschaft und Industrie als überzählig oder artfremd beseitigten jüdischen Kreise und ihr Rachwuchs in Handwerk, Landwirtschaft und Lohnarbeit einen wirtschaftlichen Existenzspielraum finden. Das kann bei der heute im deutschen Volke herrschenden. judcnfeindlichen Stimmung — deren Ausmaß der Reichsleitung gewiß gar nicht erwünscht ist, weil sie leicht zu chaotischen Entladungen führt — nur auf Grund einer positiven, du rch dachten, auf nüchterner S t a a t s w e i s h e i t beruhenden Initiative der deutschen Gesetzgebung und Verwaltung geschehe n. Es bedarf keines großen Scharfsinns, um einzusehen, daß eine Aktion des Reiches zur beruflichen Ums ch i ch t u n g der d c u t - s ch e n Juden und damit zur partiellen Heilung der Wunden, die. der nationalsozialistische Staat aus ihm zwingend erscheinenden höheren volkspolitischcn Rücksichten den Juden schlagen zu müssen glaubte, daß eine solche Aktion auch außenpolitisch segensreiche Wirkungen zeitigen würde. Sie wäre geeignet, objektiv urteilende kreise des 2luslan-