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Der Israelit · 1933-07-13 · Heft 28 (13.7.1933) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 28 (13.7.1933)
Date
1933-07-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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2 e r Isra e L i t Nr. 28 Seite 9 13. Juli 1933 daß der Kommission keinerlei Aufgaben für Wohnung und Verpflegung der jungen Leute, die zum größten Teil ehemalige Hörer deutscher Universitäten seien, erwachsen würden. Dem Vorschlag des Referenten H. S. Burdett-Coutts entsprechend stimmte die Kommission der Unterbringung junger deutscher Juden aus der Wales-Lehrfarm des Grafschaftsrates für East Sussex in Plumbton grundsätzlich zu und erteilte dem Landwirtschaftsdirektor den Auftrag, Informationen über Einzelheiten des geplanten Lehrkurses, Unterkunftsmöglichkeiten, Finanzierung u. ä. einzuholen. Absage der Melchett-Ronferenz! London, 10. Juli. Das von Lord M e l ch e t t geschaffene „Jndustrie- und Handelskomitee", das bekanntlich auf den 15. Juli eine sogenannte „Jüdische Weltwirtschafts- Konferenz" einberufen hatte, teilt der „Jüdischen Telegrapen-Agentur" mit, daß die Konferenz vertagt ist und jedenfalls nicht vor dem H e r b st z u - f am mentreten w ird. Zwar läßt das Komitee, um das Gesicht zu wahren, verbreiten, die Vertagung erfolge, um „den einzelnen Ländern die Möglichkeit zu weiteren umfassenden Vorbsreitungsarböitsn zu geben." Jedoch wissen eingeweihte Kreise, daß Lord Melchett selber seinen unglückseligen Einfall um jeden Preis durchführen wollte, daß sich aber gegen ihn angesichts des Protestes der deutsch-jüdischen Organisationen gegen das Unternehmen eine Koalition der vernünftigen Menschen in England bildete, die sich von der Sache distanzierten. Infolgedessen mußte Lord Melchett wohl oder übel von der Einberufung der Konferenz absehen. Da indessen einige Delegierte aus Amerika — so z. B. Samuel Untermyer und Stephen Wise,— bereits adgereist waren, so wollen diese in Paris zu einer Vorbesprechung über das Unternehmen Zusammenkommen. Man darf der Hoffnung Ausdruck geben, daß die unzeitgemäße Idee, die in die internationalen Beziehungen der Völker durch die Waffedes Boykotts den Haß und die Entzweiung hineinträgt, damit endgültig begraben sein wird. Das liegt im Interesse der Juden sowohl wie des W eltf r i ed e ns. Spanien Deutsche Juden in Spanien. M a d r i d, 5. Juli. Der spanische Außenminister Louis de Zalente erklärte auf einer Pressekonferenz, die spanische Regierung sei bereit, soweit dies im Rahmen der spanischen Gesetze und des internationalen Rechtes möglich sei, sephardischen Juden die spanische Staatsangehörigkeit zuzuerkennem Gleichzeitig brachte der Außenminister zum Ausdruck, daß das neue Spanien die innere Verbundenheit der sephardischen Juden mit ihrer ehemaligen Heimat, von der sie einst so grausam behandelt wurden, und die Pflege spanischer Sprache und Kultur durch die Nachfahren der aus Spanien Vertriebenen hoch zu schätzen wisse. Im Verlauf der Unterredung wurde auch die judenfreundliche Erklärung berührt, die der spanische Außenminister auf der letzten Tagung des Völkerbundrates anläßlich der Behandlung der Bernheim-Petition abgegeben hat. (ITA,). Griechenland. Griechische Regierung läßt die Einwanderung von tausend deutschen Juden zu. . . Saloniki, 5. Juli. Der provisorische Leiter des Außenministeriums, P ez madj o g lo ü, hat der Bitte des Allgemeinen Göwerkschaftsbundes, tausend Juden, die aus Deutschland ausgewandert sind und sich in Griechenland dauenrd niederlassen wollen, die Einwanderung nach Griechenland zu gestatten, entsprochen. Herr Pezmadjoglou hat erklärt, die Auswanderer könnten sich, vorausgesetzt, daß ihre Pässe in Ordnung sind, in Griechenland niederlassen, jedoch unter der Bedingung, daß ihre Einwanderung nicht aus einmal erfolge., Diese Einschränkung müsse im Hinblick auf die auch in Griechenland herrschende Arbeitslosigkeit gemacht werden. Flüchtlingen, deren Papiere nicht in Ordnung seien, müsse jedoch die griechische Regierung zu ihrem Bedauern die Einwanderung verwehren. keine jüdische Vertretung mehr im griechischen Parlament. Saloniki, 5. Juli. Bei den Ersatzwahlen in Saloniki, die infolge der Abschaffung der besonderen jüdischen Wahlkurie notwendig geworden waren, wurde kein jüdischer Kandidat gewählt. Die Juden Griechenlands werden somit künftighin im griechischen Parlament nicht durch eigene Repräsentanten vertreten sein., Ungeachtet dieses Ergebnisses hat in Saloniki eine neue antisemitische Kampagne eingesetzt. Den Juden wird vorgeworfen, sie hätten durch hre Teilnahme an der allgemeinen Abstimmung das Wahlergebnis verfälscht. Von mancher Seite wird sogar ein antijüdischer Boykott wegen der Abschaffung der jüdischen Wahlkurie propagiert. (ITA.). Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat August Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wfr selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg, Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M, Palästina. Das diesjährige Budget von Tel-Awiw. Jerusalem, 5. Juli. Der Stadtrat von Tel-Awiw hat das Budget der Stadtverwaltung für 1933/34, das Ausgaben in der Höhe von 175.000 Pfund gegenüber einer voraussichtlichen Einnahme von 150.000 Pfund vorsieht, angenommen. Die Stadtverwaltung erwartet, daß das Defizit von 25.000 Pfund durch Regierungszuschuß gedeckt werden wird. Die hauptsächlichen Ausgabenposten betreffen: Unterrichtswesen 32.000 Pfund, Straßenbau und Kanalisation 30.000 Pfund, Gesundheitswesen 18.'000 Pfund, Verwaltung 12.862 Pfund, Anleihen-Zinsendienst und -Rückzahlung 27.138 Pfund. China. Niederlassungsmöglichkeiten für jüdische Aerzte in China. Shanghai, 30. Juni. Die Leitung der vereinigten jüdischen Organisationen für Auswanderungshilfe Hicem hat sich mit jüdischen Gemeinden in China in Verbindung gesetzt, um Möglichkeiten für die Niederlassung deutscher Juden ausfindig zu machen. Es wurde festgestellt, daß in Peking drei bis vier jüdischen Aerzten Niederlassungserlaubnis gegeben, werden kann; in Tientsien fünf bis sechs Aerzten, in Shanghai können 15 bis 20 Aerzte ausgenommen werden, eine Anzahl weiterer jüdischer. Aerzte könnte in anderen Städten Unterkommen. Europäische Aerzte werden nicht nur von den in China lebenden Europäern, sondern auch von Chinesen der wohlhabenden Klassen und des Mittelstandes bevorzugt. Es ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß derzeit etwa 50 jüdische Aerzte unter der chinesischen Bevölkerung eine Praxis sich schaffen könnten. Es gibt zwar in China eine größere Anzahl junger Aerzte mit geringer praktischer Erfahrung, an erfahrenen Aerzten aber herrscht fühlbarer Mangel. Die chinesische Liga für Menschenrechte hat durch ihre Präsidentin Frau Sunjatsen, die Witwe des bekannten chinesischen Staatsmannes und Reformers, dem deutschen Generalkonsul in Shanghai einen Protest gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland überreicht, andererseits treiben antisemitische deutsche und russische Zeitungen eine lebhafte judenfendliche Propaganda und versuchen, eine der Einwanderung deutscher Juden feindliche Stimmung bei der chinesischen Bevölkerung zu erzeugen. Kanada. Aktion in Kanada zugunsten der deutschen Juden. — Einberufung eines allgemeinen Kongresses der kanadischen Juden. Toronto, 6. Juli. In Toronto fand eine Konferenz von Delegierten aller jüdischen Organisationen Kanadas statt, auf. der beschlossen wurde, eine großzügige Sammelaktion zugunsten der Juden in Deutschland einzuleiten. Ferner wurde beschlossen, für den 21. Oktober d. I. einen allgemeinen Kongreß der kanadischen Juden einzuberufen. Die Wahlen zu diesem Kongreß sollen auf demokratischer Basis und längstens bis zum 1. Oktober durchgeführt werden. Amerika. Einwanderung nach Amerika. N e w y o r k, 10. Juli. In einem Gespräch mit dem Newyorker JTA-Vertreter erklärte der Vorsitzende der Jmmigrationskommission des amerikanischen Kongresses, Samuel D i ck st e i n, daß auch ohne durchgreifende Aenderung der bestehenden Einwanderungsgesetze, durch eine einfache Verwaltungs- Maßnahme, die Einwanderung einer großen Zahl deutscher Juden in Amerika ermöglicht werden kann. Es könne dies durch eine Weisung an die Konsuln bezüglich der Erteilung von Visen geschehen. Bei einheitlichem Vorgehen der amerikanischen Judenheit würde sich das Repräsentantenhaus einer Milderung der Eniwanderungsgesetze für deutsche Juden sehr geneigt zeigen. Aufgrund Äes veralteten Hooverdekrets, das abg efchafft werden muß, find in den letzten Jahren allein in Deutschland annähernd 25.000 Bisa zurückgehalten worden; diese könnten jetzt sofort für die deutschen Juden zur Verfügung gestellt werden. Amerika und das deutsche Judenproblem. N e w y o r k, 10. Juli. Der neuernannte Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin, William D o ü d, erklärte vor seiner Abreise nach Europa, er habe bestimmte Instruktionen, von denen er hoffe, daß sie zu einer Verbesserung der Lage der Juden in Deutschland führen würden. Gleichzeitig teilte der Botschafter mit, daß er eine Besprechung mit Präsident Roosevelt gehabt habe, bei der dieser seine Uebereinstimmung mit seinen, Dodds, Anschauungen betreffend das Rassenproblem zu erkennen gab. „Im übrigen," erklärte Botschafter Dodd, „seien die Ansichten Präsident Roosevelts in dieser Frage auf Grund seiner Haltung und seiner Handlungen in den Vereinigten Staaten bekannt. (ITA.). Acht Nttllionen Dollar für die Ausiedlung deutscher Juden in Palästina verlangt. Chicago, 3. Juli. Der am Sonnabend, den 1. Juli, im Palmer Haus zu Chicago abgehaltenen Eröffnungssitzung der zionistischen Konferenz wohnten 5000Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten bei. Die Konferenz faßte eine Resolution, in der die amerikanischen Juden aufgefordert werden, innerhalb der nächsten vier Jahre entsprechend dem Plan Dr. Weizmanns, einen 5 Millionen Pfund-Fonds zur Durchführung eines großzügigen Kolonisationswerkes zugunsten deutscher Juden in Palästina zu schaffen, 8 Millionen Dollar für diesen Zweck auszubringen. In einer zweiten Resolution wird die Jewish Agency aufgefordert, die finanzielle und politische Hilfe des Völkerbundes bei der Ansiedlung deutscher Juden in Palästina zu sichern. Die Konferenz sagte ferner ihre Mitwirkung bei dem von Dr. Weizmann geplanten Werk zur Ansiedlung einer Viertelmillion Juden in Palästina

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