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Der Israelit · 1933-07-13 · Heft 28 (13.7.1933) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 28 (13.7.1933)
Date
1933-07-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 38 Der Israelit 13. Juli 1933 feld vor. Radikalisierte Jugend auf der anderen Seite, Moschiach-Sehnsucht und Isst not lea8t tief inneres Arewusgefühl machten laxe Möglichkeit zur brennenden Notwendigkeit. Zwischen Vorsatz und Tat tritt in Litauen nicht' störende Kommissionsarbeit. Schlagartig nahm in allen Städten und Städtchen tatkräftige Jugend begeistert und begeisternd die Tätigkeit aus, fand schnell Anklang mit der Propagierung ihrer Ideen. Zwei Monate Enthusiasmus gewann sechshundert Chawerim. Das denkbar beste psychologische Moment war, im Hinblick aus die dringliche Umstellung des deutschen Juden, das andie-Spitze-Setzen des Hachschorohgedankens. Jüdischöstliche Mentalität antwortet dem Westen auf seine bisherige deutsch-jüdische Einstellung gegenüber dem Bruder aus dem Osten. Die Einrichtung von vorläufig drei Hachschoraus scheint ein viel verheißender Anfang zu bedeuten. Ein kleiner Kreis der Rokiskier und später der Telsiaier Zeire Agudas Jisroel hatte mit größtem Eifer die technischen Vorarbeiten zur Durchführung dieses Planes übernommen. Durch Aktionen größeren Stiles wurden — z. T. werden — die erforderlichen Gelder aufgebracht. Gleichzeitig setzte man sich mit der Palästina-Zentrale der A. I. in Frankfurt a. M. in Verbindung, um in erster Linie den daran interessierten Kreisen in Deutschland neue Existenzmöglichkeiten zu schassen. Bis jetzt haben sich ungefähr 20 Deutsche am Ere.;-Jisroel-Amt der A. I. (Dr. Kahan, Berlin, N. 24, Eljüsserstr. 7) gemeldet, deren Unterbringung so gut wie geregelt ist. Es folgt ein kurzer Tatsachenbericht: Svile (bei Kelme). Der jüdische Landwirt Hirsch Zewin (ein „Talmud-Taurohnick") besitzt hier ein Flächenstück von 12 ha, auf dem seit Schwuaus die ersten Chaluzim und Chaluzaus arbeiten. Als überaus glückliche Fügung muß es angesehen werden, daß ein Saukenaier Jude der Agudas Jisroel 45 ha Land auf 10 Jahre zur Verfügung gestellt hat, deren Reinertrag Wohltätigkeitszwecken zugedacht war- Dg seine Verhandlungen mit der Kownoer A. I. negativ verlaufen waren, pachteten die Telsiaier — es sind die aktivsten in Litauen — Zeirim den Boden; er wird von Herrn Lewin — da beide Felder aneinander grenzen — verwaltet. Hier in Svile können noch gut weitere 25 Chaluzim — wobei besonders an Deutsche gedacht ist — ausgebildet werden. Diese Kewuzo ist bis jetzt die einzige im normativen Sinn aufgefaßte Hachfchoroh. Gemeinsame Lebensführung, gemeinsame Arbeit (Landarbeit, Gärtnerei, Fischerei und Hühnerzucht); also vornehmlich Betonung der praktischen Seite. Auch können in der Nähe von Svile einige Arbeiter in einer Schindelfabrik untergebracht werden. Joniskis: Ungefähr 10 Chaluzim find bisher bei einem nichtjüdischen Bauern (der auch nichtkrämerischer Tätigkeit der Juden Zutrauen hat), untergebracht. Mit größtem Verständnis kommt er ihren religiösen Belangen entgegen. So entläßt er die Chaluzim zwei Stunden vor v3D-Eingang in die gemeinsame Wohnung. Er ist — wie er gern äußert — mit seinen jungen Arbeitern durchaus zufrieden. N o b i s k i s. An der Peripherie von R. arbeiten bei verschiedenen Bauern ungefähr 15 Chaluzim. Auch sie essen und schlafen in einem gemeinsamen Raum. Am na«? sind die Chaluzim bei den einzelnen Baalebatim eingeladen, die sich in vorbildlich herzlicher Weise, UM das leibliche Wohl ihrer Schützlinge kümmern. — Unsere agudistischen Hachschoraus sollen und werden d i e Pioniere der gesetzestreuen Judenheit in •>"** stellen. Darum fordern sie als Vorbereitung, und Bereitstellung für G'ttes Land ganze und geschlossene Menschen, fordern Entfernung vom Europäismus, fordern Setzung der niiav unter die nw, fordern jüdischen Idealismus. Harte Arbeit, Verzicht auf Vieles, was ihnen ein zivilisatorisch so hochstehendes Land bot; Senkung des Lebensniveaus, ja teilweises Aufgeüen individueller Lebenshaltung, bewußtes Ausschaltcn des — leider immer noch vorhandenen — Klasfenmomentes — und als Entgelt: Jüdisches Leben, jüdisches Denken, jüdisches Seim Aber das Wort merke sich der agudistische p-ftm rnffsn verpflichtet. H. Bl. Sin Aufruf zur Sittenreinheit. B u ü a p e st, 11. Juli. Ein Rundschreiben, unterzeichnet von den Verwesern des Rabbinates. Rabbi S u ß m a n n und Rabbi Jonathan Steif, ,owio vom Gemeindepräses Rabbi Abraham von Freudiger, legt den Mitgliedern in glühenden Worten die Wichtigkeit dernnsvvn ninv ans Herz. Mannigfache Erscheinungen und Mißstände, die einzureißey drohen, machen der Leitung der Gemeinde schwere Sorgen und legen ihr die Verpflichtung auf, ihre mahnende und warnende Stimme zu erheben. In Verbindung damit werden die Auswüchse des Strandlebens gebrandmarkt, die dem jüdischen Sittengesetz direkt zuwiderlaufen und die ererbte jüdische Sittenreinheit bedrohen. Es werden vom Rabbrnate und dem Vorstände scharfe Maßnahmen, wie Ausschluß aus allen religiösen Ehrenämtern, für diejenigen angedroht, die diese Warnung unbeachtet lassen. Frankreich Schwierigkeiten für jüdische Auswanderer in Frankreich. Paris, 10. Juli. Die Zahl der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland nimmt in Frankreich rasch zu, was mitunter gewisse Schwierigkeiten mit sich bringt. So wurde z. V. in Aerztekreisen der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Gewährung von Praxis-Erlaubnis an jüdische Aerzte aus Deutschland die.Interessen der französischen Aerzteschaft beeinträchtigen könnte. Der Verband der Hörer der Medizin hat eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, „der Verband fordere ungeachtet seiner vollen Sympathie mit den von den deutschen Universitäten - ausgeschlossenen jüdischen Medizinstudenten, daß die Zulassung ausländischer Mediziner zur Ausübung ihres Berufes in Frankreich allen gesetzlich vorgesehenen Bestimmungen unterworfen bleibe." Die Stadtgemeinde Metz hat im Hinblick auf die zahlreichen Einstellungen jüdischer Handelsangestellter aus Deutschland in verschiedenen Betrieben der Stadt beschlossen, daß nur 5 Proz. der Angestellten in Metz Ausländer sein dürfen. Landwirtschaftliche Ansiedlung deutscher Juden in Südfrankreich geplant. . P a r i s , 3. Juli. Die jüdischen Führer in Frankreich sind im Hinblick auf die ständig wachsende Zahl in Frankreich eintrefsender jüdischer Auswanderer aus Deutschland intensiv bemüht, Beschäftigungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge zu finden, deren Lage dadurch von Tag zu Tag bedrohlicher wird, daß die geringen Mittel, die sie aus Deutschland mitbringen konnten, allmählich zu Ende gehen. Die den freien Berufen angehörenden Flüchtlinge dürfen auf Grund ausländischer Diplome ihre Praxis nicht ausüben, die übrigen können im Hinblick auf die schwierige Lage des Arbeitsmarktes und infolge ihrer Unkenntnis der Landessprache nicht als Angestellte, ja, nicht einmal als Handarbeiter, Beschäftigung finden. Es besteht nunmehr der Plan, in Südfrankreich eine jüdische landwirtschaftliche Siedlung zu schassen, in der die Auswanderer aus Deutschland Beschäftigung finden sollen. Der Ort-Verband, der sich die Ueberführung von Juden in Handwerk, Industrie und Landwirtschaft zum Ziel gesetzt hat, hat einen solchen Plan ausgearbeitet und bemüht sich, zu seiner Durchführung die Mitarbeit anderer jüdischer Institutionen, sowie die Unterstützung des französischen Landwirtschaftsministeriums zu gewinnen. Von den jungen Flüchtlingen bemühen sich viele, als Landarbeiter in Frankreich unterzukommen, um so jene Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben, die sie benötigen, um als Chaluzim nach-Palästina zu gehen. England. Maffenbittg'ttesdienst in der Londoner Albert-hall. - London, 11. Juli. An dem M a sse nb i tt g'tt e s d i e n st in der Mbert-Hall am letzten Sonntag nahmen über 5000 Menschen teil. Man sah alle führenden Persönlichkeiten der englischen Judenheit. Die Predigt hielt Chiefrabbi Dr. Hertz, der in ergreifenden Worten die Lage der Juden in Deutschland schilderte und zu G'ttverträuen und Festhalten an den Grundsätzen des Judentums aufrief. Die Predigt gipfelte in der Forderung, auch der geistigfeelischen Not der deutschen Juden eingedenk zu sein und die religiösen Unterrichtsin st itutionen in den deutschen Gemeinden vor dem Untergänge zu bewahren. Die Judendebatte im englischen Unterhaus. London,?. Juli. Im Rahmen der großen Debatte über die Außenpolitik im Unterhaus kam wieder einmal die- Läge der Juden in Deutschland zur Sprache. Sie wurde vom Abgeordneten Georg Landsbury eröffnet, worauf gleid) der ehemalige Außenminister Austen Chamberlain das Wort ergriff. Es sei für England, sagte er, äußerst schwierig, ein freundschaftliches Verhältnis zu einer Nation aufrecht zu erhalten, die aus ihrer Politik alle für das politische Leben in England grundlegenden Gedanken verbanne und innerhalb der eigenen Grenzen eine Rasse ächte und ihr die Bürgerrechte versage. Er, Chamberlain, habe sein Möglichstes getan, um Deutschland in die Gemeinschaften der Nationen einzureihen, und es sei für ihn doppelt schmerzlich, seine Hoffnungen, wenn auch nicht zerstört, so doch in ihrer Erfüllung hinausgeschoben zu sehen. Colonel Wedgwood regte eine gemeinsame Note Englands und Amerikas an die deutsche Regierung an. Er führt Präzedenzfälle an, ln denen England für menschliches Empfinden in der Welt eingetreten sei, ohne eine Einmischung in die Angelegenheiten eines fremden Staates zu befürchten. Diesen Ausführungen schließt sich Abgeordneter E. H. B e r n a y an. Er wünscht auch, daß für die jüdischen Flüchtlinge in England mehr geschehe als bisher und daß vor allem die Fremdengesetze diesen gegenüber so weitherzig gehandhabt werden, wie in Frankreich, wo bereits 17 000 Juden ein Heim gefunden hätten. Es kommt dann der Abgeordnete Barnett Jänner zu Wort, der den wirtschaftlichen Ruin der deutschen Inden infolge des Boykotts schilderte und die Beschuldigungen, als feien die Juden für eine bestimmte politische Richtung exponiert, widerlegte. In England erlitten kommunistische Kandidaten gerade in den jüdischem Bezirken die größten Niederlagen. Er regt dann die Anrufung des Völkerbundes an und bringt dabei noch einmal die bekannte Bernheim-Petition und die Verhältnisse in Oberschlesien zur Sprache. Die Hilfe müsse o f o r t kommen, wenn sie nicht zu spät kommen soll. Das Schlußwort hat der Außenminister Sir John Simon. Er meint, die Aussprache entspringe nicht dem Geist der Kritik, sondern sei Ausdruck der englischem Volksmeinung. Er für seine Person könne nur wiederholen, was er schon in einer früheren Debatte über desem Gegenstand geäußert habe. Das englische Volk sei ein gerechtes und großherziges Volk, es habe sich in seinen besten Männern für die Gleichberechtigung Deutschlands in der Welt eingesetzt und hätte jetzt den sehnlichen Wunsch, daß auch den Juden in Deutschland Gerechtigkeit widerfahre. Auf zwei vom Abgeordneten Lansbury gestellte Fragen antwortete Sir John Simon, er werd^ ich mit der Möglichkeit einer Hilfsaktion des Roten Kreuzes befassen. Was jedoch die Frage der sogenannten Staatenlosen betreffe, so ergebesich daraus eine Schwierigkeit, daß die Betreffenden nicht Staatenlose im eigentlichen Sinne seien, sondern deutsche Dürger und deshalb dürste es nicht möglich fein, sie in die „Nansen-Kategorie" einzureihen. Was die Zulassung von Flüchtlingen aus Deutschland nach England betreffe, o würden die Einwanderungsvorschriften in einer die jüdischen Kreise Englands befriedigenden Weife gehandhabt. Die Behörden hätten ihr Möglichstes getan, unr mit den verantwortlichen Vertretern der jüdischen Gemeinschaft innerhalb und außerhalb des Parlaments, die sich mit der Angelegenheit befassen, in Verbindung zu bleiben. Was dis Frage Palästinas betreffe, so seien, dem letzten Informationen zufolge, alle von den Vertretern der Jewish Agency in Deutschland vorgebrachten Ansuchen berücksichtigt worden. Der Außenminister erklärte, er werde bezüglich dieses Punktes weitere Erkundigungen einzrohen und deren Ergebnisse dem Hause Mitteilen. Agudistische Hachscharah-Stellen in Südengland. L o n d o n, 11. Juli. Die AgrarkomMission für Eastt Sussex in Lewes befaßte sich in ihrer letzten Sitzung mit einem Schreiben der Agudath Israel-Weltorganisation, in dem die Kommission ersucht wurde, jungem Juden aus Deutschland landwirtschaftliche Ausbildungsmöglichkeiten in dem der Kommission unterstehenden Gebiete zu geben. Die landwirtschaftliche Ausbildung der jungen Leute soll der Vorbereitung ihrer Uebersiedlung nach Palästina dienen. Es wurde daraus hingewiesen.

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