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Der Israelit · 1933-07-13 · Heft 28 (13.7.1933) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 28 (13.7.1933)
Date
1933-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 28 Der Israelit Das religiöse Moment der historischen Rede hielten Andere fest. „Line Rasse ohneGlaub e n," erklärte Abg. Ramsbotham, „hat keine Zukunft, Haltet eure T r a d i t i o n e n aufrecht und ihr werdet überall gedeihen!" 2feil 49 Wolf Tel. Hansa 27930 Die Mitarbeit der Gemeinden. Wird in einem Teile der IDclt, sehr zu unserem Nachteile, die Rasse über Religion und Glauben gestellt, so sollten wir uns wenigstens in unserem Heime, in der Golah wie in Lrez Iisrael, vom nichtjüdischen „Vater des Jüdischen Rationalheims" belehren lassen — und damit die Lehre an die Welt wcitergeben — daß. nur durch Festhalten an Glauben und Tradition unser Bestand und Gedeihen gesichert sind. Letzter Dank. Unter dem wuchtigen Hammer des Reuaufbaus fiel auch der Verein z.ur Abwehr des Anti s e m i t i s in u s . Lr hat, wie aus Berlin berichtet wird) vor einigen Tagen seine Auflösung beschlossen, und es ist uns Ehrenpflicht, den Lrben und Sachwaltern jener tapferen Männer, die, durchweg Richtjuden, vor 42 Jahren diesen Verein gegründet haben, um, wie es damals im ersten Aufrufe hieß, „den Kampf zur Verteidigung der Lhre deutscher Staatsbürger und des deutschen Rufes vor Schändung durch, den Stöcker'schen Antisemitismus" zu führen, unseren tiefempfundenen Dank auszusprechen. Unter den 555 Männern, die sich damals zu diesem edlen Aufklärungswerke zusammenfanden, waren Rainen von Ruf und Ruhm auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Kunst, der Literatur, des Handels und der Industrie. Man denke -an Wissenschaftler von der Bedeutung eines V i r ch o w , an Politiker wie Friedrich R a u m a n n und G o i t e i n. In vier Jahrzehnten, in denen das Rassenprinzip noch nicht im Mittelpunkt einer Staatsidee stand, haben jene tapferen Männer und glühende Patrioten Dienst am Staat, an der Gesellschaft, an der Volkserziehung im schönsten und besten Sinne getan, mit der Fackel des Humanismus (im Sinne der Humanität) in dunkle Riederungen hineingeleuchtet, wo der Haß schon unter der (Oberfläche wirksam zu werden und seine Blüten zu treiben begann. Cs ist ihm nicht gelungen, das Aufklärungswerk in die neue Zeit hinüberzuretten. Rach dem verlorenen Kriege mußte er auch seinen Kamps verloren geben. Gegen die primitive Strategie eines Stöcker und auch später eines Ahlwardt reichten seine Kraft und seine Mittel aus. Der elementare Ausbruch einer Volksbewegung als Reaktion auf die Kriegs- und Rachkriegsleiöen fegte, wie andere, viel stärkere Festungen, auch dieses Gebilde aus der Blütezeit des Deutschen Reiches hinweg. Der verein zur Abwehr des Antisemitismus ist nicht mehr. Wenn man von den anderen gefallenen Festen des früheren Deutschen Reiches spricht, so denkt man unwillkürlich an das katholische Zentrum, das jahrzehntelang bei allen Wandlungen und Umwälzungen feine Position halten konnte und als stärkste Mittelpartei auf dem festen Boden einer in sich geschloffenen religiösen Lebensanschauung oft genug beruhigend und ausgleichend mitten in der deutschen Zerrissenheit wirkte, als „Zünglein an der wage", wie man sich gern ausdrückte. Wir orthodoxe Juden in Deutschland hatten dem Zentrum viel zu danken. Cs gehörte zu seinen Traditionen, mit vollem Verständnis für das jüdische Recht und für die jüdischreligiösen Interessen einzutreten. Das wird ihm in der Geschichte der deutschen Iudenheit unvergessen bleiben. Zur Beruhigung mag uns dienen, daß das Ausscheiden der deutschen Katholiken aus der Politik nicht gleichbedeutend sein muß mit einem Verzicht der führenden katholischen Kräfte auf die Mitarbeit am öffentlichen Leben. Vielmehr darf man hoffen, daß. mit dem Cinströmen der bisher im Zentrum gebundenen hochwertigen Kräfte in die Partei, die heute identisch mit dem Staate ist, darin ein Element der Beruhigung und des Ausgleiches einzieht, das em deutschen Staat, aber auch den deutschen Juden hr zugute kommt. (Aus einem Referat, gehalten an der Generalversammlung des Orthodoxen Rabbinerverbandes.) Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. Zugegeben, wir können heute nicht solche Opfer bringen wie etwa vor I—2 Jahrzehnten, auch auf diesem Gebiete heißt -es — nach dem landläufig gewordenen Wort: „ a b b a u e n "! Aber erst dann, wenn wir auf allen a n d e r e n Gebieten wie auf dein der Wohnung, Kleidung, Lebensführung abgebaut haben, X"X »'»w •>*ra an unseren g'ttgegebenen Aufgaben läßt sich nicht abhandeln. ds»s^> iwsx mx ’Ta an unseren eigenen Dingen heißt es zuerst einsparen. Die Gemeinde gleiche ja einer Familie. Ist diese V'ft itt Rot, wird das Band der Innigkeit und der gegenseitigen Verpflichtungskraft dadurch gelockert, oder vielmehr noch enger geknüpft? Die gemeinsamen Röte, die gemeinsame AnsAndung sollte das Ar.ewus noch fester schmieden, unsere Reihen desto enger aneinander schließen. Man begegnet oft der Anschauung, die Führer, die geistigen und die weltlichen, geben einer Gemeinde das Gepräge. Für Wohl und Wehe der Kehilloh wird den Führern die Verantwortung zngefchoben. Angegeben: die Angehörigen einer Gemeinde find mehr oder minder nsr>n Ta naina eine formbare Masse, aber es muß auch brauchbares Material fein, ohne das auch der tüchtigste Künstler nichts Brauchbares Herstellen kann. Wir muffen einen Rückhalt hinter uns haben, Truppen, die hinter uns stehen und unseren Anregungen zur Durchführung verhelfen. Es ist keine Ueberhebung, wenn unsere Weisen V? selbst am Hofe eines Achafchwerofch unter den arnv.l ’SHT5 die jüdischen Gelehrten verstehen. Der jüdische Mensch war es stets, der die Zeiten zu deuten verstand, der auch ernsten Zeiten Lehren abgewann, und wenn die Zeit die L e h r m e i st e r i n des Menschen ist und trotz moderner Pädagogik Lehrer mit stärkerem Arme immer noch bessere Erfolge aufzuweifen haben, als welche Naturen, so dürste auch eine e rn st e Zeit uns manches bringen, was uns sonnige Zeiten vorenthalten. Ich brauche es in diesem Kreise nicht auszuführen, daß Mischna und Talmud, daß Werke -eines Rambam und Ramban, Rafchi und Saaöja nicht aus Zeiten sonniger Freiheit und sorgenlosen Wohlstandes hervorgingen. Unsere Zeit klagt soviel über ein Uebermaß freigewordener, nicht nützlich zu verwertender Zeit. Haben sich unsere Bote Midroschim seitdem mehr gefüllt? 50 000 jüdische Menschen stehen leider ohne Beruf, wieviele hätten sich da dem Taurohstuöium eifriger widmen können? Können auch dort nicht Existenzen geschaffen, wirtschaftliche Probleme gelöst werden, aber das geistige R ü st z e u g, kritische Zeiten leichter zu überstehen, könnte man sich dort holen. Wenn von den ’ia die Tauroh ausgeht, dann sind auch vielleicht unter den „Kindern der Zeit", den wechselnden Generationen, die materiell schwächeren besonders berufen, Träger der mm' zu sein. Auch mehr Zeit zum Besuche des noian ma dürfte die so weit eingegriffene Berufslosigkeit gewähren. Können wir nns mit unserer schwachen Kraft keine besseren Zeiten erschaffen, dann vielleicht erbeten und erflehen! Auch auf dem Felde des non ni^’ax könnte insbesondere unsere Iunggarde manches leisten, für allerhand wichtige Zwecke — wenn auch kleine Beträge sammeln, um ihre Zeit nutzbringend zu verwerten. Mehr als in irgend einer Zeit kann man.heute die Wahrheit des Satzes empfinden: nn a"nsra^ na» daß besonders bei einer kleinen Spende das Wonnegefühl weniger auf Seiten des Empfängers als auf der des Gebers ist. Die weibliche Jugend könnte durch für-- sorgliche Tätigkeit in armen und kranken Familien viel Gutes wirken und über das bedrückende Gefühl dee unausgefüllten Zeit in edelster Weise hinwegi nneit. Es -i1: bezeichnend für den Geist des v ipri' aß wir naturgemäß zum Begriff irrhv- Enge! keine Femininform haben, und dennoch gibt 13. Juli 1933 es gleichsam eine solche:, naxV die Arbeit', die als Schutzengel den Menschen durchs Leben geleitet und ihn vor religiösem und sittlichem Zerfall schützt. Ist- IxV der Sendbote G'ttes aus Höheren Reglonen, so ist nax1?» die weibliche Form, der aus menschlichen, irdischen Verhältnissen geschaffene Schutzgeist, und darüber sollten wir uns doch klar sein, daß der Werl einer Arbeit nicht abhängig ist von materiellem Erfolg, sondern auch von dem -erzieherischen Einfluß. Mancher könnte sich durch solche Betätigung für die jüdische Gemeinschaft über -den. drückenden Alp der Arbeitslosigkeit hinwegbringen. - Und nun zu den besonderen Aufgaben unseres Verbandes, wie oft hat es ihr großer, unvergeßlicher Rabbiner Hirsch Vs? ausgesprochen, -daß zwischen Orthodoxie und Reologie — ich gebrauche nicht gern den Ausdruck Liberalismus — eine unüberbrückbare Kluft besteht, und von diesen Gesichtspunkten geleitet,, hat [ein ebenbürtiger Nachfolger, Rabb. Breuer Vs? vor einem Vierteljahrhundert den Orthodoxen Rabbinerverband gegründet. Unsere Zeit hat diesem Vorgehen restlos Recht gegeben. Die Beaufsichtigung des Kafchrus haben die nichtorthodoxen Rabbiner gerechterweise seit Jahrzehnten den gesetzestreuen Kollegen überlassen, in der richtigen Erkenntnis, wer aus Kafchrus sieht, für den ist lediglich der für den orthodoxen Juden maßgebende Schulchan aruch richtunggebend. Meines Wissens steht in Deutschland kein Restaurant oder dergleichen unter Aufsicht eines neologen Geistlichen. Dementsprechend hätten ste auch -die Funktionen von j’izmpT ftv'i den thorakunöigen Rabbinern überlassen sotten. Denn daß -bei diesen Amtshandlungen ebenso wichtige und noch wichtigere Vorschriften zu beachten sind, wie beim Kafchrus, wird ja niemand bestreiten wollen; aber -diese Konsequenz zogen sie nicht. Vielleicht weil es angenehmer ist, Brautpaare, Knaben, nach modernster Art auch Mädchen -einzusegnen, als in Küche und Keller der Speisehäuser, Back- und Wnrststuben, Lebensmittelsabriken und Schlachthäusern Anordnungen zu treffen und zu überwachen. Nachdem aber bei (Bittin und Kiöuschin die elementarsten Vorschriften nachgewiesenerweise nicht eingehalten werden, die ns^n von vielen als überwunden, nicht mehr in den Rahmen der Zeit passend, erklärt wird, so kann kein Zweifel darüber bestehen, daß wir diese Funktionen nicht anerkennen können. Welch ein frivoles Spiel wird getrieben mit Aufnahme von Gevim ohne jede religiöse Ueberzeugung, in der Regel, um Beziehungen, die zumeist auf nicht einwandfreie Weise entstanden, mit dem Deckmäntelchen eines Scheinübertritts zu umgeben. Als ob das Judentum ein Verein wäre, in den man durch bloße Anmeldung ausgenommen werden könne. Abgesehen von der religiösen Seite, über die wir mit jenen Herren wohl kaum -debattieren können, ist es ein moralisches verbrechen an unseren Familien, wenn -ein leichtsinniger Lebenswandel und die -dadurch entstandenen Folgen damit von uns sanktioniert werden. Ein soziales verbrechen an den jüdischen Töchtern, die durch jene überhandnehmende- Epidemie in immer größerem Umfange zur Ehelosigkeit verurteilt werden. Hierin müssen wir erwarten, daß die von uns getroffenen Maßnahmen auch die unbedingte Anerkennung und Unterstützung der Gemeindemitglieder finden. Und ebenso in den Kaschrus-Fragen. Cs wird immer noch mit Recht viel darüber geklagt, daß jüdische Hotels, Restaurants und andere Geschäfte zu wenig unterstützt werden. Die gewissenhafteste peinlichste Fürsorge für einwandfreies Kafchrus ist zwecklos, wenn die Massen nicht den Betrieben die Existenz- Möglichkeit gewähren. Wir können nur die nun den Institutionen geben, das, n»p>' die materielle Unterlage müssen Sie dazu stellen. Oder handelt es sich einmal um strengere Maßnahmen einem Betriebe gegenüber oder gar um eine Aufhebung aus religiösen Bedenken, so darf, man nicht zweifeln, daß wir. uns schwer dazu entschließen, aber es aus Ueberzeugung tun müssen. Daß der Betroffene darüber ungehalten ist, begreifen wir. Daß aber sich nicht Unbeteiligte auf die Seite des Betroffenen stellen und dadurch die Autorität des Rabbiners schwächen, darüber sollte nicht nötig sein, zu sprechen. Wir haben seit einigen Jahren eine Weltorganisation geschaffen zum Schutze des Schabbos, mit dem

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